Kriegserfahrungen in der Literatur - Gustavo Adolfo Bécquer, La Promesa


Hausarbeit, 2004

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Die Epoche der Romantik

2. Kurzdefinition: Legende

3. Biographie Bécquers
3.1. „Introducción Sinfonica“

4. Bécquer als Postromantiker

5. La Promesa
5.1.Inhalt
5.2.Kriegsszenario
5.3.Liebeskonzeption
5.4.Perspektive
5.5.Orient und Gotik
5.6.Das Symbol der Hand

6.Abschließende Betrachtung

7. Bibliographie

Gustavo Adolfo Bécquer: La Promesa

1.Die Epoche der Romantik

Die Epoche der Romantik lässt sich grob in die Zeit vom Ende des 18. bis zum ersten Drittel des 19. Jahrhunderts einordnen, wobei jedoch auch diese Ein-grenzung relativ ist, da die Romantik zwar ein gesamteuropäisches Phänomen, in den einzelnen Ländern Europas jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt war. So wurde Spanien vergleichsweise erst sehr spät von den geistesgeschichtlichen Fundamenten der Romantik erreicht. Zwar waren bereits Mitte des 18.Jahr-hunderts romantische Tendenzen in der spanischen Literatur festzustellen, die Vertreter dieser modernen Strömung wurden jedoch während der absolutistischen Regierung Fernandos VII (1818-1833) ins Exil getrieben, so dass Spanien von den literarischen Entwicklungen in Europa vorerst größtenteils ausgeschlossen blieb.

Im Jahre 1934 unter der liberaleren Regierung Isabells II, der Tochter Fernandos VII, und ihrer Mutter Maria Christina (1833-1868) wurde vielen Exilanten ihre Rückkehr in die Heimat ermöglicht, wo sie sich, beeinflusst besonders durch romantische Ideen aus England und Frankreich, literarisch entfalten konnten. Aber auch deutsche Romantiker wie zum Beispiel Goethe oder Heine hatten Einfluss auf viele spanische Schriftsteller, wobei man erwähnen muss, dass die aus Deutschland stammenden romantischen Einflüsse damals als eher dunkel, phantastisch und sogar dämonisch angesehen wurden.[1] Die eigentliche Blütezeit der Romantik in Spanien umfasste dennoch nur ca. 15 Jahre (1835-1850). Auch die literarische Karriere Gustavo Adolfo Bécquers, mit dem ich mich in dieser Arbeit näher befassen werde, begann erst nach dem Zenit der romantischen Strömung in Spanien.

Im Zentrum der romantischen Ideen stand, im Gegensatz zur Vernunftbetontheit und dem Erkenntnisoptimismus der Aufklärung, der fühlende Mensch mit seinen Träumen und Freiheitsbedürfnissen. Auch die menschliche, schöpferischen Kraft, die Idee der Selbstentfaltung und das Recht zur Individualität waren Themen, die in der Literatur der Romantik thematisiert wurden. Während in der Epoche der Klassik sowohl in der Lyrik als auch in Prosa und Drama eine sehr strenge Regelästhetik vorherrschte, trat in der Romantik das Allgemeinverbindliche zugunsten des Individuellen und Außergewöhnlichen in den Hintergrund. Nach und nach nahmen die spanischen Romantiker die Abstand von den traditionellen Versformen und die lernten so die allgemeine dichterische Freiheit kennen.

Ein weiterer Unterschied zur Klassik: In der klassischen Literatur spielten vor allem der Adel und gehobene Gesellschaftsschichten eine große Rolle; die Romantiker hingegen versuchten das Volkstümliche, die regionale Folklore und das Interesse an den kleinen Leuten wieder zu beleben. In Form von Legenden oder Volksliedern über vergangene Zeiten besinnte man sich zurück auf die eigene Historie und Kultur. Auf diese Weise wurde auch in Spanien die galizische und katalanische Kultur wiederbelebt. In Anbetracht dieses Pluralismus zwischen einerseits der Hinwendung zur Volkspoesie und andererseits den modernen Freiheitsideen und dem weltzugewandten Pragmatismus sahen sich viele Romantiker in einem Zwiespalt. Zwar wurden alten Traditionen und allgemeingültigen Moralvorschriften viel Respekt zugesprochen, andererseits aber eine Art Ich-Kult[2] geschaffen und die Individualität des Einzelnen über die Gemeinschaft gestellt. Für viele Romantiker bestand die Verbindung zwischen der Vergangenheit und der modern geprägten Gegenwart in den Lehren ihrer Werke, welche sich zwar auf das Vergangene bezogen, aber den Leser zur kritischen Betrachtung seiner Umwelt inspirieren sollten. „In Spanien hat das historische Interesse allerdings meist auch einen Gegenwartsbezug, insofern am Beispiel der Vergangenheit zugleich der Sinn für die Gegenwart geschärft wird.“[3]

