Picture Frustration Test - Darstellung des Verfahrens von der Entstehungsgeschichte bis zur Evaluation


Seminararbeit, 2006

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Geschichte des Verfahrens
1.2 Theoretische Grundlagen des P-F-Tests

2. Konstruktion des Verfahrens - Das Testmaterial
2.1 Durchführung des PFT
2.2 Auswertung des PFT
2.3 Interpretation des PFT

3. Evaluation
3.1 Objektivität
3.2 Reliabilität
3.3 Validität

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Ausgehend von den ersten psychodiagnostischen Erhebungen von Binet im Jahre 1894 sind im Folgenden immer wieder neue Testverfahren entwickelt worden, um die verschiedenen Aspekte der menschlichen Persönlichkeit einer quantifizierenden Untersuchung zugänglich zu machen. Im Weiteren wurden bald auch die so genannten "projektiven" Verfahren entwickelt. Diese sollten dabei helfen die Tiefenschichten der Persönlichkeit, die hintergründige Dynamik sowie die unbewussten Wünsche und Ängste zu erfassen (Rauchfleich, 1979).

Der Picture-Frustrations-Test (Picture-Frustration Study) ist ein von Rosenzweig (1945) entwickeltes spezielles projektives Verfahren, das dazu dienen soll, Formen des Verhaltens in Belastungssituationen des Alltagslebens festzustellen. Das Verfahren geht davon aus, dass der Proband, der zu bestimmten Alltagssituationen schriftlich Stellung nehmen soll, sich bewusst oder unbewusst mit der frustrierten Person auf der Bildvorlage identifiziert und seine eigenen Einstellungen und Haltungen in die Antwort projiziert. Das Verfahren ist in Bezug auf andere Identifikationsverfahren zwischen den Jungschen Assoziationsversuchen und dem TAT (Thematic Apperception Test) von Murray einzuordnen. Dem Wortassoziationsverfahen ähnelt er durch die relative Objektivität der Reizvorlage und dadurch, dass die Versuchsperson aufgefordert wird, auf den Reiz unverzüglich zu reagieren. Mit dem TAT hat der P-F-Test die Verwendung bildlich dargestellter Situationen gemeinsam. Von beiden Verfahren unterscheidet sich der P-F-Test jedoch durch seine spezifische Fragestellung und die verhältnismäßig leichte Auswertbarkeit der Ergebnisse (Stephan, 1961).

Der P-F-Test nimmt insofern eine Sonderstellung in der Psychodiagnostik ein, als dass zunächst der theoretische Hintergrund, nämlich die Frustrationstheorie Rosenzweigs, formuliert und das Verfahren allein zu Forschungszwecken konzipiert wurde. Später erst wurde daraus ein Test im üblichen Sinne (Rauchfleich, 1979).

Im Folgenden wird ein geschichtlicher Überblick des P-F-Tests dargestellt.

1.1 Geschichte des Verfahrens

Die Entwicklung des Verfahrens ist, wie bereits erwähnt, nicht zu trennen von der Konzeption und experimentellen Überprüfung einer Frustrationstheorie durch Rosenzweig und seine Mitarbeiter. Als wichtigste Daten der Geschichte des Verfahrens sind folgende zu nennen:

Experimentelle Untersuchungen Rosenzweigs zu den Themen Verdrängung, Verschiebung und Projektion ab 1930.

Auf einem Symposion über "Frustration" wurde der Terminus "Frustrationstoleranz" geprägt, der von Rosenzweig et al. 1938 in die Literatur eingeführt wurde.

Etwa um 1941 entstand der Vorläufer des P-F-Test als Teil P (projektiv) einer Testbatterie zur empirischen Überprüfung der Funktionsweise von Abwehrmechanismen -speziell der Verdrängung- in experimentellen Frustrationssituationen. Nach Angaben seines Autors erwies sich dieser Test als so fruchtbar, dass auf eine Weiterentwicklung der anderen drei Teile der ursprünglichen Testbatterie verzichtet wurde (nach Rosenzweig 1960).

