Der Situationsansatz im Hort der Kindertagesstätte. Die konzeptionelle Umsetzung des Curriculums "Soziales Lernen"

Ein praxisbezogenes Forschungsprojekt


Forschungsarbeit, 1994
51 Seiten

Leseprobe

INHALT

Vorbemerkung zur überarbeiteten Ausgabe

Vorwort

Einleitung

1.0 Fragestellung und Zielsetzung
1.1 Praktikums- und Forschungsplan

2.0 Rahmenbedingungen und Aufgaben der Einrichtung
2.1 Formal-institutioneller Rahmen
2.2 Offizieller Auftrag und Aufgaben
2.3 Pädagogisches Konzept und Arbeitsweise

3.0 Verlauf des Praktikums
3.1 Rahmenbedingungen
3.2 Pädagogische und administrative Aufgabenbereiche
3.3 Phasen des Praktikums

4.0 Beschreibung der methodischen Herangehensweise
an den Forschungsgegenstand

5.0 Exkurs: Sozialisationsbedingungen der Kindheit
5.1 Entwicklungspsychologische Ansätze der Schulkindheit
5.2 Milieuzugehörigkeit als Umfelderfahrung von Schulkindern

6.0 Schwerpunktthema: Situationsbezogene Erziehungsarbeit im Hort der Kindertagesstätte – Planung, Praxisgestaltung und Evaluation am Beispiel eines Forschungsprojektes "Leben & Wohnen im Stadtteil"
6.1 Theoretisch-fachliche Erläuterung
6.2 Beschreibung der praktischen Umsetzung
6.2.1 Themenwahl
6.2.2 Koordination und Zusammenarbeit
6.2.3 Zielsetzung, Planung und methodisches Vorgehen
6.2.4 Einbeziehung der Eltern
6.2.5 Einbeziehung der Mitarbeiter
6.2.6 Verlauf
6.2.7 Auswertung

7.0 Evaluation

8.0 Schlußbetrachtung
8.1 Selbstreflektion im Situationsansatz
8.2 Verknüpfung von Theorie und Praxis im Situationsansatz

Quellenverzeichnis

Anhang
- Bild 1: Grundrisszeichnung der Kindertagesstätte
- Bild 2: Wochenplan:
- Leitfaden für Stadtteilbegehung und Wohnungsbesuch (für die Mitarbeiter/innen)
- Tagesprotokolle zum Projekt „Leben & Wohnen im Stadtteil
- Wünsche von Kindern bezüglich des Stadtteils und Wohnung

Vorbemerkung zur überarbeiteten Ausgabe

Seit dem Entstehen der vorliegenden Arbeit sind 13 Jahre ins Land gezogen und nach der noch immer nicht bundeseinheitlich vollständig abgeschlossenen politischen Diskussion um die Kindergartenplatzgarantie hat sich mittlerweile der Diskussionsradius um das Thema Krippenplätze für Kinder des Alters zwischen Null und drei Jahren erweitert. Der Bereich des Hortes wurde auf politischer Ebene trotz aller fachöffentlichen Bemühungen noch immer nicht in den Rahmenplan eines Bildungsauftrages eingebunden, wenn auch der Einzug von Ganztagsschulen ins Kinderbetreuungsprogramm darauf schließen lässt, eine betreuungspolitische Lücke geschlossen zu haben. Dennoch bleibt der bildungspolitische Auftrag dieses Genres noch heute diffus und die Konzepte um die Hortpädagogik kursieren noch immer entsprechend der einrichtungsspezifischer Zielsetzungen. Bis heute wurde die Fokussierung eines Bildungsauftrages für den Hortbereich politisch blockiert, weil sich die Verantwortlichen mehr um die Uneinigkeit bezüglich der Finanzierung eines flächendeckenden bildungsbezogenen Kinderbetreuungsangebotes ranken denn um eine bedarfsorientierte Umsetzung von familienergänzenden Horteinrichtungen für Kinder von berufstätigen oder allein erziehenden Eltern. Aufgrund dieser Entwicklung erhalten die flexiblen und auf die Bedürfnisse der Eltern ausgerichteten Tagespflegeplätze um Tagesmütter bzw. Tagespflegeeltern eine wachsende Bedeutung im Betreuungsnetz für Kinder im Grundschulalter. Auf den hier neu entstehenden Markt reagiert der Gesetzgeber mit Verordnungen zur Professionalisierung des Tagespflegepersonals und gibt somit den Spielball um die begehrten Plätze dem Subsidiaritätsprinzip zurück, was am Ende für die Bildungsentwicklung von Horten und Kinderhäusern zum Nachteil gereicht.[1]