Auch das Mittelalter und die gotische Kunst wurden in vielen Werken der Romantik neu aufgegriffen und verarbeitet. Immer wieder tauchen Beschreibungen von gotischen Bauten oder anderen Kunstwerken auf. So ist zum Beispiel auch in der Legende „La Promesa“ von Bécquer an vielen Stellen ein Bezug zum Mittelalter feststellbar. Zu begründen ist dieser mittelalterliche Bezug in der für die Epoche der Romantik typischen Sehnsucht nach dem Unendlichen, für welche viele Romantiker in der gotischen Kunst, beispielsweise in den riesenhaften Gebäuden oder den engelhaften Figuren, eine Entsprechung fanden. Aus diesem Streben nach überweltlichen Wahrheiten heraus, die für viele romantische Schriftsteller im Katholizismus nicht zu finden waren, entwickelte sich dann eine besondere Art des romantischen Schreibens, die Schauerromantik. In diesen Werken wurde der traditionelle katholische Glaube zwar niemals angezweifelt, Gott und das Jenseits jedoch in unheimlicher Weise mit dem Irdischen verbunden. Die Existenz des unbestimmbaren Jenseits drückten viele romantische Schriftsteller beispielsweise durch die geheimnisvolle, unstillbare Liebessehnsucht der Menschen im Diesseits aus.[4] In Form von Schreckensvisionen, lebendigen Toten und geheimnisvollen Kräften wurde so die Suche nach etwas idealem, absoluten außerhalb der Normen des Katholizismus verschriftlicht.

Des weiteren bildeten pathetische Beschreibung der ungeformten Naturschönheit sowie ihrer faszinierenden Phänomene und die starke Betonung von Phantasie und Gefühl eine thematische Basis der romantischen Literatur. Vor allem Liebes- oder Naturerlebnisse wurden in Lyrik und Prosa auf sehr ausführliche Art beschrieben, weshalb der Begriff der Romantik heutzutage oft fälschlicherweise auf alles Sentimentale oder Märchenhafte ausgedehnt wird.

2. Kurzdefinition: Legende

Unter einer Legende versteht man eine historisch nicht belegte, unwahrscheinliche Geschichte, die meist auf mündlicher Überlieferung basiert oder aber, wie am Beispiel der Legende „La promesa“ von Gustavo Adolfo Bécquer, so verfasst ist, dass es scheint, als sei sie vor vielen Jahren einmal erzählt worden. Beispielsweise findet man oftmals Formulierungen wie „Es geht von Mund zu Mund“ oder „Man erzählt, dass einst...“, welche die Legenden einleiten.

Mit Elementen des Mythos, der Parabel und des Märchens wird in Legenden von geheimnisvollen, transzendenten Mächten erzählt, die mit volkstraditionellen Handlungsräumen verbunden werden. So enthalten Legenden die für die Romantik typische Verbindung zwischen der Realität und einer Überwelt. Diese Darstellung des Gespenstischen aus dem Jenseits, welches sich mit dem Alltag der kleinen Leute verknüpft, führt meist zu einem halboffenen und geheimnisvollen Ende, das belehrende Appelle für die Gegenwart enthält. Auch diese aus der Vergangenheit resultierenden Lehren für das Hier und Jetzt sind typisch romantisch. Des weiteren wird am Ende einer Legende oft ein scheinbarer Beweis für den Wahrheitsgehalt des Erzählten angeführt. Dies wird durch Satzkonstruktionen mit indirekter Rede wie beispielsweise „Man sagt, dort könne man heute noch sehen, wie“ oder „Und auch heute noch erzählen die Leute, dass...“ zum Ausdruck gebracht. Dadurch wird der belehrende Charakter der Legende verstärkt.

Legenden existieren in allen Kulturkreisen und erlebten ihren ersten großen Aufschwung bereits im 6. Jahrhundert nach Christus, als die Heiligenverehrung große Verbreitung fand. Auch in der Blütezeit der Marienverehrung im 12. Jahrhundert, waren in allen christlichen Kulturkreisen unzählige Legenden vorzufinden. Mit Luthers Kritik an der Heiligenverehrung im 16. Jahrhundert ließ das allgemeine Interesse an Legenden nach und später, zur Zeit der Aufklärung, wurden sie sogar parodiert oder satirisch dargestellt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Legendentradition mit dem wachsenden Interesse an der Volksdichtung während der Romantik wieder aufgewertet.