1944 veröffentlichte Rosenzweig die Skizze einer in sich geschlossenen Frustrationstheorie.

Im gleichen Jahr wurde erstmalig der PFT, Form für Erwachsene als "picture-association method" veröffentlicht.

In dem 1945 im "Journal of Personality" erschienen Artikel "The picture association method and its application in a study of reactions to frustration" gibt Rosenzweig grundsätzliche Hinweise zum Verständnis und zur Anwendung seines Tests.

Ursprünglich war der PFT in beiden Formen nicht zum klinisch-diagnostischen Gebrauch entwickelt worden "but as a method for (a) exploring concepts of frustration theory and (b) examining some dimensions of projective methodology" (Rosenzweig, 1960).Mit der Hilfe des PFT beabsichtigte Rosenzweig die von ihm definierten Aggressionsrichtungen "Extrapunitivität", "Intrapunitivität" und "Impunitivität" empirisch zu erfassen (Rauchfleisch, 1979). Es zeigte sich doch schon sehr bald, dass dieses Verfahren auch in der allgemeinen Psychodiagnostik angewendet werden konnte.

Erste Normierungen für die Erwachsenenform liegen im Jahre 1946 vor.

1947 erscheint die revidierte, heute vorliegende Erwachsenenform des PFT; die entsprechende Handanweisung erscheint im selben Jahr im "Journal of Psychology".

Im Jahre 1948 publizierten Rosenzweig und seine Mitarbeiter nach vierjähriger Entwicklungsarbeit die Kinderform des PFT. Die Handanweisung erscheint ebenfalls 1948 im "Journal of Psychology". Normierungen für die Kinderform folgen.

1957 wird von Hörmann und Moog eine deutsche Bearbeitung des PFT, Form für Erwachsene, vorgelegt. Die Normen liegen in Quartilen vor.

Die Eichstichprobe besteht aus 300 psychisch Gesunden. Rauchfleich normierte im Weiteren das Verfahren 1979 mit Hilfe einer Stichprobe von 1040 psychisch gesunden Erwachsenen im Alter von 14-85 Jahren. Diese Normen liegen in Stanine-Werten vor.

1957 wird ebenso eine deutsche Kinderversion des PFT von Duhm und Hansen vorgelegt. Normen wurden von diesen auf der Basis einer Stichprobe von 320 Schulkindern erstellt. Rauchfleisch erstellte 1979 Normen, die auf einer Stichprobe von 950 Kindern und Jugendlichen beruhen.

1970 legte Rosenzweig eine 3. Form, die für Jugendliche, vor.

1993 nahm Rauchfleisch eine Neueichung der Testformen für Kinder und Erwachsene vor.

In den vergangenen 50 Jahren hat der PFT eine sehr weite Verbreitung in den verschiedensten Bereichen der angewandten Psychologie, in der Psychiatrie, der psychosomatischen Medizin und weiterhin auch im Bereich der theoretischen Forschung gefunden. Neben der amerikanischen Orginalform und der deutschen Version liegen heute russische, französische, italienische, spanische, portugiesische, schwedische, finnische, kongolesische, indische und japanische Formen dieses Tests vor (Rauchfleich 1979).

In seiner Übersicht über die im klinischen Bereich gebräuchlichsten Tests berichtet Pichot, dass der PFT das am vierthäufigsten verwendete projektive Verfahren sei (in Rauchfleisch, 1979).

1.2 Theoretische Grundlagen des P-F-Tests

Rosenzweig hat, wie aus der Benennung ersichtlich, den Begriff der Frustration zur Charakterisierung des P-F-Tests verwendet. Die sehr weite Verbreitung des PFT dürfte nicht zuletzt darauf zurückzuführen sein, dass er ein Persönlichkeitsaspekt erfasst, der für den in der Praxis arbeitenden Psychologen oder Psychiater diagnostisch von großer Bedeutung ist, nämlich die Reaktion auf Frustrationssituationen (Rauchfleisch, 1979). Im Weiteren werden die theoretischen Grundlagen zum psychologischen Konzept der "Frustration" vorgestellt, so fern sie für den PFT von Relevanz sind.

