Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks 1989 gehört Rumänien zum "Club" der demokratischen Staaten. In der Zukunft will Rumänien auch zum "Club" der Union der europäischen Staaten gehören sowie einiger anderer meist westlich orientierter Organisationen oder "Clubs". Ob man die Veränderungen, die sich 1989 und danach ereignet haben nun als Revolution, Umsturz, Putsch oder Evolution bezeichnen will, der eingeschlagene Weg Rumäniens scheint klar zu sein - Integration in Westeuropa. Doch wie soll dieses Ziel erreicht werden, mit welchen Mitteln verfolgt die rumänische Regierung diesen Weg, welche Hoffnungen hat die Bevölkerung, wie reagieren die europäischen Nachbarn darauf und vor allem wann wird dieses Ziel erreicht werden? Auf diese Vielzahl von Fragen soll in dieser Arbeit zumindest ansatzweise eine Antwort gegeben werden. Einige Fragen lassen sich eindeutig beantworten, bei anderen dagegen lieg die Antwort noch in ferner Zukunft und kann nur vermutet werden. Eines steht jedoch fest: die Europäische Union wird irgendwann einmal einen Mitgliedsstaat namens Rumänien haben, darin sind sich die EU und die rumänische Regierung einig.
Die Probleme und die Erfolge auf dem Weg dorthin haben außer den aktuellen politischen Gründen vor allem geschichtliche Ursachen. Deshalb wird der Weg der noch jungen Demokratie des Landes nachgezeichnet und untersucht. Für eine Erfolgsaussicht schließlich werden die Bemühungen sowohl der EU als auch Rumäniens, den Integrationsprozess voran zu bringen, dargestellt und analysiert.
Auf die für viele Menschen alles entscheidende Frage, wann der Beitritt erfolgt, werde ich hier keine Antwort geben können, da dies von sehr vielen Variablen abhängt und es nicht nur Fakten sind, die sie beeinflussen können.
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Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Entwicklung nach dem Umsturz von 1989
III. Außenpolitik der rumänischen Regierung
a) Allgemeine außenpolitische Situation
b) Öffentliche Meinung zum EU-Beitritt
c) Zur Bewältigung des EU-Beitrittsprozesses gegründeten Institutionen
IV. Einschätzung der politischen Lage in Rumänien durch die EU
V. Politik der Europäischen Union gegenüber Rumänien
a) Aufnahmebereitschaft
b) Finanzielle Unterstützung
VI. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungsprozess Rumäniens seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems 1989 sowie die Bestrebungen des Landes zur Integration in die Europäische Union und die NATO. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der innenpolitischen Transformation, der außenpolitischen Strategien sowie der Rolle unterstützender EU-Hilfsprogramme bei der Bewältigung dieses schwierigen Transformationsprozesses.
- Politische Transformation Rumäniens nach 1989
- Außenpolitische Ziele und Integrationsbemühungen in EU und NATO
- Analyse der öffentlichen Meinung zum EU-Beitritt
- Struktur und Aufgaben nationaler Institutionen im Beitrittsprozess
- Bewertung der EU-Hilfsprogramme Phare, ISPA und Sapard
Auszug aus dem Buch
Die Entwicklung nach dem Umsturz von 1989
Um zu den politischen Entwicklungen nach 1989 zu kommen, muss zunächst ein Blick auf die davor liegende Geschichte des Landes geworfen werden. Zusammen mit anderen Ostblockstaaten durchlebte das Land mit seinem kommunistischen System verschiedene Entwicklungsstufen. So veränderte sich die Politik vom Stalinismus in den 50er Jahren über den „Kommunismus mit menschlichen Zügen“ in den 60er Jahren bis hin zu der Variante des „national-communism“, der sich in den 80er Jahren unter anderem in Rumänien und Jugoslawien entwickelte. In dieser Variante wurde der Leninismus durch Nationalismus ersetzt und durch Populismus verbreitet, was zu einer Stärkung der Identifikation der Bevölkerung mit ihrem politischen Führer, in Rumänien also Ceausescu, führte.
