Textarbeit mit kommunikativen Übungen im Englischunterricht


Fachbuch, 2007
85 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Teil A:
Textarbeit mit kommunikativen Übungen
1. Funktion und Form von Texten im Englischunterricht
2. Schritte bei der Textarbeit
2.1 Überblick
2.2 Die einzelnen Schritte
2.2.1 Einstieg
2.2.2 Semantisierung
2.2.3 Präsentation des Textes
3. Variationen der Textarbeit
4. Behandlung der Lektion in den Folgestunden
5. Mögliche Aufgaben und Übungen im Literaturunterricht der Oberstufe
5.1 Einstiege
5.2 Während der Lektüre
5.2.1 Lesen mit Arbeitsblättern
5.2.2 Weitere Aktivitäten
5.3 Bearbeiten von Schlüsselszenen
5.3.1 Schreiben
5.3.2 Hören und Lesen
5.3.3 Sprechen
5.4 Abschluss

Teil B:
Lehrbuchtext mit kommunikativen Übungen
1. “Little Miss Astronaut”: Einordnung der Unterrichtsstunde in die Unterrichtsreihe
2. Analyse des Lernstoffs
2.1 Fachwissenschaftliche Analyse
2.2 Didaktische Reduktion
3. Didaktisch-methodische Entscheidungen
3.1 Lernziele
3.1.1 Lernziele im kognitiven Bereich
3.1.2 Lernziele im emotionalen Bereich
3.1.3 Lernziele im sozialen Bereich
3.2 Lehr- und Sozialformen
3.3 Lernerfolgskontrollen
3.4 Medien
3.5 Hausaufgaben
4. Verlauf der Stunde
5. Arbeitsmaterialien und Anhang
5.1 Matching Exercise for a Summary of the First Part
5.2 Questions for the First Part
5.3 Questions for the Second Part
5.4 Key to the Exercises (in 5.3)
5.5 Semantisierung des neuen Vokabulars

Teil C:
Literaturarbeit mit kommunikativen Übungen
1. “Friar Lawrence’s Plan in William Shakespeare’s Romeo and Juliet”: Einordnung der Unterrichtsstunde in die Unterrichtsreihe
2. Analyse des Lernstoffs
2.1 Fachwissenschaftliche Analyse
2.2 Alternative Unterrichtsmöglichkeiten
2.3 Didaktische Reduktion
3. Didaktisch-methodische Entscheidungen
3.1 Lernziele
3.1.1 Stundenziel
3.1.2 Feinlernziele
3.2 Lehr- und Sozialformen
3.3 Lernerfolgskontrollen
3.4 Medien
3.5 Hausaufgaben
4. Verlauf der Stunde
5. Arbeitsmaterialien und Anhang
5.1 Hausaufgabe
5.2 Key to the Exercises
5.3 Gruppenarbeit
5.4 Geplantes Tafelbild
5.5 Folie für den Einstieg
5.6 Folie für das Rollenspiel
5.7 Beispiel für eine Klassenarbeit
6. Literaturverzeichnis

Teil A: Textarbeit mit kommunikativen Übungen

1. Funktion und Form von Texten im Englischunterricht

Im Englischunterricht werden so genannte authentische Texte und didaktisierte Texte behandelt. Authentische Texte sind Texte, die von Muttersprachlern für Muttersprachler verfasst wurden; sie werden überwiegend in der Oberstufe verwendet und erarbeitet. Didaktisierte Texte sind Texte, die für Unterrichtszwecke hergestellt oder verändert wurden, wie zum Beispiel Lehrbuchtexte. Diese Texte sind das Vehikel des sprachlichen und landeskundlichen Materials zur Erreichung eines bestimmten Lernziels. Sie müssen bestimmte Bedingungen erfüllen, die sich an der Zielgruppe, an den Unterrichtsvoraussetzungen sowie an den angestrebten Lernzielen orientieren. Folgende Kriterien sind für die Textauswahl von Bedeutung:

