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Entwicklung und Verfahren der Inquisition: Die Entstehung des kanonischen Inquisitionsprozesses im Mittelalter mit Blick auf die Ketzerverfolgung

Title: Entwicklung und Verfahren der Inquisition: Die Entstehung des kanonischen Inquisitionsprozesses im Mittelalter mit Blick auf die Ketzerverfolgung

Term Paper , 2002 , 33 Pages , Grade: 2+

Autor:in: Thorsten Hübner (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Auf dem Titelblatt der Hausarbeit über die Entstehung des Inquisitionsverfahrens im Mittelalter sieht man eine Darstellung des bedeutenden und maßgebenden Meisters der italienischen Trecentomalerei, Giotto di Bondone (1266-1337). Um 1300 schuf er seine berühmte Darstellung des Papsttraumes Innozenzs III. (1198-1216) in seinem Franziskuszyklus in der Oberkirche von San Francesco in Assisi, der wohl wichtigsten Kirche des Minoritenordens. Der sogenannte Papsttraum bestand der Überlieferung zufolge darin, daß der Heilige Franziskus (1182-1226) die Papstbasilika San Giovanni in Laterano vor dem Einstürzen bewahrte, indem er sie mit seinem Körper abstützte. Diese Traumszene wurde, wie es zur damaligen Zeit üblich war, metaphorisch interpretiert. Der Heilige Franziskus stützt Kirche und Papsttum und wird als Retter der Kirche gefeiert. Die Darstellung des Papsttraumes steht im Kontext der franziskanischen Ordenspropaganda, denn Innozenz III. war der erste Papst, der die Regeln des Ordens approbierte. Neben dieser günstigen, gab noch eine zweite, recht unschmeichelhafte Interpretation, die darin bestand, daß der Heilige Franziskus die von Degeneration bedrohte Kirche stützt, während der Papst schläft und seine Aufgaben nicht wahrnimmt.1
Dieser Vorwurf kann jedoch nicht aufrechterhalten werden, denn Innozenz III. eröffnete das IV. Laterankonzil (1215) mit dem Satz: ,,Ut in hoc nostri pontificanus anno XVIII templum Domini, quod est ecclesia, restauretur."2 Schon vor dem Konzil trat die Programmatik des Papstes deutlich hervor: die Reform des Klerus mit Hilfe einer neuen Prozeßform, dem kirchlichen Inquisitionsverfahren.
Das Wort Inquisition (dem etymologischen Ursprung nach vom lateinischen Verb inquirere, d.h. erforschen, nachsuchen, abgeleitet) ist ursprünglich ein juristischer Begriff und skizziert eine amtliche Vorgehensweise im Gerichtsverfahren. Diese, an sich rein rechts-technische Bezeichnung, weitete sich im Laufe der Geschichte zu einer Chiffre für das Böse in der (katholischen) Kirche aus.

[...]
_____
1 Schmitt, Stefan: Die bildlichen Darstellungen Papst Innozenz III., in: Frenz, Thomas (Hg.): Papst Innozenz III - Weichensteller der Geschichte Europas, Stuttgart 2000, 36-39.[...].
2 Zitat aus: Schmitt, Die bildlichen Darstellungen Papst Innozenz III., 38.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Inquisitionsbegriff im römischen Recht

2. Die Rechtsverfahren nach dem Fall Roms

2.1. Das fränkische Sendgerichtsverfahren

2.2. Das karolingische Rügeverfahren

2.3. Das Strafverfahren im Decretum Gratiani

2.3.1. Das römisch-kanonische Akkusationsverfahren

2.3.2. Das Denuntiationsverfahren

2.3.3. Das Verfahren bei Notorietät

2.3.4. Die Infamie und Purgatio canonica im Decretum Gratiani

2.3.4.1. Die Infamie

2.3.4.2. Die Purgatio canonica

3. Vom Infamationsverfahren zum Inquisitionsprozeß

3.1. Innozenz III. und die Strafrechtsreform

3.2. Die Infamieinquisition in den Dekretalien Innozenz III.

3.3. Der Inquisitionsprozeß auf dem IV. Laterankonzil

3.4. Zusammenfassung

4. Die Entwicklung des Inquisitionsverfahrens bis hin zur Ketzerinquisition

4.1. Die Entwicklung im 13. Jahrhundert

4.2. Die Ketzerinquisition

4.3. Inquisition und Tortur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Genese des kanonischen Inquisitionsprozesses im Mittelalter, wobei insbesondere der Übergang von antiken römischen Rechtsformen zu den spezifischen Verfahrensweisen der mittelalterlichen Ketzerverfolgung analysiert wird.

