Die Entstehung des „Agreement of the People“ und seine Debatten von Putney


Hausarbeit, 2005

18 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

Das Parlament gegen die Armee

Das „Agreement of the People“

Die Debatten in Putney

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Ende des ersten Bürgerkrieges in England im Jahre 1646 war gekennzeichnet durch ein politisches Durcheinander, in dem die Armee zunehmend an Einfluss gewann. Da das Parlament Karl I. lange in der Gewalt hatte ohne zu handeln, war es an der Armee, die Sache in die Hand zu nehmen.

Die Armee legte einen Plan vor, die so genannten „Heads of the Proposals“, die den König und das Parlament in ihren Rechten einschränken sollten. Die Wähler sollten nun eine zentrale Rolle spielen. Zugleich war auch zu ahnen, dass die Offiziere dieses mildern würden.

Die Leveller setzten sich hingegen für eine extremere Position ein und legten einen Vertrag des Volkes vor, das so genannte „Agreement of the People“, in dem es eine schwächere Exekutive und eine durch die natürlichen Rechte der Individuen eingeschränkte Kammer gab, ohne dass überhaupt noch von einer Monarchie gesprochen wurde.

Oliver Cromwell und Henry Ireton als führende Offiziere konnten diesen Vertrag des Volkes nicht ignorieren, da sie sich noch nicht über ihre Machtposition in der Armee im Klaren waren.

Im Oktober 1647 versammelte sich der Armeerat in Putney, um über die verschiedenen Vorschläge zu debattieren. Diese Debatten zeigten das hohe Niveau der politischen Diskussion in der Armee.

In dieser Arbeit geht es darum, die zentrale Rolle des „Agreement“ und seine Hauptgedanken vorzustellen. In seiner Essenz was dieser Volksvertrag, der später zu einer Verfassung überarbeitet werden sollte, eine demokratische Vertiefung der Revolution. Um den Grund der Entstehung des Dokuments zu verdeutlichen, werden die Vorgänge nach dem ersten Bürgerkrieg verkürzt in chronologischer Ordnung dargestellt. Schließlich wird auf den Inhalt des Dokuments selbst eingegangen, seine wesentlichen Merkmale werden ins Deutsche übersetzt. Der Frage, ob die Ansichten der „Grandees“ und der Leveller über das „Agreement of the People“ in Einklang zu bringen waren, wird im Schlussteil erörtert.

Das Parlament gegen die Armee

We are not a mere mercenary army, hired to serve any arbitrary

power of state, but called forth...to the defense of our own and the people’s just rights and liberties...[1]

Der Rest des Ersten Bürgerkrieges in England war eine Reihe von Säuberungsaktionen, die in der Kapitulation von Oxford im Juni 1646 endete, nachdem sich Karl den Schotten ergab. Das Parlament hat sich mit Hilfe seines Heeres durchgesetzt. Karl I. verlor den Krieg und befand sich in schottischer Gefangenschaft[2] und mit dem Ende des Krieges hatte die presbyterianische Parteiung im Parlament wieder die Oberhand gewonnen. Die Schotten lieferten Karl I. nach Zahlung der ersten Kriegskostenrate dem Londoner Parlament, d.h. den Presbyterianern, aus. Die Auseinandersetzung über die „New Model Army“ und die Self-Denying Ordinance (Selbstzuchtverordnung) bewirkte die Entstehung von zwei Parteien unter den Parlamentariern, die sich Presbyterianer (Konservative) und Independenten (Radikale) nannten.[3]

Die Presbyterianer unternahmen es sofort, sich ihre Macht zu sichern. Geführt von Denzil Holles und Sir Philip Stapelton, strebten die Presbyterianer zum einen nach einer Einigung mit dem König, zum anderen nach einer Beseitigung des Einflusses der Armee und den mit ihnen verbündeten Independenten.[4] „Der König spielte auf Zeit“, sagt der Historiker Karl Heinz Metz, „antwortete hinhaltend und zeigte keine wirkliche Bereitschaft, sich auf Bedingungen einzulassen, derentwegen er fünf Jahre zuvor den Krieg in Kauf genommen hatte“.