- Ist der Text thematisch und inhaltlich für die Zielgruppe verständlich und ansprechend?
- Gehört der Text zu einer thematischen Reihe, so dass eventuell auf bereits behandelte Texte zurückgegriffen oder verwiesen werden kann?
- Welche formalen Charakteristika weist der Text auf? Welche Textsorte: narrativ, deskriptiv, dialogisch, appellativ oder Mischung verschiedener Textsorten? Sind besondere Behandlungsstrategien / Interpretationsansätze aufgrund der Textsorte erforderlich?
- Textumfang: Ist der Text besser in einer, in zwei oder mehreren Stunden zu behandeln?
- Textaufbau: Lässt sich der Text in sinnvolle Teile gliedern?
- Sprachliche Charakteristika des Textes: Lassen sich die Vokabeln alle in einer Stunde einführen oder ist der Text überfrachtet mit zu semantisierendem Material? Mehr als 20 Wörter lassen sich kaum pro Stunde bewältigen.
- Gehört der Wortschatz zu einem oder mehreren semantischen Feldern, so dass zusammenhängend semantisiert werden kann oder sind die Items isoliert zu behandeln?
- Ist die Syntax, die Morphologie ohne Vorentlastung zu bewältigen oder müssen grundlegende Elemente vor der Textdurchnahme schon angesprochen werden?
- Sind dem Text Bilder, Statistiken oder Karten beigegeben? Können (oder müssen) diese Materialien zur Texterschließung herangezogen werden?
- Bei literarischen Texten: Ist der Text verfilmt worden?

Grundsätzlich muss man sich im Klaren darüber sein, dass ein Text nicht schon dadurch brauchbar ist, weil er im Buch steht. Es gibt immer wieder Texte, die gewisse Einschränkungen aufweisen. Auch eignet sich nicht jede Textsorte für eine einmal vom Lehrer gewählte Methode. Bei narrativen Texten ist die Durchnahme mit medialer Präsentation (Kassette / CD oder Video / DVD) weniger dringend erforderlich als zum Beispiel bei dialogischen oder dramatischen Texten. Dialoge bereiten Schwierigkeiten bei der Beschränkung auf den Lehrervortrag. Rein deskriptive Texte, Reklametexte oder Briefe eignen sich für die Durchnahme bei geöffnetem Buch.

2. Schritte bei der Textarbeit

2.1 Überblick

Die beiden Hauptlernziele bei der Textarbeit sind:

(1) ein möglichst detailgetreues Verständnis des neuen Textes
(2) die Anwendung des neuen sprachlichen Materials durch die Schüler zur Reproduktion des Inhalts.

Die Unterrichtsschritte müssen daher zeitlich und methodisch diese beiden Ziele als Messlatte nehmen. Zu den einzelnen Schritten:

1. Einstieg: Anknüpfung an vorhergehende Texte, Ankündigung einer neuen thematischen Einheit, Aktualisierung des Textes bei geschlossenem Buch
2. Präsentation und Semantisierung des Vokabulars, eventuell grammatischer Phänomene und erste Anwendung des Vokabulars durch die Schüler
3. Präsentation des Textes
3.1 Gesamtpräsentation mit dem Ziel gist comprehension (Globalverständnis): Fragen sollen das Globalverständnis sichern
3.2 Vortrag des Textes in Sinnabschnitten mit dem Ziel des Detailverständnisses: Fragen sichern das Detailverständnis und die Beherrschung des neuen sprachlichen Materials
3.3 Bearbeiten des Textes bei geöffneten Büchern: Vorlesen des Textes durch die Schüler nach endgültiger Verständnissicherung durch Fragen in der Zielsprache und / oder Übersetzung einzelner Passagen; eventuell muss der Lehrer vor dem Lesen noch einmal selbst vorlesen oder auf Kassette / CD den Text präsentieren und die Schüler lesen halblaut bzw. still mit
3.4 Bearbeitung des Textes bei geschlossenen Büchern: Textreproduktion oder Zusammenfassung mit Lehrerhilfe oder mit Hilfe eines Tafelbildes, schließlich ohne Hilfe
3.5 Transferaufgaben / Rollenspiel

In der Hausaufgabe sollte die schriftliche Festigung des neuen Vokabulars gewährleistet werden, zum Beispiel durch die Vokabelmaschine oder den Vokabel-Boxkampf-Trainer.[1] Man sollte auf alle Fälle eine Hausaufgabe stellen, die das Schreiben des neuen Sprachmaterials fordert (Lückentext, korrumpierter Text, Rekonstruktion des Textes mit Hilfe von Vorgaben).