Aufgrund dieses beschriebenen Trends haben sich in den letzten Jahren die Anstrengungen der Professionellen vor Ort verstärkt, den sozialpädagogischen Situationsansatz in den Konzepten der Tagesbetreuungseinrichtungen für Kinder im Grundschulalter sowie in Jugendbetreuungseinrichtungen als eigenständiges pädagogisches Curriculum zu etablieren. Der Situationsansatz unterliegt mittlerweile den von der QUASI an der Freien Universität Berlin (Qualität im Situationsansatz nach PREISSING) entwickelten Qualitätsstandards entsprechend der Richtlinien für Qualitätsmanagement. Insofern beginnt auf der wissenschaftlichen Ebene aktuell die terminologische Festschreibung des Situationsansatzes als Bildungsbegriff. Über diesem Weg wird der Situationsansatz zukünftig Einzug in die Bildungsdebatte erhalten und das Qualitätsmanagement in der pädagogischen Konzeptionsentwicklung im Hortbereich richtungsweisend installieren, so daß auch die politisch Verantwortlichen erkennen müssen, daß Hortarbeit integraler Bestandteil bundesdeutscher Bildungspolitik ist.

Doktorand, Diplom-Pädagoge (Uni), staatl. anerk. Dipl.-Soz.-Päd. (FH) Ralf-Peter Nungäßer, Gründau im September 2007

Vorwort

Gemäß § 10 Absatz 1 der „Verordnung über die staatliche Anerkennung von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern und von Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen“ vom 16. Juni 1992 (GVB1. II 70-167 für das Land Hessen vom 18.09.1992, S.381ff.), wird mit dieser Kolloquiumsarbeit mein forschungsbezogener Praktikumsabschlußbericht zwecks Zulassung zum Kolloquium vorgelegt.

Die Entscheidung, das Forschungsprojekt „Situationsarbeit im Hort der Kindertagesstätte“ während eines Jahrespraktikums in eine kommunale sozialpädagogische Kindertageseinrichtung anzusetzen, lag darin begründet, die praktischen Erfahrungen aus dem Arbeits- und Untersuchungsfeld „Kindertagesstätte“ innerhalb des Praktikantenprojektes „Pädagogische Arbeit mit Kindern“ an der Fachhochschule Frankfurt am Main gemeinsam mit Frau Dr. Wüstenberg zu evaluieren. Im Kern ging es innerhalb des Forschungsprojektes darum, zu eruieren, inwieweit es mittels Situationsansatz – wie er im Hort einer Kindertagsstätte praktiziert werden soll – möglich ist, das Wesen des Kindes und seine Lebenswelt pädagogisch zu erfassen, um dem Kind eine lebensnahe und kindgerechte Entwicklung und Förderung innerhalb einer familienergänzenden Kinderbetreuungseinrichtung zu ermöglichen. Des Weiteren legt diese Begründung ebenfalls ihren Fokus nicht zuletzt auf die Reflexion der Erziehungsstile des pädagogischen Personals sowie auf den Stellenwert des Erziehungsprozesses und dessen Auswirkungen auf die Sozialisation (Weltanschauung, Problembewältigungsmechanismen, Verhaltensweisen usf.) des Kindes. Insofern soll diese Kolloquiumsarbeit meine als Sozialpädagoge aus dem Praktikum gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse, ebenso in Bezug auf mein persönliches Interesse an der Kinderarbeit, fachlich dokumentieren.

