Außenseitergestalten der Kinder- und Jugendliteratur und ihre Wirkung auf Kinder und Jugendliche


Hausarbeit, 2007
19 Seiten, Note: bestanden

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die problemorientierte Kinder- und Jugendliteratur

3. Außenseiter als Thema der Kinder- und Jugendliteratur
3.1 Negative Außenseitergestalten
3.1.1 Ethnische Minderheiten
3.1.2 Soziale Minderheiten
3.1.3 Neue in einer Gruppe
3.2 Pippi Langstrumpf – eine positive Außenseitergestalt

4. Wirkung der Außenseitergestalten auf Kinder und Jugendliche

5. Zusammenfassung und Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Tut uns Leid, du bist nicht wie wir.
Du bist irgendwie anders.
Du gehörst nicht dazu.“

(Cave & Riddel, 1994)

Dieses aus dem Textbilderbuch „Irgendwie Anders“ entnommene Zitat spiegelt die Problematik der Minderheiten beziehungsweise der Außenseiter in unserer Gesellschaft wider. Sie werden ausgegrenzt, da sie „irgendwie anders“ sind und nicht dazu gehören.

Zahlreiche Staaten haben verfassungs- und völkerrechtliche Bestimmungen erlassen, die dem Schutz der in diesen Ländern lebenden Minderheiten dienen sollen. Dieser so genannte Minderheitenschutz ist im deutschen Recht durch den Gleichheitsgrundsatz in Artikel 3 Absatz 1 Grundgesetz und dem Diskriminierungsverbot in Artikel 3 Absatz 3 Grundgesetz begründet.

Die Literatur, die "stets Ausnahmefälle [behandelt]“ (Mayer, 2007), hat sich dieser Außenseiterthematik ebenfalls angenommen. Zu den wohl bekanntesten Außenseitergestalten der Weltliteratur zählen Don Quijote de la Mancha, Shylock, Doktor Faustus und Prinz Hamlet.

Aber auch in der Kinder- und Jugendliteratur gewinnt das realistisch-zeitgemäße Problembuch, das sich mit Themen wie Sexualität, Umweltschutz, Drogensucht, Behinderung, Außenseitertum und Jugendarbeitslosigkeit beschäftigt, zunehmend an Bedeutung. Den Kindern und Jugendlichen wird anhand dieser Literatur die Möglichkeit eröffnet, sich kritisch mit diesen Themen auseinander zu setzen und einen Einblick in die entsprechende Problematik zu erhalten.

Nach einer Einführung in die Thematik der problemorientierten Kinder- und Jugendliteratur werde ich darstellen, welche Bedeutung der literarischen Auseinandersetzung mit der Außenseiterproblematik für die kindlichen und jugendlichen Rezipienten zukommt. Im Anschluss daran folgt eine Gegenüberstellung der negativen und positiven Außenseitergestalten in der Kinder- und Jugendliteratur. Die Wirkung dieser literarischen Figuren auf Kinder und Jugendliche werde ich anschließend verdeutlichen. Eine kritische Auseinandersetzung mit den gewonnen Erkenntnissen sowie ein Resümee schließen die Arbeit ab.

2. Die problemorientierte Kinder- und Jugendliteratur

Die Bezeichnung „Kinder- und Jugendliteratur“ dient als Ober- und Sammelbegriff für bildlich-literarische Werke, die überwiegend und bevorzugt von Kindern und Jugendlichen rezipiert werden. Kinderliteratur richtet sich an Kinder im Alter von 0 bis 11/12 Jahren, Jugendliteratur an Jugendliche im Alter von 11/12 bis 17 Jahren. Darüber hinaus wird unterschieden zwischen Elementarbilderbüchern, fantastischen und realistischen Kinderbüchern, Sachbüchern und Jugendbüchern (Der Große Brockhaus in zwei Bänden, 2004).

Werke der Kinder- und Jugendliteratur können auf unterschiedliche Art und Weise entstehen. Eine Möglichkeit besteht darin, dass der Autor eine speziell auf ein kindliches und jugendliches Lesepublikum abgestimmte neue Geschichte verfasst. Darüber hinaus kann ein der Erwachsenenliteratur entnommener Text „kindgerecht“ bearbeitet werden. Als eine dritte Alternative zeigt das Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur die meist anonyme Entstehung von Volksliteratur auf (Doderer, 1975).

Mit dem Ausdruck „problemorientiert“ wird verdeutlicht, dass ein Sachverhalt auf ein bestimmtes Problem ausgerichtet ist (Duden – Deutsches Universalwörterbuch, 2001).