2.2 Die einzelnen Schritte

2.2.1 Einstieg

Häufig gewählte Einstiege sind Präsentation eines Dias, einer Folie, eines Films zum Stundenthema oder verbale Herstellung einer Situation, die auf den Text vorbereitet. Bei literarischen Texten eignet sich die Präsentation eines Trailers, falls der literarische Text verfilmt wurde, und die Frage nach Lesererwartungen. Es bietet sich ein Unterrichtsgespräch mit den Schülern an.

2.2.2 Semantisierung

Günstig ist es, in einer zusammenhängenden Geschichte bzw. in einem Kontext zu semantisieren. Dies hat den Vorteil, dass man nicht Floskeln wie „…the next word is …“ benutzen muss.

Der Lehrer muss sich darüber im Klaren sein, dass das Erfassen des Sinns von noch nie gehörten Wörtern oder Formen für den Schüler eine besondere Herausforderung darstellt. Auch können in dieser Phase das Unterrichtstempo und die Interaktion mit den Schülern in eine lasche Unterrichtsführung abgleiten. Entsprechend sorgfältig muss die Vorbereitung sein. Folgende Schritte sind praktikabel:

- Vorsprechen – Nachsprechen – Anschreiben des Wortes oder der Phrase
- Erklärung erfolgt vor oder nach dem Anschreiben in Zusammenarbeit mit den Schülern; meistens gibt der Lehrer die Bedeutung vor.

Man kann sich nicht nur mit einer Erklärung zufrieden geben. Bewährte Semantisierungsmethoden sind:[2]

- visuelle Verfahren
- einsprachig verbale Verfahren
- ganzheitliche Verfahren
- implizites Einbeziehen der Muttersprache
- in Ausnahmefällen, zwecks Ökonomie, explizites Einbeziehen der Muttersprache

Der Unterricht sollte einsprachig gehalten werden, denn nur wenn die Fremdsprache gesprochen wird, findet Fremdsprachenvermittlung statt. Gängige und akzeptierte Methoden der Semantisierung sind konkret:

- Bild, Wortikonen, Gestik und Mimik
- Herleiten aus bereits bekannten Wörtern (word formation)
- Synonyme oder Antonyme
- Beispiele
- Verweis auf bekannte Wörter aus anderen Sprachen

Das Verständnis sollte durch eine entsprechende Frage gesichert werden, z. B. bei „smell“: “What do we smell with?“ Dabei können die Schüler auch in das Unterrichtsgespräch mit einbezogen werden. Wird die Semantisierung innerhalb eines Kontextes geleistet, so braucht der Lehrer natürlich nicht nach jedem Wort eine das Verständnis sichernde Rückfrage zu stellen, da sonst der Kontext bzw. die Geschichte zu sehr gestört werden würde.

Die Frage, wie weitgehend und wie zeitaufwendig eine Erklärung sein soll, muss im Einzelfall geklärt werden. Im Sinne einer erfolgreichen Fehlerprophylaxe sollten bei phrasal verbs die Präpositionen auf jeden Fall berücksichtigt und mit genannt werden. Bei false friends sind die tatsächlichen Freunde zu erwähnen, so wird „sensible“ mit „sensitive“ zusammen eingeführt. Vor allem muss man aber beachten, dass genügend Zeit bleibt, alle gesteckten Lernziele zu erreichen und dass das Verhältnis von Einführung- und Übungsphase vernünftig bleibt, also etwa 1:3 oder 1:2.

