Sylvias Emanzipation in Sarah Orne Jewett´s 'A White Heron'


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

15 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Inhaltsangabe des Werkes

3 Erläuterung des Initiationsprozesses

4 Sylvia vor der Begegnung mit dem Jäger

5 Der Jäger als männliche Dominanz

6 Der weiße Fischreiher als Symbol

7 Sylvias Reise
7.1 Physische Reise
7.2 Imaginative Reise
7.3 Die symbolische Bedeutung der Kiefer

8 Sylvias Rückkehr zur Farm

9 Sylvias Schweigen

10 Schlussfolgerung

11 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die weibliche Emanzipation gegenüber der männlichen Dominanz in einer patriarchalen Gesellschaft ist ein sehr bedeutsames und oft diskutiertes Thema in der Literatur. Viele Autorinnen behandeln dieses Thema sowohl explizit, als auch implizit, durch Verwendung verschiedener Textstrategien, wie zum Beispiel den Gebrauch von Metaphern, binären Mustern und Stereotypen in ihren Werken.

Die 1886 verfasste Kurzgeschichte „A White Heron” von Sarah Orne Jewett befasst sich ebenfalls mit dieser Thematik. Es ist eines der bekanntesten Werke Sarah Orne Jewett´s. Diese Geschichte ist in der Literatur aufgrund ihrer schonungslosen neuenglischen Milieustudien und der Selbstbehauptung der weiblichen Protagonistin so bedeutend. Sie ist als einer der Höhepunkte der amerikanischen Regionalliteratur dieser Zeit zu sehen. Diese Erzählungen, welche in der Zeit der weiblichen local-color -Literatur entstanden sind, versuchen dem Leser aufzuzeigen, zu welchem Preis weibliche Selbstbehauptung möglich ist.[1]

An diesem Punkt setzt auch meine Hausarbeit an. Ich möchte in meiner Hausarbeit den Initiationsprozess Sylvias darstellen. Die Leitfrage hierbei ist, wodurch der Prozess des Erwachsenwerdens eingeleitet worden ist und welche Faktoren ihn beeinflusst haben. Um eine Grundlage für diese literaturwissenschaftliche Untersuchung zu schaffen, führe ich eine Inhaltsangabe zum besseren Verständnis der Erzählung an. Als zweiter Schritt wird der Begriff Initiationsprozess genauer erläutert, welcher die Basis meiner späteren Analyse bildet, in der ich anhand von Textstellen Sylvias Veränderung im Bewusstsein und Charakter herausarbeite, um in meiner Schlussfolgerung das Ende der Erzählung zu interpretieren.

2 Inhaltsangabe des Werkes

Die Kurzgeschichte handelt von einem neunjährigen Mädchen namens Sylvia, welches von einer dicht besiedelten Industriestadt zu ihrer Großmutter Mrs. Tilley aufs Land zieht. Sylvia ist zu Anfang ein schüchternes und menschenscheues Mädchen, dessen einzige Gefährtin eine alte schwerfällige Kuh ist. Eines Tages begegnet ihr auf ihrem Heimweg vom Wald ein junger Mann, der für die Nacht eine Unterkunft sucht. Er findet letztendlich auch bei Sylvia und ihrer Großmutter Unterschlupf. Der Mann, ein Vogeljäger, ist auf der Suche nach dem weißen Fischreiher, einem sehr seltenen Vogel. Diesen jagt er um seine Vogelsammlung zu vervollständigen. Die alte Frau erzählt ihm, dass Sylvia sehr vertraut mit Tieren ist und sicher weiß, wo sich dieser Vogel befindet. Der Jäger verspricht ihnen 10 Dollar Belohnung, wenn Sylvia ihm zeigt, wo sich das Nest des Reihers befindet. Trotz der Tatsache, dass Silvia beginnt sich in den jungen Mann zu verlieben, sie und ihre Oma das Geld gut gebrauchen können und sie weiß, wo das Nest des Fischreihers ist, verrät sie es dem Jäger nicht und behält dieses Geheimnis für sich. Sie durchläuft in der ländlichen Idylle fern der Zivilisation einen Entwicklungsprozess, der sie reifen lässt.

3 Erläuterung des Initiationsprozesses

Der Initiationsprozess nach Peter Freese besagt, dass die Initiation ein Wandlungs- und Entwicklungsvorgang des meist jungen Menschen ist. Die Initiation vollzieht sich immer in drei Teilen. Der erste Teil ist hierbei der Ausgang, der zweite Teil ist der Übergang und der dritte Teil ist der Eingang.[2]

Ausgang bedeutet, der Mensch verlässt den alten Sein- und, oder Sinneszustand, beziehungsweise alte Denk- und Handlungsstrukturen. Die Übergangsphase des zweiten Teiles ist meist eine Zeit der Orientierung und eine Mischform aus altem und neu erlerntem Verhalten, sowie die Entwicklung von neuen Sichtweisen bezogen auf die Welt. Der Eingang als letzter Teil des Entwicklungsprozesses bezeichnet den neuen Zustand im dem sich die Person befindet und der dauerhaft bleiben wird, wie zum Beispiel das Erwachsensein.

Bei Freese sind die Initiationserfahrungen jedoch an die konventionellen männlichen Rollenbilder gebunden, das heißt die Initiationserfahrungen, wie von jungen Jägern, Kämpfern oder Soldaten stehen bei ihm im Mittelpunkt der Analyse.

Rita Mae Brown beschreibt die Initiation wie folgt:

“[…]initiation is per se a strongly gender- related process preparing girls and boys for their futur roles in society.”

