Krieg um Rohstoffe und die ökologischen Folgen der Rohstoffausbeutung am Beispiel der DR Kongo


Hausarbeit, 2007
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Entstehung und Verlauf des Krieges
2.1) Rohstoffkonflikt
2.2) Der Rohstoffkonflikt am Beispiel Coltan (BWL)
2.3) Der Rohstoffkonflikt a m Beispiel Bayer und
H.C. Starck (BWL)

3) Ökologische Folgen der Rohstoffausbeutung
3.1) Auswirkungen für die Gorillas

4) Direktinvestitionen (VWL)
4.1) Direktinvestitionen im Kongo am Beispiel Fichtner (VWL

5) Das deutsche Engagement in der DR Kongo

6) Fazit

1.) Einleitung

Was hat mein Handy mit Kindersoldaten zu tun? Wieso kann der Kauf einer Schrankwand zur Ausrottung der Gorillas beitragen? Welches Interesse hat Deutschland an einem Staudamm im Kongo? Diese und weitere Fragen, möchte ich im Rahmen meiner Hausarbeit versuchen zu beantworten.

Dabei lege ich meine Schwerpunkte auf folgende Themen.

Zunächst werden einige kurze Fakten zur Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) den Einstieg ins Thema liefern. Danach möchte ich einen kurzen geschichtlichen Abriss der Auseinandersetzungen im Kongo liefern, gefolgt von der Erklärung, warum es sich hierbei um einen Konflikt um Rohstoffe handelt. Im Anschluss werde ich am Beispiel der Bayer AG versuchen aufzuzeigen, welche Zusammenhänge zwischen internationalen Unternehmen und der Situation im Kongo besteht. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die ökologischen Folgen des Konflikts, besonders für die Gorillas im Kongo.

Anschließend erkläre ich den Begriff der Direktinvestition am Beispiel des Unternehmens Fichtner im Kongo. Danach versuche ich zu beleuchten, welche Interessen Deutschland in dem afrikanischen Land verfolgt. Abschließen möchte ich meine Hausarbeit, mit dem Versuch einen Lösungsweg, aus der momentan kaum hoffnungsvollen Lage, aufzeigen.

Die DR Kongo ist eines der reichsten Länder der Erde, wenn man die Häufigkeit der Rohstoffvorkommen als Maßstab nimmt.

Es verfügt über Coltan Diamanten, Gold, Kobalt, Kohle, Kupfer, Mangan, Öl, Uran, Zinn, Zink, und viele andere Bodenschätze. Dreiviertel des Landes sind mit Regenwald bedeckt und der Fluss Kongo hat genug hydroelektrisches Potenzial um das gesamte südliche Afrika mit Strom zu versorgen. Dennoch belegt das Land den 7. Platz auf der Liste der gescheiterten Staaten.[1]

Der Human Development Index der vereinten Nationen ordnet die DR Kongo auf dem 167. Platz (0,391) von 177 Ländern ein[2]. Damit gehört es zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Doch das Land hat auch mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die territoriale Souveränität der Regierung ist, insbesondere im Osten des Landes, nicht mehr gegeben.

Die Rohstoffe der östlichen Provinzen werden von den Nachbarländern (u.a. Uganda, Ruanda, Burundi) ausgebeutet. Misswirtschaft, Korruption und jahrzehntelanger Krieg haben die Verwaltung und Infrastruktur im Land fast völlig zerstört.

Warum gibt es also eine so große Diskrepanz zwischen dem theoretisch möglichen Reichtum, aufgrund der riesigen Rohstoffvorkommen, und den realen Gegebenheiten, die von Krieg, Zerstörung und Misswirtschaft geprägt sind?

Auf diese Frage gibt es keine einzelne Antwort und eine Vielzahl von Einflussfaktoren. Einer dieser Faktoren sind die immer wieder aufflammenden Kämpfe und Kriege in der DR Kongo.

Im Folgenden möchte ich zunächst die Gründe, welche zur Entstehung der letzten Kriege geführt haben, beleuchten.

Ich werde versuchen ihren Verlauf und die damit einhergehenden Veränderungen nachzuzeichnen, um ein klareres Bild von der Problemkonstellation zu vermitteln.