Das Sichern des Verständnisses durch eine entsprechend gestellte Frage sollte nicht zu sehr ausgedehnt werden. Es handelt sich nur um eine Lernzielkontrolle über das Verstehen und korrekte Aussprechen des neuen Wortes. Das neue Wortmaterial kann wie folgt gesichert werden:

- Nachsprechen durch einzelne Schüler oder durch die ganze Klasse im Chor bei der Einführung
- Vorlesen der Vokabeln in Spalten nach der Einführung aller Vokabeln
- Bildung von Sätzen, wobei man den Schülern die Freiheit lassen kann, welches Wort sie bearbeiten wollen. Sind viele Wörter eingeführt, wird man nicht alle anwenden lassen
- Fragen des Lehrers, die zur Beantwortung die Anwendung eines Wortes oder mehrer Wörter erfordern

2.2.3 Präsentation des Textes

Globalverständnis

Diese Fragen sollten nicht das Detailverständnis vorwegnehmen. Typischerweise fragt man nach dem Ort, der Zeit, der Anzahl der Sprecher, oder ähnlichem.

Textpräsentation und Fragen zum Textverständnis

Die Vokabeln bleiben während der Textpräsentation an der Tafel, da sie dem Schüler eine Hilfe zum Aufbau und Strukturieren des Gesamttextes bietet. Eventuell kann man die Vokabeln bei der Einführung in Blöcken anschreiben und gegen andere Blöcke von Vokabeln optisch absetzen, und zwar so wie sie im Text in einem Sinnzusammenhang vorkommen. Auf diese Weise sind diese Vokabelblöcke auch bei der Rekonstruktion des Textes durch die Schüler hilfreich. Sehr nützlich sind natürlich auch Wandbilder und Folien. Liest der Lehrer selbst vor, so muss er durch lebendigen, einfühlsamen Vortrag zum besseren Textverständnis beitragen. Dies ist ganz wichtig, denn 93% der Kommunikation geschieht durch paraverbale (Tonlage und Tempo) und nonverbale (Gestik, Mimik und Körpersprache) Elemente und nur 7% durch rein verbale Elemente.[3] Außerdem trägt ein überzeugender Vortrag zum ganzheitlichen Lernen bei.

Die Abschnitte müssen so gewählt werden, dass sinnvolle Fragen möglich sind und das Gedächtnis des Schülers nicht überfordert wird. Der Lehrer muss sich vorher genau überlegen, in wie viele Abschnitte sich der Text gliedern lässt bzw. in wie viele Abschnitte er den Text gliedern möchte. Die Fragen sollten so gestellt werden, dass einerseits der Text möglichst genau wiedergegeben wird und andererseits das neue Sprachmaterial verwendet werden kann. Durch geschickte Fragestellung kann der Lehrer die Antwort vorprogrammieren. Bei geöffnetem Buch kann auch auf frühere Lektionen oder aktuelle Bezüge eingegangen werden

Vorlesen des Textes durch die Schüler

Normalerweise können die Schüler den so vorbereiteten Text ohne Schwierigkeiten lesen. Es empfiehlt sich, beim ersten Vorlesen leistungsstärkere Schüler dranzunehmen, beim zweiten Vorlesen kommen weniger leistungsstarke Schüler dran oder die Schüler rufen sich selbst gegenseitig auf. Fehler müssen konsequent korrigiert werden, insbesondere bei falscher Betonung („interesting“, „Catholic“, etc.). Bei dramatischen Texten oder einem stark dialogischen Text empfiehlt sich ein Lesen mit verteilten Rollen.

Textreproduktion als Lernerfolgskontrolle

Die Reproduktion des Textes als Nachweis des Lernerfolges erfolgt am einfachsten durch einige aufeinander abgestimmte Fragen, die die Schüler zur Wiedergabe des Textes im Zusammenhang veranlassen.

In einer zweiten Phase können die Schüler den Text zusammenhängend ohne Lehrerhilfe reproduzieren, zum Beispiel mit Hilfe der Vokabelpakete an der Tafel, durch Fixierung des Handlungsganges auf Folie oder an der Tafel, durch Stichworte auf Folie oder an der Tafel. Die Folie hat den Vorteil, dass sie auch in den Folgestunden verwendet werden kann. In einer Folgestunde, eventuell auch in der Einführungsstunde – je nach Zeit – kann auch eine abgewandelte Handlungsfolge als Kontrollvorlage dienen. Diese Phase ist von höchster Bedeutung, denn hier wird das Erreichen der Lernziele bewiesen. Ohne die erfolgreiche Durchführung dieses Schritts kann eine Stunde eigentlich nicht abgeschlossen werden.

