"Schreibend wollte er die Welt verändern, die Welt verändernd wollte er sie zugleich beschreiben", so stellt Bodo Uhse den Journalisten und Schriftsteller Egon Erwin Kisch dar.
Der "rasende Reporter", wie man Kisch auch wegen seines berühmten gleichnamigen Werkes nannte, wird in den Medien und in der Wissenschaft oft als "König der Journalisten" bezeichnet. Ob er das tatsächlich war, soll hier weder beurteilt noch untersucht werden. Ausgehend von der Feststellung, dass Kisch mit Sicherheit ein ganz besonderer Journalist, nicht nur seiner Zeit, war, sondern bis zum heutigen Tag als Vorbild vieler Journalisten fungiert, soll vor allem untersucht werden, was den Menschen Egon Erwin Kisch zu einem besonderen Journalisten machte, welche Ansprüche er an die Reportage beziehungsweise den Reporter stellte und was ihn dazu bewog, die Welt "verändern" zu wollen.
Diese Arbeit geht darauf ein, warum Kisch oft als "Schöpfer der literarischen Reportage" bezeichnet wird und aus welchen Gründen Kisch von einem Reporter "Logische Phantasie" fordert. Desweiteren wird untersucht, welche Anforderungen Kisch an einen Berichterstatter hat, der, seiner Meinung nach, ein "Prosaist der Ballade" ist.
Sein berühmtes Werk "Der rasende Reporter" wird ebenso analysiert wie die Frage, ob Kisch ein revolutionärer oder sogar ein Parteischriftsteller war.
Zuletzt soll die Frage beantwortet werden, ob Kisch mit seinen Reportagen in der heutigen Zeit den nach ihm benannten Egon Erwin Kisch-Preises bekommen hätte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Biographische Daten
2.1 Die wichtigsten Daten und Stationen im Leben von Egon Erwin Kisch
3 Kisch als Schöpfer der literarischen Reportage
3.1 „Logische Phantasie“
3.2 Der Reporter als „Prosaist der Ballade“
4 Der „rasende Reporter“
4.1 Die Literarisierung der Reportage
4.2 „Neue Sachlichkeit“
4.3 Das „Idealbild“ des Reporters
5 Der Begriff der Wahrheit bei Kisch
5.1 Politische Haltung
5.2 Menschlichkeit und Mut
6 Der Egon Erwin Kisch-Preis
6.1 Hätte Kisch den Kisch-Preis bekommen?
6.2 Der Kisch-Preis im Jahr 2002
6.2.1 Ausgezeichnete Reportagen
7 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wirken von Egon Erwin Kisch, um zu analysieren, was ihn als Journalisten besonders auszeichnete, welche Anforderungen er an den Beruf des Reporters stellte und wie er sein Verständnis von Wahrheit und politischer Haltung in seine Arbeit integrierte. Dabei wird insbesondere das Verhältnis zwischen journalistischer Sachlichkeit und literarischer Gestaltung beleuchtet.
- Die Entstehung und Definition der literarischen Reportage durch Kisch.
- Die Rolle der „logischen Phantasie“ und „Neuen Sachlichkeit“ in seinem Werk.
- Kischs journalistisches Ethos, insbesondere sein Verständnis von Wahrheit und das Idealbild des Reporters.
- Die politische Haltung Kischs im Kontext seiner Zeit und seines Selbstverständnisses als „Missionär der Humanität“.
- Die Bedeutung des Egon Erwin Kisch-Preises als heutiges Instrument zur Förderung qualitativer Reportagen.
Auszug aus dem Buch
3.1 „Logische Phantasie“
Wie Kisch (1918, S. 438) erklärt, bedarf der Reporter für den Patrouillengang und um die Recherchen verarbeiten zu können der „logischen Phantasie“, denn die feststellbare „Tatsache [ist] bloß die Bussole seiner Fahrt“.
Wie nun solche Recherchen auf eigene Hand mit Hilfe der logischen Phantasie anzustellen sind, wird in seinem Artikel charakterisiert. Diese Methode wird als wesentliches Moment der Reportage angegeben: „Denn niemals bietet sich aus der Autopsie eines Tatorts oder Schauplatzes, aus den aufgeschnappten Äußerungen der Beteiligten und Zeugen und aus den ihm dargelegten Vermutungen ein lückenloses Bild der Sachlage. Er muß die Pragmatik des Vorfalles, die Übergänge zu den Ergebnissen der Erhebung selbst schaffen und nur darauf achten, daß die Linie seiner Darstellung haarscharf durch die ihm bekannten Tatsachen (die gegebenen Punkte der Strecke) führt“ (Kisch, 1918, S.438).
