Wie weit hat der ökonomische Liberalismus die US-amerikanische Dienstleistungsgesellschaft, insbesondere den Wohlfahrtsstaat geprägt? Dazu wird zu Anfang der Begriff des ökonomischen Liberalismus geklärt. Anschließend werden die Entwicklungen in der Krise der 1930er Jahre, des so genannten New Deal, die Reformen der 1960er Jahre, der „Great Society“ sowie die schrittweise Zurückdrängung dieser Reformen bis heute behandelt und zwischen den jeweiligen Entwicklungsetappen eine kurze Beurteilung vor dem Hintergrund der Fragestellung durchgeführt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Fragestellung
Literaturlage
Die Idee des ökonomischen Liberalismus
Umsetzung des ökonomischen Liberalismus in den USA
Die „Progressive Era“ seit den 1890er Jahren
Beurteilung
Die Krise in den 1930ern und der New Deal
Beurteilung
Die Entwicklung seit den 1950ern und die „Great Society“
Beurteilung
Die langsame Zurückdrängung des Sozialstaates seit 1980 bis heute
Beurteilung
Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des ökonomischen Liberalismus auf die Gestaltung der US-amerikanischen Dienstleistungsgesellschaft und die Entwicklung des dortigen Wohlfahrtsstaates. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit liberale Prinzipien die soziale Sicherung geprägt haben und an welchen Stellen Abweichungen zu beobachten sind.
- Grundlagen und theoretische Konzepte des ökonomischen Liberalismus
- Die US-Sozialpolitik während der "Progressive Era"
- Der "New Deal" als staatliche Gegenbewegung zur Wirtschaftskrise
- Entwicklung sozialer Sicherungssysteme in den 1960ern ("Great Society")
- Trends zur Privatisierung und Rücknahme des Sozialstaates ab 1980
Auszug aus dem Buch
Die Krise in den 1930ern und der New Deal
In den Jahren nach dem Börsencrash im Herbst 1929 wurde deutlich, dass freiwillige Almosen und Nächstenliebe nicht mehr ausreichten, um das aufkommende Bedürfnis nach Beihilfe zu stillen. Nachdem Präsident Hoover sich als unfähig erwiesen hatte, die Folgen der Depression zu lindern, wurde Franklin Delano Rossevelt mit seinem Programm des „New Deal“ zum Präsidenten gewählt. Der New Deal setzte sich zusammen aus wirtschafts- und sozialpolitischen Reformprogrammen, mit denen der seit 1929 andauernden Wirtschaftskrise begegnet werden sollte.
Im Rahmen dieses Programms führte Roosevelt im Laufe der Jahre seit 1932 zunächst eine Arbeitslosenunterstützung ein, ohne jedoch eine Arbeitslosenversicherung einzuführen. Diese Maßnahmen zur Unterstützung hilfsbedürftiger Amerikaner setzte er gegen zum Teil massiven Widerstand auch in der eigenen Partei, insbesondere Demokraten der Südstaaten, durch. Weitere Programme, welche Unterstützung des Bundes von Alten und vaterlosen Kindern und Familien vorsah, wurden in den folgenden Jahren verabschiedet.
Die herausragendste aller Erneuerungen im Rahmen des New Deal war jedoch die neu eingeführte Rentenversicherung, welche vollständig auf Bundesebene angesiedelt war. Im August 1935 wurde mit dem Social Security Act der Beginn eines nationalen Sozialversicherungssystems geschaffen. Das System wurde finanziert aus Abgaben, welche aus gleichen Anteilen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern erhoben wurden. Es versprach jedem Amerikaner, der mit 65 aus dem Berufsleben ausschied, eine gesicherte staatliche Rente. Weiter waren an das System eine Arbeitslosenversicherung und staatliche Beihilfen für erwerbslose alte Menschen, Mütter mit Kindern, Behinderte und Blinde geknüpft.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der US-Sozialpolitik und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich der Bedeutung des Liberalismus für den amerikanischen Wohlfahrtsstaat.
