Antiautorität! Und was bedeutet sie für die Autorität?


Hausarbeit, 2006

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Klärung der Begriffe
2.1. Erziehung
2.2 Autoritäre Erziehung
2.3. Antiautoritäre Erziehung

3. Beispiele unterschiedlicher Erziehungsstile
3.1. Rousseau: Emile
3.2. Reformpädagogik
3.3. Neill: Summerhill

4. Ethisches Grundverständnis
4.1. Die Würde des Menschen
4.2.Ethisches Prinzip und Moralvorstellungen
4.3. Kinder- und Jugendrecht
4.4 Heutige Sichtweisen

5. Schluss

6. Anhang
6.1. Literaturverzeichnis
6.2 Internetverzeichnis

1. Einleitung

In meinen Praxisfeldern, einer Mädchenwohngruppe für weibliche Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren und einer städtischen Kindertagesstätte, wurde und werde ich weiterhin ständig mit unterschiedlichen Erziehungsvorstellungen und –idealen konfrontiert.

Im Arbeitsfeld mit jüngeren Kindern teilten sich diese Sichtweisen besonders stark in unterschiedliche Richtungen. Auf der einen Seite steht der eigene pragmatische Wert der ErzieherInnen, welcher für sie die Rechtfertigung einer eher autoritären Erziehungsweise darstellt, und auf der anderen Seite stehe ich als auszubildende Studentin, welche selbst aus einem autoritär geprägten Elternhaus stammt. Als solche hinterfrage ich die Notwendigkeit bestimmter Eingriffe in die Entfaltung des kindlichen Erfahrungshorizontes.

Deswegen ist es für mich besonders interessant, die so genannte antiautoritäre Erziehung näher kennen zu lernen und ihre Bedeutung in Bezug auf und für bestehende Erziehungssysteme zu erörtern.

Wichtig ist für mich in diesem Zusammenhang die generelle Definition der Begrifflichkeiten, mit welcher ich mich im folgenden Abschnitt auseinander setzen werde.

Im Anschluss werde ich einige explizite bekannte Beispiele für antiautoritäre Erziehungsgedanken aufführen, wobei ich diese, auf Grund des begrenzten Rahmens dieser Seminararbeit, nur oberflächlich betrachte.

Im vierten Kapitel werde ich mich mit dem Begriff der Würde des Menschen und den ethische Grundsätzen, welche sich daraus ergeben, auseinandersetzen. Um diese auf den Umgang innerhalb der Erziehung beziehen zu können, empfinde ich die Kinder- und Jugendrechte als eine Notwendigkeit. Im Anschluss möchte ich einige Beispiele für heutige Ansichten, Sichtweisen und Meinungen wiedergeben.

Abschließend werde ich im letzten Kapitel meine Resultate und Erfahrungen, die durch diese Arbeit entstanden sind, zusammenfassen.

2. Klärung der Begriffe

2.1. Erziehung

Laut Definition eines Lexikons ist der Begriff der Erziehung sehr widersprüchlich, denn er wird beschrieben, als alle Maßnahmen und Methoden, mit denen man jemanden erzieht. Einerseits ist in dem Definitionsrahmen die strenge, autoritäre Erziehung, und andererseits die nachsichtige, liebevolle, also antiautoritäre Erziehung enthalten. Als Ergebnisse dessen werden das Benehmen und die Manieren der einzelnen Personen bezeichnet[1].

Des Weiteren stellt Erziehung auch die soziale Interaktion zwischen Menschen dar, welche zum Ziel hat, die zu erziehenden Personen an gültige gesellschaftliche Normen und Wertvorstellungen heranzuführen und unerwünschtes Verhalten gegebenenfalls zu unterbinden.

Folglich lässt sich der Prozess der Erziehung mit dem Prozess der Sozialisation gleichsetzen.

