Der Einfluss der NAFTA auf die ökonomische Wohlfahrtsentwicklung in Mexiko

Eine Analyse unter Berücksichtigung der klassischen und neoklassischen Freihandelstheorien


Magisterarbeit, 2005
105 Seiten, Note: 1,30

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Der ökonomische Wohlfahrtsbegriff
2.1. Wohlfahrtssteigerung durch Arbeitsteilung und Handel
2.2. Problematik der Wohlfahrtsdefinition
2.3. Zwischenfazit

3. Freihandelstheorien
3.1. Absolute Produktionsvorteile nach Adam Smith
3.2. Komparative Produktionsvorteile nach David Ricardo
3.2.1. Wohlfahrtssteigerung durch Freihandel
3.2.2. Annahmen des Ricardo-Modells
3.3. Komparative Vorteile nach Heckscher-Ohlin
3.3.1. Das Neo-Faktorproportionentheorem
3.3.2. Das Stolper-Samuelson-, Faktorpreisausgleichs- und Rybczynski-Theorem
3.4. Zwischenfazit

4. Mexikanische Wirtschaftspolitik im Wandel
4.1. Von der Importsubstitution zum Freihandel
4.2. Zwischenfazit

5. Die Nafta
5.1. Ziele Mexikos
5.2. Der Nafta-Vertragstext
5.2.1. Abbau der Zölle
5.2.2. Abbau nicht-tarifärer Handelshemmnisse
5.3. Zwischenfazit

6. Die wirtschaftliche Entwicklung Mexikos seit 1994
6.1. Peso-Krise
6.2. Direktinvestitionen
6.3. Bruttoinlandsprodukt und Handelsvolumen
6.4. Handelsdiversifizierung
6.5. Die Maquiladora-Industrie
6.5.1. Die Maquiladora-Industrie vor 1994
6.5.2. Die Maquiladora-Industrie nach 1994
6.5.3. Exkurs: Umweltbelastung in Mexiko
6.6. Der Agrarsektor
6.7. Zwischenfazit

7. Wohlfahrtsveränderung durch die Nafta
7.1. Arbeitsplätze
7.2. Produktivität
7.3. Löhne
7.4. Einkommensverteilung
7.5. Zwischenfazit

8. Schluss

9. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Response of GDP / Response of Investment (1994/1982)

Abbildung 2: Trade with Nafta Partners

Abbildung 3: Trade with Non-Nafta Partners

Abbildung 4: Diversification of Exports / Maquiladora Exports and Imports

Abbildung 5: Manufacturing Productivity and Real Wages in Mexico

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Autarkiezustand im Ricardo-Modell

Tabelle 2: Freihandelszustand im Ricardo-Modell

Tabelle 3: Autarkiezustand im Heckscher-Ohlin-Modell

Tabelle 4: Freihandelszustand im Heckscher-Ohlin-Modell

Tabelle 5: Wirtschaftsdaten Mexikos, der USA und Kanadas

Tabelle 6: Direktinvestitionen in Mexiko in Millionen US-Dollar

Tabelle 7: GDP at current and constant 1990 prices, Per capita GDP, Growth rate

Tabelle 8: Total exports to the USA

Tabelle 9: Volumen físico de la producción manufacturera

Tabelle 10: Beschäftigte in der Maquiladora-Industrie 1981 / 1993

Tabelle 11: Industria Maquiladora de Exportación / Numero de Establecimientos

Tabelle 12: Industria Maquiladora de Exportación / Personal Ocupado

Tabelle 13: Agricultural Trade of Mexico

1. Einleitung

„Bei einem System des vollkommen freien Handels wendet natürliches jedes Land sein Kapital und seine Arbeit solchen Zweigen zu, die jedem am vorteilhaftesten sind. Dieses Verfolgen ist bewundernswert mit dem allgemeinen Wohle des Ganzen verbunden.“[1]

- David Ricardo -

Vor mehr als 180 Jahren schrieb der englische Ökonom David Ricardo ein Buch, das Ökonomen auch heute mit Begeisterung lesen. Der Titel: „Principles of Political Economy and Taxation“[2]. Ricardo erklärt darin am Beispiel von England und Portugal, warum durch Freihandel die Wohlfahrt steigt; und zwar die Wohlfahrt aller daran beteiligten Länder. Diese Theorie von Ricardo ist noch heute die einflussreichste Theorie über den Welthandel.[3] Mit ihr wird Freihandel gefordert und begründet.

Kein Land der Welt unterschrieb mehr Freihandels- und Vorzugsabkommen als die Vereinigten Mexikanischen Staaten.[4] „Ninguno de los otros tratados de libre comercio que ha firmado México [...] se acerca a la importancia que tiene el TLCAN. [Kein anderes Freihandelsabkommen, das Mexiko unterzeichnet hat, kommt an die Wichtigkeit der Nafta heran. Übersetzung: Sebastian Wenzel]“[5] Die Nafta ist die Freihandelszone zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika, Mexiko[6] und Kanada. Sie trat am 1. Januar 1994 in Kraft.

Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit lautet: „Welchen Einfluss hatte die Nafta auf die ökonomische Wohlfahrtsentwicklung in Mexiko? Eine Analyse unter Berücksichtigung der klassischen und neoklassischen Freihandelstheorien.“ Laut diesen steigt durch die Einführung von Freihandel die Wohlfahrt[7] aller daran beteiligten Länder. Demnach müsste sich seit 1994 in Mexiko die Wohlfahrt erhöht haben. Die Arbeitshypothese lautet demnach: Die Nafta hatte einen positiven Einfluss auf die ökonomische Wohlfahrtsentwicklung in Mexiko. Die Hypothese wird in dieser Arbeit folgendermaßen überprüft:

Im zweiten Kapitel dieser Arbeit wird zuerst gezeigt, wie Ökonomen[8] Wohlfahrt definieren, wie diese ihrer Ansicht nach gesteigert werden kann und mit welchen Problemen jeder Versuch einer Wohlfahrtsdefinition behaftet ist. Um eine operationale Beurteilungsbasis für die Beantwortung der zentralen Fragestellung zu haben, werden anschließend Indikatoren festgelegt, anhand derer die Wohlfahrtsentwicklung in Mexiko untersucht wird. Warum durch Freihandel laut den klassischen und neoklassischen Freihandelstheorien die Wohlfahrt aller daran beteiligten Länder steigt, wird im dritten Kapitel dieser Arbeit erklärt. Im vierten Kapitel wird gezeigt, warum erst ein Wandel der mexikanischen Wirtschaftspolitik die Gründung der Nafta ermöglichte. Im fünften Kapitel wird geprüft, inwiefern die mexikanischen Erwartungen vor Nafta-Gründung durch die im dritten Kapitel vorgestellten Freihandelstheorien gedeckt waren. Zusätzlich wird der Vertragstext vorgestellt und überprüft, welche Folgen einzelne Vertragsinhalte laut den Theorien haben müssten. Die wirtschaftliche Entwicklung Mexikos anhand der im ersten Kapitel festgelegten Wohlfahrtsindikatoren, wird im sechsten und im siebten Kapitel untersucht. Es wird überprüft, in wie weit sich die Veränderung der ökonomischen Wohlfahrt seit Einführung der Nafta durch die klassischen und neoklassischen Freihandelstheorien erklären lässt.

2. Der ökonomische Wohlfahrtsbegriff

„Unter Ökonomen erfährt die Aussage wenig Widerspruch, daß jede Gesellschaft durch [...] ungehinderten internationalen Austausch von Waren und Dienstleistungen einen Wohlstandsgewinn erzielen kann.“[9] Doch was ist Wohlstand? Aus welchen materiellen und immateriellen Elementen besteht er? In diesem Kapitel wird diese Frage beantwortet, damit im zweiten Teil der Arbeit überprüft werden kann, ob durch die Einführung der Nafta der Wohlstand in Mexiko gestiegen oder gesunken ist. „Dabei wird unter dem Begriff ,Wohlstand’ die Gesamtheit der materiellen und immateriellen der für das subjektive Wohlstandsempfinden bedeutsamen Bedürfniskategorien der Menschen verstanden. Dieser Begriff [...] ist somit synonym mit dem in der ökonomischen Theorie eher gebräuchlichen, aber im täglichen Sprachgebrauch weniger benutzten Begriff ,Wohlfahrt’.“[10] Es wird der ökonomische Wohlfahrtsbegriff vorgestellt und auf dessen Stärken und Schwächen eingegangen. Abschließend werden ökonomische Wohlfahrtsindikatoren festgelegt, anhand derer im weiteren Verlauf der Arbeit die Entwicklung Mexikos beurteilt wird.

2.1. Wohlfahrtssteigerung durch Arbeitsteilung und Handel

Die Vorstellungen, wie die Wohlfahrt einer Volkswirtschaft gesteigert werden kann, haben sich in den vergangenen Jahrhunderten erheblich verändert. Für die Merkantilisten des 17. und 18. Jahrhunderts ging es darum, den Reichtum des Staates an Edelmetallen und Menschen zu mehren. Das gelang ihrer Meinung nach am besten durch hohe Schutzzölle. „Der Nutzen des Außenhandels wurde aus einer engen nationalen Perspektive beurteilt. Die Politik bestand demnach einerseits in einer Förderung von Exporten, andererseits aber in einer Beschränkung von Importen auf solche Güter, die im eigenen Land nicht verfügbar waren.“[11] Die Physiokraten forderten dagegen, dass der Staat Eingriffe auf ein Mindestmaß beschränke, sowie das Privateigentum an Produktionsmitteln und eine freie wirtschaftliche Betätigung der Menschen gewähre.[12] Die Wohlfahrt sollte durch eine effektivere Bodennutzung und landwirtschaftliche Produktion erhöht werden.[13] Heutzutage gehen Ökonomen davon aus, dass die Wohlfahrt einer Volkswirtschaft steigt, wenn ihr mehr Güter zur Verfügung stehen. Dies wird aus der Annahme abgeleitet, dass nur jeder Mensch selbst beurteilen kann, wie und ob die Wohlfahrt für ihn durch eine wirtschaftspolitische Maßnahme gesunken oder gestiegen ist.

Individuen haben unterschiedliche Wünsche.