Außer der Armee stand einer presbyterianischen Friedensregelung fast nichts mehr im Wege. Die Armee der Independenten und Sektierer war ihnen verhasst und theoretisch hätte sie schon im Oktober 1646 aufgelöst sein sollen. Die Streitkräfte mußten vermindert werden, zumal sie drei Fünftel der Staatsausgaben verschlangen.[5] Deswegen wollten die Presbyterianer die Armee zur Hälfte auflösen, ohne, schreibt Heinz Kathe in seiner Biographie über Oliver Cromwell, „ihr für das Geleistete Dank abzustatten, ohne für eine neue Zivilexistenz der Soldaten, die rückständigen Soldzahlungen, die Pensionen für Witwen und Waisen Sorge zu tragen und ohne den Soldaten die Freiheit ihrer religiösen Überzeugung zu garantieren“. Hinzu komplizierte sich die Situation durch die Verhältnisse in Irland, wo sich die irische Rebellion von 1641 zu einem undurchsichtigen Kampf ausweitete und die Stellung des Vizekönigs, Lord-Lieutenant Ormond dadurch gefährdet wurde.[6]

Im Februar 1647 beschlossen die Presbyterianer einen Auflösungsplan, der die Absicht verriet, die „New Model Army“ zu beseitigen. Die Verminderung wurde zu einer Säuberung. Am 19. Februar 1647 nahm das Unterhaus einen Beschluss an, wonach in England keine Infanterie mehr in Sold zu halten sei.[7] Ferner stimmte das Haus am 6. März dafür, dass 12 600 Mann der „New Model Army“ nach Irland entsandt werden sollte.[8] Am 8. März legte das Parlament fest, dass künftig in der Armee mit Ausnahme des Oberbefehlshabers nur noch Presbyterianer Offizierposten erhalten sollten.[9] Thomas Fairfax sollte General bleiben, aber alle übrigen Offiziere sollten entlassen werden. Damit war auch Oliver Cromwell gemeint.

„As has been seen, the parliamentary armies had a lot to complain about at the end of the civil war“, urteilt Barry Coward.[10] Die Infanterie klagte über achtzehn Wochen unbezahlten Soldes, die Reiterei über dreiundvierzig. Die Atmosphäre des Misstrauens und der Furcht wuchs. „There want not in all places men who have so much malice against the army as besots them (An allen Orten fehlt es nicht an Männern, die von lauter Bosheit gegen die Armee ganz von Sinnen sind) [...] Never were the spirits of men more ebittered than now (Niemals waren die Gemüter der Männer verbitterter als jetzt)“, berichtete Oliver Cromwell schon am 11. März 1647.[11]

Es wurde klar, dass die Armee allen Grund zur Klage hatte, zumal diese Angelegenheiten den Soldaten am meisten am Herzen lagen. Es gab energische Forderungen, die rückständigen Soldzahlungen zu regeln, „die Frage des künftigen Soldes sollte ebenfalls geklärt werden, ferner die Frage der Straffreiheit für Handlungen, die im Laufe der früheren Dienstzeit begangen worden waren.[12] Für die meisten Soldaten war jedoch wahrscheinlich das Problem des Lebensunterhalts der wichtigste Grund, sich dem Parlament zu widersetzen.[13] Diese Umstände führten schließlich zu einer raschen weitreichenden Politisierung der Armee.

Wie Michael Maurer schildert, hatte die „New Model Army“ inzwischen „einen mächtigen Korpsgeist entwickelt“.[14] Unter dem Einfluss der Leveller (Gleichmacher) folgten die Soldaten nicht ihren Offizieren, sondern wählten im April 1647 eigene politische Repräsentanten, die sogenannten Agitatoren (zwei je Regiment), die das Parlament unter Druck setzen und die Sache der Armee darlegen sollten.[15] „So erhielt, was als Auseinandersetzung über Sold und Demobilisierungsmodalitäten begonnen hatte, rasch eine grundlegende politische Dimension“, zu diesem Fazit kommt Peter Wende.[16]

Das Unterhaus zeigte sich nun bereit, den rückständigen Sold von sechs Wochen den Soldaten auszuzahlen, die das Heer verließen und nicht nach Irland gingen. Dieses Angebot kam jedoch viel zu spät und konnte die Revolutionierung des Heeres nicht mehr aufhalten. Im Mai wurde Cromwell zusammen mit Skippon, Ireton und Fleetwood nach Saffron Walden geschickt, unweit von London, und brachte neue Konzessionen, zwei Wochen zusätzlicher Soldnachzahlung und das Versprechen der Straffreiheit mit. Schon am 25. Mai 1647 jedoch, zog das Unterhaus seine Konzessionen zurück, weil sich die Armee weigerte in Irland zu dienen. In Saffron Walden gab Cromwell seine bisherige Taktik, nämlich Parlament und Armee zufrieden zu stellen, auf[17] und nach einigem Zögern taten sich Cromwell und die meisten Offiziere mit den Männern zusammen. Denjenigen, die dieses nicht taten, wurde das Offizierspatent entzogen. Cornet Joyce wurde am 31. Mai 1647 gesandt um den königlichen Gefangenen in die Gewalt der Armee zu bringen.[18]