In diesem Sinne möchte ich mich vor allem bei den professionellen pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Petra Richter (Studentin der Erziehungswissenschaften an der Universität Frankfurt), Eva Slankowitz (alteingesessene Erzieherin) und Matthias Dietz (Jungerzieher), bei der Leiterin, Diplom-Sozialpädagogin Elke Kopf und bei meinem Mentor und stellvertretenden Leiter, Diplom-Pädagoge Norbert Giegerich, für ihre hervorragenden fachlichen Qualitäten sowie für ihre professionelle Geduld bei der Vermittlung pädagogischer, organisatorischer, administrativer und reflektiver Arbeitsmethoden herzlich bedanken, die mir die Umsetzung meines Forschungsinteresses erst ermöglichten. Ferner möchte ich mich bei meiner Referentin, Frau Dr. Wiebke Wüstenberg, vom Fachbereich Sozialpädagogik an der Fachhochschule Frankfurt am Main für ihre fachliche Beratung und methodische Begleitung bedanken.

Diplom-Sozialpädagoge (FH) Ralf-Peter Nungäßer, Frankfurt am Main, 08.08.1994

Einleitung

Mit der politischen Diskussion um die Einführung der Kindergartenplatzgarantie entfacht sich ebenso eine Debatte um die pädagogische Qualitätssicherung innerhalb der Konzeptionsentwicklungen auch in anderen Bereichend der Kinderbetreuungseinrichtungen wie Kinderhorte, Betreuungsschulen, Kinderhäuser. Neben den auf die Schulvorbereitung ausgerichteten Bildungsaufträge für den Elementarbereich (Kindergärten) werden für die familienergänzenden Kinderbetreuungseinrichtungen (gemäß KJHG[2]) für Kinder im Schulalter pädagogische Rahmenkonzeptionen uneinheitlich entworfen. Die Durchsetzung eines für diesen Kinderbetreuungstypen ausgerichteten einheitlichen Bildungsauftrages entspringt ausgerechnet aus dem für den Elementarbereich entwickelten Curriculum „Soziales Lernen“ und gelangt erst allmählich durch das Einströmen von hochschulgebildeten Sozialpädagogen praktisch erprobt und modifiziert als Situationsansatz in die traditionell von Erziehern und Erzieherinnen dominierten Terrains Kindertagesstätten. Diese sich im Aufbau befindlichen konzeptionellen Überlegungen führen zur allmählichen Aufweichung traditioneller Erziehungsarbeit hin zu einer für alle Beteiligten (Kinder, Personal und Lehrende) offenen und an der sozialisationsprägenden Lebensumwelt von Kindern orientierten pädagogischen Neuorientierung der Kinderbetreuungsarbeit in Kindertagesstätten. Zu diesem Zweck ist das sozialpädagogische Annerkennungsjahr mit seinen dualen Bildungsgängen der Evaluation von Theorie und Praxis eine qua Curriculum hervorragend geeignete fachhochschulbezogene Institution für Forschungsansätze zum Thema „Situationsansatz im Kinderhort“.

Das für das Kolloquium konzipierte vorliegende wissenschaftliche Manuskript informiert einleitend über die vorgegebenen Rahmenbedingungen und die richtlinien- und konzeptionsbezogenen Aufgaben der Kindertageseinrichtung in kommunaler Trägerschaft. Im Anschluß an diese beschriebenen Rahmenbedingungen erfolgt eine Darstellung des Gesamtverlaufes des Praktikums mit seinem Forschungsprojekt zur Transparenz der Tätigkeitsfelder als Annerkennungspraktikant. Der Schwerpunkt des Berichtes legt seinen Fokus auf eine skizzenhafte theoretische Einführung in das von mir gewählte Thema: „Situationsbezogene Erziehungsarbeit im Hort der Kindertagesstätte – Planung, Praxisgestaltung und Evaluation“. Die praktische Inhaltsfüllung des Forschungsgegenstandes erfolgt anhand eines von mir (und einem Mitarbeiter) durchgeführten Projektes mit dem Titel „Leben & Wohnen im Stadtteil“, dessen Planung, Organisation, Durchführung und Auswertung unter Berücksichtigung sozialpädagogischer Methodik in diesem Bericht ausführlich dokumentiert werden soll. Die in einem Extrakapitel dargestellte Forschungsmethodik erlaubt einen Einblick in die empirische Sozialforschung, die im engeren Sinne eher eine qualitative Forschungsmethode der Sozialpädagogik ist. In der Schlußbetrachtung soll mein aus dem Jahrespraktikum entwickeltes Selbstverständnis als Sozialpädagoge skizziert werden.