„Wirtschaftswissenschaftler urteilen nicht darüber, wessen Präferenzen ,besser’ sind. Sie beschäftigen sich nicht einmal mit der Frage, warum die Menschen so unterschiedliche Vorlieben haben oder warum sich ihre Vorlieben im Zeitablauf verändern.“[14]

Sie erkennen lediglich, dass Menschen unterschiedlichen Gütern einen unterschiedlichen Wert beimessen. Wobei jede Wertschätzung an das subjektive Empfinden des einzelnen Menschen gebunden ist.[15] Wohlfahrt, beziehungsweise Wohlfahrtssteigerung, kann deshalb sinnvollerweise immer nur bezogen auf den einzelnen Menschen formuliert werden. Ökonomen unterstellen, dass die Wohlfahrt der einzelnen Menschen steigt, wenn sie mehr Güter konsumieren können.[16] Grund: Jeder Mensch hat unterschiedliche Wünsche. Wer sich etwas wünscht, empfindet einen Mangel, den er beseitigen möchte. „Die Empfindung eines Mangels, mit dem Wunsch, den Mangel zu beseitigen, bezeichnen wir [die Ökonomen] als Bedürfnis, die Minderung des Mangelgefühls als Bedürfnisbefriedigung und das Ausmaß der Bedürfnisbefriedigung als Nutzen.“[17] Etwas, das eine persönlich empfundene Mangellage vermindert, bezeichnen Ökonomen als Gut. Wenn jeder einzelne Mensch durch den Konsum von Gütern seinen Nutzen erhöht, dann steigt nach Ansicht der Ökonomen sein Wohlstand, denn ein höheres Nutzenniveau gegenüber einer Ausgangssituation stellt eine Wohlstandssteigerung dar. Damit die Individuen Güter konsumieren können, muss sie jemand produzieren. „Alle Güter, die in einem solchen Produktionsprozess eingesetzt werden, nennt man Produktionsgüter oder Produktionsmittel. Die dauerhaften Produktionsmittel nennt man üblicherweise Produktionsfaktoren.“[18] Die größtmögliche Güterproduktion einer Volkswirtschaft ist durch den Bestand an Produktionsfaktoren begrenzt.[19] Die Produktionsfaktoren und damit auch die Zahl der Güter sind also knapp.[20] Unter Ökonomen herrscht Konsens darüber, dass Knappheit eine Grundtatsache des Lebens ist.[21]

„Zwar ist denkbar, dass einzelne Menschen ,wunschlos glücklich’ sind und die Knappheit individuell nicht spüren. Aber für eine Wirtschaftsgesellschaft insgesamt übersteigt die Summe der Bedürfnisse die Summe der Produktionsmöglichkeiten in jedem Fall.“[22]

Jede Gesellschaft muss also die Frage beantworten: Wie sollen die knappen Produktionsfaktoren, die einer Gesellschaft zur Verfügung stehen, eingesetzt werden, damit der Wohlstand steigt?

Einen immer noch aktuellen Vorschlag, wie diese Frage beantwortet werden kann, machte vor mehr als 200 Jahren der englische Ökonom Adam Smith. Der „Begründer der modernen Volkswirtschaftslehre“[23] veröffentlichte 1776 das Buch „The Wealth of Nations“. Bereits im ersten Satz des ersten Kapitels schreibt Smith, wie mehr Güter produziert werden können und dadurch seiner Meinung nach der Wohlstand steigt.

„Die Arbeitsteilung[24] dürfte die produktiven Kräfte der Arbeit mehr als alles andere fördern und verbessern. [...] Die Arbeitsteilung, die so viele Vorteile mit sich bringt, ist in ihrem Ursprung nicht etwa das Ergebnis menschlicher Erkenntnis, welche den allgemeinen Wohlstand, zu dem erstere führt, voraussieht und anstrebt. Sie entsteht vielmehr zwangsläufig, wenn auch langsam und schrittweise, aus einer natürlichen Neigung des Menschen, zu handeln und Dinge gegeneinander zu tauschen. [...] Sobald nun der Mensch sicher sein kann, daß er alle Dinge, die er weit über den Eigenbedarf hinaus durch eigene Arbeit herzustellen vermag, wiederum gegen überschüssige Produkte anderer, die er gerade benötigt, eintauschen kann, fühlt er sich ermutigt, sich auf eine bestimmte Tätigkeit zu spezialisieren, sie zu pflegen und zu vervollkommnen, je nach Talent oder Begabung.“[25]

Durch die Arbeitsteilung und die daraus resultierende Spezialisierung werden quantitativ mehr und qualitativ hochwertigere Güter geschaffen. „Die Spezialisierung auf einige wenige Tätigkeiten erhöht die Schnelligkeit, mit der diese Tätigkeiten ausgeführt werden können. Menschen mit den unterschiedlichsten Fertigkeiten können so im Produktionsprozess eingesetzt werden, dass ihre speziellen Fertigkeiten am besten ausgeschöpft werden.“[26] Zusätzlich ermöglicht Arbeitsteilung den Einsatz spezialisierter Maschinen und damit kostengünstige Massenproduktion. Smith erklärte das anhand der Stecknadelproduktion.[27] Der Wohlstand der Individuen steigt allerdings nur, wenn diese nach der Spezialisierung in ein Tauschverhältnis treten. Das geschieht nach Smith zwangsläufig. Wenn Menschen sich in der Güterproduktion spezialisieren, über den Eigenbedarf hinaus produzieren und tauschen, dann orientieren sie sich an den Wünschen anderer. Denn durch die Befriedigung dieser Wünsche schaffen sie für sich selbst einen Mehrwert.[28] Diese Erkenntnis fasste Smith in dem in Wirtschaftslehrbüchern wohl am häufigsten zitierten Satz zusammen.

„Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers und Bäckers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, daß sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen. Wir wenden uns nicht an ihre Menschen- sondern an ihre Eigenliebe und wir erwähnen nicht die eigenen Bedürfnisse, sondern sprechen von ihrem Vorteil. Niemand möchte weitgehend vom Wohlwollen seiner Mitmenschen abhängen, außer einem Bettler, und selbst der verlässt sich nicht allein darauf. [...] Auch ein Bettler deckt seinen gelegentlichen Bedarf überwiegend wie alle anderen Menschen, nämlich durch Verhandeln, Tausch und Kauf. Mit dem erbettelten Geld kauft er sich etwas zum Essen, geschenkte, alte Kleider tauscht er gegen andere, die ihm besser passen, gegen eine Unterkunft, Essen oder Geld, mit dem er wiederum Lebensmittel, Kleidung oder eine Schlafstätte, je nach Bedarf kaufen kann.“[29]

Wenn ein Tauschgeschäft freiwillig erfolgt, dann müssen alle daran beteiligten Parteien gewinnen. „Wenn bei einem Tauschgeschäft eine Partei verlieren würde, dann würde diese Partei es vorziehen, das Geschäft nicht abzuschließen.“[30] Die Gesamtwohlfahrt einer Volkswirtschaft ist nach dieser Logik gleich der Summe der individuellen Wohlfahrten. „Es gibt a priori kein Gesamtinteresse, vielmehr ergibt sich ein – von niemandem gewusstes, von niemandem angestrebtes – Gesamtinteresse emergent aus der Interaktion der Individuen.“[31]

2.2. Problematik der Wohlfahrtsdefinition

Diese gesamtgesellschaftliche Wohlfahrtsdefinition ist unter anderem aus drei Gründen problematisch.

Erstens: Der Mensch ist in der Regel nur fähig, „verschiedene Güterbündel in eine Rangordnung zu bringen, ohne den genauen Nutzenabstand bestimmen zu können. Der Nutzen kann somit nur eine ordinale Größe sein.“[32] Es gibt zwar Versuche, den Nutzen kardinal zu erfassen, aber „auch diejenigen, die eine kardinale Meßbarkeit und interpersonelle Vergleichbarkeit von Nutzen prinzipiell für möglich halten, räumen ein, daß die bisher entwickelten Maßstäbe nicht ohne größere technische Schwierigkeiten operational verwendet werden können“[33]. Wenn der individuelle Nutzen aber nur eine ordinale Größe ist, dann ist es nicht möglich, den Nutzen verschiedener Individuen zu aggregieren. „Genau diese Möglichkeit eines logisch konsistenten Aggregierungsprinzips impliziert jedoch beispielsweise die Vorstellung einer gesellschaftlichen Wohlfahrtsfunktion, mit der im Rahmen vieler Modellierungen der traditionellen Außenwirtschaftsökonomik argumentiert wird.“[34]

Zweitens: Jeder Einzelne weiß, durch welchen Güterkonsum er seinen Nutzen und damit seine Wohlfahrt steigern kann.[35] Doch sehr wahrscheinlich kollidieren seine Interessen mit denen anderer - im schlimmsten Fall sind diese Interessen sogar unvereinbar. Wann sind also die knappen Ressourcen einer Volkswirtschaft optimal verteilt und damit auch die Wohlfahrt der Gesellschaft am höchsten? Die Antwort der neueren Wohlfahrtstheorie: Dann, wenn kein Mensch besser gestellt werden kann, ohne dass ein anderer Mensch schlechter gestellt wird.

„Dies ist ein Zustand, der dadurch gekennzeichnet ist, dass durch keine Reorganisation des Wirtschaftsprozesses es möglich wird, von einem Gut mehr zu produzieren, ohne von einem anderen weniger zu produzieren (produktive Effizienz) und durch keine Umverteilung der Produktion es möglich ist, den Nutzen eines Menschen zu steigern, ohne den Nutzen eines anderen gleichzeitig zu mindern (allokative Effizienz)“[36].