  • Evolution des Inquisitionsbegriffs im römischen Recht
  • Analyse der Rechtsverfahren nach dem Fall Roms
  • Die Rolle der Strafrechtsreform unter Papst Innozenz III.
  • Entwicklung und Etablierung des Inquisitionsprozesses auf dem IV. Laterankonzil
  • Einführung der Tortur in das Inquisitionsverfahren

Auszug aus dem Buch

3.1. Innozenz III. und die Strafrechtsreform

Die Entwicklung eines eigenständigen strafrechtlich-kanonischen Inquisitionsprozesses ist, entgegen früherer Meinung, während des Pontifikats des Papstes Innozenz III. entstanden. Der Jurist Lothar von Segni erkannte während seines Pontifikats genau die Unzulänglichkeiten des kirchlichen Disziplinarrechts. Durch die Einschaltung der Inquisitionsmaxime im Verein mit der Ausschöpfung des Zeugenbeweises wurde das Kirchenstrafrecht unter seinem Pontifikat zu einem wirksamen Instrument der Kontrolle über die Amtsführung der höheren Geistlichkeit, also von Äbten, Bischöfen und Prälaten, umgestaltet. Gerade gegenüber diesen hochrangigen Klerikern hatte das bis dato akkusatorisch gehandhabte Verfahren keine wesentliche Wirkung besessen, um etwaige Verfehlungen eben dieser zu verurteilen. Das Problem, mit dem der Papst und seine Vorgänger konfrontiert wurden, bestand in den Mißstand, daß unter Korruption, Nikolaitismus und Simonie stehende Kleriker, die öffentlich ins Gerede kamen, den Vorwurf durch einen Reinigungseid mit samt Eideshelfer ausräumen konnten, um sich ihrer Pfründe zu versichern. Ihre Machtposition spielte dabei eine wichtige Rolle, konnten sie entweder einen Meineid selbst oder durch die Eideshelfer schwören lassen. Ließ schon die Machtposition der Beklagten eine Klageerhebung in den wenigsten Fällen zu, so tat die im ordentlichen Prozeß anzufertigende inscriptio ein übriges, um ein Verfahren scheitern zu lassen und noch dabei den Kläger selbst zu verurteilen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in das Thema der Inquisitionsentwicklung und die historische Bedeutung der bildlichen Darstellung des Papsttraums Innozenz III.

1. Der Inquisitionsbegriff im römischen Recht: Untersuchung der Entwicklung des Inquisitionsbegriffs durch die römischen Verfahrensformen legis actio, formula und cognitio.

2. Die Rechtsverfahren nach dem Fall Roms: Analyse der Rechtsentwicklung nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches und Differenzierung der Verfahrensarten wie Sendgericht und Rügeverfahren.

3. Vom Infamationsverfahren zum Inquisitionsprozeß: Darstellung der Strafrechtsreform unter Innozenz III. und der Transformation des Infamationsverfahrens zum eigentlichen Inquisitionsprozeß.

4. Die Entwicklung des Inquisitionsverfahrens bis hin zur Ketzerinquisition: Erörterung der Ausgestaltung des Verfahrens im 13. Jahrhundert und dessen Anwendung bei der Ketzerverfolgung unter Einbeziehung der Folter.

Schlüsselwörter

Inquisition, kanonisches Recht, Innozenz III., Ketzerinquisition, Strafprozess, Infamie, Purgatio canonica, IV. Laterankonzil, römisches Recht, Zeugenbeweis, Ketzerverfolgung, Tortur, kirchliches Strafrecht, Gerichtsverfahren, Inquisitor.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und den Verfahrensstrukturen des kanonischen Inquisitionsprozesses im Mittelalter mit einem besonderen Fokus auf der Ketzerverfolgung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die historische Herleitung des Inquisitionsbegriffs, die Reformen des kirchlichen Strafrechts durch Papst Innozenz III. sowie die Implementierung der Tortur als Beweismittel.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Genese der Inquisition als neue, rationale Prozeßform zu beschreiben, die sich aus der Unzulänglichkeit älterer, formalistischer Anklageverfahren entwickelte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine rechtshistorische Analyse, die auf einer Auswertung kanonischer Quellen, Dekretalien und zeitgenössischer Rechtsliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil wird der Weg von den römischen Verfahrensformen über die bischöflichen Sendgerichte bis zur päpstlichen Gesetzgebung des 13. Jahrhunderts detailliert nachgezeichnet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Inquisition, kanonisches Recht, Innozenz III., Infamie und Ketzerinquisition.

Wie unterschieden sich die älteren Verfahren vom neuen Inquisitionsprozeß?

Während ältere Verfahren stark an das Vorhandensein eines privaten Klägers gebunden waren, ermöglichte die neue Inquisitionsmaxime dem Richter, bei Vorliegen eines öffentlichen Gerüchts (publica fama) von Amts wegen einzuschreiten.

Welche Bedeutung hat die Dekretale "Ad extirpandam" für das Thema?

Diese Dekretale aus dem Jahr 1252 legitimierte die Anwendung der Tortur im kirchlichen Verfahren gegen Ketzer durch weltliche Stellen, was einen signifikanten Wendepunkt im Inquisitionsverfahren darstellt.

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Details

Title
Entwicklung und Verfahren der Inquisition: Die Entstehung des kanonischen Inquisitionsprozesses im Mittelalter mit Blick auf die Ketzerverfolgung
College
Ruhr-University of Bochum  (FB Geschichte)
Grade
2+
Author
Thorsten Hübner (Author)
Publication Year
2002
Pages
33
Catalog Number
V8170
ISBN (eBook)
9783638152174
Language
German
Tags
Entwicklung Verfahren Inquisition Entstehung Inquisitionsprozesses Mittelalter Blick Ketzerverfolgung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thorsten Hübner (Author), 2002, Entwicklung und Verfahren der Inquisition: Die Entstehung des kanonischen Inquisitionsprozesses im Mittelalter mit Blick auf die Ketzerverfolgung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8170
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