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Der gefühlte Zoo

Eine Studie zum Tiermotiv in den Kurzgeschichten des Julio Cortázar

Title: Der gefühlte Zoo

Term Paper , 2005 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anne Renner (Author)

Romance Studies - Latin American Studies
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"Si se hiciera una estadística de mis libros. El porcentaje de animales sería enorme; para empezar, mi primer libro se llama “Bestiario”. En mi territorio de lo fantástico, efectivamente, hay una gran circulación de animales."

In meinem Gebiet des Fantastischen gibt es eine große Zirkulation von Tieren, sagt der argentinische Schriftsteller Julio Cortázar in einem Interview. Wer seine Kurzgeschichten liest, wird dies ohne Zögern bestätigen. Tiger, Ameisen, Kaninchen, Katzen, Axolotl oder auch Phantasietiere tauchen dort neben den menschlichen Figuren auf. Tiere in der Literatur sind dabei nichts Neues. Sie üben auf uns Menschen seit jeher eine große Faszination aus, und sie bevölkern unsere Geschichten, seitdem wir Geschichten erzählen. Allerdings verändern sich mit der Zeit sowohl die Menschen, als auch die Geschichten, die sie erzählen, als auch die Tiere in den Geschichten.
Untersuchungen zu Tieren in der Literatur setzten sich vor allem mit Fabeln, Mythen und Märchen auseinander und legen Nachdruck auf motivgeschichtliche Aspekte. In dieser Hausarbeit dagegen möchte ich in erster Instanz von einer Textanalyse einiger ausgewählter Kurzgeschichten Cortázars ausgehen. Meine Hauptfrage hierbei ist stets, welche Funktion die Tiere in der Geschichte erfüllen. Dabei ist die Art ihres Auftretens wichtig, sowie ihr Verhältnis zu den menschlichen Figuren. Weiterhin möchte ich die Tiere in Beziehung setzen zum Genre von Cortázars Kurzgeschichten, der fantastischen Literatur. Meine Zielsetzung ist es also, die spezifischen Aspekte von Cortázars Tieren herauszukristallisieren und damit gleichzeitig die Möglichkeiten, die das Genre der fantastischen Literatur und das Tiermotiv sich gegenseitig eröffnen, aufzuzeigen.
Die Kurzgeschichten, die ich für meine Analyse ausgewählt habe, stammen aus den ersten beiden Erzählbänden Cortázars. Aus Bestiario (1951) habe ich außer der gleichnamigen Erzählung noch “Carta a una señorita in París” ausgewählt. Aus dem darauf folgenden Band Final del Juego (1956), kommt die Geschichte “Axolotl”. Es finden sich in Cortázars literarischem Oeuvre zwar noch mehr Geschichten, in denen Tiere vorkommen, aber aufgrund des begrenzten Umfangs meiner Studie, beschränke ich mich auf die genannten drei. Es handelt sich um eine kleine Auswahl, die aber dennoch eine große Bandbreite in der Verwendung des Tiermotivs bietet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tier, Mensch und Literatur

3. Textanalyse

3.1 Bestiario

3.1.1 Der Tiger

3.1.2 Die Ameisen

3.2 Carta a una señorita en París

3.2.1 Die Kaninchen

3.3 Axolotl

3.3.1 Die Axolotl und der Mensch

4. Fazit: Tiere in Cortázars Kurzgeschichten

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifische Funktion von Tiermotiven in ausgewählten Kurzgeschichten von Julio Cortázar und analysiert deren Beitrag zum Genre der fantastischen Literatur.

  • Analyse des Tiermotivs als Spiegelbild der menschlichen Psyche.
  • Untersuchung der Verschränkung von Alltagsrealität und fantastischen Elementen.
  • Interpretation der Tiermotive als Symbole für unterdrückte Neurosen und Ängste.
  • Erforschung der Grenze zwischen Mensch und Tier in der literarischen Darstellung.

