Das Für und Wider der Tobin Tax


Seminararbeit, 2002

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis :

1. Darstellung der Tobin Tax
1.1. Historische Hintergründe
1.2. Was ist die Tobin Tax ?
1.3. Grundannahmen des Modells

2. Überblick über die Devisenmärkte
2.1. Entwicklung der Devisenmärkte nach Bretton Woods
2.2. Was wird gehandelt ?
2.3. Wo wird gehandelt ?
2.4. Wer handelt ?
2.5. Anteil der Spekulation

3. Pro & Contra der Tobin Tax
3.1. Contra Argumente
3.1.1. Steuervermeidung der Banken
3.1.2. Politische Einigung nötig
3.1.3. Verzerrung der Finanzmärkte
3.1.4. Wahl der verantwortlichen Institution
3.2. Pro Argumente
3.2.1. Steuer wirkt selektiv gegen Spekulation
3.2.3. Handlungsspielraum der Regierungen
3.2.4. Steuereinnahmen

4. Resumé

1. Darstellung und Funktionsweise der Tobin – Tax

1.1 Hintergrund :

Im Jahre 1967 wurde das System von Bretton Woods aufgekündigt, das den Dollarkurs direkt an Gold koppelte. Dieses System sorgte seit Ende des zweiten Weltkrieges für die notwendige Stabilität und Sicherheit. 4 Jahre nach Aufgabe des Goldstandards wurden 1971 auch die festen Wechselkurse aufgegeben.

Zwischen den Währungen der Industrieländer wurde ein variables Wechselkurssystem eingeführt.

Die Folge waren erstmals Attacken von Spekulanten auf die einzelnen Währungen.

Nicolas Kaldor definierte 1939 die Spekulation folgendermaßen: „ Eine Transaktion, die nicht mit einem Vorteil verbunden ist, der auf dem Gebrauch einer Ware oder einer wie auch immer gearbeiteten Verarbeitung eines bestimmten Gutes besteht.“

In den Devisenhandel übersetzt heißt das, dass ein Spekulant weder den Import von Gütern durch seinen Währungstausch finanzieren will, noch Geld im Ausland anlegen will. Seine einzige Hoffnung ist, dass er relativ kurzfristige Kursschwankungen ausnutzen kann, und durch richtige Antizipation der Kursbewegung einen Gewinn machen kann.

Viele Ökonomen sind der Meinung, dass der große Anteil der Spekulanten an den internationalen Devisenmärkten nicht vorteilhaft ist. So seien die Spekulanten Schuld an den zum Teil erheblichen Wechselkursschwankungen. Diese Volatilität der Wechselkurse mache es den Ländern, und hier besonders den Entwicklungsländern, schwer eine konsistente Wirtschaftspolitik zu führen. Beispielsweise seien Regierungen genötigt, die Zinssätze öfter zu ändern als ihnen lieb sei, um den Wechselkurs in einem für sie akzeptablen Korridor zu halten.

Es wurden also mehrere Modelle entwickelt, um die Spekulation einzudämmen, und somit die Volatilität der Wechselkurse zu verringern. Eine Idee davon war die sogenannte Tobin – Tax .

1.2. Was ist die Tobin Tax ?

Im Jahre 1972[1] schlägt James Tobin, ein amerikanischer Ökonom, seine nach ihm benannte Steuer vor. Hierbei handelt es sich um eine Steuer auf internationale Währungstransaktionen. Für jeden getätigten Währungstausch soll ein kleiner prozentualer Anteil vom gesamten Handelsvolumen an Steuern gezahlt werden. In heutigen Vorschlägen geht man dabei von einer Steuerhöhe von 0,1% - 0,25% des Volumens aus.

Man stelle sich als Beispiel einen europäischen Spekulanten vor, der auf einen Dollaranstieg in der kommenden Woche hofft. Er wird also montags eine Million Euro in Dollar tauschen, und diesen Vorgang freitags wieder rückgängig machen. Er würde also bei einem Steuersatz von 0,25% beim Dollarkauf sowie beim Dollarverkauf jeweils eine Steuer von 2500 Euro zahlen müssen.

Heute wird die Tobin Tax besonders von entwicklungspolitischen Organisationen oder von Globalisierungsgegnern befürwortet. Ihre Intention sind die Steuereinnahmen, die sie an die Entwicklungsländer weitergeben möchten. Somit liegt ihr Wunsch eher daran die Big Players der internationalen Finanzbranche in die Finanzierung der Entwicklungsprobleme mit einzubeziehen.

Der Sinn den James Tobin selbst in seiner Steuer sah, war jedoch ein anderer.

So sagte Tobin noch im letzten Jahr: „ Die Devisenumsatzsteuer war dafür gedacht, Wechselkursschwankungen einzudämmen. Denn viele Investoren legen ihr Geld sehr kurzfristig in Währungen an. Wird dieses Geld plötzlich zurückgezogen, müssen die Länder die Zinsen drastisch anheben, damit die Währung attraktiv bleibt. Hohe Zinsen sind aber oft desaströs für die heimische Wirtschaft. Meine Steuer würde Notenbanken kleiner Länder Handlungsspielraum zurückgeben und dem Diktat der

Finanzmärkte etwas entgegensetzen.“[2]

Damit seine Steuer erstens den Regierungen wirklich mehr Macht zurückgibt, und zweitens positive Wohlfahrtseffekte aufweist, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein, die ich im folgenden Abschnitt kurz erläutern werde.