“An initiation story may be said to show its young protagonists experiencing a significant change of character about the world or himself, or a change of character, or of both, and this change must be point or lead him towards an adult world. It may or may not contain some form of ritual, but it should give evidence that the change is at least likely to have permanent effects.”[3]

In Initiationsgeschichten verändert der Protagonist entweder sich selbst, also seinen Charakter oder seine Sichtweise bezogen auf die Welt. Meist ist es ein Prozess des Erwachsenwerdens vom Jungen zum Mann oder wie im Falle Sylvias vom Mädchen zur Frau. Zudem kann Initiation auch die Einführung und Aufnahme in die Gemeinschaft und Gesellschaft bedeuten. Dies wird meist durch eine rituelle Handlung vollzogen, wie zum Beispiel der Taufe oder Konfirmation im Christentum.

4 Sylvia vor der Begegnung mit dem Jäger

Vor der Begegnung mit dem Jäger ist Sylvia ein kleines, unschuldiges Mädchen, das gerne im Freien herumstrolcht. Sie hat einen schüchternen und menschenscheuen Charakter. Außerdem ist sie Männern gegenüber generell ängstlich, sogar feindlich eingestellt. Was wohl darauf zurückzuführen ist, dass Sylvia als sie noch bei ihren Eltern in der Stadt gelebt hat, von einem Jungen mit einem roten Gesicht drangsaliert worden ist. Dieser hat sie gejagt und sogar zu Tode erschreckt. Bereits hier wird die Dominanz des Männlichen erkennbar. Gerade deshalb scheint das Mädchen sich fern der Zivilisation, ohne Männer in ihrem Umfeld sichtlich wohl zu fühlen und aufzublühen.

„[…] und Sylvia selbst machte den Eindruck, als hätte sie niemals wirklich gelebt, bevor sie auf den Hof kam.“[4]

“Als sie damals die Tür des einsamen Hofes erreicht hatten und stehen blieben, um sie aufzuschließen, und die Katze kam, sich laut schnurrend an ihnen zu reiben[…] flüsterte Sylvia, dies sei ein wunderschöner Ort, und sie werde niemals wieder nach Hause gehen wollen.“[5]

Die ganze Szenerie, welche Sarah Orne Jewett in ihrer Erzählung kreiert, ist sehr idyllisch beschrieben; die Natur, die vielen Tiere und in mitten dieser ländlichen Bilderbuchidylle lebt Sylvia mit ihrer Großmutter und einer treuen Gefährtin, der Kuh. Beschrieben wird eine rein feminine Welt, frei von dem Lärm der Großstadt und den ihr so bekannten feindlichen Einflüssen. Auf dem Land fühlt sich Sylvia sicher und geborgen, hier ist ihr zu Hause. Die Kurzgeschichte erinnert speziell durch ihren Aufbau und die Protagonisten an ein Märchen. Ein kleines Mädchen ist bei der Großmutter, geht allein in den Wald und dann kommt ein Jäger, hier wird eine Analogie zu „Rotkäppchen“ der Gebrüder Grimm deutlich. Der Jäger verkörpert zudem einen zentralen Wendepunkt in der Geschichte, denn sein Auftauchen ändert die Gesamtszenerie dieses idyllischen Ortes und leitet auch eine Entwicklung bei Sylvia ein. Die dazu gehörige Interpretation folgt in den weiteren Punkten.

5 Der Jäger als männliche Dominanz

Der Jäger wird von Anfang an in der Geschichte als fremdartiges und bedrohliches Element dargestellt. Sylvia wird starr vor Schreck, als sie das harte und angriffslustige Pfeifen des Jägers vernimmt.

„Plötzlich wurde diese kleine Waldmädchen starr vor Schrecken, als es ganz in der Nähe ein lautes Pfeifen vernahm, keinen Vogelpfiff, der ihr vertraut geklungen hätte, sondern der Pfiff eines Jungen, hart und angriffslustig.[…] aber es war schon zu spät. Der Feind hatte sie entdeckt […]“[6]

[...]


[1] Vgl.:Breining, Helmbrecht. Zapf, Hubert. Amerikanische Literaturgeschichte. Stuttgart; Weimar 1996. Seite 170

[2] Vgl.: Freese, Peter ,,Die Initiationsreise/ Studien zum jugendlichen Helden im modernen amerikanischen Roman". Neumünster 1971

[3] Brown, Rita Mae “Rubyfruit Jungle” New York: Bantam 1977 Seite 31

[4] Stolterfoth, Jessica „Von Hawthorne Bis Thurber. Amerikanische Kurzgeschichten“. Hg. von Europäische Verlagsanstalt Frankfurt/Main.1950. (29. Auflage). Seite146

[5] Ebd.

[6] Stolterfoth, Jessica „Von Hawthorne Bis Thurber. Amerikanische Kurzgeschichten“. Hg. von Europäische Verlagsanstalt Frankfurt/Main.1950. (29. Auflage). Seite 147

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Sylvias Emanzipation in Sarah Orne Jewett´s 'A White Heron'
Hochschule
Universität Mannheim  (Amerikanistik)
Veranstaltung
American Short Stories And Theorie
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V81809
ISBN (eBook)
9783638892520
ISBN (Buch)
9783638892568
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sylvias, Emanzipation, Sarah, Orne, Jewett´s, White, Heron, American, Short, Stories, Theorie
Arbeit zitieren
Tamara Schaub (Autor:in), 2007, Sylvias Emanzipation in Sarah Orne Jewett´s 'A White Heron', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81809

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