1.0 Fragestellung, Zielsetzung

Die Fachdiskussion um den Situationsansatz im Hortbereich spitzt sich derzeit zu um die ideologischen Standpunkte zugunsten der pädagogischen Arbeitsweisen in „Geschlossenen Gruppen“ oder der „Offenen Gruppen“ im Kinderhort. Die Vertreter des „Geschlossenen Gruppenkonzeptes“ argumentieren mit der Verlässlichkeit und Kontinuität bezüglich der emotionalen Bindung für Kinder innerhalb der festen Gruppenstruktur gegenüber den Gruppenmitgliedern und den Erziehern. Die Befürworter der „Offenen Gruppenkonstellationen“ sehen hingegen eher das funktionale Lernen in freien und neigungsorientierten Gruppendynamiken als Vorteil im sozialen Miteinander. Sie sehen in der freien Wahl des Kindes, sich zwischen bestimmten, neigungsbezogenen und lebensnahen Angeboten entscheiden zu können, den größeren Lerneffekt im sozialen Lernen. Die aus den interessensbezogenen Aktivitäten des Kindes führen zu unterschiedlichen Situationen aufgrund der unterschiedlichen Gruppenzusammensetzungen und somit auch zu größeren Auseinandersetzungsflächen für das einzelne Kind.

Hieraus entwickelt sich die Fragestellung für das Forschungsvorhaben: Welchem pädagogischen Gruppenkonzept, dem „Geschlossenen“ oder dem „Offenen“, kann der Situationsansatz eher entsprechen? Was sind die Wesensmerkmale des Situationsansatzes und in welchen Gruppenkonstellationen kommt er sinnvoll zur Entfaltung?

Die Zielsetzung des Forschungspraktikums ergibt sich einerseits aus den pädagogischen Rahmenbedingungen des Hortes in dem das Praktikum absolviert wird und andererseits aus der oben formulierten Fragestellung heraus. Hierbei wird eindeutig Stellung bezogen und als Forschungsgegenstand wird das „Offene Gruppenkonzept“ in Betracht gezogen. Die Debatte um das geschlossene Konzept wird im vorgegebenen Hort nur noch theoretisch erörtert. Als Hauptziel wird hierdurch festgelegt die praktische Erprobung und Evaluation des Situationsansatzes innerhalb eines „Offenen Gruppenkonzeptes“.

1.1 Praktikums- und Forschungsplanung

Innerhalb des formalen, institutionellen und pädagogischen Rahmens der Einrichtung soll sich der Praktikant diejenigen Fähigkeiten aneignen, die ihn dazu befähigen, sozialpädagogische Arbeitsweisen selbständig zu planen, durchzuführen und zu evaluieren. Dazu unterstützen ihn fachlich die während des Studiums der Sozialpädagogik angeeigneten sozialpädagogischen Methoden und Theorien, die in der Praxis erprobt und überprüft werden sollen, um zu eruieren auf welchem Gebiet der Praktikant seine spezifische sozialpädagogische Handlungskompetenz entwickelt. Dieses Ziel soll mit folgenden sozialpädagogischen Handlungskonzepten erreicht werden:

-Entwicklung gruppeneigener Förderung, d.h. angeleitetes Spielen und Beschäftigen der Kinder in der Gruppe.
- Integration von Ausländerkindern.
- Vermitteln von sozialem Verhalten.
- Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern und das im Team gemeinsame Entwickeln von Handlungsmöglichkeiten.
- Vorbereitung des Kindes und der Eltern auf die Lebenszeit nach dem Hort und Nachbetreuung.
- Kontakte zu den Eltern, Lehrern und anderen Institutionen im Umkreis bzw. Stadtteil, sowie zu sozialen und therapeutischen Einrichtungen (Sozialstation, Logopädin etc.).
- Eigenständige Durchführung eines Kinderprojektes.
Daneben soll das fachlich-administrative Interesse forciert werden bezüglich folgender Kriterien:
- Verwaltungs- und Leitungstätigkeit der Einrichtung:
- Organisatorische Grundlagen wie Aufbau, Entscheidungskomponenten, Durchführung von Amtsanweisungen, Hierarchie etc;
- Aktenführung, Schriftverkehr (Vermerke, Gutachten, Berichte):
- Finanzielle und rechtliche Grundlagen.

