Ich behandle in meiner Hausarbeit zwei Themenbereiche:
Einerseits die Humesche Theorie des Verstandes und andrerseits die Humesche Theorie des Affekts des Stolzes ("pride") unter besonderer Berücksichtigung der Frage, ob und inwiefern dieser ein "intentionales Objekt" besitzt. In diesem Zusammenhang werde ich natürlich die Frage zu beantworten versuchen, was unter einem "intentionalen Objekt" in der Philosophie überhaupt verstanden wird.
Im Zuge meiner Hausarbeit werde ich folgende Fragen erörtern:
1. Wie ist der menschliche Verstand der Humeschen Theorie zufolge beschaffen?
2. Wie ist der Affekt des Stolzes (pride) der Theorie Humes nach zu charakterisieren? Inwiefern besitzt dieser ein intentionales Objekt?
Ich habe mir als Themenbereiche meiner Hausarbeit die Humesche Theorie des Verstandes und des Affekts des Stolzes ausgewählt, weil mich im allgemeinen die Humesche Theorie der Affekte und damit zusammenhängend, die Humesche Theorie des Verstandes, interessiert. Humes Theorie des Verstandes ist deswegen als neu, originell und interessant zu bezeichnen, weil er als erster eine strikte begriffliche Unterscheidung zwischen den Inhalten des Fühlens und denen des Denkens innerhalb des Verstandes einführte.
Die Humesche Theorie der Affekte, und damit auch die Theorie des Affekts des Stolzes (pride) ist meiner Meinung nach deswegen von bedeutung, weil auch diese originell ist, insofern Hume den Affekten einen viel höheren Stellenwert in seiner Philosophie gibt, als Philosophen vor und nach ihm dies getan haben. Schließlich vertrat Hume sogar die These, die Vernunft sei nur die Sklavin der Affekte und soll es auch sein.
Meiner Ansicht nach ist aber auch die Methode, die Hume anwendet, um philosophische Fragestellungen zu beantworten von Bedeutung. Denn Hume gründet, als einer weniger Philosophen, seine Thesen und Erkenntnisse auf Beobachtung und Erfahrung. Hume versuchte das in den Naturwissenschaften geläufige Prinzip, durch Beobachtung Erkenntnis über die Dinge zu gewinnen, auf die Philosophie zu übertragen. In Zusammenhang mit der Darstellung und Bewertung der Humeschen Theorie des Verstandes ist das Werk " Hume" von Barry Stroud für mich sehr hilfreich und interessant gewesen. Dieses ist nämlich sehr verständlich geschrieben und eröffnete mir andrerseits auch neue Erkenntnisse hinsichtlich der Humeschen Theorie des Verstandes- vor allem was die Kritik an der Humeschen Theorie des Geistes betrifft.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Beschaffenheit des Verstandes gemäß der Humeschen Theorie
2.1 Die für die Humesche Theorie grundlegende Unterscheidung zwischen Eindrücken („impressions) und Vorstellungen („ideas“)
2.2 Die Kritik Strouds an der unzureichenden Bestimmung des Begriffs der Einfachheit („simplicity“) in der Humeschen Theorie des Verstandes
2.3 Die Bestimmung des Verhältnisses zwischen den einfachen und den zusammengesetzten Bewusstseinsinhalten in der Humeschen Theorie des Verstandes
2.4 Eigene Kritik an den von Hume verwendeten Beispielen und dem unzureichend bestimmten Begriff der „Vorstellungen“ ( „ideas)
2.5 Das Verhältnis zwischen den einfachen Eindrücken und den einfachen Vorstellungen gemäß der Humeschen Theorie
2.6 Das Verhältnis zwischen den einfachen Bewusstseinsinhalten und den zusammengesetzten Bewusstseinsinhalten in der Humeschen Theorie des Verstandes
2.7 Die Frage nach Ursache und Wirkung hinsichtlich der Entstehung der Eindrücke und Vorstellungen in der Humeschen Theorie
2.8 Die Stroudsche Forderung nach Erweiterung der Humeschen These
2.9 Ein Beispiel Humes das eine Ausnahme von der Humeschen These des Vorhergehens der Eindrücke vor den Vorstellungen darstellen soll
3 Die Humesche Unterteilung der Eindrücke in einerseits Eindrücke der Sinneswahrnehmung („impressions of sensation“) und andrerseits Eindrücke der Selbstwahrnehmung („impressions of reflection“)
3.1 Der Begriff des „intentionalen Objekts“ in der Philosophie
3.2 Der Affekt des Stolzes(pride) in der Humeschen Theorie- dessen Entstehung, Objekte und Ursachen
3.2.1 Die Einteilung des Affekts des Stolzes als Eindruck der Selbstwahrnehmung
3.2.2 Das Objekt des Affekts des Stolzes in der Philosophie Humes
3.2.3 Die Frage danach welche Merkmale gegeben sein müssen, damit es sich genau um den Affekt des Stolzes handelt- und die diesbezügliche These Baiers
3.2.4 Warum das Objekt des Affekts des Stolzes- das Selbst- der Humeschen Argumentation zufolge niemals die Ursache des Affekts des Stolzes sein kann
3.2.5 Die Ursachen des Affekts des Stolzes gemäß der Humeschen Theorie
4 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Humesche Theorie des Verstandes sowie die Theorie des Affekts des Stolzes. Ziel ist es zu erörtern, wie der menschliche Verstand beschaffen ist, wie der Stolz als Affekt zu charakterisieren ist und inwiefern dieser ein „intentionales Objekt“ besitzt.
