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Der "Hauptmann von Köpenick" und das Wilhelminische Zeitalter

Title: Der "Hauptmann von Köpenick" und das Wilhelminische Zeitalter

Seminar Paper , 2000 , 15 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Magister Artium Yves Dubitzky (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Eine Uniform, so will uns das Lexikon glauben machen, ist eine einheitliche Dienstkleidung für Soldaten und Beamte. Der Begriff setzt sich aus den zwei lateinischen Wörtern unus und forma zusammen und bedeutet übersetzt einförmig. Der eigentliche und ursprüngliche Gedanke der Uniform war allerdings die Idee einer Vereinheitlichung einer bestimmten Anzahl von Menschen. Lediglich spezifische (und zugeben kleine) Merkmale sollten über eine Rangordnung bestimmen, dennoch aber einen sozialen Status verbergen. Das heißt, gegenüber dem zivilem Leben sollte sie als Instrument dienen, um sich abzugrenzen oder wenn man so will, hervorzuheben. Innerhalb des Militärs allerdings sollte die Uniform dazu beitragen, dass zum einem die Klassengesellschaft nach Mannschafts- und Unteroffiziers- bzw. Offiziersdienstgraden eingehalten wurde. Zum anderen aber, dass eine militärische Formation einheitlich wurde und dies jenseits sozialer Schranken. So jedenfalls gab sich der Urgedanke der Uniform, welche nicht immer im Zusammenhang mit Militär und Armee steht, wie das Beispiel verschiedener konservativer Schulen in Großbritannien dokumentiert. An solchen pädagogischen Einrichtungen soll eben jene gespaltene Gesellschaft mittels Tragen von Uniformen gerade verhindert werden.

Und so ist das deutsche Märchen von Carl Zuckmayer sekundär auch die Geschichte eines Kleidungsstücks, um welches sich der komplette Spielverlauf dreht. Die Uniform dient somit dem Handlungsaufbau und steht in dessen Zentrum. Radial näher oder entfernter bewegen sich auch sämtliche Figuren der Komödie an der Peripherie. Somit sind Personen wie Voigt oder auch die kränkelnde Untermieterin der Hoprechts entsprechend abseits, Vertreter der militärischen Kaste wie zum Beispiel von Schlettow hingegen deutlich näher zur Uniform bzw. zum Militarismus anzusiedeln.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte der Uniform

3. Der zeitliche Aspekt bei Zuckmayer

4. Der Mittelstand und das Bürgertum bei Zuckmayer

4.1 Die Angestellten

4.2 Das Bildungsbürgertum

4.3 Das Wirtschaftsbürgertum

5. Der Konflikt Voigt – Hoprecht

6. Fazit

7. Bibliographie

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das wilhelminische Zeitalter anhand von Carl Zuckmayers Theaterstück „Der Hauptmann von Köpenick“, wobei insbesondere die soziale Schichtung und der Einfluss des Militarismus sowie des Beamtenapparats auf das Individuum im Zentrum der Analyse stehen.

  • Die symbolische Bedeutung und Geschichte der Uniform im Kontext der wilhelminischen Gesellschaft.
  • Die Analyse der verschiedenen Schichten des Bürgertums: Angestellte, Bildungs- und Wirtschaftsbürgertum.
  • Die Auseinandersetzung mit dem wilhelminischen Zeitgeist und historischen Kontextualisierungen.
  • Der zentrale Konflikt zwischen dem Protagonisten Voigt und dem Repräsentanten der Staatsordnung, Hoprecht.
  • Die Untersuchung der Gattungsfrage des Stücks als Gesellschaftsquerschnitt und Satire.

Auszug aus dem Buch

Die Geschichte der Uniform

Das wohl geschickteste gestalterische Element, das Zuckmayer in seine Handlung einbaut, ist die Parallelität der Uniform zu den Ereignissen, die sich um Voigt spannen. Zuckmayer geht sogar noch einen Schritt weiter und haucht dem Kleidungsstück Leben ein, ja er lässt es organisch werden. Denn wie auch Voigt, so altert ebenfalls die Uniform zunehmend und nimmt an Wert ab. Was eigentlich nichts Besonderes wäre, würde man davon absehen, dass sowohl Uniform, als auch Voigt im Laufe der Handlung an gesellschaftlichem Wert einbüßen. Für Voigt selbst ist dies bereits zu Beginn mehr als offensichtlich. Trotzdem besitzt er gewisse Optionen und Alternativen (wie zum Beispiel die Arbeitsuche), die er zum Schluss aufgrund der Ausweisung nicht mehr hat.