Wenn, wie in der im Bericht folgend beschriebenen Kinderhorteinrichtung, situationsbezogen gearbeitet wird, ist als Voraussetzung zur Umsetzung des Situationsansatzes zu postulieren, daß man als Professioneller bereit sein muß, die Kinder in ihrer Lebenswirklichkeit ernst zu nehmen, d.h. die im Kinderhort, in der Familie, auf der Straße etc. erfahrbaren Realitäten des Kindes wahrzunehmen und anzuerkennen, um gemeinsam mit ihnen Lebenssituationen im unmittelbaren Alltagsgeschehen zu erschließen. Eine lebensnahe Pädagogik wird somit zur Lebenshilfe deklariert, d.h. es erfolgt eine ‚Erziehung zur Lebenstüchtigkeit’. Die lebensnahen Inhalte haben ihre Bedeutung in der Auseinandersetzung mit der Lebens-Umwelt des Kindes. Die nicht bewußt wahrgenommenen Erfahrungen des Kindes werden bewußt gemacht, erweitert, geklärt, geordnet und differenziert. Man spricht in diesem Zusammenhang vom ‚Prinzip der Lebenshähe’ oder vom „Situationsansatz“ als Prinzip pädagogischer Arbeit im Kinderhort.

Die Anwendung des Situationsansatzes anhand eines Forschungsprojektes „Leben und Wohnen im Stadtteil“ soll hierbei entsprechend anerkannter sozialpädagogischen Methoden durchgeführt und anhand von Methoden empirischer Sozialforschung ausgewertet werden. Das Forschungsprojekt muß im Laufe des Praktikums durch geeignete Instrumente vorbereitet, gemeinsam mit einem Mitarbeiter geplant und durchgeführt und letztlich im Team evaluiert werden. Die theoretische Reflektion des Forschungspraktikums wird in dem an der Fachhochschule vorgesehen Praktikantetutorium einmal wöchentlich durchgeführt.

2.0 Rahmenbedingungen und Aufgaben der Einrichtung

Der Situationsansatz in der Hortpraxis erfährt seine Umsetzbarkeit anhand der administrativen Vorgaben durch den Träger der Einrichtung sowie durch die das Personal entwickelten hauswirtschaftlichen und pädagogischen konzeptionellen Rahmenbedingungen des Hortes.

2.1 Formal-institutioneller Rahmen

Allgemeines:

Bei der Kinderbetreuungseinrichtung handelt es sich um eine 1989 entstandene kommunale Kindertagesstätte mit reinem Hort der Stadt Frankfurt am Main. Die Stadt Frankfurt ist Trägerin von 130 Kindertagesstätten unterschiedlicher Formate (Kindergärten, Horte, Krippen, Mischeinrichtungen). Die Kindertagesstätte 64 ist ein reiner Hort für 36 Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren und ist ausgewiesen als eine pädagogische Einrichtung unter besonderen schwierigen fachlichen Bedingungen (sozialer Brennpunkt): Diese liegt im Frankfurter Süd-West-Stadtteil Niederrad, im Einzugsgebiet des Niederräder Altstadtkerns und zweier Wohnsiedlungen mit brisanter sozialer Prägung und ist in den Räumlichkeiten der Frauenhofschule (Grundschule) untergebracht.

Raumausstattung:

Räumlich ist die Einrichtung mit fünf pädagogischen Funktionsräumen sowie sanitären Räumen und einer Küche ausgestattet (siehe Bild 1 im Anhang sowie Kapitel 2.3). Der Hort hat eine Gesamtfläche von über 306 Quadratmetern. Im Schnitt steht den Kindern eine Spielnutzungsfläche von über sieben Quadratmetern pro Kind zur Verfügung.