1.3. Grundannahmen des Modells

Wie oben bereits angedeutet, sah Tobin den Hauptzweck seiner Steuer darin, die Volatilität der Wechselkurse zu verringern. Er geht davon aus, dass Währungsspekulanten durch die Bildung extrapolativer Erwartungen die Kursbewegungen jeweils verstärken. Dies hieße, je mehr Spekulanten im Markt wären, desto volatiler wären die Kurse. Dieser Ansicht sind auch Ökonomen wie Nurkse ( 1944) oder Keynes ( 1936)[3].

Allerdings gibt es auch viele Gelehrte, die hier anderer Meinung sind. So geht beispielsweise Milton Friedman davon aus, dass destabilisierende Kapitalbewegungen für den Markt insgesamt nicht profitabel sein können, da in diesem Fall die Spekulanten bei hohen Kursen kaufen und bei niedrigen verkaufen. Deshalb finde unter den Spekulanten ein natürlicher Ausleseprozeß statt, bei dem destabilisierende Spekulanten ständig Verluste erleiden[4]. Dies würde also bedeuten, dass Spekulanten grundsätzlich den Kurs in Richtung des fairen Preises, bzw. des Gleichgewichts bewegen.

Schaut man sich jedoch die Entwicklung der internationalen Börsen in den letzten Jahren an, so liegt zumindest die Vermutung nahe, dass mehr Spekulanten gleichzeitig auch größere Volatilität der Kurse bedeuten. Wie sonst kann man sich den atemberaubenden Anstieg der neuen Märkte bis ins Frühjahr 2000 , und den anschließenden Kursrutsch erklären ? Wären hier stabilisierende Spekulanten am Werk gewesen, so hätten sie doch viel früher den fairen Preis gekannt, und die enormen Kursübertreibungen wären so nicht zustande gekommen.

In diesem Zusammenhang fand Gabriele Galati in einer empirischen Untersuchung heraus, dass die Korrelation zwischen Handelsvolumen und Volatilität in normalen Perioden positiv ist, aber negativ wird in Zeiten erhöhter Volatilität.[5] Wenn man also davon ausgeht, dass die Tobin Steuer das Handelsvolumen verringern wird, dann wird sich wahrscheinlich die Volatilität der Kurse in normalen Perioden verringern.

Die Idee den Anteil der Spekulanten verringern zu wollen ist also meiner Meinung nach durchaus nachzuvollziehen. Ein zweiter wichtiger Punkt ist aber, ob durch die Steuer nicht auch ein Teil an „gewünschten“ Transaktionen wie Investitionen oder Risikohedging erschwert werden. Eine Tobin Steuer macht nur Sinn, wenn die Wohlfahrtsgewinne durch die gesunkene Volatilität und durch die Steuereinnahmen die Verluste an diesen „gewünschten“ Transaktionen übertreffen. Auf diese Frage werden wir in Abschnitt 3.1.3. noch zurückkommen.

Verschaffen wir uns nun jedoch zuerst einmal einen Überblick über die Devisenmärkte, damit wir die Wirkungsweisen der Tobin Tax besser verstehen.

2. Überblick über die Devisenmärkte

2.1. Entwicklung der Devisenmärkte nach Freigabe der Wechselkurse:

Seit 1971 die Wechselkurse der großen Währungen freigegeben wurden hat sich der Devisenmarkt sehr schnell entwickelt. Während 1977 dort täglich 18,3 Milliarden Dollar umgesetzt wurden, so waren es 1995 bereits 1230 Milliarden Dollar. Einen guten Überblick über die Entwicklung zeigt folgende Tabelle[6].

Tabelle 2.1. :

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Daten zeigen das große Wachstum des Devisenhandels deutlich an. So entspricht das Anwachsen im Zeitraum von 1977 bis 1995 einem jährlich

Wachstum von circa 26 % . Für das Jahr 1998 schätzte die BIS den täglichen Umsatz auf circa 1500 Milliarden pro Tag.

Interessant ist der Vergleich mit den weltweiten Währungsreserven, die von den Zentralbanken gehalten wurden. Auch hier sieht man einen Anstieg von 265,8 Milliarden im Jahre 1977 auf 1202 Milliarden im Jahre 1995. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 8,7%. Vergleicht man aber nun das Verhältnis eben dieser Reserven mit dem täglichen Devisenumsatz, so stellt man fest, dass dieser Anteil ständig gesunken ist. Gab es 1977 noch genug Währungsreserven um 14,52 Tage des Devisenhandels zu bestreiten, so wurden 1995 an einem Tag durchschnittlich schon mehr Devisen gehandelt, als die Notenbanken in Reserve halten.

[...]


[1] The Tobin Tax – Prologue Seite ix

[2] Interview im Spiegel Online vom 3.September 2001

[3] Devisenmärkte und Wechselkurse – S.76

[4] Devisenmärkte und Wechselkurse – S 77

[5] BIS Working Paper Nr. 93 von Gabriele Galati ; Oktober 2000

[6] Zahlen von der BIS gefunden bei www.worldwidetimes.com

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Für und Wider der Tobin Tax
Hochschule
Universität Konstanz  (FB Politik)
Veranstaltung
Seminar Entwicklungspolitik
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V8186
ISBN (eBook)
9783638152280
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wider, Tobin, Seminar, Entwicklungspolitik
Arbeit zitieren
Tobias Menz (Autor:in), 2002, Das Für und Wider der Tobin Tax, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8186

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