Ist dieser Zustand erreicht, sprechen Wirtschaftswissenschaftler von einem Pareto-Optimum. Allerdings ist es zweifelhaft, ob es wirtschaftspolitische Maßnahmen gibt, die bei keinem einzigen Menschen zu einem Nutzenverlust führen. Durch die meisten Maßnahmen werden einige begünstigt und andere benachteiligt. So könnten zum Beispiel durch die Aufnahme von Außenhandel die inländischen Produzenten einen Nachteil erleiden. Es könnte sein, dass ihre Gewinne sinken, da die ausländischen Anbieter Produkte billiger anbieten. Wenn man sich strikt an die Bedingung des Pareto-Optimums halten würde, dann wäre die Folge, dass keine einzige wirtschaftspolitische Maßnahme mehr durchgeführt werden könnte. Kaldor formulierte deswegen das Pareto-Optimum um, und stellte fest:

„Eine wirtschaftspolitische Maßnahme könne unabhängig von der hiermit verbundenen Umverteilung immer dann als effizient bezeichnet werden, wenn die aus dieser Maßnahme resultierenden Vorteile der begünstigten Bevölkerungsgruppen die Möglichkeit bieten, die benachteiligten Gruppen für ihren Nutzenentgang voll zu kompensieren.“[37]

Dieser Satz ist als Kaldor-Hicks-Kriterium[38] bekannt. „Bei Verwendung des Kaldor-Hicks-Kriteriums kann festgehalten werden, daß [laut den Freihandelstheorien] Freihandel wohlfahrtssteigernd ist - Nutzeneinbussen einzelner Wirtschaftssubjekte sind aufgrund des internationalen Handels [allerdings] möglich.“[39] Kritiker beanstanden, dass die Kompensation nur theoretisch möglich sein muss und nicht zwangsläufig in der Praxis erfolgen müsse.[40] Allerdings ist die Frage, ob eine Kompensation durchgeführt werden soll, eine verteilungspolitische Entscheidung, die nicht Wissenschaftler, sondern Politiker treffen sollten.[41] Das heißt, „welche konkreten gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Ziele anzustreben sind, kann nicht durch Wirtschaftswissenschaft bestimmt werden“.[42]

Drittens: „Zur exakten Quantifizierung des Begriffs Wohlfahrt ist [...] ein einheitlicher Bewertungsmaßstab notwendig. Es ist der Wohlfahrtsökonomik bis heute nicht gelungen, ein eindeutiges, allgemein verwendetes Maß für die Wohlfahrt zu entwickeln.“[43] Um ein Wohlfahrtsmaß zu entwickeln müssen normative Werteprämissen verwendet werden, „weil es nur auf Grund bestimmter Wertvorstellungen möglich ist, über den Inhalt der ,gesellschaftlichen Wohlfahrt’ und den Charakter bestimmter Optima zu entscheiden“[44]. Wirtschaftswissenschaftler sollten allerdings keine Werturteile, sondern Sachaussagen treffen.[45] Auch der Aussage „Menschen steigern ihren Nutzen durch den Konsum von Gütern“ liegt eine Wertvorstellung zugrunde. So könnte sich ein Angestellter bewusst dafür entscheiden, weniger zu arbeiten. Dadurch hätte er zwar weniger Einkommen, was weniger Güterkonsummöglichkeiten bedeutet, aber mehr Freizeit.

„Nun besteht aber kein Zweifel daran, daß man Freizeit auch ,nutzbringend’ verwenden kann, ohne daß dabei Geldströme in Bewegung gesetzt werden. Man braucht nur daran zu denken, daß man spazieren oder träumen, meditieren oder Sport treibt, sich der Familie widmen oder auch nichts tun kann.“[46]

Trotz dieser berechtigten Kritik, ist es für die Beantwortung der zentralen Fragestellung notwendig, sich für bestimmte Wohlstands-Indikatoren zu entscheiden. Nur so ist es möglich, den Erfolg oder Misserfolg einer wirtschaftspolitischen Maßnahme – wie die Einführung von Freihandel - zu überprüfen. Dabei muss beachtet werden, dass die Auswahl der Wohlfahrtsindikatoren Konsequenzen für die Erklärung wirtschaftspolitischer Maßnahmen hat.[47] So ist die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung geeignet, die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes aggregiert zu beschreiben. Um die aggregierten Ergebnisse auf einzelne Bevölkerungsgruppen herunterzubrechen, versucht die Sozialindikator-Bewegung (SI Movement), diese durch Informationen über soziale Entwicklungen zu ergänzen und den internationalen Vergleich von Gesellschaften durch quantitative Vergleichsdaten zu untermauern.[48]

„Es bestehen aber immer noch erhebliche Meinungsverschiedenheiten über die besten Indikatoren für so zentrale Problembereiche wie Armut, Wohlfahrt oder soziale Sicherheit. In der Regel genügt kein einziger auch noch so repräsentativer Indikator, um so komplexe Sachverhalte wie Armut, Fehlentwicklung, Abhängigkeit, soziale Gerechtigkeit oder Entwicklung zu erfassen. Es bedarf dann einer Kombination von Indikatoren, um Fehlschlüsse und Fehldeutungen der sozialen Wirklichkeit zu vermeiden.“[49]

Welche Indikatoren[50] für die Wohlfahrts- beziehungsweise Armutsmessung herangezogen werden, hängt davon ab wie weit der Bedürfnisbegriff gefasst wird. Im Extremfall hätte demnach jeder Mensch nur das Bedürfnis biologisch zu überleben. Im weiteren Sinne kann darunter auch das Bedürfnis nach einem menschenwürdigen Dasein verstanden werden. Wobei wiederum genau definiert werden muss, was unter dem Begriff „menschenwürdiges Dasein“ zu verstehen ist.

Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit lautet: Welchen Einfluss hatte die Nafta auf die ökonomische Wohlfahrtsentwicklung in Mexiko? Um eine operationale Beurteilungsbasis für die Beantwortung dieser Frage zu erhalten, werden im sechsten und im siebten Kapitel folgende ökonomische Wohlfahrtsindikatoren[51] untersucht: die Entwicklung des BIP und des Handelsvolumens (In- und Exporte) sowie deren Zusammensetzung, die Entwicklung der Produktivität, die Entwicklung der Direktinvestitionen, die Entstehung oder der Wegfall von Arbeitsplätzen sowie die Entwicklung der Einkommen und ihre Verteilung. Der Grund für die Auswahl gerade dieser ökonomischen Wohlfahrtsindikatoren:

„One of the most basic measures of a trade agreement’s impact on the well-being of real people is the number of jobs gained or lost as a result of the agreement, the quality of those jobs, and the wages paid. A second important and closely related measure is the effect of trade liberalization on productivity.“[52]

Die im dritten Kapitel vorgestellten Freihandelstheorien unterstellen vollkommene Märkte. Das heißt, Individuen bieten ihre Arbeitskraft oder sonstige Produktivleistungen - wie zum Beispiel kreative Ideen – auf dem Arbeitsmarkt an. Unternehmen fragen diese nach und zahlen im Gegenzug einen Lohn. Dadurch können die Individuen Güter kaufen, die sie konsumieren und dadurch ihren Wohlstand erhöhen. Ein höherer Lohn bedeutet mehr Güterkonsummöglichkeiten und damit im ökonomischen Verständnis einen höheren Wohlstand.[53] Der Lohn steigt unter anderem, wenn die Arbeitskräftenachfrage steigt. Dies ist der Fall, wenn – zum Beispiel durch Freihandelseinführung – neue Arbeitsplätze entstehen. Ein anderer Grund für höhere Löhne liegt in einer höheren Produktivität der Arbeiter oder des Kapitals. Grund: „Im Gewinnmaximum [des Unternehmens] ist der Wert des Grenzproduktes der Arbeit gleich dem Geldlohnsatz (Nominallohnsatz).“[54]

Durch Direktinvestitionen können neue Arbeitsplätze entstehen, und es wird technologisches Wissen in das Empfängerland importiert.[55] Die Entwicklung und Zusammensetzung des Handelsvolumens wird untersucht, da gezeigt wurde, wie durch Arbeitsteilung und Handel die Wohlfahrt steigen kann.[56] Freihandelsbefürworter behaupten, wie im dritten Kapitel gezeigt wird, dass auch durch internationale Arbeitsteilung und Handel die Wohlfahrt steigt. Die Entwicklung des BIP wird untersucht, da dieses laut Mankiw das beste verfügbare (Einzel)-Maß für den ökonomischen Wohlstand einer Gesellschaft ist.[57] Da es jedoch keine Aussagen über die Verteilung des Wohlstandes innerhalb von Mexiko trifft, wird zusätzlich überprüft, wie sich die Einkommensverteilung in Mexiko entwickelt hat.

„Die Wohlfahrt als Inbegriff menschlicher Empfindung dürfte in einer Volkswirtschaft größer sein, in der die Einkommen und Vermögen gleichmäßiger verteilt sind als in einer anderen mit denselben Durchschnittsgrößen, die sich aber durch starke Unterschiede kennzeichnet. Dies ist ein Satz, der sich freilich nicht wissenschaftlich beweisen lässt, der aber immerhin ein hohes Maß an Plausibilität für sich beanspruchen darf. Er beruht darauf, daß der Grenznutzen des Geldes mit zunehmendem Einkommen abnimmt. Steigt das Einkommen des einen von 10.000 auf 11.000, so wird er daraus vermutlich einen größeren ,Lustgewinn’ ziehen als ein anderer, dessen Einkommen von 100.000 auf 101.00 angewachsen ist.“[58]

Diese Argumentationslogik entspricht den Ansichten des Utilitarismus[59] und von Smith. Sein Wohlstand war stets für die ganze Nation gedacht. „,Keine Gesellschaft kann blühen und glücklich sein, wenn die Mehrheit arm ist’, warnte er.“[60]

Abschließend sei angemerkt, dass es zahlreiche andere Wohlfahrtsindikatoren gibt – zum Beispiel für Wohnen, für Ernährung, für Bildung, für soziale Entwicklung, zur Lage von Frauen und Kindern, für politische Freiheit sowie aggregierte Indices.[61] Stellvertretend für die letzte Kategorie sei der Human Development Index (HDI)[62] genannt. Diese Indikatoren werden in dieser Arbeit nicht weiter untersucht, da gemäß der Fragestellung eine Fokussierung auf den ökonomischen Wohlstand erfolgt.

2.3. Zwischenfazit

Menschen haben Bedürfnisse, die sie laut Ökonomen durch Güterkonsum befriedigen. Dadurch entsteht ihnen ein Nutzen, und es steigt ihre Wohlfahrt. Je mehr Güter sie konsumieren können, desto höher ist demnach ihre Wohlfahrt. Quantitativ mehr und qualitativ hochwertigere Güter erhält jeder Einzelne durch Arbeitsteilung, Spezialisierung und anschließenden Gütertausch. Die Schlussfolgerung, wenn jeder seine persönliche Wohlfahrt erhöht, dann erhöht sich auch die Wohlfahrt der Gesellschaft insgesamt ist jedoch problematisch. Um die Effizienz einer wirtschaftspolitischen Maßnahme zu beurteilen, prüfen Ökonomen deswegen zusätzlich, ob das Kaldor-Hicks-Kriterium erfüllt ist. Ist dies der Fall, dann steigt laut Ökonomen durch Einführung von Freihandel der gesamtgesellschaftliche Wohlstand. Um eine operationale Beurteilungsbasis dafür zu haben, welchen Einfluss die Nafta auf die ökonomische Wohlfahrtsentwicklung in Mexiko hatte, werden in dieser Arbeit folgende Indikatoren untersucht: die Entwicklung der Direktinvestitionen, des BIP, des Handelsvolumens (In- und Exporte), der Handelszusammensetzung, der Produktivität, die Entstehung oder der Wegfall von Arbeitsplätzen sowie die Entwicklung der Einkommen und ihre Verteilung.