2.) Entstehung und Verlauf des Krieges

Als am 6.April 1994 ein Flugzeug, in dem sich der ruandische und der burundische Ministerpräsident befanden, von Unbekannten abgeschossen wurde, war dies der Anlass für den Genozid der Hutu an den Tutsi in Ruanda, in dessen Verlauf mehr als 800.000 Menschen den Tod fanden. Um den Auseinandersetzungen zu entkommen, flohen rund eine Millionen Menschen ins Nachbarland Zaire, darunter auch die Hauptakteure des Völkermordes.

Von den überfüllten Flüchtlingslagern aus organisierten sie weitere Angriffe auf Ruanda. Die zairische Regierung, unter dem Diktator Mobutu, war zu dieser Zeit weder gewillt und aufgrund innenpolitischer Zerfallserscheinungen auch nicht in der Lage, dagegen vorzugehen. Um der Bedrohung aus Zaire Einhalt zu gebieten beschlossen die ruandische Regierung, sowie Angola, Burundi und Uganda (die auch von den Rebellen bedroht wurden), die kongolesischen Flüchtlingslager zu zerschlagen.

Da man international den Eindruck einer feindlichen Invasion vermeiden wollte, entschlossen sich die Staaten zur Gründung der zairischen Rebellenorganisation AFDL (Alliance des Forces Démocratique pour la Libération du Congo). Diese marschierte 1996 in Zaire ein, zerstörte die Flüchtlingslager und rückte, aufgrund des fortgeschrittenen Zerfalls der zairischen Armee, innerhalb von sechs Monaten in die Hauptstadt ein.

Dort setzte man den Anführer der ADFL, Laurent-Désiré Kabila, als neuen Staatspräsidenten des, nun DR Kongo genannten, Landes ein. Die anfängliche Freude der Bevölkerung über den Sturz des alten Diktators, schlug bald in Wut über die Besatzungstruppen um. Jedes Land plünderte, in dem von ihm besetzten Gebiet, die vorhandenen Rohstoffe aus und ging mit massiver Gewalt gegen die Bevölkerung vor. Daher sah sich der neue Präsident Kabila schnell gezwungen seine ehemaligen Alliierten zum Abzug aus dem Land aufzufordern.

Doch die Rebellenangriffe auf die Nachbarländer der DR Kongo endeten nicht. Aus diesem Grund marschierten die Nachbarländer nach einigen Monaten erneut in das Land ein. Ruanda, Uganda und Burundi bildeten nach altem Muster eine Rebellenarmee, die RCD (Ressamblement Congolais pour la Démokartie), welche als Legitimation für die Intervention dienen sollte. Außerdem kam es, unter Führung von Jean-Pierre Bemba, zur Bildung einer weiteren Rebellengruppe, der MLC (Mouvent pour la Libération du Congo), die mit ugandischer Hilfe, vom Norden aus, auf die Hauptstadt der DR Kongo vorrückte.

Die DR Kongo wiederum wurde von Angola, Simbabwe und Namibia unterstützt,

welche von her Süden in das Land einmarschierten.

Aufgrund der hohen Anzahl von Kriegsparteien (zeitweise waren bis zu 23 Länder direkt oder indirekt beteiligt) und der vielen Millionen Toten, spricht man in diesem Zusammenhang auch vom ersten Weltkrieg Afrikas.

Obwohl die Invasoren zwei Drittel des Landes besetzten konnten, gelang es ihnen nicht den entscheidenden Durchbruch zu erzielen. Aufgrund der Pattsituation einigte man sich 1999 auf einen Waffenstillstandsvertrag, sowie die Entwaffnung der Rebellen, welche den offiziellen Grund für den Einmarsch darstellten.

Dennoch kam es zu keiner Stabilisierung des Landes, da alle Konfliktparteien in den von ihnen besetzten Gebieten erneut die Rohstoffvorkommen ausbeuteten und sich schwerster Menschenrechtsverletzungen schuldig machten. Offene militärische Auseinandersetzungen wechselten sich in der Folgezeit mit Massakern an einzelnen Orten, kurzen Phasen der Beruhigung und einem erneuten Aufflammen von Kämpfen ab. Bei den ugandischen Rebellengruppen, entstanden außerdem immer mehr Armeen, die aus Kindersoldaten bestanden, da diese (nach der Ermordung ihrer Familie und voll gepumpt mit Drogen) wesentlich hemmungs- und willenloser waren als Erwachsene. Auch die Übergänge von regulären Armeen zu Rebellengruppen waren fließend. Häufig sprach man von so genannten Sobels, Personen, die tagsüber Soldat und in der Nacht Rebell waren, da sie keinen Lohn oder andere staatliche Versorgung erhielten. In dieser Zeit etablierte sich wieder das alte System der Kleptokratie und Seilschaften. Wer es schaffte, sich die Kontrolle über die Waren- und Ressourcenflüsse zu sicher, hatte auch die politische Macht im Kongo.