Unter einer "Frustration" verstehen die meisten Autoren die Störung einer zielgerichteten Aktivität verbunden mit Gefühlen der Enttäuschung, des Verzichtenmüssens und des Ärgers (Rauchfleisch, 1979). Dollard et al. stellten 1939 die "Frustrations-Aggressions-Hypothese" auf, wonach Aggression immer Folge einer Frustration sei. Schon 1941 modifizierten die Autoren ihre ursprüngliche "Frustrations-Aggressions-Hypothese" insofern, als dass zwar jede Aggression die Folge einer Frustration sei, aber Frustration auch zu anderen als aggressiven Reaktionen führen könnte, wie etwa zur Regression oder Depression (Rauchfleisch, 1979). Des Weiteren kann die aggressive Regung in Form von Gewalt, aber auch nur in Gedanken, die gegen andere Personen oder gegen sich selbst gerichtet sind, ausgelebt werden. Gerade diese "Wahl" zwischen verschiedenen Reaktionsweisen ist in der Theorie von Rosenzweig enthalten.

Nach Rosenzweig tritt eine "Frustration immer dann auf, wenn der Organismus (= die Persönlichkeit) mit einem mehr oder weniger schwer zu bewältigenden Hindernis zusammentrifft, das sich der Befriedigung eines vitalen Bedürfnisses in den Weg stellt" (Rauchfleisch, 1979). Rosenzweig unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Frustration. Bei primären Frustrationen fehlt das für die Befriedigung notwendige Objekt, wohingegen eine sekundäre Frustration dann vorliegt, wenn ein Widerstand auf dem Wege eintritt, der zum Erreichen des Verhaltenszieles führt. Das Individuum hat bei Rosenzweig drei Möglichkeiten auf die frustrierende Situation zu reagieren:

1. extrapunitiv (E), d.h. die aufkommende Aggression wird gegen die Umgebung gerichtet,
2. intrapunitiv (I), d.h. der Betroffene beschuldigt sich selbst und trägt auch die Verantwortung,
3. impunitiv (M), d.h. der Schuldfrage wird versucht durch Bagatellisierung auszuweichen.

Neben diesen drei Aggressions- bzw. Reaktionsrichtungen führte Rosenzweig noch ein zweites Bezugssystem ein: Die folgenden drei Reaktionstypen:

1. Obstacle-Dominance (O-D), d.h. der Frustrationscharakter der Situation steht
eindeutig im Vordergrund,
2. Ego-Defence (E-D), d.h.der Bezug auf das Ich des Probanden überwiegt (sei es, dass er nach aussen aggressiv reagiert oder sich selbst tadelt),
3. Need-Persistence (N-P), d.h. der Proband strebt ausdrücklich eine Lösung der Frustrationssituation an.

Kombiniert man die Aggressionsrichtungen mit den Reaktionstypen ergeben sich quasi 9 mögliche Weisen auf eine Frustration zu reagieren. Wie das Individuum jedoch letztendlich auf die Frustration reagiert, ist auch von seiner "Frustrationstoleranz" abhängig, das ist "die Fähigkeit eines Individuums, einer Frustrationssituation zu begegnen, ohne zu inadäquaten Reaktionsformen zu greifen, d.h. die Fähigkeit, eine für das Individuum spannungsgeladene Situation zu ertragen und auf eine sofortige Bedürfnisbefriedigung zu verzichten." (Rauchfleisch, 1979).