3. Freihandelstheorien

„Unter Ökonomen erfährt die Aussage wenig Widerspruch, daß jede Gesellschaft durch [...] ungehinderten internationalen Austausch von Waren und Dienstleistungen einen Wohlstandsgewinn erzielen kann.“[63] Wie kommen Ökonomen zu dieser Aussage? In diesem Kapitel werden Freihandelstheorien vorgestellt, die diese Frage unterschiedlich beantworten. Es werden die Modelle von Adam Smith, David Ricardo sowie Eli Heckscher und Bertil Ohlin erörtert. Dabei wird kritisch auf die Annahmen, die diesen Modellen zugrunde liegen, eingegangen und Modellerweiterungen vorgestellt. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird überprüft, inwiefern sich die wirtschaftliche Entwicklung und damit auch die Entwicklung der ökonomischen Wohlfahrts Mexikos mit den in diesem Kapitel vorgestellten Theorien erklären lässt.

Es wurde gezeigt, dass auf nationaler Ebene die Wohlfahrt durch Arbeitsteilung und Spezialisierung steigt. Die Schlussfolgerung vieler Wirtschaftswissenschaftler: Wenn im Inland Spezialisierung und der Tausch von Waren gut ist und den Wohlstand steigert, dann gilt dies auch auf internationaler Ebene. Das heißt, es spezialisieren sich nun nicht mehr Menschen auf die Produktion eines bestimmten Gutes, sondern Volkswirtschaften. Damit die positiven Wohlfahrtseffekte tatsächlich eintreten, sollte Freihandel zwischen den Ländern herrschen. Darunter verstehen Ökonomen internationalen Güterhandel, der frei von jeglicher handelspolitischer Beeinflussung ist.[64] Handel sollte also zum Beispiel nicht durch Zölle beeinflusst werden. „Die ganz überwiegende Mehrheit der Ökonomen preist die Vorzüge des Freihandels.“[65] Auch der Träger des alternativen Nobelpreises, Walden Bello, sagt, dass „Freihandel an sich sicher nichts Negatives ist. [...] Tatsächlich kann auch aus der Perspektive des Südens [...] Handel durchaus Instrument der Entwicklung sein.“[66] Und selbst innerhalb von Attac, eine Organisation, die sich selbst als globalisierungskritisches Netzwerk bezeichnet[67], gibt es Freihandelsbefürworter. Sie sind der Meinung: „Freihandel ist als eine Form friedlichen, gleichberechtigten Austausches zwischen Völkern und Regionen wünschenswert [...].“[68] Andere Attac-Mitglieder fordern dagegen, dass Handelsregulierung die Regel sein müsse, von der Freihandel nur die begründete Ausnahme sein könne.[69] Ist Freihandel also gut oder schlecht für eine Volkswirtschaft? Wissenschaftler beantworten diese Frage mit Außenwirtschaftstheorien. Dabei wird vor allem unterschieden zwischen der monetären, der klassischen[70] und der neoklassischen Theorie.

„In der monetären Außenwirtschaftstheorie steht die Rolle des Geldes im Zentrum des Interesses. [...] Die explizite Berücksichtigung des Geldes rückt [...] die Existenz unterschiedlicher Währungen ins Zentrum der Analyse. Damit zusammenhängend wird die Betrachtung über den internationalen Handel von Gütern und Dienstleistungen auf den internationalen Kapitalverkehr ausgedehnt.“[71]

Dagegen fragt die klassische Theorie nach den Bestimmungsgründen der Preis- und Einkommensstruktur und nach dem Verhältnis, in dem die untersuchten Größen zueinander stehen. „Weil das Verhältnis der relevanten Variablen von ihren absoluten Größen, das heißt von dem ihnen zugelegten Geldausdruck völlig unabhängig ist, macht es eine solche Fragestellung möglich, von der Existenz des Geldes abzusehen.“[72] Aus diesem Grund wird in den folgenden Ausführungen eher auf reale Tauschverhältnisse und so genannte Opportunitätskosten eingegangenen.[73] Der Schwerpunkt der Arbeit liegt dabei auf den klassischen und neoklassischen Außenhandelstheorien. Grund: „Die wissenschaftliche Basis für das Freihandelspostulat ist so gut wie ausnahmslos die normative – wohlfahrtsökonomische – neoklassische Außenhandelslehre.“[74] Die Grundlagen dieser Theorie wurden von Adam Smith und David Ricardo gelegt. Smith begründete den Vorteil von Außenhandel mit absoluten Produktionsvorteilen eines Landes, Ricardo mit komparativen Vorteilen. „Obwohl sich die Nationalökonomie seit der Zeit von Smith und Ricardo erweitert und verfeinert hat, beruht der Widerstand der Ökonomen gegen Handelsbeschränkungen noch immer weitgehend auf dem Prinzip des komparativen Vorteils.“[75]

3.1. Absolute Produktionsvorteile nach Adam Smith

Adam Smith, der „Vater der klassischen Volkswirtschaftslehre“[76], kritisierte Zölle, da diese seiner Meinung nach schlecht für die Volkswirtschaft seien.[77] Allerdings – und das wird in wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbüchern oft verschwiegen – befürwortete Smith primär Investitionen im eigenen Land.[78] Direkt nach denen in Fußnote 78 zitierten Ausführungen folgt in Smiths Buch die wahrscheinlich berühmteste Metapher der Wirtschaftswissenschaften, von der allerdings nur die wenigsten wissen, dass sie im Zusammenhang mit dem Außenhandel gebraucht wurde.

„Tatsächlich fördert er [jeder einzelne] in der Regel nicht bewusst das Allgemeinwohl, noch weiß er wie hoch der eigene Beitrag ist. Wenn er es vorzieht, die nationale Wirtschaft anstatt die ausländische zu unterstützen, denkt er eigentlich nur an die eigene Sicherheit und wenn er dadurch die Erwerbstätigkeit so fördert, daß ihr Ertrag den höchsten Wert erzielen kann, strebt er lediglich nach eigenem Gewinn. Und er wird in diesem wie auch in vielen anderen Fällen von einer unsichtbaren Hand geleitet, um einen Zweck zu fördern, den zu erfüllen er in keiner Weise beabsichtigt hat.“[79]

Investitionen im Inland sind für Smith vorteilhafter für Investoren, weil sie dadurch ihr Kapital im Blick haben und die Landesgesetze kennen.[80] Außerdem betont Smith stets, dass Investoren nur dann im Inland investieren, wenn sie dadurch den gleichen oder nahezu gleichen Gewinn wie bei einer Investition im Ausland erhalten würden.[81] Deswegen kommt Smith zu folgender Erkenntnis:

„Ein Familienvater, der weitsichtig handelt, folgt dem Grundsatz, niemals selbst etwas herzustellen versuchen, was er sonstwo billiger kaufen kann. So sucht der Schneider, seine Schuhe nicht selbst zu machen, er kauft sie vielmehr beim Schuhmacher. Dieser wiederum wird nicht eigenhändig seine Kleider nähen, sondern lässt sie vom Schneider anfertigen. [...] Was aber für das Verhalten einer einzelnen Familie vernünftig ist, kann für das eines mächtigen Königreichs kaum töricht sein. Kann uns also ein anderes Land eine Ware liefern, die wir selbst nicht billiger herzustellen imstande sind, dann ist es für uns einfach vorteilhafter, sie mit einem Teil unserer Erzeugnisse zu kaufen, die wir wiederum günstiger als das Ausland herstellen können.“[82]

Smith erkannte also, dass durch Arbeitsteilung und Spezialisierung die Güterversorgung und damit der Wohlstand gesteigert werden kann. „Der Produzent, der eine kleinere Inputmenge zur Produktion eines Guts benötigt, hat – wie man sagt – einen absoluten Vorteil bei der Produktion dieses Guts.“[83] Ebenso wie Personen sollen sich nach Smith auch Länder auf die Produktion verschiedener Güter spezialisieren. Spezialisiert sich jedes von zwei Ländern auf die Produktion der Güter, bei denen es einen absoluten Vorteil besitzt, und treten die beiden Länder anschließend in ein Tauschverhältnis, dann steigt die Güterversorgung und damit der Wohlstand in beiden Ländern.[84] Was aber geschieht, wenn ein Land sämtliche Güter besser und günstiger herstellen kann als andere Länder? Die Antwort auf diese Frage gab Smith nicht. Aber sein Buch brachte den Börsenmakler David Ricardo dazu, Nationalökonom zu werden.[85] Er zeigte in seiner Theorie, dass Freihandel die Wohlfahrt aller daran beteiligten Länder steigert. Sogar dann, wenn ein Land alle Güter effektiver - also günstiger - herstellen kann als ein anderes Land.[86]

3.2. Komparative Produktionsvorteile nach David Ricardo

1817 veröffentlichte David Ricardo sein Buch „Principles of Political Economy and Taxation“. Darin erklärt er die Vorteile von Freihandel anhand von komparativen Vorteilen. Obwohl Ricardo seine Theorie vor mehr als 180 Jahren veröffentlichte, beeinflusst sie die Freihandelsdiskussion entscheidend und ist keineswegs veraltet. „Die überwältigende Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler stimmt auch heute noch Ricardos Theorie zu.“[87] Und nicht nur das. So schwärmt Breuss: „Das Prinzip der komparativen Vorteile gehört zu den großen Ideen der Ökonomie.“[88] Das Gründungs- und Vorstandsmitglied von Attac Österreich, Bernhard Obermayr, schreibt: „Die Theorie komparativer Kostenvorteile von David Ricardo ist die einflussreichste Theorie über den Welthandel.“[89] Und Borchert erkennt: „An Theorien ist ein weites Spektrum in der Literatur und den internationalen Wirtschaftsbeziehungen vorhanden, die aber alle praktisch auf die Theorie der komparativen Kosten zurückgeführt werden können.“[90]

