Die vorliegende Seminararbeit mit dem Titel „Der Vorhang des Parrhasios“ geht der Frage der Augentäuschung in der Kunstgeschichte nach.
Wie von Plinius überliefert, war bereits in der Antike eine wirklichkeitsgetreue und illusionistische Kunst Grund für Wettkämpfe unter Künstlern. Folgend wird neben der antiken Quellen von Plinius dem Älteren auch auf die Illusion und Täuschung zweier verschiedenen Kunstepochen eingegangen: dem Barock und der zeitgenössischen Kunst. Nach einer Analyse der „Heiligen Familie“ von Rembrandt wird das Thema Illusion und Täuschung anhand ausgewählter Werke des zeitgenössischen Künstlers Tom Früchtl skizziert und aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Vorhang des Parrhasios: Anekdote aus „Historia naturalis“
3. Trompe-l’œil und Illusionismus in der Kunstgeschichte
4. Der Vorhang als Illusion und Täuschung
5. Analyse und Interpretation „ Die Heilige Familie“ von Rembrandt
6. Illusion und Täuschung in der zeitgenössischen Kunst: Tom Früchtl
7. Abschliessende Betrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Augentäuschung in der Kunstgeschichte, ausgehend von der antiken Anekdote über den Vorhang des Parrhasios bis hin zur zeitgenössischen Malerei. Ziel ist es, die Entwicklung illusionistischer Techniken zu beleuchten und ihre Relevanz sowie ihre unterschiedlichen Funktionen – vom Barock bis zur modernen Doppelung der Oberfläche – kritisch zu hinterfragen.
- Antike Mimesis und die Anekdote des Parrhasios
- Geschichte und Entwicklung des Trompe-l’œil
- Illusionistische Strategien im Barock am Beispiel von Rembrandt
- Zeitgenössische Positionen zur Augentäuschung bei Tom Früchtl
- Die Funktion der Bildrahmung und des gemalten Vorhangs
Auszug aus dem Buch
4. Der Vorhang als Illusion und Täuschung
Vorhänge in der Kunst gibt es sowohl real als auch gemalt. Zu Beginn wird die Funktion von realen Vorhängen erläutert.
Reale Vorhänge gab es bereits in religiösen Darstellungen der Antike, wie zum Beispiel in Form von Altarvorhängen. Viele Formen des Versteckens, Verhüllens und Enthüllens gab es auch im Mittelalter bei Andachtsbildchen, welche in Schreinen versteckt waren oder bei Klappaltären, welche nur zu Feiertagen geöffnet wurden.
Es stellt sich die Frage, welche Funktion reale Vorhänge in der profanen oder religiösen Kunst des 17. Jahrhunderts hatten. Im ersten Moment liegt nahe, der Vorhang habe Schutz vor Staub und Licht geboten („per conservarle“). Der Wertaspekt eines Bildes kam jedoch erst zum späteren Zeitpunkt auf. Im 17. Jahrhundert wurden Bilder immer mit der Garantie des Künstlers verkauft, gute und haltbare Farben verwendet zu haben. Eine Schutzfunktion kann also nicht der Hauptgrund gewesen sein, eher eine praktische Begleiterscheinung von realen Vorhängen! Dagegen kann ein Vorhang vor einem Bild die Funktion eines äusserlichem Reiz gesehen werden: die Kostbarkeit und Besonderheit eines Bildes kann durch dieses Mittel gesteigert werden. Die Attraktivität des Kunstwerkes wird durch die zeitweise Verhüllung erhöht, es wirkt interessanter und geheimnisvoller.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Augentäuschung ein und legt den Aufbau der Arbeit von der Antike über den Barock bis zur zeitgenössischen Kunst dar.
2. Der Vorhang des Parrhasios: Anekdote aus „Historia naturalis“: Dieses Kapitel analysiert die antike Quelle des Plinius und ihre Bedeutung für das Mimesis-Verständnis in der Kunstgeschichte.
3. Trompe-l’œil und Illusionismus in der Kunstgeschichte: Hier wird der kunsthistorische Kontext des Trompe-l’œil sowie dessen theoretische Einordnung als bildlicher Illusionismus diskutiert.
4. Der Vorhang als Illusion und Täuschung: Der Abschnitt befasst sich mit der Doppelfunktion von realen und gemalten Vorhängen als Schutz- oder ästhetisches Gestaltungsmittel.
5. Analyse und Interpretation „ Die Heilige Familie“ von Rembrandt: Das Kapitel bietet eine detaillierte Bildanalyse und untersucht Rembrandts Einsatz des Vorhangs zur Staffelung des Raumes.
6. Illusion und Täuschung in der zeitgenössischen Kunst: Tom Früchtl: Anhand der Werke von Tom Früchtl wird aufgezeigt, wie zeitgenössische Kunst die Tradition des Trompe-l’œil für eine neue Interpretation nutzt.
7. Abschliessende Betrachtung: Das Fazit resümiert die Bedeutung der Augentäuschung als durchgehendes Element der Mimesis in der Kunstgeschichte.
Schlüsselwörter
Augentäuschung, Parrhasios, Zeuxis, Trompe-l’œil, Illusionismus, Mimesis, Rembrandt, Die Heilige Familie, Tom Früchtl, Barock, zeitgenössische Kunst, Bildvorhang, Wirklichkeitsgetreue Darstellung, Doppelung der Oberfläche, Bildraum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit befasst sich mit dem historischen und theoretischen Wandel des Konzepts der Augentäuschung in der Malerei.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Mimesis in der Antike, dem barocken Illusionismus und der modernen Fortführung dieser Techniken in der zeitgenössischen Kunst.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Bogen von der legendären Anekdote des Parrhasios bis zu den Objekten von Tom Früchtl zu spannen, um die Beständigkeit des Illusionismus zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse antiker Quellentexte sowie eine bildanalytische Untersuchung spezifischer Kunstwerke.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung des Trompe-l’œil, eine Interpretation von Rembrandts „Heiliger Familie“ und eine Analyse der künstlerischen Praxis von Tom Früchtl.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Trompe-l’œil, Mimesis, Illusionismus, Parrhasios, Rembrandt und die Doppelung der Oberfläche.
Warum wird Rembrandt als erster Künstler für den gemalten Vorhang genannt?
Rembrandt integrierte laut der Autorin erstmals einen illusionistisch gemalten Vorhang fest in das Bildgefüge, um die Raumschichtung und Tiefe zu betonen.
Wie interpretiert Tom Früchtl das Konzept der Täuschung?
Früchtl nutzt die Doppelung der Oberfläche, indem er alltägliche Objekte wie Kartons oder Papiertüten malt und so den Betrachter durch eine „flache Illusion“ täuscht.
- Quote paper
- Arzu Cevatli (Author), 2007, Der Vorhang des Pharrasios, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82054