Olympias - Die Mutter Alexander des Großen


Seminararbeit, 2006

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Quellenkritische Einleitung im Hinblick auf Olympias als historische Figur

2 Das Leben und Wirken von Olympias
2.1 Die Stellung von (Ehe-)Frauen am makedonischen Hof zur Zeit Philipps II. und Alexanders des Großen im Allgemeinen und im Falle von Olympias
2.2 Kurzinformation über Olympias’ Herkunft und Leben bis zur Hochzeit mit Philipp II. von Makedonien
2.3 Olympias und Philipp II. – eine kurze Betrachtung dieser Ehe
2.4 Olympias und Alexander – eine besondere Mutter-Sohn-Beziehung?
2.5 Olympias und die Politik
2.6 Kurzer Ausblick auf Olympias’ weiteres Leben nach Alexanders Tod

3 Kritische Würdigung zur Person Olympias’ in Anbetracht der Überlieferung und dem historischen Hintergrund

4 Quellen- und Literaturverzeichnis
4.1 Quellen
4.2 Literatur

1 Quellenkritische Einleitung im Hinblick auf Olympias als historische Figur

Um eine Person der antiken Geschichte wie Olympias näher zu beleuchten, ist es unerlässlich, Quellen jeglicher Art zu finden, die auf diese Person oder Vorgänge, welche in Zusammenhang damit stehen, verweisen. Doch allein mit der Existenz und der Wiedergabe solcher Quellen ist ein absolut wahrheitsgemäßes Bild einer historischen Figur der Antike nicht möglich. Der Bewertung einzelner Quellen auf ihre Authentizität und ihre Objektivität, im Hinblick auf historische Ereignisse, muss ein hoher Stellenwert beigemessen werden. So auch bei den Quellen über Olympias, der Mutter Alexander des Großen.

Das Bild, das uns antike Quellen vermitteln ist fast durchweg negativer Natur. Abgesehen von dem grundlegenden Problem des Quellenmangels aus der Zeit Alexanders, steht die Forschung hier vor allem vor der Herausforderung, das subjektive Bild, das Autoren wie beispielsweise Arrian und Plutarch vermitteln – basierend auf ebenfalls subjektiven, möglicherweise sogar von politischen Motiven verzerrten Darstellungen Olympias’ in schriftlichen Überlieferungen – sachlich zu untersuchen und zu relativieren, um ein möglichst objektives Ergebnis zu erhalten.

Die Grundproblematik der Quellenlage für die Zeit Alexander des Großen trifft natürlich auch für die Darstellung einzelner Personen im Speziellen zu. Schriftliche Quellen von Zeitzeugen gibt es nicht. Was vorliegt, sind Exzerpte einiger Zeitzeugenberichte in Werken antiker Historiker, die jedoch mindestens 300 Jahre nach den Geschehnissen verfasst wurden. Auch die Objektivität der vorliegenden Quellen darf aus mehreren Gründen angezweifelt werden: Zum einen ist die Perspektive der Schreibenden entscheidend, die in diesem Fall eine hauptsächlich römisch geprägte und, was nicht außer Acht gelassen werden darf, eine männliche ist. Geprägt von damals vorherrschenden Ansichten, Frauen haben im öffentlichen, politischen Leben keinen Platz, ist den Autoren eine neutrale Wertung einer politisch aktiven Frau wie Olympias kaum möglich. Zum anderen muss auch immer berücksichtigt werden, auf welche Zeitzeugenberichte sich der Historiker bezieht, da der historische Hintergrund, vor welchem eben diese Zeitzeugen agieren und vor allem berichten, eine wichtige Rolle spielt. Nachdem Alexander der Große, der Eroberer eines damals unvorstellbar großen Reiches, gestorben war, ohne einen legitimen Nachfolger gezeugt oder bestimmt zu haben, wollten viele seiner engsten Vertrauten die Macht an sich reißen und nutzten, dieses Ziel verfolgend, auch das Mittel der Propaganda, um ihre Machtstellung zu legitimieren oder Feinden diese Legitimation abzusprechen. Man muss also davon ausgehen, dass auf diesem Weg einige falsche Darstellungen überliefert wurden.

Die folgende Arbeit soll mit Hilfe einiger Quellenzitate und Untersuchungsergebnisse von Historikern einen Einblick in das Leben und Wirken von Olympias, Mutter Alexanders des Großen, verschaffen. Am Ende der Arbeit wird der Versuch unternommen, die Person Olympias in Anbetracht der Quellenlage einer kritischen Würdigung zu unterziehen.

Diese Arbeit erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da der Umfang einer genauen Untersuchung jedes Punktes den Rahmen dieser Seminararbeit sprengen würde. Es soll vielmehr ein kurzer historischer Überblick über das Leben Olympias’ vermittelt werden.

