Mediale Wahrnehmung bei Walter Benjamin


Hausarbeit, 2007
14 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Entstehung und Wirkung des Aufsatzes

2. Das Kunstwerk und dessen Wahrnehmung
2.1 Das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit
2.2 Die Bestimmungen des Kunstwerkes
2.3 Der Verfall der Aura

3. Benjamins Auffassung von Fotografie und Film
3.1 Kontemplative Wahrnehmung
3.2 Die Wahrnehmung von Filmen

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

In unserer Zeit sind Reproduktionen von Kunstwerken allgegenwärtig und werden stärker rezipiert als die dazugehörigen Originale. Fast jeder weiß, wie Da Vincis “Mona Lisa” aussieht, aber nur die wenigsten haben das originale Gemälde schon im Pariser Louvre begutachtet. Das selbe trifft auch auf die Musik zu. Speichermedien sorgen für musikalische Unterhaltung fern von Konzerthallen.

Der deutsche Kulturwissenschaftler und Literaturkritiker Walter Benjamin beschäftigte sich damit, welche Folgen sich aus den Möglichkeiten der technischen Vervielfältigung ergeben. Seine Überlegungen formulierte er als einen Aufsatz über Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Der schon im Titel auftauchende Begriff der “technischen Reproduzierbarkeit” wurde erst von Benjamin entworfen. Ebenso führte er den Begriff der “Aura”[1] neu ein. Mit Aura bezeichnet er die von einem Kunstwerk ausgehende Wirkung der Einmaligkeit.

Ihm nach führt die Entwicklung neuer Reproduktionsmedien zur Veränderung der Wahrnehmung. Daher kommt er zu dem Schluss, dass die Reproduktionen eine “Zertrümmerung der Aura”[2] verursachen.

Es stellt sich nun die Frage, wie Benjamin zu seiner These über den Wandel der Wahrnehmung kam. Im Laufe der Arbeit soll daher geklärt werden, welche Überlegungen ihn dazu führten, wie er sie begründete und in wiefern sich dem widersprechen lässt.

1. Entstehung und Wirkung des Aufsatzes

Der Aufsatz Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit entstand während Benjamins Zeit im Exil. Er war 1933 aus dem national-sozialistischen Deutschland nach Paris geflüchtet.[3]

Jene Schrift erschien 1936 “in einer politisch entschärften französischen Fassung, die Max Horkheimer nach teilweise eigenmächtigen Streichungen und Änderungen in der Zeitschrift des von ihm geleiteten Instituts für Sozialforschung publizierte”[4].

Auf Deutsch existieren drei verschiedene Druckfassungen: “[A]ls Abdruck des Reinschrift-Manuskripts, (…) als die sehr viel später aufgefundene Zweite Fassung und als Dritte Fassung, die als Einzelpublikation (…) bis heute die gewissermaßen kanonische Version des Kunstwerkaufsatzes darstellt.”[5]

Die Erstpublikation in französischer Sprache fand kaum Beachtung. “Benjamins große Hoffnungen auf eine intensive Debatte seiner Thesen “[6] wurden enttäuscht. Erst nach seinem Tod fand der Aufsatz Anerkennung. Die eigentliche Rezeption des so genannten Kunstwerkaufsatzes begann, “als 1963 die Einzelausgabe der dritten Fassung (…) als Taschenbuch der edition suhrkamp erschien. Diese Publikation wurde im intellektuellen Klima von 1968 wie eine endlich eingetroffene Botschaft der Politisierung der Kunst (…) gefeiert (oder befehdet)”[7].

Die Abhandlungen über Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkei t halfen die Disziplin der Medienwissenschaft voranzubringen. Dank seiner Überlegungen gehört Benjamin “etwa neben Kracauer, Adorno und später McLuhan oder auch Flusser - zu jenen Theoretikern, die den Diskurs medienwissenschaftlicher Reflexionen und Theoriebildungen allererst begründet haben”[8].