In der problemorientierten Kinder- und Jugendliteratur werden die kindlichen und jugendlichen Rezipienten mit gesellschaftlichen, sozialen und politischen Problemen und Konflikten konfrontiert. Hierbei handelt es sich überwiegend um Tabuthemen, wie zum Beispiel Scheidung, Aids, Außenseitertum, Gewalt und Arbeitslosigkeit.

Protagonisten dieser literarischen Geschehnisse können entweder realistische oder auch fantastische Gestalten sein. Ein Beispiel für ein realistisches Jugendbuch ist das von Marliese Arod verfasste Buch „Ich will doch leben! – Nadine ist HIV-positiv“. Dieses Werk beschäftigt sich, wie der Untertitel bereits verrät, mit dem Thema HIV beziehungsweise Aids. Die Hauptfigur Nadine Gebert erhält einen Brief von ihrer ersten großen Liebe Florian, dem ersten Mann, mit dem sie geschlafen hat, in dem er ihr eröffnet, dass er bei einer Bluttransfusion mit dem HI-Virus infiziert wurde. Nach einigem Zögern lässt Nadine einen Aids-Test machen, bei dem sich herausstellt, dass sie HIV-positiv ist. Für Nadine bricht eine Welt zusammen. Sie weiß nicht, was sie tun soll, mit wem sie darüber sprechen kann und wie lange sie überhaupt noch zu leben hat. Als Nadine ihre Familie und ihre Freunde von ihrer HIV-Infektion unterrichtet, reagieren diese zunächst schockiert. Einige ihrer Freunde, insbesondere ihre Volleyballmitspielerinnen, die in ihrem Leben eine besondere Rolle einnehmen, wenden sich sogar von ihr ab. Erst gegen Ende des Buches wird Nadine wieder voll in die Volleyballmannschaft integriert und trotz ihrer Krankheit von ihren Freunden akzeptiert (Arold, 1998).

Im Gegensatz hierzu ist „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende ein fantastisches Kinder- und Jugendbuch. Der Schüler Bastian Balthasar Bux, der von seinen Mitschülern gehänselt wird, weil er übergewichtig und unsportlich ist, vertieft sich beim Stöbern in einem Antiquariat in das Buch „Die unendliche Geschichte“. Er stiehlt es und läuft damit auf den Dachboden seiner Schule, wo er ungestört darin weiter lesen kann. Die Faszination, die das Buch auf Bastian ausübt, lässt ihn sowohl seinen Hunger vergessen als auch den kalten und ungemütlichen Dachboden: Bastian selbst wird zu einem Teil der „unendlichen Geschichte“. Durch sie gelangt er in das Land Phantásien, dessen Existenz durch das sich immer weiter ausbreitende Nichts bedroht wird. Die Ursache hierfür ist die Krankheit der „Kindlichen Kaiserin“, die einen neuen Namen braucht, um wieder gesund zu werden. Diesen Namen kann ihr jedoch nur ein Menschenkind geben, welches der junge Krieger Atréju finden soll. Am Ende der Geschichte wird Bastian klar, dass er trotz seines Übergewichts, von nun an nur noch der sein möchte, der er in Wirklichkeit ist (Ende, 1979).

Wie in den Werken „Ich will doch leben! – Nadine ist HIV-positiv“ und in „Die unendliche Geschichte“ sind in einer überwiegend großen Zahl der problemorientierten Veröffentlichungen Kinder und Jugendliche die Handlungsträger der jeweiligen Geschehnisse. Diese spiegeln die Altersgruppe wider, für die das Buch bestimmt ist. Dies gilt speziell für die Textbilderbücher, die für jüngere Kinder im Alter von 0 bis ca. 6 Jahren verfasst werden und einen großen Einfluss auf diese ausüben. Die kindlichen und jugendlichen Leser erhalten durch das Rezipieren der jeweiligen Werke die Möglichkeit, die Ereignisse in ihrer gesamten Tragweite zu erfassen. (Kurpjuhn, 2000).

Dadurch, dass Kinder ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Harmonie und Konfliktbewältigung haben, wird in der Kinder- und Jugendliteratur besonderer Wert darauf gelegt, den jüngeren Rezipienten am Ende der Geschichte einen Lösungsvorschlag aufzuzeigen und Optimismus zu vermitteln. In den Werken für ältere Kinder hingegen, das heißt ab ca. 9Jahren, verzichtet der Autor oftmals auf eine Lösung oder die Aussicht auf eine Lösung, um dem jungen Leser die Möglichkeit zu geben, über die Geschehnisse noch einmal nachzudenken und sich selber mit möglichen Lösungswegen auseinander zu setzen (Kurpjuhn, 2000).