Transfer und Rollenspiel

Viele Lehrbücher sehen ein Rollenspiel vor. Man sollte als Lehrer darauf nicht verzichten, wenn die Schüler Bereitschaft dazu zeigen. Jedoch muss das Rollenspiel vorbereitet werden. Die Bühnenanweisungen müssen gegeben werden und es ist sicherzustellen, dass im Mittelpunkt die Sprache und nicht der Klamauk steht. Oft wird es sich anbieten, das Rollenspiel erst in einer auf die Einführung folgende Stunde vorführen zu lassen. Transferaufgaben wären zum Beispiel in Partnerarbeit Dialoge zu einer der Lehrbuchsituation ähnlichen Situation produzieren zu lassen. Dabei sind natürlich auch Hilfestellungen auf einem Arbeitsblatt möglich. Es empfiehlt sich aber auch eine Textproduktion im Sinne des creative writings.

3. Variationen der Textarbeit

Die bis jetzt beschriebene Erarbeitung eines Textes eignet sich vor allem für die ersten zwei Lernjahre des Fremdsprachenunterrichts. Ab dem dritten Lernjahr sollte man Variationen bei der Textarbeit vorsehen. Die phonetische Basis ist den Schülern inzwischen so vertraut, dass intensive phonetische Schulung entfallen kann, ohne jedoch die sorgfältige Aussprache zu vernachlässigen. Für die Semantisierung steht genügend Wortmaterial zur Verfügung, so dass der Einsatz von Körpersprache reduziert werden kann, sonst kann ungewollt ein komischer Effekt entstehen. Insgesamt wird der Unterrichtsstil die größere kognitive Leistungsfähigkeit der Schüler berücksichtigen. Die Anteile der Schüler bei der Texterschließung nehmen zu, die Dominanz des Lehrers geht zurück. Dies kann folgendermaßen geschehen:

- Die Schüler bereiten als Hausaufgabe einen Text vor. Im Unterricht stellt der Lehrer durch entsprechende Fragen sicher, dass Vokabular und Inhalt verstanden worden sind. Die eigentliche Arbeit ist zuhause geleistet worden.
- Ein neuer Text wird in der Klasse bei geöffnetem Buch erarbeitet, wobei die Schüler Fragen zu ihnen unbekannten Vokabeln und Strukturen stellen. In höheren Klassen kann man den Schülern auch Wörterbücher zur Verfügung stellen.

Bei beiden Verfahren bleiben die Hauptphasen der Textarbeit wie oben beschrieben erhalten. Es ändert sich lediglich der zeitliche Umfang und die Intensität einzelner Phasen. Wichtig ist vor allem, dass die Schüler zu immer größerer Selbstständigkeit und Eigenaktivität erzogen werden. So ist es zum Beispiel für die Schüler interessant und motivierend, wenn sie selbst Fragen zum Text an die Klasse stellen können oder das Tafelbild erstellen. Im Idealfall bestreiten die Schüler den Unterricht alleine.

Die Hausaufgaben berücksichtigen ebenfalls die größere Eigenständigkeit des Schülers. Vom Übersetzen und Auswendiglernen des Textes kann man übergehen zur zusammenfassenden Beantwortung von Fragen, zum summary oder auch zur persönlichen Stellungnahme (nach entsprechender Vorbereitung im Unterricht).

Eine in allen Lernjahren attraktive Variante ist die Einführung eines Textes als Hörverstehensübung (Listening Comprehension). Bei der Textpräsentation auf Kassette oder CD erhalten die Schüler zu jedem Abschnitt jeweils unterschiedliche Arbeitsaufträge (right / wrong, fill in the gaps, answer the questions, etc.). Der Vorteil ist, dass alle Schüler alle Aufträge bearbeiten müssen, während bei konventioneller Textdurchnahme nur jeweils ein Schüler sein Ergebnis mündlich präsentieren kann. In der Regel kann man bei dieser Art der Textarbeit auf die Phase des Lesens verzichten.