In der „Representation of the Army“ vom 14. Juni 1647 forderte der Armeerat die Reinigung des Parlaments von armeefeindlichen Mitgliedern. Schon im gleichen Monat nahmen die Heerführer Verhandlungen mit dem König auf, den sie in Gewahrsam genommen hatten. Ireton übernahm die Aufgabe, mit dem König zu verhandeln.

Der „Allgemeine Armeerat“ (General Council of the Army) wurde aufgestellt, er setzte sich aus Generälen und den Vertretern von Offizieren und einfachen Soldaten zusammen. Die neugeeinigte Armee veröffentlichte ein Manifest, die sogenannte „Feierliche Verpflichtung der Armee“ (A Solemn Engagement of the Army). Darin wurde erklärt, dass sie sich nicht auflösen oder trennen würden bis ihren Beschwerden nachgegeben worden sei. Sie riefen nach einer Reinigung des Parlaments, einer verfrühten Auflösung und Neuwahlen.

[...]


[1] Auszüge aus der „Representation of the Army“ vom 14. Juni 1647, die deutlich zeigen, daß sich das Heer nicht als Söldnerhaufen verstand.

[2] Kurz bevor Thomas Fairfax Oxford eingeschlossen hatte, war König Karl I. verkleidet entkommen und hatte sich der schottischen Armee in Newark ausgeliefert. Die Kapitulation von Oxford am 24. Juni 1646 bedeutete das Ende des ersten Bürgerkrieges. Vgl. Roger Howell, Cromwell,

[3] Vgl. Christopher Hill, The Century of Revolution 1603-1714, New York und London 1980, 96.

[4] Die Independenten wurden von 1645 bis 1648 im Parlament durch das instabile Bündnis der „Mittel-„gruppe und der „Kriegs-“ gruppe repräsentiert, die in enger Verbindung mit der Armeeführung standen. Vgl. dazu Heinz Kathe, Oliver Cromwell, Berlin 1984, 64.

[5] Ibid. 67.

[6] Vgl. Roger Howell, Cromwell, Ein absolutistischer Puritaner, München 1981, 100.

[7] Vgl. Kathe, Cromwell 64.

[8] Howell 102.

[9] Kathe 64.

[10] Vgl. Barry Coward, The Stuart Age, a History of England 1603-1714, London and New York 1980, 195.

[11] Vgl. Wilbur Cortez Abbott, The Writings and Speeches of Oliver Cromwell, Volume I 1599-1649, Oxford 1988, 430.

[12] Ibid. 103.

[13] Coward 195.

[14] Vgl. Michael Maurer, Kleine Geschichte Englands, Stuttgart 2002, 199.

[15] Kathe 65.

[16] Vgl. Peter Wende, Probleme der Englischen Revolution, Darmstadt 1980, 87.

[17] Kathe 65.

[18] Die führenden Presbyterianer haben nämlich den Plan erwogen, Karl I. von Schloß Holmby in Northamptonshore, wo er seit seiner Auslieferung durch die Schotten in luxuriöser Gefangenschaft lebte, zu entführen, um ihn als Druckmittel gegen die Armee durchzusetzen. Im Auftrag der Agitatoren war Joyce mit 500 ausgewählten Soldaten auf dem Weg zum König. Vgl. Kathe 66.

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Details

Titel
Die Entstehung des „Agreement of the People“ und seine Debatten von Putney
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V81964
ISBN (eBook)
9783638877619
ISBN (Buch)
9783638877688
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
vorzüglich formuliert [wenige stilistische Schwächen - Interpunktionsfehler] gedanklich und in Auseinandersetzung mit den Zitaten
Schlagworte
Entstehung, People“, Debatten, Putney
Arbeit zitieren
M.A. Vladislav Boskovic (Autor:in), 2005, Die Entstehung des „Agreement of the People“ und seine Debatten von Putney, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81964

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