Die Uniform hingegen, die nebenbei bemerkt noch eher auftritt als Voigt, glänzt zu Beginn. Ihr neuer Besitzer, Hauptmann von Schlettow ist stolzes Mitglied der führenden Schicht in Preußen und entstammt einer "Offiziersfamilie seitm Siebenjährigen Krieg" (S.24). Auch wenn er sich zunächst nicht mit ihr anfreunden kann und darf, da die Gesäßknöppe nach seinem Augenmaß statt sechseinhalb, acht Zentimeter zu viel Abstand haben. Und so wird die Uniform umgeschnitten und umgenäht und bekommt somit erste "Risse", was aber ihrem sozialen Status keinen Verlust bringt. Dies ändert sich, als besagter Hauptmann in einen Streit mit einem Unteroffizier gerät, dabei aber in Zivil auftritt. Da der Offizier nicht anders handeln kann und damit einen Uniformierten angreift, muss er seinen Dienst quittieren und wird unehrenhaft entlassen: das Schlimmste, was einem Offizier passieren kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Definition des Begriffs Uniform sowie Hinführung zur Bedeutung des Kleidungsstücks als zentrales Element in Zuckmayers Stück.

2. Die Geschichte der Uniform: Untersuchung der parallelen Entwicklung von Voigt und der Uniform im Kontext des gesellschaftlichen Wertverlusts.

3. Der zeitliche Aspekt bei Zuckmayer: Analyse der zeitlichen Verschiebung der Handlung auf das Jahr 1910 und deren Bedeutung für die Nähe zum Ersten Weltkrieg.

4. Der Mittelstand und das Bürgertum bei Zuckmayer: Detaillierte Betrachtung der sozialen Schichten, ihrer Strukturen und ihres Verhältnisses zum preußischen Staat.

4.1 Die Angestellten: Analyse der Rolle der Angestellten als Teil des Bürgertums und ihrer obrigkeitlich geprägten Berufserfüllung.

4.2 Das Bildungsbürgertum: Untersuchung der Rolle von Intellektuellen und deren Abgrenzungsversuchen in der wilhelminischen Gesellschaft.

4.3 Das Wirtschaftsbürgertum: Kurze Erläuterung zur Rolle der Industriebourgeoisie und deren bewusster Abgrenzung vom restlichen Milieu des Stücks.

5. Der Konflikt Voigt – Hoprecht: Analyse des zentralen Dialogs zwischen Voigt und seinem Schwager über Naturrecht und staatliche Rechtsordnung.

6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Stücks als Gesellschaftsquerschnitt und Reflexion der wilhelminischen Epoche durch Zuckmayer.

7. Bibliographie: Auflistung der im Proseminar verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Hauptmann von Köpenick, Carl Zuckmayer, Wilhelminisches Zeitalter, Uniform, Militarismus, Voigt, Bürgertum, Klassengesellschaft, Naturrecht, Gesellschaftsquerschnitt, Preußen, Beamtenapparat, Hoprecht, Satire, Sozialgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert Carl Zuckmayers „Der Hauptmann von Köpenick“ hinsichtlich seiner Darstellung des wilhelminischen Zeitgeists und der gesellschaftlichen Hierarchien.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die symbolische Funktion der Uniform, die Struktur des deutschen Bürgertums und der Konflikt zwischen individuellen Freiheitsrechten und staatlicher Ordnung.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, inwiefern die Figuren des Stücks ihre historischen Vorbilder widerspiegeln und wie der Gegensatz zwischen Naturrecht und staatlicher Rechtsordnung inszeniert wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch historische und sozialwissenschaftliche Kontextualisierungen des wilhelminischen Zeitalters ergänzt wird.

Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Vordergrund?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Uniformgeschichte, die Charakterisierung der sozialen Schichten sowie den detaillierten Vergleich der Weltanschauungen von Voigt und Hoprecht.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind unter anderem Militarismus, Klassengesellschaft, preußische Identität, Beamtenapparat und Gesellschaftskritik.

Warum spielt die Uniform im Stück eine so entscheidende Rolle?

Die Uniform fungiert laut Autor als „organisches“ Element, das den sozialen Aufstieg und Abstieg sowie die Verinnerlichung des Militarismus durch die Akteure symbolisiert.

Welche Rolle spielt der Dialog in der vierzehnten Szene?

Dieser Dialog markiert den Höhepunkt der Arbeit, da dort die Gegensätze zwischen Voigts humanistischem Naturrecht und Hoprechts staatlich-etatistischem Denken direkt aufeinanderprallen.

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Details

Title
Der "Hauptmann von Köpenick" und das Wilhelminische Zeitalter
College
Technical University of Chemnitz  (Philosophische Fakultät)
Course
Komödie II
Grade
2,0
Author
Magister Artium Yves Dubitzky (Author)
Publication Year
2000
Pages
15
Catalog Number
V82051
ISBN (eBook)
9783638892629
ISBN (Book)
9783638893060
Language
German
Tags
Hauptmann Köpenick Wilhelminische Zeitalter Komödie Zuckmayer Thema Der Hauptmann von Köpenick
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magister Artium Yves Dubitzky (Author), 2000, Der "Hauptmann von Köpenick" und das Wilhelminische Zeitalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82051
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