3.2.1. Wohlfahrtssteigerung durch Freihandel

Im Ricardo-Modell wird unterstellt, dass es lediglich zwei Länder gibt, die jeweils zwei Güter produzieren.[91] Ricardo benutzte zur Veranschaulichung die Länder England und Portugal sowie die Güter Wein und Tuch.[92] Außerdem ging Ricardo davon aus, dass Arbeit der einzige Produktionsfaktor ist. Ricardo unterstellte, dass England maximal 72 Meter Tuch oder 60 Liter Wein produzieren kann. Portugal dagegen maximal 80 Meter Tuch oder 90 Liter Wein. Portugal kann also sowohl Wein als auch Tücher effizienter - also günstiger - herstellen als England. Grund für dafür: Die portugiesischen Arbeiter sind annahmegemäß produktiver als die englischen. Trotzdem sollte Portugal laut Ricardo nicht beide Güter selbst herstellen, sondern sich auf ein Gut spezialisieren. Und zwar auf das, bei dem es einen komparativen Vorteil in der Produktion hat. Komparative Vorteile entstehen durch unterschiedliche Opportunitätskosten. Opportunitätskosten sind das, was aufgegeben werden muss, um etwas anderes zu erlangen. Wissenschaftlicher formuliert: „Man kann den für die Produktion eines Gutes erforderlichen Aufwand anstatt durch den benötigten Faktoreinsatz auch durch den Verzicht an Gütern ausdrücken, der erforderlich ist, um eine bestimmte Menge eines Gutes zu produzieren (Opportunitätskosten).“[93] Wenn ein Arbeiter in einer Stunde nur Wein produziert, kann er in der gleichen Zeit keine Tücher produzieren. Er hat also für diese Stunde Opportunitätskosten in Höhe der entgangenen Tuchproduktion. Portugal sollte sich demnach auf die Weinproduktion spezialisieren. In dieser hat es im Vergleich zu England geringere Opportunitätskosten.[94] Dagegen sollte sich England auf die Tuchproduktion spezialisieren, Zusammengefasst lässt sich also feststellen: Jedes Land soll sich laut Ricardo auf die Güterproduktion spezialisieren, bei der es den relativ größten Kostenvorsprung vor dem Ausland besitzt, gleichzeitig muss es die Güterproduktion aufgeben oder einschränken, bei der der Kostenvorteil vergleichsweise gering ist.[95] „Die Deckung des Inlandsbedarfs dieser Güter erfolgt dann durch Importe, die mit Exporten relativ kostengünstiger Güter bezahlt werden.“[96] Herrscht zwischen den beiden Ländern Freihandel, dann erhöht sich so in beiden Ländern der Güterbestand und somit der Wohlstand.[97] Da diese Schlussfolgerung auf den ersten Blick nicht offensichtlich ist, wird sie im folgenden Zahlenbeispiel[98] mathematisch bewiesen.

Das Wein- und Tuchangebot kann im Ricardo-Modell durch eine lineare Produktionsfunktion für beide Güter dargestellt werden. Sowohl Wein als auch Tücher werden nur durch den Einsatz von Arbeit (L) produziert. Die sektorspezifische Arbeitsproduktivität (1/a, wobei a der Arbeitseinsatz pro Produktionseinheit ist) bestimmt die Steigung der Geraden. Die Produktionsfunktionen für Wein und Tücher lauten also:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wobei QWein die Weinproduktion [in Litern] und QTuch die Tuchproduktion [in Metern] der Volkswirtschaft ist. Ricardo ging davon aus, dass in England die Jahres-Tuchproduktion die Arbeit von 100 Menschen erfordert (aTuch = 100), und die Jahresweinproduktion die Arbeit von 120 Menschen (aWein = 120).[99] Der besseren Übersichtlichkeit wegen, werden die Originalzahlen von Ricardo wie bei Breuss durch 100 dividiert.[100] Es gilt also, dass aTuch = 100 / 100 = 1,00 und aWein = 120 / 100 = 1,20 ist. Wir unterstellen, dass England im Autarkiezustand QWein = 35 Liter Wein und QTuch = 30 Meter Tuch produziert.[101] Setzt man diese Zahlen in (2.0) und (2.1) ein, dann gilt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das maximale Arbeitskräfteangebot von England (Lmax) setzt sich zusammen aus dem Arbeitskräfteangebot in der Weinproduktion (LWein) und der Tuchproduktion (LTuch). Es gilt also:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

England kann nach (1.0) höchstens [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Liter Wein und nach (1.1) höchstens [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Meter Tuch produzieren. Um 60 Liter Wein zu produzieren, muss England Opportunitätskosten von 72 Metern Tuch in Kauf nehmen. Die Opportunitätskosten der Weinproduktion betragen in England also [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Analog zu der Fußnote 94 gilt: Um einen Meter Tuch zu produzieren, muss England auf eine theoretisch mögliche Produktion von 0,83 Liter Wein verzichten. Um einen Liter Wein zu produzieren, muss England auf eine theoretisch mögliche Produktion von 1,2 Meter Tuch verzichten. Diese Opportunitätskosten entsprechen dem Tauschverhältnis der Güter untereinander.

Ricardo unterstellte, dass Portugal sowohl Wein als auch Tuch effektiver produziert als England. Er ging davon aus, dass die Jahres-Weinproduktion in Portugal die Arbeit von 80 Leuten erfordert und die Jahres-Tuchproduktion die Arbeit von 90 Leuten.[102] Wenn man nun unterstellt, dass Portugal seine Arbeitskräfte so aufteilt, dass sie 48 Liter Wein und 37,7 Meter Tuch produzieren, dann kann man analog zu den obigen Rechenwegen die Zahlen, die in untenstehender Tabelle abgebildet sind, ausrechnen:

Tabelle 1: Autarkiezustand im Ricardo-Modell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Berechnungen.

Tabelle 1 zeigt: England hat einen komparativen Vorteil bei der Tuchproduktion, Portugal bei der Weinproduktion. Daraus folgt nach Ricardo, dass England sich auf die Tuchproduktion und Portugal auf die Weinproduktion spezialisieren sollte. Wenn die beiden Länder danach überschüssige Güter, die sie nicht für den Eigenbedarf benötigen, tauschen, dann stehen beiden Volkswirtschaften mehr Güter zur Verfügung. Wird unterstellt, dass Wein und Tuch im Verhältnis 1:1 getauscht werden[103], dann gilt analog zu dem obigen Rechenweg:

Tabelle 2: Freihandelszustand im Ricardo-Modell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Berechnungen.

In dem Beispiel wurde davon ausgegangen, dass England sich vollständig auf die Herstellung von Tuch spezialisiert. Eine Ricardo-Ökonomie mit Außenhandel lässt jedoch auch die Möglichkeit zu, dass beide Länder sich vollständig spezialisieren.[104]

Es wurde mathematisch gezeigt, dass im Ricardo-Modell durch Spezialisierung und Freihandel die Wohlfahrt aller daran beteiligten Länder steigt. Die Wohlfahrt ist allerdings nicht in beiden Ländern gleich gestiegen. Grund dafür ist das unterstellte Austauschverhältnis. Es bestimmt, in welchem Land die Wohlfahrt wie stark steigt.[105] Welches Austauschverhältnis sich in der Realität einstellt, ist schwer vorherzusagen. Denn das „hängt ab von Angebot und Nachfrage, von Marktverhältnissen und Machtverhältnissen: Sicher kann man allerdings sein, dass bei freiem Handel die zwischen den Ländern geltenden (externen) Tauschrelationen zwischen den inländischen (internen) Tauschrelationen liegen müssen.“[106] Wäre dies nicht der Fall, dann würde es sich für die Länder nicht lohnen, Außenhandel aufzunehmen. Es wäre günstiger, die Güter innerhalb des Landes zu tauschen. Laut der Kaufkraftparitätentheorie werden sich die Tauschverhältnisse bei Freihandel innerhalb von England und Portugal angleichen, so dass es nur noch ein weltweit gültiges Austauschverhältnis zwischen Wein und Tuch geben wird. Wäre dies nicht der Fall, dann gebe es Arbitragemöglichkeiten.[107]

[...]


[1] Ricardo, David: Über die Grundsätze der Politischen Ökonomie und der Besteuerung. Übersetzt und mit einer Einleitung versehen von Gerhard Bondi. 2. Auflage. Berlin 1979. S. 114. (Künftig zitiert: Ricardo: Grundsätze der politischen Ökonomie.)

[2] Auf Deutsch: „Über die Grundsätze der Politischen Ökonomie und der Besteuerung“.

[3] Attac Österreich: Die geheimen Spielregeln des Welthandels. WTO-GATS-TRIPS-M.A.I.. 1. Auflage. Wien 2003. S. 22. (Künftig zitiert: Attac: Spielregeln des Welthandels.)

[4] Vgl. Ehringfeld, Klaus: Mexiko profitiert von seiner Brückenlage. In: Handelsblatt. Nr. 252 vom 28. Dezember 2004. S. 6.

[5] Schmidt, Gerold: México y el ALCA: Una discusión bajo la sombra del TLCAN y de los EEUU. Im Internet: http://www.fes-alca.cl/archivos/Estudioalca5.pdf. Abgerufen am 23. September 2005.

[6] Zukünftig werden die Vereinigten Mexikanischen Staaten als Mexiko bezeichnet.

[7] In dieser Arbeit wird der Begriff „ökonomische Wohlfahrt“ gleichgesetzt mit dem Begriff „Wohlfahrt“. Sind andere Wohlfahrtsdimensionen gemeint, dann wird explizit darauf hingewiesen.

[8] In dieser Arbeit wird entweder die männliche oder die weibliche Form für Berufsbezeichnungen verwendet. Diese schließt das jeweils andere Geschlecht mit ein.

[9] Frantzke, Anton: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre. Mikroökonomische Theorie und Aufgabe des Staates in der Marktwirtschaft. 1. Auflage. Stuttgart 1999. S. 281. (Künftig zitiert: Frantzke: Aufgaben des Staates in der Marktwirtschaft.)

[10] Wicke, Lutz: Umweltökonomie. 4. Auflage. München 1993. S. 14. (Künftig zitiert: Wi>

[11] Dieckheuer, Gustav: Internationale Wirtschaftsbeziehungen. 5. Auflage. München, Wien 2001. S. 49. (Künftig zitiert: Dieckheuer: Internationale Wirtschaftsbeziehungen.)

[12] Vgl. o.V.: Physiokratie. In: Gabler Wirtschaftslexikon. K-R. 15. Auflage. Wiesbaden 2000. S. 2411.

[13] Vgl. Frey, René: Wirtschaft, Staat und Wohlfahrt. Eine Einführung in die Nationalökonomie. 10. Auflage. Basel 1997. S. 87f. (Künftig zitiert: Frey: Staat und Wohlfahrt.)

[14] Stiglitz, Joseph: Volkswirtschaftslehre. 2. Auflage. München, Wien 1999. S. 33. (Künftig zitiert: Stiglitz: Volkswirtschaftslehre.)