Nach Kisch (1918, S.439) sei das Ideal nun, dass diese vom Reporter gezogene Wahrscheinlichkeitskurve mit der Verbindungslinie aller Phasen des Ereignisses zusammenfällt; erreichbar und anstrebbar sei ihr harmonischer Verlauf und die Bestimmung der größtmöglichen Zahl der Durchlaufpunkte. Hier differenziere sich der Reporter von jedem anderen seiner Gattung und hier zeige sich der Grad seiner Begabung.
Diese Äußerung Kischs zeigt, dass er bei allem Tatsachenfanatismus zu keiner Zeit gewillt war, auf das gestaltende Moment zu verzichten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über die Bedeutung Egon Erwin Kischs als „rasender Reporter“ und umreißt die methodische Untersuchung seines journalistischen Selbstverständnisses.
2 Biographische Daten: Dieses Kapitel fasst die wichtigsten beruflichen und privaten Stationen im bewegten Leben Kischs in einem tabellarischen Lebenslauf zusammen.
3 Kisch als Schöpfer der literarischen Reportage: Hier werden Kischs theoretische Ansätze zur Reportage, insbesondere die Bedeutung der „logischen Phantasie“ und sein Anspruch an den Reporter als „Prosaist der Ballade“, erörtert.
4 Der „rasende Reporter“: Der Fokus liegt auf Kischs gleichnamigem Hauptwerk, der Literarisierung der Reportage sowie der Einordnung seiner Arbeit in das Programm der „Neuen Sachlichkeit“.
5 Der Begriff der Wahrheit bei Kisch: Dieses Kapitel analysiert Kischs tiefgreifendes Verständnis von Wahrheit sowie seine politische Haltung und sein humanitäres Engagement.
6 Der Egon Erwin Kisch-Preis: Die Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte des Preises und diskutiert die Frage, ob Kisch den Preis nach heutigem Verständnis selbst erhalten hätte.
7 Zusammenfassung: Die Ergebnisse werden gebündelt und die anhaltende Bedeutung von Kisch für den modernen Journalismus reflektiert.
Schlüsselwörter
Egon Erwin Kisch, rasender Reporter, literarische Reportage, Neue Sachlichkeit, Journalismus, logische Phantasie, Wahrheit, Presse, Kisch-Preis, Medien, Zeitgeschichte, Sachlichkeit, Humanität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Leben und Wirken von Egon Erwin Kisch, einem der bedeutendsten Journalisten des 20. Jahrhunderts, und untersucht seine theoretischen Konzepte für die literarische Reportage.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Berufsethos des Reporters, das Zusammenspiel von Fakten und literarischer Gestaltung sowie die politische und ethische Haltung Kischs in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Menschen und Journalisten Kisch zu verstehen, seine Ansprüche an die Qualität einer Reportage herauszuarbeiten und seine Rolle als „Missionär der Humanität“ zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse von Kischs eigenen Schriften sowie die Auswertung von Sekundärliteratur, um seine Positionen und deren Wirkung einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Kischs Konzepte der „logischen Phantasie“, seine Einordnung in die „Neue Sachlichkeit“, sein Verständnis von Wahrheit und seine politische Haltung intensiv diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie „rasender Reporter“, „literarische Reportage“, „Sachlichkeit“ und das ethische Ringen um „Wahrheit“ im journalistischen Kontext.
Was war Kischs Motivation hinter der „logischen Phantasie“?
Die „logische Phantasie“ diente Kisch dazu, aus lückenhaften Beobachtungen am Tatort ein in sich schlüssiges und wahrheitsgetreues Bild der Wirklichkeit zu konstruieren, ohne den Anspruch auf Fakten zu verlieren.
Inwieweit lässt sich Kisch als Parteischriftsteller bezeichnen?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Kisch zwar kommunistische Überzeugungen vertrat, sich jedoch aufgrund seiner Unabhängigkeit und seines Fokus auf humanitäre Werte nicht als Parteischriftsteller im Sinne einer ideologischen Propaganda-Figur einordnen lässt.
Welchen Stellenwert nimmt der Kisch-Preis heute ein?
Der Kisch-Preis gilt als einer der bedeutendsten deutschen Journalistenpreise und dient dazu, die hohe journalistische Qualität der Reportage, wie sie Kisch prägte, in der heutigen Medienlandschaft zu fördern.
- Arbeit zitieren
- Katja Voigt (Autor:in), 2002, Der Journalist Egon Erwin Kisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8231