„Am Ende einer langen, dramatischen Saison entscheiden ein paar winzige Zentimeter. Weil Werder-Profi Michael Kutzop am 22. April 1986 den berühmtesten Strafstoß der Bundesliga-Geschichte an den rechten Pfosten des von Jean-Marie Pfaff gehüteten Bayern-Tores setzte, reckten vier Tage später die Münchner und nicht die lange Zeit führenden Bremer die Meisterschale in den Frühlingshimmel. Ein Punkt, ein Tor, zwei, drei Zentimeter nur fehlten dem SV Werder zum großen Triumph. Pech, unglaubliches Pech.“
Laut Jürgen Höller, Mentaltrainer, „gibt es im Fußball nicht Glück und Pech. Wenn ein Ball am Innenpfosten landet und schließlich aus dem Tor herausspringt, dann deshalb, weil der Spieler seinen Fuß so gehalten hat, dass der Ball dorthin fliegen musste.
Nicht der Fuß eines Fußballers schießt das Tor, sondern der Kopf, weil von dort die Befehle kommen. Traut sich ein Spieler nichts zu, laufen die Programme unbewusst in die falsche Richtung.“
Inhaltsverzeichnis
1 HINFÜHRUNG ZUM THEMA
2 GRUNDSÄTZLICHES ZUR SPORTPSYCHOLOGIE
2.1 Definition der Sportpsychologie
2.2 Grenzen der Sportpsychologie
2.3 Psychologie im Anwendungsfeld Leistungssport
2.3.1 Zielsetzung des Leistungssport
2.3.2 Ziel der Sportpsychologie im Leistungssport
3 GRUNDSÄTZLICHES ZUM TRAINING
3.1 Definition
3.2 Ziele des Trainings
4 PSYCHOLOGISCHES TRAINING
4.1 Prinzipien des psychologischen Trainings
4.2 Ziele des Trainings unter psychischer Belastung
4.2.1 Ursachen und Formen psychischer Belastungen
4.2.2 Problematik der Erfassung psychischer Belastungen im Leistungssport
4.3 Der Psychologe im Leistungssport
5 MENTALES FERTIGKEITSTRAINING
5.1 Selbstgesprächsregulation
5.1.1 Selbstmotivierungstechniken
5.1.2 Rationalisierungstechniken
5.1.3 Aufmerksamkeitsveränderungen
5.1.4 Suche nach Problemlösungsstrategien
5.2 Selbstwirksamkeitsüberzeugung/Kompetenzerwartung
5.2.1 Prognosetraining
5.2.2 Training der Nichtwiederholbarkeit
5.2.3 Prognose und Training der Nichtwiederholbarkeit mit Zeitverzögerung
5.3 Aufmerksamkeitsregulation
5.3.1 Aufmerksamkeitstraining nach Nideffer
5.3.1.1 External-weit
5.3.1.2 External-eng
5.3.1.3 Internal-weit
5.3.1.4 Internal-eng
5.3.2 Konzentration in der Zeit
5.4 Aktivationsregulation
5.4.1 Relaxationstechniken
5.4.1.1 Autogenes Training
5.4.1.2 Progressive Muskelentspannung
5.4.2 Mobilisationstechniken
5.5 Vorstellungsregulation
5.5.1 Mentales Training
5.5.1.1 Verdecktes Wahrnehmungstraining
5.5.1.2 Subvokales Training
5.5.1.3 Ideomotorisches Training
5.5.2 Das Flow-Erleben
5.5.3 Drehbücher
5.6 Zielsetzung/Analyse
5.6.1 Zielsetzung
5.6.2 Analyse
6 SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Anwendung von psychologischem Training im Leistungssport, um die kognitiven Fertigkeiten von Athleten zu verbessern und deren sportliche Leistungsfähigkeit nachhaltig zu stabilisieren. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Möglichkeiten, wie Trainer und Athleten psychische Prozesse in das langfristige Trainingskonzept integrieren können, um auch unter extremer Belastung eine optimale Handlungsregulation zu gewährleisten.
- Grundlagen der Sportpsychologie und Definition von Trainingszielen
- Methoden des psychologischen Trainings zur Bewältigung von Wettkampfbelastungen
- Techniken des mentalen Fertigkeitstrainings (Selbstgespräche, Aufmerksamkeit, Vorstellung)
- Die Rolle des Psychologen im Betreuerteam von Leistungssportlern
- Strategien zur Zielsetzung und Verhaltensanalyse in der Trainingspraxis
Auszug aus dem Buch
5.2.2 Training der Nichtwiederholbarkeit
Das Nichtwiederholbarkeits-Training wurde entwickelt, da Abläufe, die im Training durchaus wiederholt werden können, in Wettkämpfen in der Regel nicht wiederholbar sind. Mit Hilfe dieser Methode kann der Sportler testen, ob er dazu fähig ist, seine Leistung auf Abruf bringen zu können, ohne die Übung im Falle eines Misserfolges erneut durchführen zu können. Ein wichtiger Aspect des Einmaligkeitstrainings ist die Definition des Zeitpunktes von außen (Trainer) und nicht vom Sportler selbst.