[15] Vgl. Behrens, Christian-Uwe u. Matthias Kirspel: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre. 2. Auflage. München 2001. S. 32f. (Künftig zitiert: Behrens: Volkswirtschaftslehre.)

[16] Vgl. o.V.: Wohlfahrt. In Gabler Wirtschaftslexikon. S-Z. 15. Auflage. Wiesbaden 2000. S-Z. S. 3547.

[17] Behrens: Volkswirtschaftslehre S. 31.

[18] Baßeler, Ulrich u. Jürgen Heinrich u. Burckhard Utecht: Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft. 17. Auflage. Stuttgart 2002. S. 15. (Künftig zitiert: Baßeler: Volkswirtschaft.)

[19] Ein Beispiel: In einer gedanklichen Modell-Volkswirtschaft lebt lediglich eine Bäuerin. Diese kann in einer Stunde entweder ein Kilogramm Fleisch oder vier Kilogramm Kartoffeln herstellen. Da ein Tag 24 Stunden hat, könnte sie – vorausgesetzt sie ist arbeitssüchtig und verzichtet auf Schlaf – pro Tag entweder bis zu 96 Kilogramm Kartoffeln oder 24 Kilogramm Fleisch herstellen. Selbst wenn die Bäuerin ihre Arbeitszeit so aufteilt, dass sie jeden Tag Fleisch und Kartoffeln für ihren Mittagstisch produziert, hat sie wahrscheinlich noch andere Bedürfnisse. Vielleicht wünscht sie sich gelegentlich Gemüse auf ihrem Teller, ein Glas Wein oder einen größeren Fernseher. Sie kann aber nicht alle diese Güter herstellen, denn ihre Zeit und der Produktionsfaktor Arbeit, der dieser Volkswirtschaft zur Verfügung steht, ist knapp.

[20] Es gibt auch einige wenige Güter, die – in der Regel - nicht knapp sind, zum Beispiel das Gut Luft.

[21] Stiglitz: Volkswirtschaftslehre. S. 28.

[22] Baßeler: Volkswirtschaft. S. 20.

[23] Vgl. Stiglitz: Volkswirtschaftslehre. S. 168.

[24] Arbeitsteilung ist die Zerlegung der Produktion in Teilverrichtungen, die von spezialisierten Arbeitern oder Betrieben durchgeführt werden. Vgl. Baßeler: Volkswirtschaft. S. 21.

[25] Smith, Adam: Der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen. Aus dem Englischen übertragen und mit einer Würdigung von Horst Claus Recktenwald. 5. Auflage. München 1974. S. 9. (Künftig zitiert: Smith: Wohlstand der Nationen.)

[26] Baßeler: Volkswirtschaft. S. 22.

[27] „Ein Arbeiter, der noch niemals Stecknadeln gemacht hat und auch nicht dazu angelernt ist (erst die Arbeitsteilung hat daraus ein selbständiges Gewerbe gemacht), so daß er auch mit den dazu eingesetzten Maschinen nicht vertraut ist (auch zu deren Erfindung hat die Arbeitsteilung vermutlich Anlaß gegeben), könnte, selbst wenn er sehr fleißig ist, täglich höchstens eine, sicherlich aber keine zwanzig Nadeln herstellen. Aber so, wie die Herstellung von Stecknadeln heute betrieben wird, ist sie nicht nur als Ganzes ein selbständiges Gewerbe. Sie zerfällt vielmehr in eine Reihe getrennter Arbeitsgänge, die zumeist zur fachlichen Spezialisierung geführt haben. Der eine Arbeiter zieht den Draht, der andere streckt ihn, ein dritter schneidet ihn, ein vierter spitzt ihn zu, ein fünfter schleift das obere Ende, damit der Kopf aufgesetzt werden kann. [...] Das Ansetzen des Kopfes ist eine eigene Tätigkeit, ebenso das Weißglühen der Nadel, ja, selbst das Verpacken der Nadel ist eine Arbeit für sich. [...] Ich selbst habe eine kleine Manufaktur dieser Art gesehen, in der nur 10 Leute beschäftigt waren, so daß einige von ihnen zwei oder drei solcher Arbeiten übernehmen mussten. Obwohl sie nun sehr arm und nur recht und schlecht mit dem nötigen Werkzeug ausgerüstet waren, konnten sie zusammen am Tage doch etwa 12 Pfund Stecknadeln anfertigen, wenn sie sich einigermaßen anstrengten. Rechnet man für ein Pfund über 4000 Stecknadeln mittlerer Größe, so waren die 10 Arbeiter imstande, täglich etwa 48.000 Nadeln herzustellen, jeder ungefähr also 4800 Stück.“ Smith: Wohlstand der Nationen. S. 9f.

[28] Jeder, der einem anderen irgendeinen Tausch anbietet, schlägt vor: Gib mir, was ich wünsche, und du bekommst, was du benötigst. Das ist stets der Sinn eines solchen Angebots, und auf diese Weise erhalten wir nahezu alle guten Dienste, auf die wir angewiesen sind.“ Ebd. S. 17.

[29] Ebd. S. 17.

[30] Stiglitz: Volkswirtschaftslehre. S. 60f.

[31] Willke, Gerhard: Neoliberalismus. Frankfurt am Main 2003. S. 70. (Künftig zitiert: Willke: Neoliberalismus.)

[32] o.V.: Wohlfahrt. In: Gabler Wirtschaftslexikon. S-Z. 15. Auflage. Wiesbaden 2000. S. 3547.

[33] Külp, Bernhard: Wohlfahrtsökonomik I. Die Wohlfahrtskriterien. 1. Auflage. Düsseldorf 1975. S. 6. (Künftig zitiert: Külp: Wohlfahrtsökonomik.)

[34] Koch, Lambert: Relativer Wohlstand der Nationen im Globalisierungsprozess. 1. Auflage. Baden-Baden 2000. S. 21. (Künftig zitiert: Koch: Relativer Wohlstand.)

[35] Eine Ausnahme sind meritorischen Güter. Diese werden nicht oder zu wenig nachgefragt, weil der Nutzen des Gutes nicht bekannt ist, oder zukünftige Bedürfnisse falsch beurteilt werden. Deswegen fordern Ökonomen, dass solche Güter vom Staat bereitgestellt werden sollen. Ein Beispiel für ein meritorisches Gut ist die Bildung.

[36] Vgl. Baßeler: Volkswirtschaft. S. 43.

[37] Külp: Wohlfahrtsökonomik. S. 110.

[38] „Scitovsky weist innerhalb der Wohlfahrtsökonomik auf das Phänomen hin, dass es bei der Anwendung des Kaldor-Hicks-Kriteriums Situationen geben kann, in denen die Durchführung sowie paradoxerweise auch das Rückgängigmachen von wirtschaftspolitischen Maßnahmen die Wohlfahrt steigern. Zur Vermeidung dieses Paradoxons hat Scitovsky den nach ihm benannten Scitovsky-Doppeltest vorgeschlagen. Hiernach ist es nicht ausreichend, dass lediglich das Kaldor-Hicks-Kriterium erfüllt ist. Auch der Rückgang vom Zielzustand zum Ausgangszustand darf nicht möglich sein.“ o.V.: Scitovsky-Doppeltest. In: Gabler Wirtschaftslexikon. S-Z. 15. Auflage. Wiesbaden 2000. S. 2741.

[39] Maennig, Wolfgang u. Wilfing Bernd: Aussenwirtschaft. Theorie und Politik. 1. Auflage. München 1998. S. 123. (Künftig zitiert: Maennig: Aussenwirtschaft.)

[40] Vgl. Vontobel, Werner: Die Wohlstandsmaschine. Das Desaster des Neoliberalismus.1. Auflage. Baden-Baden 1998. S. 91. (Künftig zitiert: Vontobel: Die Wohlstandsmaschine.)

[41] Vgl. Külp: Wohlfahrtsökonomik. S. 11.

[42] Frey: Staat und Wohlfahrt. S. 86.

[43] o.V.: Wohlfahrt. In: Gabler Wirtschaftslexikon. S-Z. 15. Auflage. Wiesbaden 2000. S. 3547.

[44] Vgl. Rose: Außenwirtschaft. S. 348.

[45] Nach Frey sind Sachurteile Aussagen, die positiv, beweisbar, logisch überprüfbar, objektiv und wissenschaftlich sind. Werturteile sind dagegen Aussagen, die normativ, nicht beweisbar, logisch nicht überprüfbar, subjektiv und politisch sind. Vgl. Frey: Staat und Wohlfahrt. S. 86.

[46] Küng, Emil: Wohlstand und Wohlfahrt. Von der Konsumgesellschaft zur Kulturgesellschaft. 1. Auflage. Tübingen 1972. S. 34. (Künftig zitiert: Küng: Wohlstand und Wohlfahrt.)

[47] „Was man für wichtig hält, ist abhängig vom Vorverständnis des Beobachters. Dies ist bestimmt durch die Tradition des Denkens, in der er steht, sowie die eigenen Werte. Im ersten Fall bestimmen sie, daß eine Aussage in einer bestimmten Situation gemacht wird, im zweiten Fall verhindern sie, daß es zu einer bestimmten Aussage kommt. [...] Wegen der großen Bedeutung der Analyse von formalen Modellen in den Wirtschaftswissenschaften und dem damit verbunden Anspruch auf Objektivität sei aber noch einmal besonders betont, daß auch die Aussagen in formalisierten Modellen personenbestimmt sind. Diese Form der Analyse kann nur Konsistenz der Ergebnisse, nicht aber Relevanz sichern. Ob man ein Modell als angemessen für die Beantwortung einer Frage hält, ist z. B. abhängig von personenbezogenen Merkmalen.“ Dick, Eugen: Untersuchungen einiger Grundprobleme der Wohlfahrtsökonomik. 1. Auflage. Tübingen 1973. S. 5f. (Künftig zitiert: Dick: Grundprobleme der Wohlfahrtsökonomik.)

[48] Vgl. Nohlen, Dieter u. Franz Nuscheler: Indikatoren von Unterentwicklung und Entwicklung. In: Handbuch der Dritten Welt. Grundprobleme. Theorien. Strategien. 3. Auflage. Bonn 1992. S. 76-110. (Künftig zitiert: Nohlen: Indikatoren.)

[49] Ebd. S. 79.