„Problemorientierte Kinderliteratur hat die Aufgabe, Kinder mit Hilfe einer fiktionalen Darstellung mit realen Problemen und Konflikten vertraut zu machen und sie anzuregen, sich mit diesen auseinanderzusetzen“ (Kurpjuhn,2000, S. 6). Da Kinder und Jugendliche nicht in einer konfliktfreien Welt aufwachsen, bieten ihnen die Publikationen der Kinder- und Jugendliteratur eine Orientierungs- und Lebenshilfe. Die Geschichten sollen die Kinder und Jugendlichen sowohl für ihre eigenen Probleme als auch für die anderer Menschen sensibilisieren, sie sollen ihnen dabei helfen, Anteilnahme für ihre Mitmenschen zu empfinden und sie wollen Mut machen, indem sie zeigen, dass es für nahezu jedes Problem eine Lösung gibt, auch wenn dieses im ersten Augenblick nicht immer offensichtlich ist. Durch die literarischen Akteure erhalten die Kinder und Jugendlichen einen Einblick in fremde und unbekannte Welten. Sie können ein kritisches Bewusstsein entwickeln, ihre Umwelt besser verstehen lernen und ihr Wissen erweitern. Aus diesem Grund eignen sich die verschiedenen problemorientierten Werke nicht nur für Rezipienten, die vielleicht in genau diesem Moment mit dem jeweiligen Problem oder Konflikt konfrontiert sind, sondern auch für nicht betroffene Leser (Kurpjuhn, 2000).

3. Außenseiter als Thema der Kinder- und Jugendliteratur

In einer Gesellschaft agieren unterschiedliche soziale Gruppen in Form von Familie, Freundeskreis, Sport- oder Freizeitverein, usw. mit- und nebeneinander. Dabei richten sich die Mitglieder dieser Gruppen nach bestimmten Regeln und Normen. Es gibt jedoch Menschen, die beispielsweise durch ihr Aussehen, ihre Volkszugehörigkeit, ihre Weltanschauung oder ihren sozialen Status diesen gesellschaftlichen Maßstäben nicht entsprechen können oder wollen. Diese Personen werden in die jeweiligen Gruppen nicht oder nur teilweise integriert und von der Gesellschaft als Außenseiter oder Randständige bezeichnet (Hansen, 2005; Kurpjuhn, 2000).

Außenseitern wird in der Gesellschaft häufig mit Distanz, Ablehnung, Feindseligkeiten und Gewalt begegnet; nicht selten werden sie aus dem öffentlichen Leben ausgegrenzt. Die Außenseiter werden beschimpft, verhöhnt, diskriminiert und ignoriert, wodurch ihnen die Möglichkeit genommen wird, sich an gesellschaftlichen Aktivitäten zu beteiligen und sich in die Gesellschaft zu integrieren. Zudem tragen die ihnen entgegengebrachten Vorurteile dazu bei, dass selbst kleine Verfehlungen, wie beispielsweise ein einmaliges Zuspätkommen zum Arbeitsplatz, das Bild, das sich die Menschen von dem jeweiligen Randständigen gemacht haben, weiter festigen (Kurpjuhn, 2000).

Ihre gesellschaftliche Randstellung führt häufig dazu, dass Außenseiter anderen Menschen nur mit großem Misstrauen und Verunsicherung begegnen. Das daraus möglicherweise resultierende mangelnde Selbstbewusstsein kann dann zu einer Resignation vor der eigenen Situation führen. In anderen Fällen kann die Außenseiterposition die Betroffenen auch zu einem aggressiv-destruktiven Verhalten verleiten. Ist dies der Fall, wird im Allgemeinen das negative Bild, das sich die Gesellschaftsmitglieder von dem Außenseiter gemacht haben, noch bestärkt, wodurch ein Teufelskreis aus Ablehnung und Gegengewalt entstehen kann (Kurpjuhn, 2000).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Außenseitergestalten der Kinder- und Jugendliteratur und ihre Wirkung auf Kinder und Jugendliche
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
bestanden
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V81655
ISBN (eBook)
9783638875417
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Außenseitergestalten, Kinder-, Jugendliteratur, Wirkung, Kinder, Jugendliche
Arbeit zitieren
Nicole Herzog (Autor), 2007, Außenseitergestalten der Kinder- und Jugendliteratur und ihre Wirkung auf Kinder und Jugendliche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81655

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