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Die Ameisen

Neben dem Tiger spielen Ameisen eine wichtige Rolle in „Bestiario“. Es ist in erster Instanz Nino, den Insekten faszinieren. Als Isabel hört, dass sie den Sommer bei den Funes verbringen soll, bringt sie ihn in Gedanken mit dem Fangen von Kakerlaken, Schmetterlingen und anderem Getier in Verbindung. Sie erinnert sich, wie er ihr vor drei Jahren in einem Buch Abbildungen von Fröschen und Fischen gezeigt hat. „Nino sapo, Nino pescado“, geht es ihr in der Geschichte mehrmals durch den Kopf. In diesem Sommer widmen sich die beiden zusammen einem Herbarium und einem Formikarium. Während das Beobachten der Tiere für Nino nur ein Spiel ist, nimmt das Formikarium für Isabel in der Geschichte jedoch eine abstraktere Funktion ein. Es wird zur Projektionsfläche für ihre Gefühle und Gedanken, zu einem Schlüssel zur Welt der Erwachsenen und zu einem Modell von Los Horneros: „Y le [Isabel] gustaba repitir el mundo grande en el cristal, ahora que se sentía un poco presa, ahora que estaba prohibido bajar al comedor hasta que Rema les avisara.“

Im Gegensatz zu dem Anwesen der Funes ist das Fomikarium ein relativ sicherer Ort. Ameisen sind keine Raubtiere, sondern ein Volk von Arbeiterinnen, mit einer Königin an der Spitze. Es ist ein sicherer Ort, wie es auch Isabels zu Hause ist, wo drei Frauen zusammen wohnen, und man vor keinem El Nene Angst haben muss. So gibt es auch im Formikarium keinen Tiger, der die Ameisen bedroht. Isabel stellt ihn sich nur einmal probeweise vor. Einen Tiger in Radiergummigröße. Sie überlegt, ob die Tiere in ihren Konstruktionen Hindernisse für ihn einbauen. Genauso, wie sie sich einen Tiger in die Ameisenwelt denkt, so geht sie mit einer Vielzahl von Ereignissen aus dem Alltag bei den Funes vor. Während sie zuschaut, wie die Ameisen im Formikarium unermüdlich arbeiten, arbeiten Isabels Gedanken ebenso angestrengt, um die Menschen in ihrer Umgebung zu verstehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Tiermotiv als gattungsübergreifendes Phänomen der Literatur ein und formuliert die Forschungsfrage zur Funktion der Tiere in Cortázars fantastischen Erzählungen.

2. Tier, Mensch und Literatur: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung des Verhältnisses zwischen Mensch und Tier sowie die literarische Instrumentalisierung von Tieren in Fabeln, Mythen und Bestiarien.

3. Textanalyse: Der Hauptteil untersucht detailliert die Erzählungen „Bestiario“, „Carta a una señorita en París“ und „Axolotl“ hinsichtlich der Funktion der darin auftauchenden Tiere.

3.1 Bestiario: Das Kapitel analysiert den Tiger als Symbol für die Bedrohung durch ein familiäres Tabu sowie die Rolle der Ameisen als Projektionsfläche für die kindliche Wahrnehmung.

3.1.1 Der Tiger: Hier wird der Tiger als das Element identifiziert, das beim Leser den für die Fantastik typischen Zweifel weckt und die latente Gefahr innerhalb des Hauses widerspiegelt.

3.1.2 Die Ameisen: Dieser Abschnitt beschreibt das Formikarium als ein Modell für die Welt der Erwachsenen und als Spiegelbild für die Ängste der Protagonistin Isabel.

3.2 Carta a una señorita en París: Die Analyse konzentriert sich auf den Ich-Erzähler, der Kaninchen erbricht, und interpretiert dieses Phänomen als Ausdruck seiner psychischen Belastung und kreativen Krise.

3.2.1 Die Kaninchen: Es wird untersucht, wie die Kaninchen den Tagesablauf des Protagonisten bestimmen und eine allegorische Lesart als kreative Schöpfung ermöglichen.

3.3 Axolotl: Dieses Kapitel befasst sich mit der faszinierenden Wirkung der Axolotl im Zoo und der anschließenden Identitätsverschmelzung von Mensch und Tier.

