Schnebel strebte mit seiner Musik nicht nur eine Veränderung der Kompositionsweise an, sondern wollte auch einen Wandel der erstarrten Konventionen des Konzertierens und der Musikrezeption anregen. Er wollte die Aufführungen von ihrer strengen Form entfernen. So entstand ein Gesamtwerk von unübersehbarer Fülle mit viele verschiedenen Ansätzen und Perspektiven.
Diese Analyse enthält einen kurzen Lebenslauf Schnebels, einen Abstract über seine Kompositonsweise und seinen Bezug zur Tradition und einige Gedanken zu seiner Beziehung zu den Rezipienten der Neuen Musik.
Anschließend folgt eine Analyse des Werkes, die sich dem Stück jedoch nicht en detail nähert und einzelne Phrasen bespricht, sondern die viel mehr einen Überblick über dieses außergewöhliche Werk verschafft und Bezüge herstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Lebenslauf Schnebels
2. Über Schnebels Werke und Kompositionstechnik
3. Schnebel und die Tradition
4. Schnebel und die Rezipienten der Neuen Musik
5. Glossolalie 61
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über das Leben und Schaffen des Komponisten Dieter Schnebel, mit besonderem Fokus auf seine kompositorische Philosophie und das Werk „Glossolalie 61“.
- Biografische Stationen und Einflüsse auf Schnebels Entwicklung
- Schnebels Verständnis von "denkbarer Musik" und experimentellen Ansätzen
- Das dialektische Spannungsfeld zwischen Tradition und Fortschritt
- Die Rolle des Rezipienten und die Vermittlung Neuer Musik
- Analytische Betrachtung des Werkes „Glossolalie 61“
Auszug aus dem Buch
Glossolalie 61
Die Grundlage dieses Stückes stellt das Werk „Glossolalie“ dar, das Schnebel zwar komponierte, aber nie veröffentlichte. „Glossolalie 61“, das 35 bis 45 Minuten dauern sollte, hatte seine Uraufführung 1966 in Paris.
Das Stück „Glossolalie 61“ besteht aus 4 Teilen. Diesen werden in der Partitur noch mehrere Seiten mit Erläuterungen vorangestellt. Es werden die Dynamikangaben (von fff bis ppp) und die Tempiangaben (von äußerst rasch bis äußerst langsam) erläutert, die Partien der Sprecher werden von sehr hoch bis sehr tief eingeteilt. Dabei sind die Tonhöhen jedoch nur regional angegeben - der Oktavbereich wird durch waagerechte Linien gekennzeichnet. Dies trifft auch auf die Einsätze der Instrumentalisten zu. Der Dirigent soll als Synchronator und in der szenischen Aufführung als Regisseur erscheinen.
Des weiteren wird die Verteilung der Instrumente erklärt. Das Hauptinstrument von Instrumentalist 1 ist das Harmonium, Instrumentalist 2 spielt das Klavier und dem dritten Instrumentalisten werden die Trommeln (1 kleine, 1 große und 2 Tomtoms) zugeteilt. Alle Instrumentalisten spielen aber auch noch weitere Instrumente, deren Spektrum von der einfach Triangel bis zum Merimbaphon reichen. Außerdem erscheinen neben ausgefallenen Instrumenten wie Maracas und Guiros auch alltägliche Gegenstände wie Gläser, Papier, Lineal uvm. als Geräuscherzeuger.
Der erste Teil des Werkes heißt „Introduktion“ und stellt somit scheinbar eine Einleitung in das Werk dar. Der Text leitet in das Stück ein und auch die einzelnen Instrumente werden vorgestellt. Schnell hebt sich die „Introduktion“ aber von der einfachen „Einleitung“ ab und erscheint durch seine Polyphonie als vollwertiger Satz. Dies wird durch die letzte Textzeile „das Stück ist schon lange im Gang“ bekräftigt.
Zusammenfassung der Kapitel
Lebenslauf Schnebels: Biografischer Abriss über Dieter Schnebel, von seiner musikalischen Früherziehung über sein Studium bis hin zu seiner Tätigkeit als Pfarrer und Professor für experimentelle Musik.
Über Schnebels Werke und Kompositionstechnik: Beleuchtung von Schnebels Konzept der „denkbaren Musik“ und seines Strebens, konventionelle Aufführungsformen durch das „instrumentale Theater“ zu durchbrechen.
Schnebel und die Tradition: Analyse von Schnebels Verständnis der Beziehung zwischen Fortschritt und Tradition als lebendigen Prozess.
Schnebel und die Rezipienten der Neuen Musik: Diskussion über den Zugang des Publikums zu Neuer Musik und Schnebels Wunsch, den Rezipienten aktiv in den kompositorischen Prozess einzubeziehen.
Glossolalie 61: Detaillierte Betrachtung des Werkes als experimentelle Anordnung, die durch den Einsatz von Sprache und präpariertem Material neue musikalische Räume öffnet.
Schlüsselwörter
Dieter Schnebel, Glossolalie 61, Neue Musik, experimentelle Musik, instrumentales Theater, Sprachkomposition, Tradition, Fortschritt, Rezeption, Kompositionstechnik, Darmstadt, Aufführungspraxis, Avantgarde, Musikpädagogik, Zungenrede.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt das Leben, das kompositorische Denken und das Werk des Musikers und Theologen Dieter Schnebel, mit einem Schwerpunkt auf seiner experimentellen Arbeitsweise.
Welche Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf seiner Biografie, seinem Verhältnis zur musikalischen Tradition, der Rolle des Publikums sowie der spezifischen Analyse seines Werkes „Glossolalie 61“.
Was ist das zentrale Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Schnebels künstlerisches Konzept zu erläutern und aufzuzeigen, wie er mit seiner Musik konventionelle Gattungsgrenzen hinterfragt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine musikwissenschaftliche Literatur- und Quellenanalyse, die auf publizierten Essays, Partiturstudien und Interviews basiert.
Was wird im Hauptteil ausführlich behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem „instrumentalen Theater“, der dialektischen Verbindung von Tradition und Fortschritt sowie der praktischen Umsetzung von „Glossolalie 61“.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie experimentelle Musik, instrumentales Theater und Sprachkomposition geprägt.
Was bedeutet der Titel „Glossolalie“ im Kontext des Werkes?
Der Begriff bezieht sich auf die religiöse „Zungenrede“. Schnebel nutzt ihn als Metapher für eine musikalische Kommunikation, die über rein sprachliche Verständlichkeit hinausgeht und den Zuhörer zur Reflexion anregt.
Warum ist „Glossolalie 61“ kein traditionelles Kompositionsstück?
Es handelt sich um ein System von Beziehungen und präpariertes Material. Die Komposition definiert Verläufe, statt einen exakten Inhalt festzuschreiben, was jede Aufführung einzigartig macht.
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- Susanne Engelbach (Author), 2006, Zu: Dieter Schnebel - Glossolalie 61, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82310