[50] „Das UNRISD unterscheidet zwischen drei Typen von Indikatoren: Der Pro-Kopf-Typ: [...] Sie [die Indikatoren] sind eher ökonomischen Charakters und berücksichtigen keine Verteilungskriterien. [...] Der Prozent-Typ: Die Indikatoren geben hinsichtlich dessen, was sie direkt messen, den prozentualen Anteil der Bevölkerung an, der an einem bestimmten Gut teilhat oder von einem bestimmten Entwicklungsdefizit betroffen ist: „Indikatoren dieser Art sind grundlegend sozialer Natur und berücksichtigen Verteilungskriterien. Der Struktur-Typ: Strukturindikatoren geben Sachverhalte, die sie quantifizieren, auch in Prozent an, doch im Unterschied zum Prozent-Typ repräsentieren sie keine Entwicklungsziele, die für das Erreichen eines auf 100 oder 0% zulaufenden Anteils ein erstrebenswertes Ziel ist. Die Verwendung eines bestimmten Indikator-Typs in ausschließlicher oder überwiegender Weise beeinflusst unmittelbar die Ergebnisse von Entwicklungsanalysen.“ Ebd. S 80.

[51] „[Man] kann zwischen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklungsindikatoren unterscheiden: Die wirtschaftlichen Indikatoren dienen zur Beschreibung des wirtschaftlichen Entwicklungsstands, während sich die sozialen Indikatoren auf die gesellschaftliche sowie die politischen Indikatoren auf die politische Ebene des Entwicklungsstands einzelner Länder beziehen.“ Ebd. S. 93.

[52] Polaski, Sandra: Jobs, Wages, and Household Income. In: Papademetriou, Demetrios u. John Audley u. Sandra Polaski u. Scott Vaughan: NAFTA’s Promise and Reality. Lessons from Mexico for the Hemisphere. Im Internet: http://www.carnegieendowment.org/pdf/files/NAFTA_Report_ChapterOne.pdf. Abgerufen am 5. Oktober 2005.

[53] „Die Löhne sind die einzige Quelle für den Wohlstand der Lohnabhängigen. Wer verspricht, diese Quellen als Arbeitskosten [...] möglichst weit zuzudrehen, kann nicht gleichzeitig Wohlstand für alle [...] versprechen.“ Fuchs, Stefan u. Christoph Burgmer: Global Total. Eine Bilanz der Globalisierung. 1. Auflage. Köln 2004. S. 67. (Künftig zitiert: Fuchs: Global Total.)

[54] Baßeler: Volkswirtschaft. S. 155.

[55] „Für das Empfängerland hängen die Beschäftigungswirkungen von Direktinvestitionen nicht zuletzt davon ab, ob es sich um additive oder substitutive Investitionsmaßnahmen handelt. Additiv sind solche Direktinvestitionen, mit denen neue Produktionsunternehmungen oder zusätzliche Produktionskapazitäten in bereits existierende Unternehmungen entstehen. Substitutiv sind somit Direktinvestitionen, durch die Unternehmungen ohne Ausweitung der Produktionskapazitäten vollständig oder teilweise in den Besitz von Ausländern übergehen.“ Dieckheuer: Internationale Beziehungen. S. 373.

[56] Vgl. S. 7ff.

[57] „Das BIP misst zwar nicht die Gesundheit unserer Kinder, aber Länder mit einem höheren BIP können sich ein besseres Gesundheitssystem für ihre Kinder leisten. Das BIP misst auch nicht die Qualität der Ausbildung, aber Länder mit einem höheren BIP können sich ein besseres Bildungssystem leisten. Das BIP misst ebenso wenig die Schönheit der Poesie, aber Länder mit einem höheren BIP können es sich leisten, mehr Bürgern das Lesen und damit auch den Genuss von Poesie zu lehren. [...] Kurz gesagt misst also das BIP die Dinge, die das Leben lebenswert machen, nicht direkt, aber es misst unsere Fähigkeit, die Einsatzfaktoren für ein lebenswertes Leben zu erhalten.“ Mankiw, Gregory: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. 3. Auflage. Stuttgart 2004. S. 553f. (Künftig zitiert: Mankiw: Volkswirtschaftslehre.)

[58] Küng: Wohlstand und Wohlfahrt. S. 19.

[59] Laut dem Utilitarismus sollte der Staat Maßnahmen ergreifen, die den gesamten Nutzen aller Gesellschaftsmitglieder maximiert. Nach dem egalitären Liberalismus sollte der Staat solche Maßnahmen ergreifen, die von einem unparteiischen Beobachter hinter einem „Schleier des Nichtwissens“ für gerecht erachtet werden. Anhänger des Libertarismus lehnen dagegen eine Umverteilung ab, ihrer Meinung nach muss der Staat lediglich Verbrechen bestrafen und für die Einhaltung freiwilliger Verträge sorgen, nicht aber Einkommen umverteilen. Vgl. Mankiw: Volkswirtschaftslehre. S. 466ff.

[60] Herz, Wilfried: Zeit-Bibliothek der Ökonomie. Die Hauptwerke der wichtigsten Ökonomen. 1. Auflage. Stuttgart 2000. S. 6. (Künftig zitiert: Herz: Zeit-Bibliothek der Ökonomie.)

[61] Vgl. Nohlen: Indikatoren. S. 76ff.

[62] Der HDI wird vom United Nations Development Programme (UNDP) erhoben und berechnet. Der HDI ist in Mexiko seit 1980 kontinuierlich gestiegen. 1980 hatte er den Wert 0,735, 1990 den Wert 0,764, 2000 den Wert 0,809 und 2003 den Wert 0,814. Hinweise zur Zusammensetzung und Berechnung des HDI finden sich auf der Internetseite des Human Development Reports. Vgl. http://hdr.undp.org. Abgerufen am 23. September 2005.

[63] Frantzke: Aufgaben des Staates in der Marktwirtschaft. S. 281.

[64] Vgl. o.V.: Freihandel. In: Gabler Wirtschaftslexikon. E-J. 15. Auflage. Wiesbaden 2000. S. 1142.

[65] Gerken, Lüder: Von Freiheit und Freihandel. Grundzüge einer ordoliberalen Außenwirtschaftstheorie. Tübingen 1999. S. 7. (Künftig zitiert: Gerken: Freiheit und Freihandel.)

[66] Fuchs: Global Total. S. 17.

[67] Vgl. Attac: AktivistInnen protestieren in Genf gegen neoliberale Politik. Attac begrüßt Blockade der WTO-Verhandlungen. Im Internet: https://www.attac.de/presse/presse_ausgabe.php?id=478. Abgerufen am 30. Juli 2005.

[68] Attac Bundesbüro (Hrsg.): Diskussionen in Attac Deutschland zu einer Alternativen Weltwirtschaftsordnung (AWWO). Frankfurt am Main 2005. S. 11. (Künftig zitiert: Attac: Alternative Weltwirtschaftsordnung.)

[69] Vgl. Ebd. S. 12.

[70] Die klassische Außenwirtschaftstheorie wird teilweise auch als reine oder als reale Theorie bezeichnet.

[71] o.V.: Monetäre Außenwirtschaftstheorie. In: Gabler Wirtschaftslexikon. K-R. 15. Auflage. Wiesbaden 2000. S. 2156f.

[72] Rose: Außenwirtschaft. S. 345.

[73] Der starre Glaube an die Neutralität des Geldes ist inzwischen überwunden und durch die Auffassung ersetzt worden, daß Geldmengenänderungen sich keineswegs in nominalen Preiswirkungen erschöpfen, sondern darüber hinaus auch relative Preise und Produktionsaufbau verändern. Die einzig befriedigende Lösung wäre eine Verschmelzung der monetären und klassischen Theorien. Hier liegen aber hier nur erste Versuche vor, die bestenfalls Ansatzpunkte für eine weitere Arbeit bieten. Vgl. Ebd. S. 345.

[74] Gerken: Freiheit und Freihandel. S. 7.

[75] Mankiw: Volkswirtschaftslehre. S. 61.

[76] Vgl. Herz: Zeit-Bibliothek der Ökonomie. S. 1.

[77] „Wird die Einfuhr von Waren, die auch im Inland hergestellt werden können, durch hohe Zölle beschränkt oder gänzlich verboten, so wird dadurch das Monopol des einheimischen Gewerbes auf dem Binnenmarkt mehr oder weniger gesichert. So festigt das Einfuhrverbot für ausländisches Vieh oder Pökelfleisch das Monopol der britischen Viehzüchter auf dem eigenen Fleischmarkt. [...] Wird den Erzeugnissen irgendeines Handwerks oder Gewerbes auf dem einheimischen Markt eine Monopolstellung eingeräumt, so heißt das, [...] Privatleuten vorzuschreiben, auf welche Weise sie ihr Kapital [...] investieren sollten, ein Eingriff, der in den meisten Fällen nutzlos, ja, obendrein noch schädlich ist. Können nämlich die einheimischen Produkte genauso billig auf dem Markt angeboten werden wie die ausländischen, so hat die Maßnahme ganz offenkundig keinen Sinn. Ist das nicht der Fall, muß sie in der Regel schädlich sein.“ Smith: Wohlstand der Nationen. S. 368 ff.

[78] „Der einzelne ist stets darauf bedacht, herauszufinden, wo er sein Kapital [...] so vorteilhaft wie nur irgend möglich einsetzen kann. Und tatsächlich hat er dabei den eigenen Vorteil im Auge und nicht etwa den der Volkswirtschaft. Aber gerade das Streben nach seinem eigenen Vorteil ist es, das ihn ganz von selbst oder vielmehr notwendigerweise dazu führt, sein Kapital dort einzusetzen, wo es auch dem ganzen Land den größten Nutzen bringt. Erstens ist ein jeder bestrebt, viel von seinem Kapital möglichst in der nächsten Umgebung und folglich zur Unterstützung des einheimischen Gewerbes zu investieren, natürlich immer vorausgesetzt er kann damit die übliche Kapitalverzinsung, zumindest nicht sehr viel weniger erzielen. [...] Wie ich aber bereits dargelegt habe, führt ein Kapitaleinsatz im Binnenhandel zu einer stärkeren Wirtschaftsbelebung im Lande und erhöht Einkommen und Beschäftigung für weitaus mehr Menschen, als dies bei gleich hoher Investition im Außenhandel der Fall wäre. [...] Zweitens wird jeder, der sein Kapital zur Unterstützung der eigenen Volkswirtschaft investiert, notwendigerweise bestrebt sein, die wirtschaftliche Aktivität so zu lenken, daß ihr Ertrag den größtmöglichen Wert erzielen kann.[...] Nun ist aber das Volkseinkommen eines Landes immer genau so groß wie der Tauschwert des gesamten Jahresertrages [...] Wenn daher jeder einzelne soviel wie nur möglich danach trachtet, sein Kapital zur Unterstützung der einheimischen Erwerbstätigkeit einzusetzen und dadurch diese so lenkt, daß ihr Ertrag den höchsten Wertzuwachs erwarten lässt, dann bemüht sich jeder einzelne zwangsläufig, daß das Volkseinkommen im Jahr so groß wie möglich werden wird.“ Ebd. S. 369ff.