Gleichzeitig wurde ein starker Polizeiapparat zur Kontrolle der Bevölkerung ebenso wie der geistigen Elite aufgebaut und die diplomatischen Beziehungen stark eingeschränkt. Diese Entwicklungen haben die rumänische Bevölkerung komplett umstrukturiert. Ceausescu unterdrückte die öffentliche Meinung durch starken Populismus, zeigte aber gleichzeitig kein Interesse an rumänischen Werten oder Traditionen. Der Staat drang bis ins Privatleben der Bürger vor und veränderte die öffentliche Haltung der Gesellschaft grundlegend. Es kam zu einem Rückzug des gesellschaftlichen Austausches bis in den engsten Freundeskreis und zu einem Absterben der öffentlichen politischen Beteiligung.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Ambitionen Rumäniens zur Integration in westliche Institutionen nach 1989 und stellt die grundlegenden Forschungsfragen sowie den Aufbau der Arbeit vor.
II. Entwicklung nach dem Umsturz von 1989: Dieses Kapitel analysiert die historische Ausgangslage während der Ära Ceausescu und die politischen Verwerfungen nach dem gewaltsamen Systemumsturz sowie die Etablierung des neuen demokratisch-republikanischen Systems.
III. Außenpolitik der rumänischen Regierung: Hier werden die außenpolitischen Schwerpunkte, insbesondere das Verhältnis zu Ungarn, Moldawien und der Ukraine sowie die ambitionierten Ziele einer NATO- und EU-Mitgliedschaft, detailliert untersucht.
IV. Einschätzung der politischen Lage in Rumänien durch die EU: Dieses Kapitel befasst sich mit der Bewertung Rumäniens durch europäische Institutionen, wobei Fortschritte bei den Kopenhagener Kriterien kritisch dem noch bestehenden Reformbedarf in Justiz und Verwaltung gegenübergestellt werden.
V. Politik der Europäischen Union gegenüber Rumänien: Die EU-Unterstützungsprogramme wie Phare, ISPA und Sapard werden hier hinsichtlich ihrer Bedeutung für die strukturellen Anpassungen und die wirtschaftliche Transformation des Landes bewertet.
VI. Zusammenfassung: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse gebündelt, wobei die Diskrepanz zwischen dem starken Beitrittswillen der Bevölkerung und der zögerlichen Umsetzung notwendiger Reformschritte hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Rumänien, Europäische Union, EU-Beitritt, NATO, Transformation, Ceausescu, Nomenklatura, Außenpolitik, Reformprozess, Demokratisierung, Phare, ISPA, Sapard, Minderheitenrechte, Wirtschaftstransformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den politischen Transformationsprozess Rumäniens nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes 1989 und die Bestrebungen zur Integration in westliche Bündnisse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Aufarbeitung der Ära Ceausescu, die innenpolitischen Reformen, die regionale Außenpolitik sowie die finanzielle Unterstützung durch die Europäische Union.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Weg Rumäniens zur Integration in die EU und NATO zu untersuchen, die eingesetzten Mittel und Reformbemühungen zu analysieren sowie die Hürden und Erfolgschancen darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten politikwissenschaftlichen Analyse, die historische Entwicklungen nachzeichnet, aktuelle politische Daten vergleicht und Berichte internationaler Institutionen auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der postkommunistischen Entwicklung, die außenpolitische Ausrichtung, die Einschätzung der EU bezüglich der Beitrittskriterien sowie die Wirksamkeit der europäischen Förderprogramme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Transformation, EU-Osterweiterung, politische Reformen, Systemwechsel und wirtschaftliche Anpassungsprozesse.
Welche Rolle spielt die Nomenklatura nach 1989?
Ein Großteil der alten Machtelite konnte sich nach dem Umsturz in der Übergangsregierung behaupten, was den Reformprozess maßgeblich prägte und teilweise verlangsamte.
Warum ist das Verhältnis zu Moldawien für Rumänien so bedeutsam?
Aufgrund historischer Gemeinsamkeiten aus der Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs hat das Verhältnis eine hohe emotionale und politische Relevanz für die rumänische Bevölkerung und Regierung.
Wie bewertet die Arbeit die Wirksamkeit der Twinning-Projekte?
Die Projekte werden als notwendig für den Aufbau administrativer Kapazitäten angesehen, um das rumänische Recht an den europäischen Acquis communautaire anzupassen.
- Quote paper
- Nils Dressel (Author), 2002, Wohin steuert Rumänien? Die politische Situation nach Ceausescu und der Weg in die EU, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8210