- Struktur des menschlichen Geistes und Perzeptionen
- Unterscheidung zwischen Eindrücken und Vorstellungen
- Kausale Entstehung von Affekten
- Das Selbst als intentionales Objekt des Stolzes
- Ursachen des Stolzes und deren Komplexität
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Begriff des „intentionalen Objekts“ in der Philosophie
In der Philosophie wird unter einem „intentionalen Objekt“ der Gegenstand verstanden, auf den sich der Affekt oder das Gefühl einer Person richtet. Wenn eine Person den Affekt des Stolzes aufgrund einer ihrer Eigenschaften oder Handlungen empfindet, dann richtet sich der Affekt des Stolzes auf etwas, nämlich, der Humeschen Theorie zufolge, auf ihr eigenes Selbst. Das Selbst wäre dann als das intentionale Objekt des Affekts des Stolzes einer Person zu bezeichnen. Empfindet eine Person dagegen das Gefühl der Liebe, dann besitzt auch dieses Gefühl ein intentionales Objekt, denn diese Person liebt etwas oder jemanden- ihr Gefühl der Liebe steht in einem Bezug zu Personen oder Gegenstände.
Schließlich ist dieses Gefühl nicht einfach „nur so“ da, sondern es kann nur bestehen, wenn es auf etwas abzielt. Ein Argument für diese Sichtweise, dass Affekte oder Gefühle intentionale Objekte besitzen, könnte auf die Art wie in der Sprache Affekte oder Gefühle zum Ausdruck gebracht werden, Bezug nehmen. Meistens sprechen Menschen nämlich in Sätzen wie: „Ich liebe X.“ statt einfach nur zu sagen „Ich liebe.“ Und auch wenn es um den Affekt des Stolzes oder das Gefühl des Ärgers geht, dann benutzen Personen Ausdrücke wie „Ich bin stolz auf y.“ oder „Ich ärgere mich über Z.“ Und dieser Sprachgebrauch weist meiner Ansicht nach daraufhin, dass die Personen meist auch denken, dass ihr Gefühl sich auf etwas oder jemanden richtet, ansonsten wäre fraglich, wie sich diese Art über Affekte oder Gefühle zu sprechen, einbürgern konnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die zentrale Forschungsfrage nach der Beschaffenheit des menschlichen Verstandes und dem intentionalen Charakter des Stolzes in Humes Philosophie.
2 Die Beschaffenheit des Verstandes gemäß der Humeschen Theorie: In diesem Kapitel wird die fundamentale Unterteilung von Perzeptionen in Eindrücke und Vorstellungen sowie deren kausale Entstehung untersucht und kritisch diskutiert.
3 Die Humesche Unterteilung der Eindrücke in einerseits Eindrücke der Sinneswahrnehmung („impressions of sensation“) und andrerseits Eindrücke der Selbstwahrnehmung („impressions of reflection“): Hier werden die verschiedenen Arten von Eindrücken erläutert, wobei der Schwerpunkt auf der Entstehung und den Merkmalen des Affekts des Stolzes liegt.
4 Schlusswort: Das Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und reflektiert die kritische Auseinandersetzung mit der Humeschen Theorie.
Schlüsselwörter
David Hume, Philosophie der Gefühle, Verstand, Eindrücke, Vorstellungen, Stolz, intentionales Objekt, Selbst, Perzeptionen, Kausalität, Affekte, Selbstwahrnehmung, Sinneswahrnehmung, Einfachheit, Barry Stroud.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundlegend in dieser Hausarbeit?
Die Arbeit behandelt die philosophischen Theorien von David Hume, insbesondere seine Analyse des menschlichen Verstandes und des Affekts des Stolzes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Unterscheidung von Eindrücken und Vorstellungen, die Struktur des menschlichen Geistes sowie die Bedingungen für das Entstehen komplexer Affekte.
Welche Forschungsfrage steht im Mittelpunkt?
Die zentrale Forschungsfrage ist, ob der Affekt des Stolzes gemäß der Theorie von Hume ein intentionales Objekt besitzt und wie dieses definiert ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt die philosophische Textanalyse und vergleicht dabei Humes Originaltexte mit Interpretationen zeitgenössischer Philosophen wie Barry Stroud und Annette Baier.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Humeschen Definitionen von Perzeptionen, die kausalen Abhängigkeiten zwischen Eindrücken und Vorstellungen sowie die spezifische Rolle des Selbst als Objekt beim Stolz.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben den zentralen Humeschen Begriffen wie „impressions“ und „ideas“ sind die Begriffe „intentionales Objekt“, „Selbst“ und „Affekt“ für die theoretische Fundierung entscheidend.
Warum kann das Selbst laut Hume nicht zugleich Objekt und Ursache des Stolzes sein?
Hume argumentiert, dass bei einer Identität von Objekt und Ursache die entgegengesetzten Affekte Stolz und Niedergedrücktheit gleichermaßen erregt würden, was zu einer gegenseitigen Aufhebung und damit zum Ausbleiben jeglicher Erregung führen müsste.
Welche Rolle spielt die Gesellschaft bei der Entstehung von Stolz?
Laut der Arbeit benötigt eine Person die äußere Welt und die Resonanz durch andere Menschen, um ihre Eigenschaften einzuordnen und als „hervorragend“ zu bewerten, was eine notwendige Voraussetzung für Stolz ist.
- Quote paper
- Caroline Boller (Author), 2007, Die Humesche Theorie des Verstandes und des Affekts des Stolzes und die Frage - besitzt dieser ein intentionales Objekt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82005