Diese Beobachtungen und Erfahrungen aus eigener Unterrichtspraxis sollen nicht als "Regeln" aufgefasst werden, selbst wenn es manchmal so klingt, sondern eher als Anregung zum Erfahrungsaustausch und vielleicht auch als Grundlage für Diskussionen darüber, wie wir - wenigstens im eigenen Literaturunterricht - der Passivität unserer Studenten begegnen können.
Wahrscheinlich wird das Interesse an deutscher Kultur (besonders Musik und Philosophie) nie ganz absterben. Aber dafür braucht man nicht jahrelang die schwierige Sprache zu studieren. Man kann sich auch auf Japanisch informieren. Zur Not wird man die deutsche Sprache auch bald mit geduldigen Computern lernen können. Deutsche Literatur aber wird zum Spezialstudium werden, etwa vergleichbar der Musik, die nur noch an wenigen Institutionen gelehrt wird.
Inhaltsverzeichnis
I
II
III
IV
V
VI
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht praktische Strategien zur Aktivierung japanischer Studenten im deutschsprachigen Literaturunterricht, um der typischen Passivität und Redescheu in einem durch das japanische Bildungssystem geprägten Umfeld entgegenzuwirken.
- Analyse der Lernvoraussetzungen und soziokulturellen Hintergründe japanischer Studenten.
- Kriterien für die Auswahl geeigneter, motivierender literarischer Texte.
- Methoden der aktiven Unterrichtsgestaltung und Textverarbeitung.
- Optimierung von Prüfungsmethoden zur Förderung der Arbeitsmoral.
Auszug aus dem Buch
III
In welcher Form können wir die von uns sorgfältig ausgewählten Werke im Unterricht behandeln?
Die grundlegende Herausforderung für uns als Literaturlehrer im Ausland ist die Notwendigkeit, jederzeit im Unterricht simpelstes Deutsch zu sprechen. Das ist jüngeren Akademikern oft unmöglich und verlangt selbst erfahrenen Auslandslehrern die größte Konzentration ab. Anfangs, bis sich eine gewisse Routine eingestellt hat, müssen wir praktisch bei jedem Satz überlegen, ob wir ihn so sagen können, ob er in dieser Formulierung verstanden werden kann. Zugleich müssen wir fortwährend Augenkontakt mit den Studenten halten ("scanning"), um sicher zu stellen, dass wir verstanden wurden. Wenn wir ratlose Mienen wahrnehmen, müssen wir sofort das zuletzt Gesagte umformulieren, solange, bis wir von der Mehrheit verstanden werden. Denn ein Monologisieren ohne Schülerresonanz ist vollkommen sinnlos. Es ist nicht nur eine Zeitverschwendung für Schüler und Lehrer; es hat auch verderbliche Wirkungen: Die Studenten resignieren und "schalten ab". - Und man sollte nicht sich selbst gegenüber die faule Ausrede gebrauchen, die Studenten wurden sich schon allmählich "hineinhören", sie müssten sich an anspruchsvolleres Deutsch gewöhnen. Wie sollen sie das, wenn sie bereits "abgeschaltet" haben? Nur durch langsame Steigerung des Sprachniveaus können wir das erreichen.
Wenn ich - nach über dreißigjähriger Lehrtätigkeit im Ausland - gefragt würde, welcher Teil meiner Arbeit der mühsamste ist, müsste ich antworten: die Notwendigkeit, mich jederzeit auf das Sprachniveau meiner Studenten einzustellen, ohne dabei den Unterricht allzu primitiv ausfallen zu lassen. - Zugleich aber dürfen wir unsere Spontaneität und menschliche Wärme nicht verlieren! Man darf uns also die Anstrengung und Konzentration nicht anmerken. - All dies ist äußerst schwer. Extravertierten Lehrertypen fällt es meist leichter, als dem "typisch deutschen, introvertierten Gelehrten", der sich ohnehin mehr für sein Fach interessiert als für seine Studenten. -
Zusammenfassung der Kapitel
I: Einleitung in die strukturellen und kulturellen Rahmenbedingungen des fremdsprachlichen Literaturunterrichts in Japan, insbesondere die Passivität der Studenten.
II: Diskussion über die Auswahl geeigneter literarischer Werke, die sowohl sprachlich bewältigbar als auch inhaltlich für japanische Studenten motivierend sind.
III: Darstellung konkreter didaktischer Strategien zur aktiven Gestaltung des Literaturunterrichts und zur Steuerung der Sprachnutzung.
IV: Erörterung der Gestaltung von Testen und Prüfungen, um Transparenz zu schaffen und die Arbeitsmoral der Studenten stetig zu fördern.
V: Betrachtung der Rolle der japanischen Sprache im Unterricht und der Bedeutung einer gezielten, pädagogisch motivierten Kommunikation.
VI: Reflexion über die Stellung des deutschen Lektors im japanischen Lehrkörper und die daraus resultierenden Herausforderungen bei der pädagogischen Eignung.
Schlüsselwörter
Literaturunterricht, Japan, Studentenbeteiligung, Fremdsprachenerwerb, Lehrmethodik, Textauswahl, Didaktik, Interkulturelle Kommunikation, Lesescheu, Motivation, Prüfungsstrategien, DAAD-Lektorat, Deutsch als Fremdsprache, Klassische Literatur, Literaturvermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Herausforderung, japanische Studenten im Kontext des deutschsprachigen Literaturunterrichts aktiv zur Beteiligung und zum Sprechen in der Fremdsprache zu motivieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören die Analyse kulturell bedingter Passivität, Kriterien für eine geeignete Textauswahl, Techniken zur Unterrichtssteuerung sowie Strategien zur motivierenden Gestaltung von Leistungsüberprüfungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Lektoren und Lehrenden an japanischen Universitäten begrenzte, aber effektive Strategien an die Hand zu geben, um die Studentenbeteiligung zu steigern und das Interesse an deutscher Literatur zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die langjährige Erfahrung und praktische Reflexion des Autors im Ausland, kombiniert mit pädagogischen Beobachtungen zur Didaktik des Literaturunterrichts.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden methodische Ansätze wie die notwendige Vereinfachung der Sprache durch den Lehrer, die schrittweise Einführung von Textanalysen, das aktive Korrigieren und ein durchschaubares Punktsystem zur Leistungsmessung detailliert erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Literaturunterricht, Aktivierung, Didaktik, Interkulturelle Kommunikation und Lehrermethodik charakterisiert.
Warum ist die Sprachwahl des Lehrenden in Japan so entscheidend?
Die Sprachwahl ist entscheidend, da das konsequente Sprechen in der Fremdsprache (Deutsch) – trotz des schwierigen Niveaus – die einzige Möglichkeit ist, die Studenten zur aktiven Sprachnutzung zu zwingen und die Passivität zu durchbrechen.
Wie soll laut dem Autor mit den häufigen "Leisesprechen" der Studenten umgegangen werden?
Der Autor empfiehlt, das Leisesprechen konsequent nicht durchgehen zu lassen, den Unterrichtsraum räumlich so zu gestalten, dass andere Studenten zwischen Lehrer und Sprechendem sitzen, und durch die Aufforderung zu lautem Sprechen eine gegenseitige Korrektur und ein gemeinsames Lernen zu ermöglichen.
- Quote paper
- Dr. Wolfgang Ruttkowski (Author), 1988, Strategien zur Aktivierung japanischer Studenten im Literaturunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8180