2. Das Kunstwerk und dessen Wahrnehmung

2.1 Das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit

Die Vervielfältigung eines Kunstwerkes ist prinzipiell immer schon möglich gewesen, denn: “Was Menschen gemacht hatten, das konnte immer von Menschen nachgemacht werden.”[9]

Benjamins Überlegungen beziehen sich nicht allgemein auf die Möglichkeiten zur Vervielfältigung, sondern explizit auf die technischen. Diese technischen Verfahren stellt er als ein Novum gegenüber der simplen Nachahmung heraus. Durch die technische Reproduzierbarkeit wurde ein neues Zeitalter eingeleitet. Dieses beginnt mit dem Holzschnitt, durch welchen sich Graphiken vervielfältigen lassen, es folgen Buchdruck und Lithographie. Die Erfindung der Fotografie, und später des Films, führt zu einer beschleunigten Bildvervielfältigung. Um neunzehnhundert hat diese Entwicklung der technischen Reproduktion für Benjamin “einen Standart erreicht, auf dem sie (…) sich einen eigenen Platz unter den künstlerischen Verfahrungsweisen eroberte”[10].

Um zu verstehen, wie dieser erlangte Standart die Wahrnehmung von Kunst verändert, muss zunächst geklärt werden, wodurch was sich ein Kunstwerk auszeichnet.

2.2 Die Bestimmungen des Kunstwerkes

Benjamin definiert für das Kunstwerk drei Bestimmungen. Diese sind das “Hier und Jetzt”, die “Echtheit” und die “Aura”.

Das Original existiert nur an einem bestimmten Platz, es ist einmalig. Das Hier und Jetzt bezeichnet das Vorhandensein des originalen Kunstwerkes an seinem Standort und “macht den Begriff seiner Echtheit aus”[11]. Diese Eigenschaft des Hier und Jetzt geht bei der Reproduktion verloren, denn dann kann das Kunstwerk an vielen Orten gleichzeitig vorhanden sein.

Echt ist nur das Original. Die Echtheit lässt sich nicht reproduzieren.

Der Begriff der “Aura” erhält eine zentrale Position in Benjamins Aufsatz. Das Wort stammt aus dem Lateinischen, es bedeutet Hauch. In der Parapsychologie wird damit die besondere Ausstrahlung einer Person bezeichnet. In der Medizin sind mit Aura die Vorzeichen eines epileptischen Anfalls gemeint.

[...]


[1] Vgl.: Burkhardt Lindner, „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, in: Benjamin Handbuch. Leben - Werk - Wirkung, Stuttgart/Weimar: Metzler 2006, S. 236.

[2] Walter Benjamin, Auswahl aus: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (1936), in: Lambert Wiesing (Hg.), Philosophische Ästhetik, Münster: Aschendorff 1992, S.221.

[3] Vgl.: Helmut Schanze, Metzler-Lexikon Medientheorie - Medienwissenschaft: Ansätze - Personen - Grundbegriffe, Stuttgart/Weimar: Metzler 2002, S. 25.

[4] Hartmut Böhme/ Peter Matussek / Lothar Müller, Orientierung Kulturwissenschaft. Was sie kann, was sie will, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuchverlag 2000, S. 181.

[5] Lindner, S. 230.

[6] Ebd. S. 231.

[7] Ebd. S. 232.

[8] Ebd. S. 46.

[9] Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, hg. von R. Tiedemann und H. Scheppenhäuser, Frankfurt a. M. 1972ff, Bd. I,2, S.474.

[10] Ebd. S. 475.

[11] Walter Benjamin, Auswahl aus: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (1936), S. 217.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Mediale Wahrnehmung bei Walter Benjamin
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Philosophische Fakultät, Lehrstuhl für Geschichte u. Ästhetik der Medien)
Veranstaltung
Einführung in die Medientheorie
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V81953
ISBN (eBook)
9783638885553
ISBN (Buch)
9783638888585
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediale, Wahrnehmung, Einführung, Medientheorie, Walter Benjamin, Benjamin, Kontemplation, Technische Reproduzierbarkeit, Aura, Medienphilosophie
Arbeit zitieren
Franziska Loth (Autor), 2007, Mediale Wahrnehmung bei Walter Benjamin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81953

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