4. Behandlung der Lektion in den Folgestunden

Die eingeführten Vokabeln und Strukturen werden in zunehmend freierer Form durch die Schüler reproduziert und transferiert. Zunächst lässt man den Text noch einmal lesen und alle Probleme klären. Die Textarbeit kann folgendermaßen aussehen:

- Enge Fragen zum Text bei geschlossenen Büchern
- Es werden zwei Schülergruppen gebildet: Die eine Gruppe übernimmt die Fragestellung, die andere antwortet und umgekehrt. Die Gruppe in der Lehrerrolle hat die Bücher auf, die andere geschlossen. Man kann auch Punkte vergeben und diese Übung als Wettbewerb gestalten.
- Rollenspiel
- Freier Dialog oder Erzählung
- Beschreibung von Bildern
- Produktion eines Transfertextes durch Bildvorlagen mit dem Ziel der Anwendung von Vokabeln und Strukturen in neuen Kontexten
- Schüler fragen sich gegenseitig die Vokabeln ab

5. Mögliche Aufgaben und Übungen im Literaturunterricht der Oberstufe

Literatur ist authentisch. Sie beschäftigt sich mit grundlegenden menschlichen Fragestellungen. Sie vermittelt ein Gefühl für die Kultur eines Landes. Das Lesen literarischer Texte bereichert den Wortschatz der Schüler wesentlich, da sie persönlich involviert sind.

Für die Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe empfehlen sich Kurzgeschichten. Sie können komplett im Unterricht gelesen werden und der Schüler kann den Text gut überblicken. Auch Gedichte eignen sich für die Einführungsphase. Die Auseinandersetzung mit Gedichten bringt den Schülern die Macht der Sprache nahe und kann sie zu freierem und kreativerem Schreiben (ver-)führen. Dramatische und epische Werke eignen sich besser für die Halbjahre danach.

Literarische Texte sind meistens längere Texte und müssen daher teilweise zu Hause gelesen und im Unterricht nachbereitet werden. Im folgenden Abschnitt möchte ich einige produktive Verfahren für die Textarbeit in der Oberstufe, insbesondere für den Literaturunterricht vorstellen. Weitere Übungen finden sich in Literature in the Language Classroom (1995) von Joanne Collie und Stephen Slater.

5.1 Einstiege

Using the Title or Cover Design

Die Schüler spekulieren über das Buch oder den Text mit Hilfe von Titel und Deckblatt.

Visual Prompts

Die Schüler werden durch Photos oder Bilder angeregt, ihre Einstellungen zu Themen, mit denen sie dann in der Lektüre konfrontiert werden, zu formulieren.

Biographical Montage

Informationen über den Autor werden unkommentiert vorgestellt. Die Schüler spekulieren und ergänzen fehlende Teile aus Autobiographien oder Tagebüchern des Autors. Schüler erstellen ein Poster (mit Bildern) über den Autor.

Press Conference

Der Lehrer oder ein Schüler, der sich über den Autor informiert hat, spielt den Autor. Die Klasse stellt ihm Fragen zu seinem Leben und seinem Werk.

Point of Order

Bei einem Drama werden die ersten sechs Äußerungen auf sechs Schüler verteilt, die in einer Reihe vor ihrer Klasse sitzen und ihre Sätze in falscher Reihenfolge vor der Klasse vortragen. Die Klasse muss versuchen, die Sätze in die richtige Reihenfolge zu bringen, indem sie Anweisungen geben, wie ihre Mitschüler die Plätze tauschen sollen. Die Schüler äußern dann Spekulationen über die Szene.

Choose the Prediction

Nach der Lektüre des ersten Teils sollen die Schüler aus möglichen Fortsetzungen diejenige auswählen, die der Autor wohl gewählt haben mag. Oder die Schüler lesen den ersten Teil des Textes und spekulieren dann, wie der Text weitergehen könnte.

Sealing the Time Capsule

Nach dem Lesen des ersten Teils werden Vorhersagen über das Ende der Lektüre gemacht. Diese Vorhersagen werden eingesammelt und bis zum Schluss aufgehoben und dann mit dem Schluss verglichen.[4]

Comparing Beginnings

Die Schüler vergleichen die Anfänge von verschiedenen Werken, insbesondere der gleichen Literaturepoche, um Schreibstile der Autoren kennen zulernen.