2 Das Leben und Wirken von Olympias

2.1 Die Stellung von (Ehe-)Frauen am makedonischen Hof zur Zeit Philipps II. und Alexanders des Großen im Allgemeinen und im Falle von Olympias

Eine wichtige Rolle spielte die Polygamie in Makedonien, vor allem am königlichen Hof. Es war üblich, dass ein König mehrere Frauen heiratete, da Ehen meist durch politische Vorteile motiviert waren und daher viele Möglichkeiten der politischen Verbindung in Form einer Heirat genutzt wurden. Im Falle von Philipp und Olympias ist dieser Faktor ebenso unübersehbar: „His marriage to Olympias marked an alliance with her homeland, Molossia“[1]. Auch wenn uns Plutarch in seiner Alexander Vita berichtet, Philipp habe „die Liebe zu ihr erfasst“[2] ist historisch allein das politische Motiv, das Bündnis mit dem von den Molossern regierten Nachbarn Epirus, zu erkennen.

Am makedonischen Hof versammelten sich mit der Zeit also eine Mehrzahl von Ehefrauen Philipps II., was zu einer Art Konkurrenzkampf führte. Keine der Frauen konnte unangefochten eine Vorrangsstellung unter den Gattinnen des Königs beanspruchen, denn es gab keine offizielle „chief wive“ oder eine formal Privilegierte unter den Frauen[3]. Jedoch gab es einige Faktoren, die die Position einer Königsgemahlin aufwerten konnten, z.B. „the prominence of a woman’s family and the importance of the alliance which had caused her to become a wife.“[4] Der entscheidende Faktor, der auch dafür verantwortlich war, dass Olympias annähernd zwanzig Jahre eine Spitzenstellung am Hof Philipps einnahm, war die Geburt eines Thronerbens.[5] Das bedeutete aber wiederum, dass Olympias auf ihren Sohn und dessen Thronanspruch angewiesen war, wenn sie ihre privilegierten Status behalten wollte, was als Hintergrund ihrer Beziehung zu Alexander noch später thematisiert werden soll.

2.2 Kurzinformation über Olympias’ Herkunft und Leben bis zur Hochzeit mit Philipp II. von Makedonien

Olympias stammte aus dem Stamm der Molosser, welcher seine Heimat in Epirus hatte. Sie war die Urenkelin von Tharyps, König in Epirus und erster der Molosser, der sich mit der griechischen Sprache und den griechischen Traditionen vertraut machte. Auch Olympias’ Großvater und ihr Vater folgten dieser „philhellene tradition“[6]. Ausgehend von dem Jahr ihrer Hochzeit mit Philipp II. von Makedonien und Plutarchs Aussage, sie sei „noch ein Kind“[7] gewesen, als sie Philipp zum ersten Mal traf, ist es wohl kaum möglich, dass sie vor dem Jahr 375 v. Chr. geboren wurde.

Olympias führte ihre Ahnenreihe auf Aikos, den Großvater Achills zurück[8], was damals in Epirus als Legitimation der molossischen Herrschaft angesehen wurde. Auch Alexander ehrte diese Ahnen und sah sich als direkten Nachfahren des großen Helden Achill.

Der Name Olympias war jedoch nicht ihr Geburtsname. Es wird als wahrscheinlich angesehen, dass sie den Namen Olympias zu Ehren ihres Mannes annahm, nachdem Parmenion einen wichtige Schlacht in Illyrien gewann, Philipps Sohn und Erbe Alexander geboren war und seine Pferde den Sieg in einem olympischen Rennen einbrachten. Als ursprüngliche Namen sind „Myrtale, (…) Polyxene and Stratonice“ überliefert.[9]

[...]


[1] Carney, E. D., The Politics of Polygamy: Olympias, Alexander and the murder of Philipp, Historia 41, Stuttgart 1992, S. 170

[2] Plutarch, Alexander, 2

[3] vgl. Carney, E. D., ‘What’s in a Name?’: The Emergence for a Title for Royal Women in the Hellenistic Period, in: Pomeroy, S. (ed.), Women’s History and Ancient History, Chapel Hill 1991, S. 154ff

[4] Carney, E. D., The Politics of Polygamy: Olympias, Alexander and the murder of Philipp, Historia 41, Stuttgart 1992, S. 171

[5] vgl. Greenwalt, W., Polygamy and Succession in Argead Macedonia, Arethusa 22, Baltimore 1989, S. 19ff

[6] Macurdy, G. H., Hellenistic Queens, A Study of Woman-Power in Macedonia, Seleucid Syria, and Ptolemaic Egypt, Baltimore 1932, S. 22

[7] Plutarch, Alexander, 2

[8] vgl. Plutarch, Alexander, 2

[9] vgl. Macurdy, G. H., Hellenistic Queens, A Study of Woman-Power in Macedonia, Seleucid Syria, and Ptolemaic Egypt, Baltimore 1932, S. 23f; Für eine genauere Untersuchung der Namensgeschichte siehe Heckl, W., Polyxena, the Mother of Alexander the Great, Chiron 11 (1981), S. 79-86

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Olympias - Die Mutter Alexander des Großen
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V82020
ISBN (eBook)
9783638885614
ISBN (Buch)
9783638888684
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Olympias, Mutter, Alexander, Großen
Arbeit zitieren
Josef A. Schmid (Autor), 2006, Olympias - Die Mutter Alexander des Großen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82020

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