Sozialisation bezeichnet die Gesamtheit der Phasen, durch die der Mensch zur sozialen und gesellschaftlichen, handlungsfähigen Persönlichkeit wird. Dies geschieht z.B. in der primären Sozialisationsphase, in welcher wichtige Persönlichkeitsmerkmale ausgeformt werden, die Sprache, Denken, Fühlen und Handeln betreffen. Diese befähigen den Menschen dazu, die Bedingungen und Formen des sozialen Handelns und Erlebens in der Gesellschaft zu verstehen und selbst daran teilzunehmen.

Deshalb beinhaltet Erziehung das Ziel, eine freie und unabhängige Persönlichkeit herauszubilden, welche sich dennoch im gesellschaftlichen Bezugssystem sicher bewegen kann. Daraus schlussfolgernd lässt sie sich als „ Vermittlung der Mündigkeit an Unmündige[2] bezeichnen. Diese Prozesse der Sozialisation finden normalerweise in gesellschaftlichen Einrichtungen, wie z.B. der Familie, statt. Diese Einrichtungen steuern bewusst und unbewusst bestimmte Normen sowie Wertevorstellungen und vermitteln Verhaltensformen und stellenweise auch Ziele.

Betrachtet man dieses komplexe Zusammenspiel von Erziehungs- und Sozialisationsprozess, so wird deutlich, dass Erziehung vor allem abhängig ist von der Mentalität, dem Charakter und der Einstellung der Erzieher. Gleichzeitig wird die Erziehung aber auch von den Zielen der unterschiedlichen Erziehungseinrichtungen, wie Kindergarten, Schule, Vereine, oder z.B. Wohnheime geprägt.

„Wir erfuhren, dass bestimmte Qualitäten in der Person von Erziehern und Lehrern die entscheidend förderlichen Bedingungen für die konstruktive Persönlichkeitsentwicklung und das bedeutsame Lernen von Kindern und Jugendlichen sind.“[3]

2.2 Autoritäre Erziehung

Um sich besser mit dem Begriff der autoritären Erziehung auseinandersetzen zu können, muss man zunächst auf den Ausdruck Autorität eingehen. An dem Begriff Autorität entzünden sich immer wieder Kontroversen. Ursprünglich ist der Terminus vom lateinischen Wort „auctoritas“ abgeleitet. Im römischen Reich wurde dem Senat, also dem Rat der Väter, „auctoritas“ zugeschrieben. Das bedeutet, dass er Ratschläge und Entschließungen an die Regierung, den römischen Magistrat, weitergeben durfte. Dem Magistrat kam Macht, „potestas“, zu, denn er hatte die Amtsgewalt durch das Volk und durch die Weisung des Senats. Folglich bedeutet Autorität in diesem Zusammenhang Verantwortung für eine Lebensgemeinschaft und ist in diesem Sinne auf Macht angewiesen, ebenso wie Macht nicht auf Autorität verzichten kann.[4]

Stellt man ihn in Zusammenhang mit der Verantwortung der Lehrer und Erzieher im System der Erziehung, wie oben bereits beschrieben, so ist es nicht schwer nachzuvollziehen, dass dieser Begriff vor allem in Anbetracht der Ereignisse des Zweiten Weltkrieges einen negativen Charakter erhalten hat. Zu Recht wird die Frage gestellt, ob die vielen inhumanen Akte mit der gefühlsmäßigen und sozialen Haltung der Bevölkerung zusammenhingen, welche sie in ihrer Erziehung und Schule erlernt, beziehungsweise nicht erlernt hat. Deshalb ist es allzu verständlich, dass Autorität bisweilen ein „Reizwort ist, dass Assoziationen wie „Gewalt“, „Herrschaft“, „Zwang“, „Ausbeutung“, „Gehorsam“, „Strafe“, und ähnliche auslöst“[5]. Im Gegensatz dazu wird in der heutigen Gesellschaft der Mangel an Autoritäten und insbesondere an Autorität in der Erziehung beklagt. Folglich wird der Begriff hier wiederum, vor allem durch ältere Generationen, auf Grund des bestehenden und zunehmenden Werteverlustes, als positiv ausgelegt.