Ein Großteil dieser Ressourcen befindet sich in den östlichen und südlichen Provinzen der DR Kongo, die unter der Kontrolle der ausländischen Truppen standen und noch immer stehen.

Wer sind nun die Akteure im Kampf um die Rohstoffe des Kongo und was für Interessen verfolgen sie? Diese Problematik möchte ich im folgenden Kapitel näher beleuchten.

2.1) Rohstoffkonflikt

Alle Akteure im Konflikt verband eine gemeinsame Motivation zur Fortsetzung der Kämpfe, nämlich die Ausplünderung der Rohstoffvorkommen. Je länger die Auseinandersetzungen dauerten, desto stärker rückten ökonomische Motive in den Vordergrund. Ruanda und Uganda eroberten im nördlichen und östlichen Kongo wichtige Rohstoffvorkommen.

Angola, Namibia und Simbabwe hingegen, ließen sich ihr Eingreifen von der Regierung des Kongo, durch profitable Bergwerkskonzessionen im Süden und Südosten, honorieren. Allein durch die Intervention Simbabwes sollen dem Kongo von 1999-2002 Bergbaueinnahmen in Höhe von rund fünf Mrd. USD verloren gegangen sein.[3] Mit der Zeit traten die Konfliktparteien in eine immer stärkere ökonomische Konkurrenz, die sogar ehemalige Verbündete entzweite. Ruandische und ugandische Truppen lieferten sich zum Beispiel heftige Gefechte, um die Kontrolle des Diamantenabbau und -handels in Kisangani. Zur Durchsetzung ihrer Interessen schreckte die ruandische Armee nicht einmal mehr vor Absprachen mit den Hutu-Milizen zurück, die der Grund ihres Einmarsches in die DR Kongo waren. An einem raschen Friedensschluss und dessen effektiver Durchsetzung war bald niemand mehr interessiert, denn vom Krieg profitierten sie alle mehr als vom Frieden. Rund 12 Milliarden US-$ verdienten die Akteure pro Jahr insgesamt[4]. Für sie garantierte nur eine Kriegsökonomie maximale Profite.

Je länger der Krieg dauerte, desto mehr verwischten auch die Grenzen zwischen Politik, Wirtschaft und Kriminalität. Die, von schlecht bezahlten Arbeitern, Kindern oder sogar Sklaven, ausgebeuteten Rohstoffe wurden von transnationale Netzwerken aus der DR Kongo, über Nachbarländer in unverdächtigen Drittländern geschmuggelt, wo sie zertifiziert und zum Verkauf an die Endverbraucher in Europa, Asien oder Nordamerika fertig gemacht wurden.

Nach mehrjähriger Recherche haben die Vereinten Nationen einen umfangreichen Bericht über die Ressourcenplünderung in der Demokratischen Republik Kongo vorgelegt. Darin werden Ruanda, Uganda und Simbabwe als Hauptverantwortliche für die Ressourcenplünderung und den Krieg um Rohstoffe identifiziert. Dennoch wird im dem Bericht eine wichtige Unterscheidung zwischen den Staaten getroffen. Während im Fall von Uganda und Simbabwe einzelne Personen, wie Offiziere, Politiker, Geschäftsleute oder Interessengruppen die illegalen Aktivitäten betrieben und koordinierten, sei die Ressourcenplünderung im Fall von Ruanda staatlich organisiert.

Der Congo Desk der ruandischen Armee koordinierte alle militärischen und ökonomischen Aktivitäten im Kongo. Die Einnahmen wurden vom staatlichen Haushalt strikt getrennt gehalten und in keiner amtlichen Statistik ausgewiesen. 1999 seien schätzungsweise 80% des gesamten ruandischen Armeebudgets durch illegale Profite aus dem Kongo finanziert worden[5].

Ausländische Wirtschaftsunternehmen waren dabei stets dankbare Kunden und ein wichtiger Teil dieser Kriegsökonomie.

