Im Rahmen der Einarbeitungszeit für diese Seminararbeit habe ich mich mit einem Kuriosum der Menschheitsgeschichte und vor allem der Philosophie beschäftigt. Die Rede ist vom Ego oder Ich als Träger der grundeigenen, individuellen Wesenheit und dem Ich, über das sich jede Person mit dem ihr eigenen Körper identifiziert.
Denn jeder Mensch, der sich als Individuum versteht, tut dies über eine innere Gliederung, die Struktur seines Ich, die ihm diese Individualität verschafft. Jedes Denken, jede Kommunikation, schlicht und ergreifend jede Handlung vollzieht sich im Lichte dieses Ich, das sich im Kontakt mit der äußeren Realität von dieser als Subjekt, oder Ich differenziert.
Das Ich identifiziert sich mit der zentralen Instanz unserer Persönlichkeit, es bezieht sich auf das Selbst, die eigene Person im Gegensatz zum Äußeren, unterschiedenem, dem Objekt. Es ruft ein Ichbewußtsein wach, das einerseits die Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens darstellt, obwohl andererseits niemand in der Lage ist, sein Ego und dessen innere Struktur genau zu bezeichnen.
Dieses uns nicht zugängliche, Spekulationen und Interpretationen offenlassende Dasein des Ich, hat enorme Auswirkungen auf die Philosophie des Abendlandes. Denn, so Kant, ,, das empirische Ich kann sich selbst nur erfahren, weil es anderes, Äußeres erfährt."2
Diese Aussage, die ich hier als Aufhänger des westlichen Denkens bezeichnen möchte, impliziert eine Unterscheidung zwischen dem Ich und der Welt, den Dualismus von Subjekt und Objekt. Genau auf dieser Differenzierung des Subjekts von der restlichen äußeren Realität ( Objekte ) basiert jede westliche Epistemologie.
Im Gegensatz dazu stehen die Vorstellungen des Zen-Buddhismus, der versucht dem empirischen Ich entgegenzuwirken.
Die folgenden Seiten zielen darauf ab, mit dem Hintergrund des westlichen, logisch-analytischen Denkens, den konträren philosophischen Lösungsansatz des Zen und seine Vorstellung von der Wirklichkeit herauszustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Die Struktur des empirischen Ich
3. Was ist Zen ?
4. Die Welt ist ein einziger Geist
5. Schlußbetrachtung
6. Bibliographie
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die philosophische Struktur des sogenannten empirischen Ichs, ausgehend von westlichen Denksystemen und deren Dualismus, und stellt diese der östlichen Perspektive des Zen-Buddhismus gegenüber, die eine Aufhebung dieser Trennung anstrebt.
- Analyse des Ich-Begriffs in der westlichen Philosophie und Psychologie.
- Gegenüberstellung des westlichen dualistischen Weltbildes mit der Zen-Philosophie.
- Diskussion des erkenntnistheoretischen Ansatzes der Beobachtung bei Niklas Luhmann.
- Untersuchung der buddhistischen Lehre zur Überwindung der Ich-Substanz.
- Die Rolle der Meditation als Weg zur Erfahrung der absoluten Wirklichkeit.
Auszug aus dem Buch
Die Struktur des empirischen Ich
Wie bereits in der Einführung erwähnt, erhalten wir unser Bewußtsein von uns selbst und ein Bewußtsein von dem, was uns umgibt, über das empirische Ich. Dieses Selbstbewußtsein, das heißt, das Ich im Bewußtsein von sich selbst, bezieht sich auf das Unterscheiden eines Gegenüber als Objekt. Deswegen erscheinen wir als Subjekte faktisch getrennt von der Welt, die wir in verschiedene Objekte unterteilt wahrnehmen. Dieser grundlegende Dualismus bedingt unsere Wahrnehmung und unser Verständnis von der Welt in der wir leben.
Das Ich wird generell als Einheitsgrund der Akte eines geistigen Individuums, der sich im Selbstbewußtsein bestätigt, definiert, aber nicht nur Bewußtseins-Ich ist. Das empirische am Ich ist die Erkenntnis, die unmittelbar aus der Erfahrung ableitbar ist und auf ihr beruht. Nach Kants Auffassung erfährt das Ich durch die Assoziation von Sinnesorganen und Intellekt ein Äußeres, daß anders beschaffen ist als das Ich. Das Ich kann sich aufgrund dieser Ursache selbst erfahren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Der Autor führt in das Problem des Egos als Träger individueller Identität ein und setzt den Rahmen für den Vergleich zwischen abendländischem Subjekt-Objekt-Dualismus und östlicher Philosophie.
2. Die Struktur des empirischen Ich: Dieses Kapitel erläutert die Konstitution des Ich durch Distanzierung vom Objekt, unter Bezugnahme auf Descartes und die Systemtheorie von Niklas Luhmann.
3. Was ist Zen ?: Hier wird das Zen-Konzept als Erlösung vom Leiden vorgestellt, das durch die falsche Identifikation mit einem festen Ich entsteht und mittels Meditation überwunden werden soll.
4. Die Welt ist ein einziger Geist: Der Autor vertieft die buddhistische Sichtweise, die jegliche substantielle Trennung von Subjekt und Objekt ablehnt und die Welt als undifferenziertes Ganzes betrachtet.
5. Schlußbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass westliches Denken auf Trennung basiert, während Zen eine aktive, meditative Erfahrung zur Wiedervereinigung sucht.
6. Bibliographie: Auflistung der verwendeten philosophischen und buddhistischen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Empirisches Ich, Subjekt-Objekt-Dualismus, Zen-Buddhismus, Erkenntnistheorie, Descartes, Niklas Luhmann, Meditation, Bewusstsein, Systemtheorie, Wirklichkeit, Identität, Selbstbewusstsein, Ontologie, Abendländische Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Konstitution des "Ich" und untersucht, wie dieses durch westliche Denksysteme als getrenntes Subjekt konstruiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Ich-Struktur, dem Vergleich zwischen rationalem westlichem Denken und der Zen-Philosophie sowie der erkenntnistheoretischen Funktion von Unterscheidungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, das westliche dualistische Weltbild dem Zen-Buddhismus gegenüberzustellen, um aufzuzeigen, wie das "empirische Ich" die Wahrnehmung der Welt begrenzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine vergleichende philosophische Analyse, wobei er logisch-analytische Denksysteme westlicher Philosophen wie Descartes und Luhmann kontrastierend zum Zen einsetzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das cartesianische "cogito", Luhmanns Theorie der Beobachtungssysteme und der Zen-Ansatz der "Leere" zur Transzendierung des dualistischen Denkens diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Subjekt-Objekt-Dualismus, empirisches Ich, Erkenntnistheorie, Meditation und die Systemtheorie.
Inwiefern beeinflusst das "empirische Ich" laut dem Autor unsere Wahrnehmung?
Das empirische Ich fungiert als notwendige Trennlinie; durch die Identifikation mit einem festen Kern betrachten wir die Umwelt nur noch als eine Ansammlung getrennter Objekte.
Warum ist laut Autor ein Diskurs über Zen im westlichen Kontext schwierig?
Da westliches Denken auf definierendem, analytischem Diskurs basiert, prallt es auf das "meditative System" des Zen, das gerade darauf abzielt, solches diskursives Denken abzustellen.
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- Florian Schoemer (Author), 1997, Die Struktur des empirischen Ich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/821