3.3.1 Die Axolotl und der Mensch: Der Fokus liegt auf der Überschreitung der Grenze zwischen Mensch und Tier sowie der Unmöglichkeit einer echten Kommunikation zwischen den Spezies.

4. Fazit: Tiere in Cortázars Kurzgeschichten: Das Fazit fasst zusammen, dass Tiere bei Cortázar primär als Stilmittel dienen, um die Psyche und unterdrückte Neurosen der menschlichen Figuren abzubilden.

5. Schluss: Der Schluss resümiert, dass die Vertierlichung der Menschen in den Erzählungen dazu dient, die Fragilität und Unerklärlichkeit des eigenen Alltags zu hinterfragen.

Schlüsselwörter

Julio Cortázar, Fantastische Literatur, Tiermotiv, Bestiario, Textanalyse, Neurosen, Projektionsfläche, Mensch-Tier-Verhältnis, Identität, Psychologie, Allegorie, Symbolik, Literaturwissenschaft, Kurzgeschichte, Motivgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie der argentinische Schriftsteller Julio Cortázar Tiere in seinen Kurzgeschichten einsetzt und welche Funktion diese Motive innerhalb seiner spezifischen Form der fantastischen Literatur einnehmen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind das Verhältnis zwischen Mensch und Tier, die Abbildung des menschlichen Unterbewusstseins durch literarische Symbole sowie die Überschreitung der Grenze zwischen Regelwirklichkeit und fantastischen Elementen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage zielt darauf ab, herauszufinden, welche Funktion die Tiere in den Geschichten erfüllen, wie ihr Auftreten gestaltet ist und in welcher Beziehung sie zum Genre der fantastischen Literatur stehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Methode der literaturwissenschaftlichen Textanalyse, ergänzt durch motivgeschichtliche Aspekte und den Rückgriff auf fachspezifische Literatur zur fantastischen Literaturtheorie.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Kurzgeschichten „Bestiario“, „Carta a una señorita en París“ und „Axolotl“ detailliert untersucht und die Rolle der jeweiligen Tiere (Tiger, Ameisen, Kaninchen, Axolotl) analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Fantastische Literatur, Tiermotiv, Psyche, Neurosen, Symbolik und literarische Projektionsfläche.

Wie deutet die Autorin das Erbrechen der Kaninchen in „Carta a una señorita en París“?

Die Autorin deutet die Kaninchen einerseits als psychosomatische Manifestation von Ängsten und Neurosen des Erzählers und andererseits als allegorische Darstellung seiner unkontrollierbaren Kreativität.

Warum fungieren die Axolotl als „Tor zu einer anderen Realität“?

Sie dienen als Tor, weil sie beim Protagonisten eine unerklärliche Faszination auslösen, die letztlich zu einem Bewusstseinswechsel und der Überschreitung der menschlichen Existenzgrenze führt.

Welche Rolle spielt das „Bestiarium“ als Genre-Anlehnung?

Die Anlehnung an das mittelalterliche Genre des Bestiariums dient Cortázar dazu, die Eigenschaften von Tieren mit einer didaktischen oder in diesem Fall symbolischen Ebene zu verknüpfen, ohne dabei die Naturwissenschaftlichkeit vollständig aufzugeben.

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Details

Title
Der gefühlte Zoo
Subtitle
Eine Studie zum Tiermotiv in den Kurzgeschichten des Julio Cortázar
College
Free University of Berlin  (Lateinamerika Institut)
Course
Das Fantastische in der argentinischen Literatur des 20. Jahrhunderts
Grade
1,0
Author
Anne Renner (Author)
Publication Year
2005
Pages
22
Catalog Number
V81932
ISBN (eBook)
9783638885478
ISBN (Book)
9783638949071
Language
German
Tags
Literatur Fantastik Cortázar Tiermotiv Kurzgeschichten argentinische Literatur Argentinien fantastische Literatur Bestiario Final del Juego
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anne Renner (Author), 2005, Der gefühlte Zoo, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81932
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