3.2) Der Rohstoffkonflikt am Beispiel Coltan (BWL)

In einem UN-Bericht von 2001 heißt es: "Die Ausbeutung der natürlichen Reichtümer des Kongo durch ausländische Armeen ist zum System geworden [].Die Rolle des Privatsektors bei der Ausbeutung der Ressourcen und der Fortführung des Krieges ist entscheidend gewesen. Eine Anzahl von Gesellschaften wurde hier involviert und hat den Krieg unmittelbar angeheizt, indem sie die Beschaffung von Rohstoffen mit Waffen bezahlten."

Auch das deutsche Umweltbundesamt beschäftigte sich mit dieser Situation und ihren Einflussfaktoren und veröffentlichte im März 2007 einen Forschungsbericht[6]. In diesem wird die konfliktverschärfende Rolle der "Rohstoffausbeutung" am Beispiel von Coltan beleuchtet.

Dieses unscheinbare Erz wird für die Erzeugung von Tantal genutzt, welches man wiederum vor allem zur Herstellung von Werkstoffen und in der Elektronikindustrie benötigt. Tantal wird beispielsweise für Kondensatoren in Handys, Flachbildschirmen, Notebooks, in der Autoelektronik oder auch als Legierung in der Raumfahrtindustrie eingesetzt. Zirka 80 % des afrikanischen Tantals stammen aus der DR Kongo. Die Problematik bei dem Coltanabbau im Kongo besteht nach Darstellung der Forscher darin, dass er illegal von den Kriegsparteien betrieben wird und zu erheblichen Schäden von Mensch und Natur führt. Aufgrund fehlender Kontroll- und Verwaltungsstrukturen der Regierung in Kinshasa, setzte sich ein ungeregelter Abbau durch, an dem auch Regierungssoldaten, Soldaten der Warlords, zivile und militärische Mitglieder der Provinz-, Stadt- und Zentralverwaltungen, sowie örtliche Milizen beteiligt sind. Die Stärke der Auseinandersetzungen im Kongo stieg mit dem Preis für das Tantal und fand seine vorläufige Spitze in der Hochpreiszeit des Erzes in den Jahren 1999 und 2000. "In dieser Phase wurde Coltan aus der DR Kongo verstärkt vom Weltmarkt nachgefragt.", so der deutsche Forschungsbericht. Der Abbau von Coltan habe zu einer "Intensivierung und Verlängerung des Krieges in der DR Kongo geführt, an dem sich zu unterschiedlichen Zeiten und entsprechend der Machtverhältnisse die jeweilige Regierung, Rebellen und Nachbarländer bereichert haben", heißt es.

[...]


[1] The Fund of Peace, Failed States Index, 2007. Online im Internet:
URL: http://www.fundforpeace.org /web/index.php?option=com_content&
task=view&id=229&Itemid=366 [18.06.2007].

[2] United Nations Development Programme, Human Development Report, 2006. Online im
Internet: URL: http://hdr.undp.org/hdr2006/statistics/countries/country_fact_sheets/
cty_fs_COD.html [30.07.2007]

[3] United Nations, Final Report of the Panel of Experts on the Illegal Exploitation of Natural
Resources and Other Forms of Wealth of the Democratic Republic of the Congo,
16.10.2002, S.7

[4] URL: http://www.geolinde.musin.de/afrika/html/afr_coltan_medico.htm [29.07.2007]

[5] URL: http://www.weltpolitik.net/Regionen/Afrika/DR%20Kongo/Analysen/
Der%20Kongo%20-%20Eine%20Konfliktanalyse.html [ 29.07.2007]

[6] Umweltforschungsplan des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit, Forschungsbericht 363 01 124, Maßnahmen und Konzepte zur Lösung des
Problems konfliktverschärfender Rohstoffausbeutung am Beispiel Coltan, Online im Internet: URL: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?
anfrage=Kennummer&Suchwort=3182 [29.07.2007]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Krieg um Rohstoffe und die ökologischen Folgen der Rohstoffausbeutung am Beispiel der DR Kongo
Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V81742
ISBN (eBook)
9783638880510
ISBN (Buch)
9783638880602
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Krieg, Rohstoffe, Folgen, Rohstoffausbeutung, Beispiel, Kongo
Arbeit zitieren
Michael Wicke (Autor), 2007, Krieg um Rohstoffe und die ökologischen Folgen der Rohstoffausbeutung am Beispiel der DR Kongo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81742

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