Poes Erzählung „Die Morde in der Rue Morgue“ erschien erstmals 1841 in der Aprilausgabe von „Graham`s Magazine“. Sie begründete ein neues literarisches Genre, die Detektivgeschichte.
Hauptthema dieser modernen Kriminalliteratur ist die Aufklärung von Verbrechen durch Indizien und Rückschlüsse, in welche der Leser miteinbezogen wird.
Eine zentrale Rolle bei den Ermittlungen der Morde in der besagten Rue Morgue, einer Straße in Paris, spielen zwei unheimliche Stimmen, welche von zwei Zeugen aus einem Hinterzimmer im Haus der Opfer vernommen worden sind. Poe lässt die Zeugen die Fremdartigkeit der Stimmen so detailgenau und exakt beschreiben, dass diese auch dem Leser unheimlich erscheinen. Deshalb kann diese Detektivgeschichte auch als eine Art von Gruselgeschichte beschrieben werden oder aber auch als Sinnesgeschichte, da ein bedeutendes Moment der Erzählung der Hörsinn ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Inhalt der Erzählung
2 Warum wirken die Stimmen laut Zeugenaussagen so unheimlich und geisterhaft?
2.1 Die erste Stimme
2.2 Die zweite Stimme
3 Weitere unheimliche Details
4 Die eigenen Ermittlungen Dupins
4.1 Die List Dupins
4.2 Das Geständnis des Matrosen
5 Zu der Erzählung
6 Literaturangaben
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert die Funktion unheimlicher Stimmen und die Bedeutung der Sinneswahrnehmung in Edgar Allan Poes Erzählung „Die Morde in der Rue Morgue“, wobei insbesondere die detektivische Aufklärung und das Zusammenspiel von Rationalität und Phantastik untersucht werden.
- Die Rolle des Hörsinns bei der Wahrnehmung unheimlicher Stimmen.
- Die literarische Konstruktion von Grusel durch paradoxe Zeugenaussagen.
- Methodik der logischen Deduktion durch den Protagonisten Dupin.
- Die Bedeutung von Motiven und deren Fehlen in der Kriminalliteratur.
- Die Wirkung von Poes Erzähltechnik auf die Leserpartizipation.
Auszug aus dem Buch
2 Warum wirken die Stimmen laut Zeugenaussagen so unheimlich und geisterhaft?
Völlig uneinig sind sich die Zeugen jedoch im Hinblick auf die zweite Stimme:
Niemand ist in der Lage, sie genau zu beschreiben oder zu identifizieren. Es entsteht ein Gegensatz zwischen der ersten Stimme, einer eindeutig menschlichen, und der zweiten, bei der gar nicht feststellbar ist, ob sie überhaupt die eines Menschen gewesen ist. (Nach Aussagen Isodore Musets: „...weder männlich noch weiblich..“) Der Leser assoziiert die Stimme mit etwas Übermenschlichem, mit Geistern oder Dämonen.
Außerdem beschreiben die Zeugen die Stimme als rasch, wodurch ein Eindruck der Hetze oder Angst desjenigen entsteht, dem die Stimme gehört.
Die beschriebene Lautstärke der Stimme (sie sei eindeutig lauter als die erste Stimme gewesen) lässt den Leser auf die Stärke, die Wut und die damit verbundene Bedrohlichkeit des „Unbekannten“ schließen.
Der wohl wichtigste Aspekt, welcher die zweite Stimme so unheimlich macht, ist die Tatsache, dass jedem der sechs Zeugen, egal welcher Nationalität er angehört, die Stimme fremdländisch erscheint. Jeder Zeuge meint die Stimme einer Sprache zuordnen zu können, welche er jedoch gar nicht spricht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Inhalt der Erzählung: Der Ich-Erzähler und Monsieur Dupin werden durch Zeitungsberichte auf einen grausamen Doppelmord aufmerksam, bei dem mysteriöse Stimmen die einzige Spur bilden.
2 Warum wirken die Stimmen laut Zeugenaussagen so unheimlich und geisterhaft?: Die Analyse zeigt, dass die widersprüchlichen und fremdartigen Beschreibungen der Stimmen durch verschiedene Zeugen beim Leser ein Gefühl des Unheimlichen und Übermenschlichen erzeugen.
3 Weitere unheimliche Details: Dieses Kapitel thematisiert die verschlossene Tatortsituation und das Fehlen eines Motivs, da das Geld der Opfer unberührt blieb.
4 Die eigenen Ermittlungen Dupins: Dupin entlarvt die Inkompetenz der Polizei und nutzt eigene Beobachtungen am Tatort, um die Hypothese eines nicht-menschlichen Täters zu entwickeln.
5 Zu der Erzählung: Ein reflektierender Abschluss über die Bedeutung der Erzählung als Geburtsstunde des Detektivgenres und den geschickten Einsatz von Spannungselementen.
6 Literaturangaben: Verzeichnis der herangezogenen Primär- und Sekundärliteratur zu Edgar Allan Poe.
Schlüsselwörter
Edgar Allan Poe, Die Morde in der Rue Morgue, Detektivgeschichte, Phantastik, Unheimliches, Sinnesgeschichte, Hörsinn, Dupin, Zeugenaussagen, Orang-Utan, Kriminalliteratur, Analyse, Literaturwissenschaft, Spannung, Rationalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Erzählung „Die Morde in der Rue Morgue“ von Edgar Allan Poe unter dem Fokus der literarisch-medialen Anthropologie, insbesondere im Hinblick auf den Einsatz von akustischen Reizen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Wahrnehmung des Unheimlichen, die Analyse von Zeugenaussagen in der Literatur und die Entwicklung der Detektivgeschichte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Poe durch gezielte auditive Beschreibungen und die Fragmentierung von Zeugenaussagen beim Leser ein Gefühl des Unheimlichen evoziert und damit die Spannung der Detektivgeschichte steigert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse des Textes und setzt diese in den Kontext der Detektiv- sowie Gruselliteratur des 19. Jahrhunderts.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Aussagen zu den „unheimlichen Stimmen“ sowie Dupins detektivisches Vorgehen bei der Aufklärung des Falls.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Phantastik, Detektivgeschichte, Unheimliches, Sinnesgeschichte und die analytische Methode Dupins.
Welche Rolle spielt der „Orang-Utan“ in der Erzählung?
Er fungiert als der tatsächliche Täter, dessen Tatmotivlosigkeit die klassische Kriminalfrage nach dem „Warum“ dekonstruiert und das Genre innovativ erweitert.
Warum wirkt die „zweite Stimme“ laut den Zeugen so verstörend?
Die Verstörung resultiert aus der Unfähigkeit der Zeugen, die Stimme einer bekannten Sprache oder einem menschlichen Geschlecht zuzuordnen, was zu einer Entfremdung führt.
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- Bettina Arzt (Author), 2003, Unheimliche Stimmen: Geisterstimmen und Ohren in der Phantastik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82201