Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den Herrscherkult unter Augustus näher darzustellen und die Frage zu diskutieren, ob Augustus den Herrscherkult bewusst als Mittel zu seiner Divinisierung eingesetzt hat oder ob seine Verehrung Bedürfnissen der Bevölkerung entsprang.
Einleitend gibt es einen kurzen Überblick über die Geschichte der Herrscherverehrung von den alten Hochkulturen bis zum Beginn der römischen Kaiserzeit.
Anschließend folgt eine allgemeine Darstellung der augusteischen Kulte, sowie gesondert die der Kulte in den Provinzen und der in Rom praktizierten. Dabei werde ich ausführlicher auf den Kult des Genius Augusti eingehen.
Nachdem ich so einen Überblick über den Herrscherkult allgemein und im speziellen bei Augustus gegeben habe, werde ich abschließend anhand gegensätzlicher Forschermeinungen auf die Frage eingehen, ob Augustus sich im Gebrauch bzw. Missbrauch des Herrscherkultes zurückhielt, oder diesen zu seinen Gunsten, d.h. zur Divinisierung seiner Person, eingesetzt und ausgenutzt hat. Anhand einiger schriftlicher Quellen Suetons und Augustus´(Kaiserviten, Res Gestae) sowie mehrerer Münzabbildungen wird die Frage erörtert, von wem die Initiative zur Verehrung des Augustus ausging.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Geschichte des Herrscherkultes
1. Allgemein
2. Mesopotamien
3. Ägypten
4. Griechenland
a) Heroenkult
b) Vergöttlichung Sterblicher
III. Herrscherkult unter Augustus
1. Allgemein
2. Herrscherkult in den Provinzen
3. Kulte in Rom
a) Allgemein
b) Genius Augusti
IV. Forschungskontroverse: Divinisierung des Augustus?
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Herrscherkult unter Augustus, um zu klären, ob dieser gezielt als Instrument zur Divinisierung des Kaisers instrumentalisiert wurde. Dabei wird analysiert, inwieweit die Verehrung auf Eigeninitiative der Bevölkerung zurückzuführen war oder ob Augustus den Prozess strategisch lenkte.
- Historische Herleitung des Herrscherkultes aus alten Hochkulturen.
- Differenzierung zwischen augusteischen Kulten in Rom und den Provinzen.
- Die Bedeutung des Kults des Genius Augusti als Bindeglied zwischen Staat und Volk.
- Analyse gegensätzlicher Forschermeinungen zur bewussten Divinisierung.
- Auswertung von Primärquellen wie Res Gestae, Sueton und Münzprägungen.
Auszug aus dem Buch
1. Allgemein
Herrscherkult wird von J. R Fears als „die Praxis, lebenden oder toten Herrschern Opfer oder andere Formen kultischer Verehrung zuteil werden zu lassen“, definiert. Die Grundlage für den Herrscherkult ist im Polytheismus zu suchen, der es den Menschen erlaubt, in – vor allem für sie unerklärlichen – Mächten und Kräften oder in bedeutenden Persönlichkeiten neue, bisher unbekannte Gottheiten zu erkennen. Im Polytheismus erkennen wir also, dass im Altertum eine Bereitschaft und wahrscheinlich auch das Verlangen bestanden, die Welt der Götter immer weiter auszudehnen und wachsen zu lassen, um die Welt des Unerklärlichen dem Menschen verständlich erscheinen zu lassen. Das erreichte man dadurch, dass alles Unerklärliche dem Wirken bestimmter Götter zugeschrieben wurde.
Ebenso konnte man auch Menschen, die Bedeutendes geleistet hatten oder durch ihre Stellung bedeutend waren (hier: Herrscher) in die Sphäre des Göttlichen erheben. Schon in den frühen Hochkulturen Ägyptens und Mesopotamiens kannte man laut Fears Formen des Herrscherkultes. Diese unterschieden sich jedoch vom „traditionellen“ Herrscherkult Griechenlands und Roms deutlich und beeinflussten ihn in keiner Weise. Auch besaß der Herrscherkult der alten Hochkulturen nie die Bedeutung und Ausprägung, die ihm in der griechisch-römischen Welt zukam. Entscheidender Unterschied ist m. E. die „Vernachlässigung“ des Göttlichen im Hinblick auf den Herrscher.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Darstellung der Zielsetzung der Arbeit sowie des methodischen Vorgehens anhand von Primärquellen wie Suetons Kaiserviten und Augustus' Res Gestae.
II. Geschichte des Herrscherkultes: Überblick über die Ursprünge der Herrscherverehrung in Mesopotamien, Ägypten und Griechenland unter Berücksichtigung des Einflusses des Polytheismus.
III. Herrscherkult unter Augustus: Analyse der augusteischen Kulte, mit Fokus auf die regionale Differenzierung zwischen Provinzen und Rom sowie die spezifische Rolle des Genius Augusti.
IV. Forschungskontroverse: Divinisierung des Augustus?: Diskussion widersprüchlicher Forschungsthesen zur bewussten Nutzung des Kultes durch Augustus zur Machtsicherung versus spontaner Volksverehrung.
Schlüsselwörter
Augustus, Herrscherkult, Divinisierung, Kaiserzeit, Genius Augusti, Dea Roma, Polytheismus, Res Gestae, Sueton, Provinzialkult, Machtkonsolidierung, Prinzeps, antike Geschichte, Vergöttlichung, Staatskult.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Herrscherkult während der Regierungszeit des Augustus und beleuchtet dessen Funktion im Kontext der politischen Selbstdarstellung und Divinisierung des Kaisers.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Neben einer historischen Einordnung des Herrscherkultes in den alten Hochkulturen stehen die augusteischen Kulte in den Provinzen und in Rom, insbesondere der Genius Augusti, im Zentrum.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit diskutiert, ob Augustus den Herrscherkult bewusst und strategisch als Mittel zu seiner eigenen Divinisierung einsetzte oder ob die Verehrung primär auf Dankbarkeit der Bevölkerung basierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung genutzt?
Es wird eine quellenkritische Analyse angewandt, wobei Suetons Schriften, die Res Gestae des Augustus sowie numismatische Quellen (Münzabbildungen) gegenüber Forschermeinungen abgewogen werden.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Herleitung des Phänomens und eine detaillierte Untersuchung der augusteischen Verehrungspraktiken, gefolgt von einer kritischen Debatte aktueller Forschungspositionen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren das Werk?
Kernsachbegriffe sind unter anderem Divinisierung, Herrscherkult, Genius Augusti, Prinzeps und die Spannung zwischen offizieller Staatskultur und privater Verehrung.
Warum spielt die Dea Roma eine so wichtige Rolle für Augustus?
Augustus verknüpfte seinen Kult meist mit der Dea Roma, um den individuellen Herrscherkult politisch „abzufedern“ und ihn so für das römische Staatsverständnis akzeptabler zu gestalten.
Wie unterscheidet sich die Verehrung in den Provinzen von jener in Rom?
In den östlichen Provinzen war eine Verehrung des Herrschers als Gott leichter zu etablieren, während Augustus in Rom jegliche direkte göttliche Weihung seiner Person strikt ablehnte und stattdessen indirekte Kultformen wie den Genius Augusti zuließ.
- Quote paper
- Andreas Fuhrmanski (Author), 1997, Augustus - Herrscherkult und Divinisierung , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81766