3.Biographie Bécquers

Geboren am 17. Februar 1836 in Sevilla, wurde Gustavo Adolfo Bécquer eigentlich auf den Namen Adolfo Domínguez Bastida getauft, er übernahm jedoch den flämischen Künstlernamen seines Vaters, der Maler war. Mit elf Jahren wurde Béquer Waise, der erste große Schicksalsschlag in seinem Leben, und wuchs bei seinem Onkel und später bei seiner Tante auf. In der umfangreichen Hausbibliothek dieser kam Bécquer sehr früh mit der romantischen Literatur in Kontakt. Inspiriert von diesen Werken ging er mit 15 Jahren nach Madrid, mit den Ziel, ein bekannter Dichter zu werden. Obwohl er seine Heimat, Sevilla, früh verließ, verarbeitete Bécquer seine Faszination für Andalusien auch später immer wieder in seinen Werken. Als Schriftsteller jedoch erfolglos, begann Bécquer völlig desillusioniert für die konservative Madrider Tageszeitung „El Contemporanéo“ zu schreiben , um nicht weiter an der Armutsgrenze leben zu müssen. Im Jahre 1858 verfasste er seine erste Legende mit dem Titel „El Monte de las Animas“ (Der Berg der Seelen) seiner berühmten Legendensammlung „Leyendas“, zu denen auch „La promesa“ gehört. Bis zum Jahre 1864 folgten zahlreiche weitere Erzählungen, von denen 15 in verschiedenen Madrider Tageszeitungen veröffentlicht wurden. Im Alter von nur 24 Jahren erkrankte Bécquer schwer an Tuberkulose und litt zeitlebens unter den Folgen der Krankheit. Ein Jahr später heiratete er eine Frau namens Casta Esteban Navarro, von der er sich jedoch nach 7 Jahren unglücklicher Ehe im Jahre 1868 trennte. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. In den darauffolgenden Jahren musste sich der erfolglose Dichter immer wieder in ärztliche Behandlung begeben und wurde von beruflichen und persönlichen Misserfolgen verfolgt. Während eines Kuraufenthaltes im Kloster von Veruela im Jahre 1864 schrieb er seine „Cartas desde mi celda“ (Briefe aus meiner Gefängniszelle ), von denen einige ebenfalls im „El Contemporanéo“ veröffentlicht wurden. Der vierte Brief dieser Sammlung, in der Bécquer über die Problematik einer beschleunigt moderner und abstrakter werdenden Gesellschaft schreibt, ist eines der zahlreichen Beispiele für seine auffällig moderne Weltsicht. In den Jahren 1863 bis 1865 und 1866 bis 1868 erhielt Bécquer durch Beziehungen zu einem Freund, einem Minister namens Gonzaléz Bravo, eine Stelle als Zensor bei der Regierung. Als dieser jedoch wenig später abtreten musste, verlor auch Bécquer seine gesicherte Arbeitstelle und musste seinen Lebensunterhalt wieder als Journalist bestreiten. In dieser Zeit widmete er sich vor allem der Lyrik und schrieb seine 79 Rimas (Reime), seine bekanntesten Werke, die ebenfalls zum Teil im „El Contemporanéo“ veröffentlicht wurden.

[...]


[1] Vgl: Hoffmeister, Gerhart: Spanien und Deutschland. Geschichte und Dokumentation der literarischen Beziehungen. 1. Auflage. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1976.S.145

[2] Vgl. Kreutzer, Winfried: Spanische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts in Grundzügen. 1. Auflage. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1982. S.10

[3] Spanische Literaturgeschichte. Hrsg. Von Hans-Jörg Neuschäfer. Stuttgart: Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH 1997. S. 240

[4] Vgl. Neuschäfer, Hans-Jörg: Spanische Literaturgeschichte. a.a.O. S.240

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Kriegserfahrungen in der Literatur - Gustavo Adolfo Bécquer, La Promesa
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V82160
ISBN (eBook)
9783638013550
ISBN (Buch)
9783638917117
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kriegserfahrungen, Literatur, Gustavo, Adolfo, Bécquer, Promesa
Arbeit zitieren
Bettina Arzt (Autor), 2004, Kriegserfahrungen in der Literatur - Gustavo Adolfo Bécquer, La Promesa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82160

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