[79] Ebd. S. 371.

[80] Vgl. Ebd. S. 370f.

[81] Vgl. Ebd. S. 370.

[82] Ebd. S. 371.

[83] Mankiw: Volkswirtschaftslehre. S. 55.

[84] Es wird unterstellt, dass England in einer Stunde entweder 60 Tücher oder 30 Liter Wein produzieren kann. Portugal kann dagegen in einer Stunde 30 Tücher oder 60 Liter Wein produzieren. Wenn sowohl England als auch Portugal im Autarkiezustand 30 Minuten für die Wein- und 30 Minuten für die Tuchproduktion verwenden, dann produziert England 30 Tücher und 15 Liter Wein. Portugal produziert dagegen 15 Tücher und 30 Liter Wein. Durch Freihandel können beide Länder ihre Güterversorgung steigern. Jedes Land muss sich lediglich auf die Güterproduktion spezialisieren, bei der es einen absoluten Vorteil hat. England produziert bei vollständiger Spezialisierung 60 Tücher und 0 Liter Wein. Portugal produziert bei vollständiger Spezialisierung 0 Tücher und 60 Liter Wein. Tauschen England und Portugal 30 Liter Wein gegen 30 Tücher, dann besitzen sowohl England als auch Portugal 30 Liter Wein und 30 Tücher. Der Wohlfahrtsgewinn für England beträgt +15 Liter Wein und für Portugal +15 Tücher.

[85] Vgl. Mankiw: Volkswirtschaftslehre. S. 60.

[86] Vgl. Ricardo: Grundsätze der politischen Ökonomie. S. 108ff.

[87] Greven, Thomas u. Christoph Scherrer: Globalisierung gestalten. Weltökonomie und soziale Standards. Bonn 2005. S. 31. (Künftig zitiert: Greven: Globalisierung gestalten.)

[88] Breuss, Fritz: Aussenwirtschaft Band 1. Realer Teil. Schwerpunkt Europäische Integration. Wien 1997. S. 3. (Künftig zitiert: Breuss: Aussenwirtschaft. Realer Teil.)

[89] Attac: Spielregeln des Welthandels. S. 22.

[90] Borchert, Manfred: Außenwirtschaftslehre. Theorie und Politik. 6. Auflage. Wiesbaden 1999. S. 25. (Künftig zitiert: Borchert: Außenwirtschaftslehre.)

[91] Auf die Modellannahmen wird ab Seite 25 eingegangen.

[92] „Der Hintergrund des von Ricardo gewählten Beispiels [...] ist der Handelsvertrag zwischen England und Portugal aus dem Jahre 1703, durch den der portugiesische Markt für englische Wolle und Wollartikel geöffnet wurde und der Portugal im Gegenzug Weinlieferungen nach England ermöglichte.“ Altvater, Elmar u. Birgit Mahnkopf: Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft. 4. Auflage. Münster 1999. S. 225. (Künftig zitiert: Altvater: Grenzen der Globalisierung.)

[93] Maennig: Aussenwirtschaft. S. 98.

[94] Wenn England 60 Liter Wein produziert, dann verzichtet es auf 72 Meter Tuch. Die Opportunitätskosten der Weinproduktion betragen in England also 72 / 60 = 1,2. Analog dazu betragen die Opportunitätskosten der Tuchproduktion 60 / 72 = 0,83. Wenn Portugal 90 Liter Wein produziert, dann verzichtet es auf 80 Meter Tuch. Die Opportunitätskosten der Weinproduktion betragen in Portugal 80 / 90 = 0,89. Analog dazu betragen die Opportunitätskosten der Tuchproduktion 90 / 80 = 1,125. England besitzt geringere Opportunitätskosten bei der Tuchproduktion als Portugal. Um einen Meter Tuch zu produzieren, muss England auf eine theoretisch mögliche Produktion von 0,83 Liter Wein verzichten. Portugal muss jedoch auf eine theoretisch mögliche Produktion von 1,125 Liter Wein verzichten. Portugal besitzt dagegen geringere Opportunitätskosten in der Weinproduktion. Um einen Liter Wein zu produzieren, muss es auf eine theoretisch mögliche Produktion von 0,89 Meter Tuch verzichten. England dagegen, muss auf eine theoretisch mögliche Produktion von 1,2 Meter Tuch verzichten. Deshalb ist es laut Ricardo sinnvoll, dass England sich auf die Tuch- und Portugal sich auf die Weinproduktion spezialisieren.

[95] Vgl. Maennig: Aussenwirtschaft. S. 95.

[96] Ebd. S. 95.

[97] Ricardo beschrieb diesen Zusammenhang mit folgenden Worten: „Bei einem System des vollkommen freien Handels wendet natürlich jedes Land sein Kapital und seine Arbeit solchen Zweigen zu, die jedem am vorteilhaftesten sind. Dieses Verfolgen des individuellen Vorteils ist bewundernswert mit dem allgemeinen Wohl des Ganzen verbunden. [...] Falls Portugal keine Handelsbeziehungen mit anderen Ländern hätte, würde es genötigt sein, anstatt einen beträchtlichen Teil seines Kapitals und seines Fleißes für die Erzeugung von Wein aufzuwenden, mit dem es für seinen Eigenverbrauch Tuch [...] aus anderen Ländern kauft, einen Teil dieses Kapitals für die Erzeugung jener Waren anzulegen, die es dann wahrscheinlich in minderer Qualität und geringerer Quantität erhalten würde.“ Ricardo: Grundsätze der politischen Ökonomie. S. 114ff.

[98] Das Zahlenbeispiel orientiert sich an den Ausführungen von Breuss. Vgl. : Breuss: Aussenwirtschaft. Realer Teil. S. 5ff.

[99] Vgl. Ricardo: Grundsätze der politischen Ökonomie. S. 116.

[100] Vgl. Breuss: Aussenwirtschaft. Realer Teil. S. 16ff.

[101] Was tatsächlich produziert wird, kann ohne Kenntnis der Nachfrage nicht gesagt werden, denn die Nachfrage bestimmt das Angebot. Die Präferenzen der Konsumenten werden durch eine Nutzenfunktion ausgedrückt. Das ist der geometrische Ort verschiedener Kombinationen der Güter, die den gleichen Nutzen stiften. Das heißt, dass die Konsumenten lediglich Güterbündel bewerten und nicht einzelne Güter. Unterstellt wird dabei, dass eine Substitution zwischen den beiden Gütern möglich ist. Diese Möglichkeit der Substitution war den Klassikern unbekannt. Die Neoklassik baut dagegen vollständig auf diesem Begriff auf. Es gilt, dass die Konsumenten unter Berücksichtigung der Budgetbeschränkung versuchen, ihren Nutzen zu maximieren. Vgl. Ebd. S. 9.

[102] Vgl. Ricardo: Grundsätze der politischen Ökonomie. S. 116.

[103] Auf Seite 25 wird auf das Entstehen des Tauschverhältnisses eingegangen.

[104] Allerdings weist Attac darauf hin, dass die vollständige Spezialisierung auf bestimmte, vom Weltmarkt eine Zeit lang nachgefragte Güter zu Monokulturen führen kann. Die Folge ist eine Abhängigkeit von einem Produkt und einem vom Weltmarkt diktierten Preis. Vgl. Attac: Spielregeln des Welthandels. S. 23.

[105] Wäre das Austauschverhältnis Wein zu Tuch 0,9:1, dann würde England 37 Meter Tuch exportieren und dafür 41,1 Liter Wein erhalten. Portugal gewänne bei diesem Tauschkurs + 6,2 Wein und + 1 Tuch. England dagegen + 6,1 Wein und + 5 Meter Tuch. Zur Erinnerung: Bei einem Austauschverhältnis 1:1, gewänne Portugal + 10,3 Wein und + 1 Tuch und England + 2 Wein und + 5 Tuch.

[106] Baßeler: Volkswirtschaft. 527.

[107] Angenommen, in England kann im Autarkiezustand ein Liter Wein gegen 1,2 Meter Tuch getauscht werden. In Portugal kann ein Liter Wein gegen 0,89 Meter Tuch getauscht werden. Händler werden diesen Unterschied bei der Einführung von Freihandel ausnutzen. Sie tauschen in England einen Liter Wein gegen 1,2 Meter Tuch. In Portugal tauschen sie 1,2 Meter Tuch gegen 1,2 / 0,89 = 1,35 Liter Wein. Sie haben damit - lediglich durch den Austausch von Waren - einen Gewinn von 0,35 Liter Wein erzielt. Wenn nun mehrere Händler auf diesem Wege Gewinne erzielen wollen, steigt in England die Nachfrage nach Tuch und das Angebot an Wein. Dadurch sinkt in England der Tuchpreis (in Weineinheiten) und steigt der Weinpreis (in Tucheinheiten). Gleichzeitig steigt in Portugal die Nachfrage nach Wein und die Angebot an Tuch. Dadurch sinkt in Portugal der Tuchpreis (in Weineinheiten) und steigt der Weinpreis (in Tucheinheiten). Dieser Prozess wird solange anhalten, bis die Tauschverhältnisse auf beiden Märkten gleich sind.

Ende der Leseprobe aus 105 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss der NAFTA auf die ökonomische Wohlfahrtsentwicklung in Mexiko
Untertitel
Eine Analyse unter Berücksichtigung der klassischen und neoklassischen Freihandelstheorien
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Politikwissenschaft)
Note
1,30
Autor
Jahr
2005
Seiten
105
Katalognummer
V82154
ISBN (eBook)
9783638847797
ISBN (Buch)
9783638845939
Dateigröße
1711 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
NAFTA, Mexiko, Freihandelsabkommen, USA, Wohlfahrt, David Ricardo, TLC, Freihandelstheorie, north american free trade agreement, tratado de libre comercio, Sebastian Wenzel
Arbeit zitieren
Sebastian Wenzel (Autor), 2005, Der Einfluss der NAFTA auf die ökonomische Wohlfahrtsentwicklung in Mexiko, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82154

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