Das Phänomen des »Loft Livings« begann im New York der 60er Jahre, als Andy Warhol in eine leer stehende Fabrikgeschossetage einzog, die durch die Bezeichnung
»Factory« Berühmtheit erlangte. Von New York ausgehend, ist das Leben in alten Fabrikgeschossetagen dann in den 70er Jahren auch nach Europa gekommen.
In vielen Großstädten Europas, wo aufgrund der Industrialisierung große Fabriken und Lagerhallen und so genannte Gewerbegeschossbauten entstanden, die nach und nach zu leer stehenden Gebäuden wurden, zogen ebenfalls wie in New York Künstler, Lebenskünstler und Studenten in diese zu Beginn illegalen Wohnmöglichkeiten ein, um in diesen Räumen leben und arbeiten zu können, ohne hohe Mietpreise bezahlen zu müssen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. FORSCHUNGSSTAND
3. ZUM BEGRIFF »LOFT«
3.1. Der Wandel des Loftbegriffs
3.2. Was ist »Loft Living«?
4. DIE ANFÄNGE DES LOFTS
4.1. New York als Vorreiter des Loft Livings
4.1.1. Die »Factory« von Andy Warhol
4.2. Die Entwicklung der Berliner Industrie
4.2.1. Grundlagen der Frühindustrialisierung Berlins
4.2.2. Die Industrie ab Mitte des 19. Jahrhunderts
4.3. Die innerstädtische Industriearchitektur Berlins und ihre Gebäudetypen im 19. und 20. Jahrhundert (als Grundlage für Lofts)
4.3.1. Die typologische Entwicklung vom Wohnhaus mit gewerblich genutzten Nebengelassen zum Berliner Gewerbehof.
4.3.2. Die »Berliner Mischung«
4.4. Die Anfänge der Loftnutzung in Berlin
4.4.1. Die »Community«
4.4.2. Gentrifikation
5. NUTZUNGSMÖGLICHKEITEN VON LOFTS
5.1. Grundgestaltungsprinzipien
5.1.1. Der Grundriss
5.1.2. Einbauten und Raumteiler – die »zweite Etage«
5.1.3. Innenausstattung und Möbel
5.2. Leben im Loft
5.2.1. Wohnen und Arbeiten
5.2.2. Kultur und Nachtleben
6. LOFTS IN BERLIN – DIE ENTWICKLUNG VOM FABRIKRAUM ZUR LUXUSWOHNUNG
6.1. Die Umwandlung ehemaliger Fabrikgeschossetagen in Lofts - ausgewählte Beispiele
6.1.1. Berlin-Pankow
6.1.1.1. Standort Heynstraße 15
6.1.2. Berlin-Prenzlauer Berg
6.1.2.1. Standort Marienburger Straße 10
6.1.3. Berlin-Friedrichshain
6.1.3.1. Standort Kadiner Straße 20a - »Wollgarnfabrik«
6.1.3.2. Standort Reichenberger Straße 80: Wohnloftquartier »Paul-Lincke Höfe – Loft Rio«
6.1.4. Berlin-Wedding
6.1.4.1. Standort Exerzierstraße 24
6.2. Ausblick - Neubaulofts
6.2.1. Der Loft-Neubaukomplex in Berlin-Mitte, Linienstraße 42/43
6.2.2. Das Projekt »Car Loft« in Berlin-Kreuzberg
7. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische und architektonische Entwicklung ehemaliger Fabrikgebäude zu modernen Loftwohnungen in Berlin, wobei der Fokus auf dem Wandel der Nutzungsformen und der Gestaltung sowie der ökonomischen Bedeutung des Loft-Livings liegt.
- Geschichte und Begriffsdefinition von Lofts und Loft-Living.
- Industrielle Entwicklung Berlins und historische Industriearchitektur als Basis.
- Soziologische und städtebauliche Phänomene wie Gentrifikation und Umnutzungskonzepte.
- Analyse ausgewählter Berliner Loft-Beispiele hinsichtlich Grundriss und Innenausstattung.
- Ausblick auf moderne Neubaulofts und die Weiterentwicklung des Wohnmodells.
Auszug aus dem Buch
4.1.1. Die »Factory« von Andy Warhol
Bildende und darstellende Künstler waren, wie schon erwähnt, die eigentlichen „Pioniere des Loftlebens“73. Andy Warhol74 popularisierte das Loft als eine neue Existenzform, „als einen Ort zwischen Rebellion und Kommerz, provokativer Konventionsbrüche und kurzweiliger Unterhaltung“75. Dank der unmittelbaren Nähe seiner Factory76 zum Empire State Building folgten ihm bald weitere kreative Köpfe, neben Künstlern auch Galeristen mit ihren Kunden und Freunden. Problemstadtteile entwickelten sich zum Zentrum innovativer Künstler. Das Wohnen und Arbeiten in den brachliegenden Fabriketagen war besonders für Künstler interessant, da diese nun die Möglichkeit hatten, große Leinwände sowie Installationen im eigenen Wohnbereich aufzustellen. Teure Ateliers wurden überflüssig. Ein neues Wohn- und Lebensgefühl stellte sich ein.