In der Soziologie stellt Autorität die speziale Relation dar, in der Personen und Institutionen eine Führungs- beziehungsweise Vorbildrolle übernehmen und dabei Normen und Ziele bestimmter Gruppenordnungen repräsentieren und durchsetzen. Dabei hängt die Autorität einer Person von verschiedenen Eigenschaften, wie z.B. Intelligenz, Überzeugungskraft, Bildung und Fachwissen, ab. Durch die Anerkennung der jeweiligen Kompetenzen werden diese Personen autorisiert, die Interessen einer Gruppe zu repräsentieren. Auf Grund dieser so genannten primären Autorität erwachsen legitime Führungsrollen, aus der Vertrauen und Loyalität folgen.

Autorität ist also das Ergebnis einer wechselseitigen Beziehung zwischen dem Träger der Autorität und denjenigen, die die Autorität erst erschaffen indem sie diese anerkennen. Die sekundäre Autorität bezeichnet die an abstrakte Institutionen und Normen, wie z.B. die Kirche, orientierte und gebundene Autorität.

Bezieht man den neutralen, wertfreien Begriff der Autorität nun auf die autoritäre Erziehung, so soll sie den Heranwachsenden durch Unterstützung auf Grund bisher gesammelter Erfahrungen und in der Gesellschaft bestehender Werte zur Mündigkeit führen.

2.3. Antiautoritäre Erziehung

Unter dem Begriff „antiautoritär“ erfährt man im Lexikon, dass dieser entgegengesetzt zu autoritären Normen verstanden werden soll und vor allem für theoretische Einstellungen, soziale Verhaltensweisen und in gesellschaftlichen Einrichtungen verwendet wird.[6] Als Synonyme werden die Ausdrücke freiheitlich, liberal, herrschaftsfrei, ohne Zwang und repressionsfrei aufgezählt.

Zusammengefasst kann man sagen, dass der antiautoritäre Erziehungsstil den Heranwachsenden sehr viele Freiheiten lässt und Erwachsenen gebietet, nur in Notsituationen oder nach Aufforderung erzieherisch einzugreifen. Diese Art der Erziehung vertraut weitgehend der kindlichen Fähigkeit zur Selbsterziehung und strebt eine wirklichkeitsnahe Vorbereitung auf das zukünftige Leben an. Insbesondere das eigenständige Handeln der Kinder und Jugendlichen soll dadurch angeregt werden, damit sich eine altersadäquate soziale und kognitive Entwicklung entfalten kann.

3. Beispiele unterschiedlicher Erziehungsstile

In diesem Kapitel möchte ich einige, zum Teil revolutionäre, Grundgedanken und Umsetzungsmethoden antiautoritärer Erziehung anführen. Diese unterscheiden sich teilweise stark voneinander, insbesondere auch in ihrer Verwirklichung.

[...]


[1] Vgl. dazu Digel, W., Kwiatkowski, G.; 1990, S. 70

[2] Ritzel, W.; 1973; zitiert nach Menck, P.; 1998, S. 23

[3] Tausch, R., Tausch, A.; 1979, S. 11

[4] Vgl. dazu Bönner, K.; 1971, S. 14

[5] Schmidt, G.; 1972, S. 5

[6] Digel, W., Kwiatkowski, G.; 1990, S. 35

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Antiautorität! Und was bedeutet sie für die Autorität?
Hochschule
Berufsakademie Nordhessen Heidelberg
Veranstaltung
Ethik
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V82218
ISBN (eBook)
9783638870313
Dateigröße
397 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antiautorität, Autorität, Ethik
Arbeit zitieren
Diplom Sozialpädagogin Darina Chronz (Autor), 2006, Antiautorität! Und was bedeutet sie für die Autorität?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82218

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