Embryonale Stammzellforschung ist ein umstrittenes und heiß diskutiertes Thema. Ob auf dem politischen Parkett oder im philosophischen Kontext, einen Konsens mit allen argumentierenden Parteien zu finden scheint unmöglich zu sein. Zu sehr gehen die Meinungen über den moralischen Status des Embryos auseinander: Würde und damit Lebensschutz oder Forschungsgegenstand und damit neue Heilungschancen? Erst kürzlich erlangte das Thema wieder Brisanz als Präsident George W. Bush sein Veto gegen ein neues Gesetz zur Stammzellforschung, die mit Bundesmitteln vorangetrieben werden sollte, einlegte. Während sich der amerikanische Präsident den heilvollen Versprechen der embryonalen Stammzellforschung entzieht, sichert das Europäische Parlament dieser Forschungsrichtung 50 Millionen Euro zu. Gespalten sind die Reaktionen in Deutschland, wo die embryonale Stammzellforschung verboten ist.
Wie genau die rechtliche Lage des Embryos hierzulande aussieht, ist Teil dieser Hausarbeit. Ein kurzer Vergleich über die rechtliche Lage in anderen Ländern, soll Aufschluss darüber geben, wie andere Nationen mit diesem heiklen Thema umgehen. Darüber hinaus soll ein kurzer Einblick in die medizinischen Vorteile gegeben werden, die sich gegenüber den adulten Stammzellen ergeben und welche Heilungschancen damit in Verbindung stehen könnten. Im Anschluss wird auf die bioethische Debatte in Deutschland eingegangen, die für die Rechtssetzung eine relevante Rolle spielt. Begriffe wie Würde, Person und Lebensrecht sind nur einige Schlagwörter, die diesen bioethischen Diskurs bestimmen. Insbesondere die SKIP-Argumente, die für einen Schutz des Embryos stehen, sollen hier näher erläutert werden. Allerdings ist es nicht möglich einen gesamten und uneingeschränkten Überblick über die Diskussion der embryonalen Stammzellforschung zu geben, da dieses Vorhaben das Maß einer Hausarbeit weit überschreiten würde.
Eine gute Grundlage für die ethische Auseinandersetzung mit dem moralischen Status menschlicher Embryonen bietet der Sammelband von DAMSCHEN und SCHÖNECKER (2002). Mit einer ausführlichen Darstellung der Hauptargumente in dieser Debatte, bietet der Band einen übersichtlichen Einstieg in diese Thematik. Ebenso empfehlenswert ist MERKELs (2002a) Arbeit zu dieser Materie, die nicht nur in die ethische Diskussion einführt, sondern auch ausführlich auf rechtliche Belange eingeht. Darüber hinaus bietet das Internet zahlreiche Möglichkeiten sich über Kommissionen und aktuelle Standpunkte zu informieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rechtlicher Status des Embryos
2.1 Vom Embryonenschutzgesetz zum Stammzellgesetz
2.2 Der Embryo im Ausland - Ein Überblick
3. Gremien und Kommissionen
3.1 Enquete-Kommission „Recht und Ethik der modernen Medizin“
3.2 Nationaler Ethikrat
3.3 Zentrale Kommission zur Wahrung ethischer Grundsätze in der Medizin und ihren Grenzgebieten (Zentrale Ethikkommission)
4. Embryonale Stammzellforschung aus medizinischer Perspektive
4.1 Adulte Stammzellen contra embryonale Stammzellen
4.2 Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
5. Der moralische Status menschlicher Embryonen
5.1 Der Personenbegriff
6. Pro und Contra der SKIP-Argumente
6.1 Das Speziesargument
6.1.1 Pro:
6.1.2 Contra:
6.2 Das Kontinuumsargument:
6.2.1 Pro:
6.2.2 Contra:
6.3 Das Identitätsargument:
6.3.1 Pro:
6.3.2 Contra:
6.4. Das Potentialitätsargument
6.4.1 Pro:
6.4.2 Contra:
7. Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die rechtliche Lage und die ethische Debatte rund um die embryonale Stammzellforschung in Deutschland, um den moralischen Status des Embryos vor dem Hintergrund kontroverser philosophischer Positionen und gesetzlicher Rahmenbedingungen kritisch zu beleuchten.
- Rechtliche Analyse des Embryonenschutzes und des Stammzellgesetzes
- Vergleichende Perspektive auf internationale Regelungen
- Medizinische Gegenüberstellung von adulten und embryonalen Stammzellen
- Diskurs der bioethischen Kernargumente (SKIP-Argumente)
- Rolle deutscher Ethik-Gremien in der politischen Entscheidungsfindung
Auszug aus dem Buch
6.1.1 Pro:
Zur Rechtfertigung eines moralischen Status des Embryos, setzt das Speziesargument an der biologischen Existenz des menschlichen Wesen an. Die Argumentation lautet wie folgt:
„ (1) Jedes Mitglied der Spezies Mensch hat Würde aufgrund seiner natürlichen Artzugehörigkeit.