Öffnungszeiten:

Die Öffnungszeiten des Hortes liegen bei Montags bis Freitags von 7:30 Uhr bis 17:00 Uhr. Eine Erweiterung der Öffnungszeiten ist konzeptionell bislang nicht vorgesehen und richtet sich im Wesentlichen auch am Personalschlüssel, der strukturell eine Verlängerung der Öffnungszeiten nicht zulässt.

Personal:

Das Personal des Hortes setzt sich aus einer Diplom-Sozialpädagogin (Leiterin) mit Schwerpunkt Theaterpädagogik, einem Diplom-Pädagogen (stellvertretender Leiter) mit dem Schwerpunkt Handwerkspädagogik, einer Erzieherin mit Schwerpunkt Kreativpädagogik und einem Erzieher mit Schwerpunkt Bewegungspädagogik, einer studentischen Teilzeitkraft (Diplomanwärterin Pädagogik), einem sozialpädagogischen Berufs- bzw. Annerkennungspraktikanten und einer Hauswirtschaftlerin zusammen. Der Hausmeister der Schule zeichnet sich, aufgrund der Lage des Hortes in den Räumlichkeiten der Schule, ebenso verantwortlich für die technischen Belange des Hortes.

Wochenablauf:

Der kontinuierliche wöchentliche Arbeitsablauf des Hortes erstreckt sich von drei Teamsitzungen (für Wochenplanungen, Kinder- und Fallbesprechungen, Koordinationen jeglicher Art) über die tägliche Hausaufgabenbetreuung, den Flurdienst als Koordinationspunkt (I-Point), den Durchführungen diverser offener und selbstentwickelter Projekte (z.B. Theater, Werken und Technik, Sport und Bewegung, Hortzeitung u.a.), einer Kinderversammlung, Ausflüge und Unternehmungen außer Haus sowie Verwaltungstätigkeiten der Leitung und deren Stellvertretung (vgl. Bild 2 im Anhang).

Aufnahmemodus:

Die Aufnahme von Kindern erfolgt über eine Voranmeldung und jeweils zu einer Abmeldung eines Hortkindes sowie zu Zeiten des Einschulungstermins. Die Aufnahmekriterien richten sich in erster Linie nach der geschlechtlichen Parität und der sozialen Lage der Familie (z.B. Priorität für arbeitstätige alleinerziehende Elternteile). Daneben bekommen Kinder von Stadtangestellten und Geschwisterkinder Vorrang bei der Aufnahme. Bei der Aufnahme müssen die Eltern ein ärztliches Attest über eine medizinische Unbedenklichkeitserklärung zur Aufnahme des Kindes in den Kinderhort vorgelegt werden. Desweiteren ist es bei einer Bezuschussung zum Höchstsatz des Elternentgelts durch das Sozialamt notwendig, eine Verdienstbescheinigung der Eltern nachzuweisen.

[...]


[1]Die vorliegende Arbeit wurde im Jahre 2007 überarbeitet. Die Änderungen beziehen sich in der Hauptsache auf die Lesbarkeit zum Zwecke der Veröffentlichung. Das Thema selbst blieb von den Änderungen unberührt.

[2]Das im Jahre 1991 eingeführte Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) löste das Jugendwohlfahrtsgesetz (JWG) von 1922 (in der Fassung von 1963) ab und mündete in das achte Sozialgesetzbuch (SGB VIII).

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Details

Titel
Der Situationsansatz im Hort der Kindertagesstätte. Die konzeptionelle Umsetzung des Curriculums "Soziales Lernen"
Untertitel
Ein praxisbezogenes Forschungsprojekt
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main  (Sozialpädagogik)
Veranstaltung
Praxisreflexion in der Kinderbetreuungsarbeit
Autor
Jahr
1994
Seiten
51
Katalognummer
V81633
ISBN (eBook)
9783638880305
ISBN (Buch)
9783638880381
Dateigröße
661 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Situationsansatz, Hort, Kindertagesstätte, Umsetzung, Curriculums, Soziales, Lernen, Praxisreflexion, Kinderbetreuungsarbeit
Arbeit zitieren
Diplom-Pädagoge Ralf-Peter Nungäßer (Autor), 1994, Der Situationsansatz im Hort der Kindertagesstätte. Die konzeptionelle Umsetzung des Curriculums "Soziales Lernen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81633

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