The Factory (»Die Fabrik«), auch als »Silver Factory« bekannt, war das zweite Studio von Warhol. Im ersten Studio, das in der East 87th Street als »Firehouse« bekannt wurde, arbeitete er im Jahre 1963. Die Factory befand sich von 1964 bis 1968 in der 231 East 47th Street zwischen der zweiten und dritten Straße im Stadtteil Manhattan in New York.77 Der Name »The Factory« wurde von zwei Bedeutungen hergeleitet: zum einen, da das ca. 300 Quadratmeter große Loft zuvor als Raum des produzierenden Gewerbes genutzt wurde und somit einen fabrikähnlichen Charakter hat und zum anderen, weil die Kunstprodukte, die dort hergestellt wurden, mechanisch hergestellte Waren im Sinne der Pop-Philosophie sein sollten.78
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den Ursprung des Loft-Livings in New York durch Andy Warhol und die spätere Entwicklung dieses Phänomens in Europa als Umnutzungskonzept für Industriebauten.
2. FORSCHUNGSSTAND: Es wird dargelegt, dass wissenschaftliche Literatur zu Lofts in Berlin mit dem Schwerpunkt Innenarchitektur kaum vorhanden ist und die Arbeit auf existierende, eher wirtschaftlich oder bauhistorisch fokussierte Publikationen aufbaut.
3. ZUM BEGRIFF »LOFT«: Das Kapitel definiert den Begriff Loft in seiner Vielfalt und beleuchtet das mit dem Loft-Living verbundene Lebensgefühl, das heute oft als Trend vermarktet wird.
4. DIE ANFÄNGE DES LOFTS: Hier wird der historische Kontext in den USA sowie die industrielle Entwicklung Berlins beschrieben, die die Grundlage für die spätere Umnutzung der Berliner Gewerbearchitektur schuf.
5. NUTZUNGSMÖGLICHKEITEN VON LOFTS: Dieses Kapitel erörtert die gestalterischen Prinzipien bei der Umnutzung, wie den Grundriss und die Bedeutung der Innenausstattung für das Leben im Loft.
6. LOFTS IN BERLIN – DIE ENTWICKLUNG VOM FABRIKRAUM ZUR LUXUSWOHNUNG: Anhand fünf konkreter Berliner Beispiele wird der Transformationsprozess vom einfachen Arbeitsraum zum luxuriösen Loft dargestellt, ergänzt um einen Ausblick auf moderne Neubaulofts.
7. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass Lofts heute ein kommerzialisiertes Lifestyle-Produkt sind, das sich stark von den ursprünglichen, experimentellen Wohnformen der 70er Jahre unterscheidet.
Schlüsselwörter
Loft, Loft-Living, Industriearchitektur, Umnutzung, Berlin, Gewerbehof, Gentrifikation, Factory, Wohnen und Arbeiten, Innenarchitektur, Fabriketage, Industrialisierung, Sanierung, Luxuswohnung, Stadtentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Transformation von ehemaligen Fabriketagen und Gewerbehöfen zu modernen Loftwohnungen in Berlin, ausgehend von historischen Ursprüngen bis hin zu heutigen Luxusobjekten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Baugeschichte der Berliner Industrie, die Entwicklung des Loft-Begriffs, soziologische Aspekte wie Gentrifikation sowie architektonische Gestaltungsprinzipien der Umnutzung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entwicklung vom funktionalen, oft brachliegenden Fabrikraum zur luxuriös ausgebauten Wohnung in Berlin anhand von Beispielen nachzuvollziehen und die Wandlung des Lebensgefühls hinter dem Konzept Loft aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische bzw. kulturwissenschaftliche Arbeit, die auf Literaturanalyse, Internetrecherchen und der detaillierten Beschreibung sowie dem Vergleich ausgewählter Loft-Fallbeispiele basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen der Berliner Industrie, erklärt die soziologischen Hintergründe der Besetzungs- und Sanierungskultur der 70er/80er Jahre und vergleicht fünf spezifische Loft-Projekte in Berlin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Loft, Umnutzung, Industriearchitektur, Berliner Mischung, Gentrifikation, Fabriketage und Innenraumgestaltung.
Warum spielt die Berliner Mischung eine so wichtige Rolle?
Die Berliner Mischung beschreibt die historische räumliche Nähe von Wohnen und Arbeiten in Kreuzberger Gewerbehöfen, die als strukturelle Basis für die erste illegale Loftnutzung der 70er Jahre diente.
Was unterscheidet das „Car Loft“ von klassischen Lofts?
Das Car Loft ist eine moderne Neubauentwicklung, bei der die Verbindung von Wohnen, Arbeiten und einem direkt in die Wohneinheit integrierten Autostellplatz als technisches Patent das Kernkonzept bildet.
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- Sabrina von der Heide (Author), 2006, Lofts in Berlin seit 1951. Vom Fabrikraum zur Luxuswohnung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82099