(2) Jeder menschliche Embryo ist von Anfang an Mitglied der Spezies Mensch.
Also: (3) Jeder Embryo hat Würde.“ (SCHOCKENHOFF, 2002:11)
Am Anfang seiner Argumentation geht SCHOCKENHOFF (2002), der Mitglied des Nationalen Ethikrats ist, erst einmal von einem Personenbegriff aus, der sich der Äquivalenz-Doktrin zuordnen lässt. Die Einheit von Person und menschlicher Natur ist gegeben, weil ein Subjekt seine Akte nur in der Form seines Leibes ausdrücken kann und somit als leib-seelische Einheit betrachtet werden muss (vgl. ebd.:30). Anschließend folgert SCHOCKENHOFF daraus, dass die Würde jedem menschlichen Wesen zusteht, allein aufgrund seines Daseins und nicht aufgrund eines Zuschreibungsprozesses oder einer rechtlichen Grundlage (vgl. ebd.:20-21). Dabei stützt er sich nicht auf religiöse Begründungen sondern auf säkulare Ethikentwürfe, die die anthropologische Grundverfassung der menschlichen Person angemessen reflektieren (vgl. ebd.:30).
Doch ab wann beginnt das menschliche Leben? Für SCHOCKENHOFF ganz klar bei der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle und dem dabei neu entstehenden Genom, das den Embryo einerseits artspezifisch und andererseits zum Individuum werden lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Kontroverse um die embryonale Stammzellforschung ein und skizziert die rechtlichen sowie ethischen Schwerpunkte der Arbeit.
2. Rechtlicher Status des Embryos: Dieses Kapitel erläutert das Embryonenschutzgesetz und das Stammzellgesetz in Deutschland sowie die rechtliche Einordnung des Embryos im internationalen Vergleich.
3. Gremien und Kommissionen: Hier werden die Aufgaben und Stellungnahmen der Enquete-Kommission, des Nationalen Ethikrats und der Zentralen Ethikkommission bezüglich der Stammzellforschung dargestellt.
4. Embryonale Stammzellforschung aus medizinischer Perspektive: Dieses Kapitel vergleicht medizinische Potenziale adulter und embryonaler Stammzellen und beleuchtet die Haltung der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
5. Der moralische Status menschlicher Embryonen: Die Ausführungen behandeln die theoretische Debatte um den Personenbegriff und dessen Auswirkungen auf die Zuschreibung von Rechten.
6. Pro und Contra der SKIP-Argumente: In diesem zentralen Teil werden die Spezies-, Kontinuums-, Identitäts- und Potentialitätsargumente anhand ihrer syllogistischen Struktur sowie der Gegenargumente detailliert analysiert.
7. Konklusion: Das Schlusskapitel fasst die Zerrissenheit zwischen Forschungsfreiheit und Lebensschutz zusammen und deutet auf die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Mittelwegs hin.
Schlüsselwörter
Stammzellforschung, Embryonenschutzgesetz, Stammzellgesetz, Ethikkommission, Bioethik, Menschenwürde, SKIP-Argumente, Speziesargument, Kontinuumsargument, Identitätsargument, Potentialitätsargument, Personenbegriff, Zelltherapie, Lebensschutz, Medizinethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen und rechtlichen Bewertung der embryonalen Stammzellforschung in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Die Arbeit deckt die Rechtslage in Deutschland, die medizinische Bedeutung von Stammzellen, wichtige Ethikgremien sowie die philosophischen Argumente zum Embryonenschutz ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die vielschichtige Debatte um den moralischen Status des Embryos sowie die daraus resultierenden politischen und rechtlichen Konsequenzen zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Arbeit verwendet?
Die Verfasserin nutzt eine strukturierte Literaturanalyse, die insbesondere auf den Beiträgen des Sammelbands von Damschen und Schönecker basiert, um die verschiedenen Argumentationslinien wissenschaftlich darzustellen.
Was sind die Hauptinhalte des praktischen/theoretischen Teils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine rechtliche Bestandsaufnahme, eine medizinische Perspektive sowie eine eingehende Erläuterung der SKIP-Argumente.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Menschenwürde, Personenbegriff, Potentialität und den rechtlichen Status des Embryos geprägt.
Warum spielt der Personenbegriff eine so wichtige Rolle für die Debatte?
Der Personenbegriff ist entscheidend, da er die Voraussetzung für die Zuerkennung von Grundrechten und den Schutzstatus eines Individuums darstellt.
Welche Position vertritt Schockenhoff im Speziesargument?
Schockenhoff argumentiert, dass jeder Embryo aufgrund seiner natürlichen Zugehörigkeit zur Spezies Mensch von Anfang an Würde besitzt.
Welche Kritik übt Merkel am Speziesargument?
Merkel kritisiert einen Sein-Sollen-Fehlschluss und argumentiert, dass biologische Gegebenheiten allein keine moralischen Rechte begründen können.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Arts Barbara Wawrzyniak (Autor:in), 2006, Embryonale Stammzellforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82082