Writing Chapter 0

Die Schüler schreiben das Kapitel, das VOR dem ersten Kapitel des Buches stehen könnte. Diese Aufgabe eignet sich vor allem bei Kurzgeschichten.

5.2 Während der Lektüre

Das Lesen längerer Texte wird auf Hausaufgaben und das Lesen in der Klasse aufgeteilt. Arbeitsblätter können das Lesen anleiten. Sie können dann im Unterricht als Grundlage für vertiefende Gruppenarbeit und Diskussionen genutzt werden. Des Weiteren ist es wichtig, mit den Schülern das bislang Gelesene ständig zu rekapitulieren, um immer den kompletten Text zu überblicken.

5.2.1 Lesen mit Arbeitsblättern

Questionnaire-and-Answer-Worksheets

Die Schüler bearbeiten Faktfragen und Multiple-Choice-Aufgaben (vielleicht sogar mit POWERPOINT im Stil von Wer wird Millionär?, kann man ganz leicht herstellen).

Summaries with Gaps

Die Schüler erhalten eine Zusammenfassung mit Lücken. Die Schüler müssen den Text lesen, um die Lücken mit Schlüsselwörtern ergänzen zu können. Sie erhalten damit gleichzeitig eine Zusammenfassung des Textes.

Key Points for Summaries

Eine gemeinsame Liste von Schlüsselwörtern wird erarbeitet bzw. vom Lehrer vorgegeben, die die Schüler während ihrer Lektüre abhaken. Eingeschmuggelte Distraktoren erschweren die Aufgabe!

Language Worksheets

Die Schüler erhalten Arbeitsblätter mit Aufgaben zu synonym hunting, antonyms, word-formation, explain what is meant by …, figurative language oder matching -Aufgaben. Dadurch wird das Verständnis bei lexikalischen und grammatikalischen Problemen bei den zu Hause zu lesenden Textpassagen erleichtert. Auf höherem Niveau kann die Aufmerksamkeit auf metaphorische Sprache oder besondere Ausdrücke gelenkt werden.

[...]


[1] Wolfgang Endres, So macht Lernen Spaß: Praktische Lerntipps für Schülerinnen und Schüler (Weinheim, 2004), S. 81-92.

[2] Eine detaillierte Zusammenstellung bewährter Einführungsmethoden von Wortmaterial findet sich in Jürgen Quetz, „Der systematische Aufbau eines ‚mentalen Lexikons’, in Englisch lernen und lehren, hrsg. von Johannes-P. Timm (Berlin, 1998), S. 277.

[3] Vgl. Werner Bleyhl, „Selbstorganisation des Lernens – Phasen des Lehrens“, in Englisch lernen und lehren, hrsg. von Johannes-P. Timm (Berlin, 1998), S. 65.

[4] Meine Schüler müssen die Romane bzw. Dramen komplett gelesen haben, bevor wir mit der Besprechung im Unterricht anfangen, denn der Autor hat ja auch sein Werk und den Ausgang der Handlung von Anfang an im Kopf, wenn er anfängt sein Werk zu schreiben.

In der Stunde, in der ich die Schüler bitte, das Buch zu kaufen, lese ich das Frontispiz und den Anfang des Textes vor und kommentiere schon einiges im Selbstgespräch, womit ich Interesse für das Buch schaffen möchte. Ich leite dann zu einem Unterrichtsgespräch über. An dieser Stelle könnte man Vorhersagen sammeln und Sealing the Time Capsule als Pre-Reading Activity durchführen.

Ende der Leseprobe aus 85 Seiten

Details

Titel
Textarbeit mit kommunikativen Übungen im Englischunterricht
Autor
Jahr
2007
Seiten
85
Katalognummer
V82286
ISBN (eBook)
9783638858977
ISBN (Buch)
9783638854498
Dateigröße
868 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Textarbeit, Englischunterricht
Arbeit zitieren
Marc A. Bauch (Autor), 2007, Textarbeit mit kommunikativen Übungen im Englischunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82286

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