Partnerschaft und Arbeitsteilung


Seminararbeit, 2001

14 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Von der komplementären Arbeitsteilung zur Doppelbelastung der Frauen
2.1 Familienzyklische und biographische Bedingungen der Arbeitsteilung

3 Konfliktpotentiale in Familie und Gesellschaft

4 Ehe und Familie
4.1 Merkmale der Veränderung innerhalb der Familie
4.2 Werte der Familie und Partnerschaft
4.3 Gründe für die Arbeitsteilung

5 Schlussbemerkung

6 Fazit

Literatur

Endnoten

Partnerschaft und Arbeitsteilung

1 Einleitung

Phänomene wie die Emanzipierung der Frau und rechtliche Verbesserungen im Arbeitsgesetz bezüglich der Gleichstellung sind Zeugnis dafür, dass die Frau in dieser Gesellschaft nicht immer den Stand und die Rechte hatte, wie heute. Doch ob sich die Lage der Frau tatsächlich im Vergleich zu früher gebessert hat soll anhand dieses Referats beleuchtet werden. Dazu werden hier Aufsätze von Keddi, Seidenspinner, Rerrich und Weidenfeld herangezogen, die sich mit Arbeitsteilung, Ungleichheit und Rollenverständnis befasst haben.

2 Von der komplementären Arbeitsteilung zur Doppelbelastung der Frauen

(Seitenzahlen in diesem Abschnitt beziehen sich auf die Literaturangabe Keddi/Seidenspinner)

1977 trat das neue Familienrecht in Kraft, welches die geschlechtsspezifische Arbeits- und Rollenteilung zwischen Frau und Mann aufhob und damit beide Partner dazu veranlassen sollte gleichermaßen im Haushalt mitzuwirken. Die Vorstellung der partnerschaftlichen Arbeitsteilung in Haushalt und Familie hat sich in der Öffentlichkeit 10 Jahre nach Einführung des Familienrechts durchgesetzt. Sind Frauen in einer Partnerschaft vollzeit-berufstätig, so werden sie meist mit einer Doppelbelastung konfrontiert, da sie in der Regel neben der Arbeit noch den Haushalt verrichten. Daraus lässt sich ableiten, dass die Arbeitsteilung im Haushalt praktisch nicht stattgefunden hat, was für alle Altersgruppen, Schichten und Lebensformen gilt (160). Die häusliche Arbeitsteilung gilt also als ein Indikator für soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern (161).

Mit diesen Aussagen wäre ein Fazit quasi schon vorweggenommen. Was hier jedoch noch interessieren soll, ist, wie und warum es zu dieser Doppelbelastung der Frau kommt, und warum oder weshalb sie sich diese Ungerechtigkeit „gefallen” lässt.

Männliche Partner begrüßen zwar die partnerschaftliche Organisation des Haushalts, doch lediglich in der Theorie. An der Umsetzung hapert es. Dazu soll an späterer Stelle mehr gesagt werden (160).

Eine Mädchenbefragung von Seidenspinner und Burger (1982) hat übrigens verdeutlicht: Mädchen lehnen Hausarbeit ab, werden von der erwerbstätigen Mutter zu deren Entlastung jedoch herangezogen. Die Söhne werden dagegen weitgehend verschont. Daher wünschen sich Mädchen einen Partner, der die Arbeitsteilung umsetzt; die Jungs bevorzugen hingegen die traditionelle Arbeitsteilung (161).

Es gibt jedoch einen Hoffnungsschimmer bezüglich der Arbeitsteilung, denn bei jüngeren, unverheiratet zusammenlebenden Paaren ohne Kinder und bei Paaren mit einem höheren Bildungsgrad der Frau findet die Aufgabenverteilung in Haushalt und Alltag eher statt, als in traditionellen Familien. Es lässt sich also sagen: Kinder, Ehe und Ehedauer wirken der Arbeitsteilung bislang entgegen (161). Gleiches gilt für Entscheidungen. Moderne Partnerschaftsbeziehungen sind auch hierbei, in der Regel, viel liberaler als traditionelle.

Je mehr Kinder in einer Partnerschaft sind, desto höher ist der Anspruch des Mannes Karriere zu machen. Mögliche Gründe hierfür sind das genervt sein durch die Kinder aber auch die Notwendigkeit die höhere Kostenbelastung durch einen größeren Verdienst auszugleichen.

