Das deutsche Gesundheitswesen ist geprägt von dem – in seiner Art weltweit einzigartigen - Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung.Seitens der Gesetzlichen Krankenversicherung wird behauptet, „dass der Wettbewerb zwischen PKV und GKV keineswegs in erster Linie auf Qualität und Effizienz gerichtet ist, sondern dass dabei insbesondere auch Anreize zu einer Risikoselektion zu Gunsten der PKV bestehen.“1 Durch eine solche Risikoselektion entstünde der GKV ein Wettbewerbsnachteil, und es läge Marktversagen vor, da sich die PKV gute Risiken abschöpfe, und dies zu einer schlechteren Versichertenstruktur der GKV im Vergleich zur PKV bezüglich der Morbidität führe.
Ziel dieser Arbeit soll es sein, den Wettbewerb zwischen PKV und GKV zu analysieren und anhand seiner Besonderheiten festzustellen, ob von Marktversagen durch Risikoselektion gesprochen werden kann und ob sich dieses in Form einer unterschiedlichen Risikostruktur der beiden Krankenversicherungsträger auswirkt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gesetzliche Krankenversicherung und Private Krankenversicherung im Überblick
2.1 Die Gesetzliche Krankenversicherung
2.1.1 Die Organisation der GKV
2.1.2 Versichertenkreis der GKV
2.1.3 Finanzierung der GKV Leistungen
2.2 Die Private Krankenversicherung
2.2.1 Organisation der PKV
2.2.2 Versichertenstruktur der PKV
2.2.3 Ausgabenfinanzierung der PKV
3 Marktversagen im Wettbewerb der GKV mit der PKV durch Risikoselektion bzw. adverse Selektion
3.1 Theoretischer Ansatz der Gesundheitsökonomie
3.2 Empirische Evidenz
3.3 Die Gesundheitsreform 2006
4 Resüme
Zielsetzung und Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, den Wettbewerb zwischen der gesetzlichen (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV) zu analysieren, um festzustellen, ob ein Marktversagen durch Risikoselektion vorliegt und wie sich dies auf die unterschiedlichen Risikostrukturen der beiden Versicherungssysteme auswirkt.
- Struktureller Vergleich der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung
- Theoretische Grundlagen von Risikoselektion und adverser Selektion
- Analyse des Wettbewerbsverhältnisses und der Wechselbewegungen
- Empirische Untersuchung von Morbiditätsunterschieden zwischen GKV und PKV-Versicherten
- Bewertung der Auswirkungen der Gesundheitsreform 2006 auf den Wettbewerb
Auszug aus dem Buch
3.1 Theoretischer Ansatz der Gesundheitsökonomie
In der gesundheitsökonomischen Theorie spricht man von zwei Formen des Marktversagens, die sich mit dem Krankenversicherungsmarkt unter dem Aspekt des Risikos der Versicherten beschäftigen: die adverse Selektion und die Risikoselektion. Eine Form des Marktversagens ist die adverse Selektion bedingt durch asymmetrische Information über das Krankheitsrisiko. Zum ersten Mal wurde dieser Effekt von Ackerlof (1970) für die Funktionsfähigkeit des Marktes allgemein in seinem Aufsatz „The Market of Lemons“ beschrieben. Wesentlicher Inhalt seiner These ist, dass bei einem Gut bei dem Qualitätsunterschiede vorliegen und bezüglich dieser wiederum ein Informationsunterschied zwischen Verkäufer und Käufer besteht, die gute von der schlechten Ware verdrängt wird.
Wird diese These auf den Krankenversicherungsmarkt angewandt, kann es zu folgendem Effekt kommen. Wenn asymmetrische Information in der Form vorliegt, dass dem zu Versichernden sein individuelles Risiko bekannt ist und dem Versicherer keine Informationen über die heterogenen Krankheitsrisiken des zu Versichernden vorliegen, berechnet der Versicherer den Preis der Versicherung nach dem gewichteten Mittel der Krankheitswahrscheinlichkeiten aller Individuen, unabhängig vom Risiko des zu Versicherten. Dieser durchschnittliche Preis ist für zu Versichernde mit einem hohen Risiko preiswert, und sie werden überdurchschnittlich Versicherungsleistung nachfragen. Aus Sicht der Versicherten mit einem niedrigen Risiko führt dies zu einer Verteuerung der Versicherung. Dementsprechend fällt hier die Nachfrage nach Versicherungen, da für diese Versicherten ein niedrigerer Anreiz besteht sich zu versichern. Aufgrund der Nutzen-Kosten-Maxime werden sich also tendenziell schlechte Risiken für einen Versicherungsschutz entscheiden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das deutsche duale Krankenversicherungssystem ein und erläutert die Forschungsfrage, ob durch Risikoselektion zwischen GKV und PKV ein Marktversagen entsteht.
2 Gesetzliche Krankenversicherung und Private Krankenversicherung im Überblick: Dieses Kapitel beschreibt detailliert die Organisation, den Versichertenkreis sowie die Finanzierungsstrukturen der GKV und der PKV.
3 Marktversagen im Wettbewerb der GKV mit der PKV durch Risikoselektion bzw. adverse Selektion: Hier werden die ökonomischen Theorien zur Risikoselektion erläutert, empirische Belege für Morbiditätsunterschiede untersucht und die Auswirkungen der Gesundheitsreform 2006 bewertet.
4 Resüme: Das Fazit fasst zusammen, dass im Wettbewerb zwischen GKV und PKV wesentliche Nachteile zulasten der GKV bestehen, die auf eine durch Risikoselektion verursachte Risikoentmischung zurückzuführen sind.
Schlüsselwörter
Krankenversicherung, GKV, PKV, Risikoselektion, adverse Selektion, Gesundheitsökonomie, Marktversagen, Risikostruktur, Gesundheitsreform 2006, Morbidität, Wettbewerb, Versicherung, Finanzierung, Umlageverfahren, Kapitaldeckung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das deutsche duale Krankenversicherungssystem und analysiert den Wettbewerb zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung unter dem Aspekt des Marktversagens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die unterschiedlichen Organisationsstrukturen von GKV und PKV, die ökonomischen Mechanismen der Risikoauswahl sowie die empirische Überprüfung der Risikoverteilung zwischen beiden Systemen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob durch Risikoselektion eine einseitige Risikoverteilung zulasten der GKV stattfindet und ob dies ökonomisch als Marktversagen zu bewerten ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse gesundheitsökonomischer Modelle (Risikoselektion/adverse Selektion) sowie einer Auswertung empirischer Studien zum Morbiditätsvergleich.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturierte Bestandsaufnahme beider Krankenversicherungssysteme, die theoretische Fundierung des Marktversagens und die Präsentation empirischer Belege zur ungleichen Risikoverteilung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Risikoselektion, adverse Selektion, GKV, PKV, Gesundheitsökonomie und Risikostruktur.
Was besagt die These zum Wettbewerb der Krankenversicherungen?
Die Arbeit argumentiert, dass die PKV aufgrund ihrer risikoäquivalenten Prämienkalkulation und Möglichkeiten zur Risikoselektion eine vorteilhaftere Risikostruktur erzielt als die GKV.
Wie bewertet der Autor die Gesundheitsreform 2006?
Die Reform wird kritisch betrachtet, da sie das grundlegende Problem der selektiven Risikoverteilung an der Schnittstelle von GKV und PKV nicht löst und als vertane Chance eingestuft wird.
- Quote paper
- Diplom-Volkswirt Johannes Burger (Author), 2007, Risikoselektion und adverse Selektion im Wettbewerb zwischen GKV und PKV, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81701