Die Idee des ökonomischen Liberalismus: Erläuterung der theoretischen Wurzeln des Liberalismus bei Adam Smith und der daraus abgeleiteten Rolle des Staates als bloßer Rechtswächter ohne wohlfahrtsstaatliche Ambitionen.
Umsetzung des ökonomischen Liberalismus in den USA: Analyse der historischen Entwicklung von einer liberalen, individualistischen Gesellschaftsstruktur hin zu ersten Ansätzen staatlicher Fürsorge.
Die „Progressive Era“ seit den 1890er Jahren: Untersuchung der sozialen Reformbewegung als Reaktion auf die durch Industrialisierung verursachten Probleme, trotz föderaler Hindernisse.
Die Krise in den 1930ern und der New Deal: Behandlung der durch Franklin D. Roosevelt eingeleiteten Reformen, die einen Wendepunkt in der staatlichen sozialen Absicherung markieren.
Die Entwicklung seit den 1950ern und die „Great Society“: Darstellung der Ausweitung des Sozialsystems und der Einführung spezifischer Programme für Senioren und Bedürftige in den 1960er Jahren.
Die langsame Zurückdrängung des Sozialstaates seit 1980 bis heute: Analyse der konservativen Wende unter Reagan und Clinton, die auf Deregulierung und Eigenverantwortung setzte.
Schluss: Synthese der Ergebnisse, die drei Phasen der Sozialstaatsentwicklung identifiziert und auf die tiefe Verankerung liberaler Ideologien in der US-Politik zurückführt.
Schlüsselwörter
Ökonomischer Liberalismus, USA, Wohlfahrtsstaat, Dienstleistungsgesellschaft, New Deal, Progressive Era, Great Society, Sozialversicherung, Markt, Deregulierung, Eigenverantwortung, Sozialpolitik, Privatisierung, Social Security, Fiskalpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Rolle der liberalen politischen Ökonomie bei der Gestaltung des US-amerikanischen Wohlfahrtsstaates und wie diese Ideologie die Entwicklung sozialer Sicherungssysteme beeinflusst hat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Sozialpolitik von der "Progressive Era" über den "New Deal" bis hin zur heutigen Tendenz der Privatisierung und Rücknahme staatlicher Leistungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, wie weit der ökonomische Liberalismus die US-amerikanische Gesellschaft geprägt hat und warum der dortige Wohlfahrtsstaat im Vergleich zu europäischen Modellen anders konzipiert ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um den historischen Wandel der Sozialpolitik unter verschiedenen US-Präsidenten und die ideologischen Grundlagen der liberalen politischen Ökonomie aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte, die verschiedene Entwicklungsstufen des Sozialstaates (z.B. New Deal, Great Society, Reagan-Ära) analysieren und jeweils durch eine kritische Beurteilung bewerten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Inhalt?
Zentrale Begriffe sind Liberalismus, Wohlfahrtsstaat, soziale Absicherung, Marktmechanismen, staatliche Intervention und Eigenverantwortung.
Warum war der "New Deal" so umstritten?
Der New Deal markierte eine Abkehr vom reinen Laissez-faire-Liberalismus hin zu aktiver staatlicher Regulierung, was von Kritikern als sozialistisches oder korporatives Element wahrgenommen wurde.
Welche Bedeutung hatte die Dezentralisierung für den US-Wohlfahrtsstaat?
Die starke föderale Struktur der USA erschwerte einen einheitlichen Wohlfahrtsstaat auf Bundesebene, was die Umsetzung liberaler Prinzipien der minimalen staatlichen Eingriffe begünstigte.
Wie veränderte Bill Clinton die Sozialhilfepolitik?
Clinton vollzog durch die Einführung von TANF und die Befristung von Leistungen einen radikalen Umbau des Sozialhilfesystems, um den Fokus stärker auf Erwerbsarbeit statt auf reine Unterstützung zu legen.
- Quote paper
- Oliver Quast (Author), 2007, Die Rolle der liberalen politischen Ökonomie bei der Ausgestaltung der Dienstleistungsgesellschaft in den USA, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82287