Pastore und Cohen betonen ebenfalls, dass "soziale Normvorstellungen des Individuums und soziale Position der frustrierten Person" von Wichtigkeit für das Verhalten sind und die Stärke der Aggression beeinflussen (Rauchfleisch, 1979). Der von Rosenzweig erwähnte Einfluss der momentanen Stimmung (wie Ärger) spricht auch die Bedeutung emotionaler Zustände an.

Die "Frustrations-Regressions-Hypothese", formuliert von Barker, ist deshalb erwähnenswert, weil sie zum Verständnis der impunitiven Reaktion beiträgt. Der Autor konnte experimentell als eine Folge von Frustration einen Rückschritt = ein Regredieren im Verhalten der Probanden aufzeigen bzw. ein Ausweichen vor der Situation schlechthin feststellen (Rauchfleisch, 1979). Dieses Verhalten ähnelt demnach stark dem erwähnten Ausweichen durch Bagatellisierung, das Rosenzweig impunitives Verhalten nennt.

Im Handbuch zum PFT von Rauchfleisch sind weitere Theorien dargestellt, die zum Verständnis des Verhaltens der Teilnehmer beitragen, bzw. die Situation, in der sie sich befinden, deutlich macht. Diese seien hier zusammengefasst dargestellt:

Das Approach-Avoidance-Modell von Neal E. Miller besagt, dass es sich beim Testteilnehmer durchaus ein Zwiespalt zwischen dem Wunsch, bestimmte Affekte auszudrücken, und der Tendenz, diese Gefühle zu vermeiden, einstellen kann (Rauchfleisch , 1979). Eine derartige Unentschlossenheit könnte etwa aus einem hohen sozialen Status des Probanden einerseits, und der Neigung zu ausfallenden Bemerkungen andererseits, resultieren.

Zwei-Komponenten-Motivations-System von D. C. McClelland und Mitarbeitern: Unter der Annahme, dass alle Motive erfahrungsabhängig sind, resultiert auch die gegebene Antwort im Test aus lebensgeschichtlichen Erfahrungen, gegenwärtigen Bedürfnissen und situationsspezifischen Faktoren (Rauchfleisch, 1979).

Schließlich sei noch die Hypothese von den drei Verhaltensebenen, die von Rosenzweig formuliert wurde, erwähnt:

Das Problematische bei projektiven Verfahren besteht darin, abzuschätzen, auf welcher Ebene die am Schreibtisch des Testzimmers gefundenen Ergebnisse zu interpretieren sind. Rosenzweig nimmt zu diesem Problem wie folgt Stellung: "Unglücklicherweise gibt es gegenwärtig für die Interpretation des PFT bezüglich der Projektionsebene von der aus die Antworten gegeben werden, keine definitive Antwort (nach Schmitdchen, 1975)."

Er deutet drei Möglichkeiten der Interpretationsebene an:

1. Der Proband antwortet selbstkritisch und enthüllt daher sein verhalten in realen Situationen nur teilweise
2. Der Proband teilt die tatsächliche Reaktionsweise aus realen Situationen mit
3. Der Proband teilt seine latenten Gefühle, die er in realen Frustrationssituationen hat, mit.

Rosenzweig schwächt selbst seine Ebenen - Hypothese ab, wenn er den Rat gibt, antworten zum PFT, den er als projektives Verfahren bezeichnet und dessen Interpretation dann doch wohl auf 3. Ebene vorzunehmen wäre, als Ausdruck des tatsächlichen Verhaltens zu werten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Picture Frustration Test - Darstellung des Verfahrens von der Entstehungsgeschichte bis zur Evaluation
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Testpsychologisches Seminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V81732
ISBN (eBook)
9783638880466
ISBN (Buch)
9783638880480
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Picture, Frustration, Test, Darstellung, Verfahrens, Entstehungsgeschichte, Evaluation, Testpsychologisches, Seminar
Arbeit zitieren
Diplom-Psychologin Merima Sabic (Autor), 2006, Picture Frustration Test - Darstellung des Verfahrens von der Entstehungsgeschichte bis zur Evaluation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81732

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