Junge Väter beschäftigen sich eher mit ihren Kindern als mit den „minderwertigen” häuslichen Arbeiten. Die Frau, so könnte angenommen werden, die durch die Einführung von Haushaltsgeräten deutlich in der Hausarbeit entlastet sein sollte, Verrichtet jedoch tatsächlich nach Feierabend des Mannes die noch nicht erledigten Hausarbeiten (162). Wie es um die tatsächliche Arbeitszeit exklusive der Pausen beider Geschlechter bestellt ist, soll hier allerdings nicht bewertet werden.

Keddi und Seidenspinner bauen ihre Thesen auf Umfrageergebnisse auf. Dabei fällt zunächst auf, Ehemänner schätzten ihre Mitarbeit im Haushalt höher ein, als ihre Frauen. Der Grund hierfür sind zum einen subjektive geschlechtsspezifische Wahrnehmungsunterschiede, aber auch die Interviewmethode. So wurden die Antworten der Männer vom Geschlecht des Interviewpartners beeinflusst. Der sozialen Erwünschtheit willen gaben Männer gegenüber weiblichen Interviewerinnen häufiger an, im Haushalt mitzuarbeiten, als gegenüber Männern. Durch gleichmäßige Verteilung von weiblichen und männlichen Interviewern erhielt man jedoch ein repräsentatives Umfrageergebnis. Umgekehrt gilt gleiches auch für die Frauen.

Es lässt sich also festhalten: beide Geschlechter schätzen ihren Arbeitsanteil an der Hausarbeit höher ein, als sie vom Partner eingeschätzt werden (165). Welche Bereiche der Arbeitsteilung werden aber vom jeweiligen Geschlecht in modernen Partnerschaften übernommen?

Einkaufen, Putzen, Kochen, Kinder und Kranke betreuen, mit Lehrern sprechen werden als Aufgaben der Frau; Reparaturen und Verschönerungsarbeiten als Aufgaben des Mannes; und mit den Kindern Spielen, Kontakte pflegen, Geldverwaltung und Behördengänge erledigen als gemeinsame Aufgaben deklariert (167).

Ein positives Bild erhält man hingegen wenn man sich mit der geschlechtsspezifischen Entscheidungsstruktur befasst. Hier entscheiden in Partnerschaften die Frauen in über der Hälfte der Fälle im Bereich der alltäglichen Ausgaben. Über Kleidungskauf, größere Anschaffungen, Freizeitaktivitäten, Wohnungssuche/Orts-wechsel, Schulwahl und berufliche Veränderungen wird dagegen überwiegend gemeinsam (zwischen 42% und 92%) entschieden (171).

Des weiteren wird die Lebensform als Bedingungsfaktor von partnerschaftlicher Arbeitsteilung angesehen. Hier unterscheiden die Autorinnen drei Kategorien, nämlich:

- nichteheliche Partnerschaft ohne gemeinsamen Haushalt mit/ohne Kind
- nichteheliche Partnerschaft mit gemeinsamen Haushalt mit/ohne Kind
- verheiratete Paare mit/ohne Kind

Einkaufen, Putzen und Kochen wird in nichtehelichen Partnerschaften ohne gemeinsamen Haushalt noch weitgehend selbstständig vom jeweiligen Geschlecht erledigt, bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, dass bei Partnerschaften mit gemeinsamen Haushalt diese Aufgaben nicht so sehr auf die Frau übergehen, sondern gemeinsam verrichtet, also geteilt werden. In der Ehe kommt es dann allerdings wieder zur traditionellen Arbeitsteilung, in der die Haushaltsaufgaben vorwiegend der Frau unterliegen (188/189).

Wobei man hier die Situation auch wieder relativieren kann, denn ein Zusammenleben vor der Ehe erhöht die partnerschaftliche Arbeitsteilung im Gegensatz zur sofortigen Heirat, bei der dann eher die traditionellen Rollen übernommen werden. Kommen dann auch noch Kinder ins Spiel, so wird der Haushalt eher zusammengelegt und die Tendenz zur traditionellen Arbeitsteilung steigt (176).

Festzuhalten ist: je jünger die Partner sind, desto moderner ist deren Arbeitsteilung, egal welcher Lebensform sie angehören.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Partnerschaft und Arbeitsteilung
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Seminar: Familiensoziologie
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
14
Katalognummer
V8218
ISBN (eBook)
9783638152518
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Partnerschaft Arbeitsteilung
Arbeit zitieren
Robert Conrad (Autor), 2001, Partnerschaft und Arbeitsteilung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8218

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