Letztendlich haben die bei dieser Übung erfolgreichen Sportler ein positives Erlebnis („Ich kann es schaffen!“), die nicht so Erfolgreichen „müssen mit der Konsequenz des Nicht-Erreichens des gesteckten Ziels umgehen lernen“42. Oft hat dies zur Folge, dass der bei dieser Trainingseinheit erfolglose Sportler bei der nächsten Gelegenheit mit einer höheren Trainingsmotivation zur Sache geht und mit Niederlagen im Wettkampf besser umzugehen weiß.
Im folgenden wird die Vorgehensweise in der Praxis an einem Beispiel eines Diskuswerfers verdeutlicht.
„Ein Problem vor großen Wettkämpfen ist für Werfer das Überwinden der Qualifikation. Schon sehr viele gute Athleten sind in der Qualifikation gescheitert und konnten dadurch erst gar nicht am eigentlichen Wettkampf teilnehmen:
Ein Diskuswerfer wollte sich genau auf dieses Problem vorbereiten: Es sollte ihm nicht passieren, in der Qualifikation zu scheitern wie so viele seiner Kollegen. Dies ist ein wesentliches Problem der Selbstwirksamkeitsüberzeugung! Der Athlet musste also die innere Position aufbauen: „Ich bin in der Lage, die Qualifikationsweite zu werfen, wenn ich mich jetzt anstrenge.“ Zunächst wurde die zu werfende Weite festgelegt. Um die psychische Beanspruchung in dieser Situation zu erhöhen, wurde dieses Prognosetraining dadurch verschärft, dass vor dem eigentlichen Wurf eine längere Pause (10-20 Minuten) eingeschaltet wurde. Schließlich wurde das Training mit einem nicht wiederholbaren Wurf abgeschlossen. Im Falle des Erfolgs hatte das Training dann einen „runden“ Abschluss gefunden. Bei Misserfolg musste der Athlet ertragen, das Training unbefriedigt beendet zu haben. So konnten psychologisch bedeutsame Beanspruchungsmomente der Qualifikations- und Wettkampfsituation in das Training eingebracht und geübt werden – mit entsprechendem Erfolg im Wettkampf.“43
Zusammenfassung der Kapitel
1 HINFÜHRUNG ZUM THEMA: Einleitende Darstellung der Bedeutung mentaler Faktoren im Leistungssport und Zielsetzung der Studienarbeit.
2 GRUNDSÄTZLICHES ZUR SPORTPSYCHOLOGIE: Definition der Disziplin sowie Abgrenzung der verschiedenen Handlungsfelder im Sport.
3 GRUNDSÄTZLICHES ZUM TRAINING: Theoretische Bestimmung des modernen Trainingsbegriffs als Optimierungsstrategie.
4 PSYCHOLOGISCHES TRAINING: Erläuterung der Prinzipien psychologischer Trainingsformen sowie Analyse von Belastungsfaktoren und der Rolle des Sportpsychologen.
5 MENTALES FERTIGKEITSTRAINING: Detaillierte Vorstellung praktischer Methoden zur Regulation von Selbstgesprächen, Aufmerksamkeit, Entspannung und Vorstellungsprozessen.
6 SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Bewertung der Effektivität von psychologischem Training für langfristige Spitzenleistungen im Sport.
Schlüsselwörter
Leistungssport, Psychologisches Training, Mentales Fertigkeitstraining, Handlungsregulation, Selbstgesprächsregulation, Selbstwirksamkeitsüberzeugung, Aufmerksamkeitsregulation, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Mentales Training, Flow-Erleben, Zielsetzung, Wettkampfvorbereitung, Sportpsychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration psychologischer Trainingsmethoden in den Alltag von Leistungssportlern, um deren kognitive Prozesse und Handlungsfähigkeit zu optimieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem mentalen Fertigkeitstraining, der Bewältigung psychischer Belastungen im Wettkampf und der systematischen Steuerung sportlicher Leistungen durch mentale Techniken.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Trainer und Sportler durch psychologisches Training kognitive Fertigkeiten erlernen und stabilisieren können, um Wettkampfanforderungen besser zu bewältigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Studienarbeit, die auf einer fundierten Auswertung sportpsychologischer Literatur und bewährter Trainingsmodelle (z.B. nach Eberspächer oder Nideffer) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden konkrete Verfahren des mentalen Fertigkeitstrainings erläutert, darunter Techniken zur Selbstgesprächsregulation, Aufmerksamkeitslenkung, Aktivationssteuerung sowie Ansätze zur Zielsetzung und Analyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Leistungssport, Mentales Training, Handlungsregulation, Selbstwirksamkeit, psychische Belastung und Wettkampfvorbereitung.
Wie lässt sich das "Training der Nichtwiederholbarkeit" in der Praxis einsetzen?
Es dient dazu, den Athleten mit der psychischen Belastung einmaliger, unwiederbringlicher Leistungssituationen (wie bei einer Qualifikation) zu konfrontieren, um die eigene Kompetenzerwartung zu stärken.
Welche Funktion hat ein Sportpsychologe laut der Arbeit?
Der Sportpsychologe agiert als Partner des Trainers, um psychologische Voraussetzungen zu schaffen und bei der individuellen Planung, Durchführung und Kontrolle von Trainingsmaßnahmen zu unterstützen.
- Arbeit zitieren
- Kerstin Eppers (Autor:in), 2003, Psychologisches Training im Leistungssport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81648