Hitlers 'Mein Kampf': Weltanschauung - ein Kampf um die Wirklichkeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
22 Seiten, Note: 1,75

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Entfaltung, Kommentar und Kritik zu den Thesen
1. Der Begriff der Weltanschauung
2. Der Nationalsozialismus als Weltanschauung
3. Kampf, Rasse und Natur
4. Ständiger Kampf
5. Theorie der Politik
6. Widerständige Wirklichkeit
7. Gewißheit
8. Antizipierter Kampf

II. Textanalyse
1. Erster Teil
2. Zweiter Teil
3. Prüfung

III. Hitlers Parlamentarismuskritik
1. Verantwortung
2. Durchschnittlichkeit der Volksvertreter
3. Politisches Handeln
4. Juden
5. Mehrheitsprinzip
6. Germanische Demokratie

IV. Das Führerprinzip in der NSDAP und im Staate

Literaturverzeichnis

I. Entfaltung, Kommentar und Kritik zu den Thesen

1. Der Begriff der Weltanschauung

Auf jeden Menschen strömen täglich immer neu Erlebnisse und Erfahrungen ein, er interagiert mit der Welt, in der er sich befindet, er ist Teil einer Stadt, eines Landes, er steht im Austausch mit den Menschen, denen er begegnet. Er steht in einem Zusammenhang, der ihn selbst, alle anderen Menschen und alles, was ihn umgibt, umfaßt. Für sich selbst muß er immer wieder neu seine Position bestimmen, das Verhältnis seiner Person als physikalisches Wesen wie auch als denkendes Individuum zu allem und allen anderen. Hierbei kann er versuchen, allgemeingültige Aussagen zu treffen, er kann sich bemühen, Objektivität walten zu lassen, dennoch wird es ihm nicht gelingen, aus der ihm eigenen Subjektivität auszubrechen. Diese angestrebte Allgemeingültigkeit ist es, die ihm allein Sicherheit geben kann, ihm helfen kann, ein Bewußtsein für sich selbst, für das ihm eigene, ein Selbst-Bewußtsein zu entwickeln.

Jede Weltanschauung behauptet eine Wahrheit, die diese Sicherheit zu bieten vermag, indem sie den einzelnen und seine Erlebnisse, seine Erfahrungen, sein Streben, Hoffen und Leiden in einen allgemeinen Regelzusammenhang einordnet. In einer großen Gedankenleistung wird die Welt geordnet, wird Sinn gestiftet. Sinn auf solche Weise, daß die Vielzahl des Vorfindlichen in eine eindeutige gedankliche Ordnung gebracht wird. Diese behauptete Wahrheit enthebt die Weltanschauung jeder Nachfrage und kann alles Subjektive in ihr vereinen.

Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland bestimmt in Artikel 4,I: „Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“[1] Somit ist jeder frei, sich selbst der Wahrheit, der Weltanschauung hinzugeben, von der er sich die größte Sicherheit erhofft, die ihm das größte Ausmaß an Sinnstiftung zu bieten scheint. Aber auch die Weltanschauung - jede Weltanschauung - ihrerseits kann sich auf Art. 4,I GG berufen, denn hier zeigt das Grundgesetz auf, was das Eigentliche der menschlichen Selbstentfaltung sei. Das subjektive Streben nach Selbsterkenntnis, der Wunsch nach Aufgehobensein in einer alles umfassenden gedanklichen Ordnung, darf keinem Menschen verwehrt werden. Und so ist es auch für jeden jungen Menschen von Bedeutung, für sich selbst eine Weltanschauung zu finden (und sei es auch, daß diese darin bestehe, daß er glaubt, keine zu benötigen), wie auch Adolf Hitler sich in seiner Zeit in Wien „ein Weltbild und eine Weltanschauung [bildete], die zum granitenen Fundament“[2] seines Handelns wurden.

2. Der Nationalsozialismus als Weltanschauung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der Vergangenheit und bis heute griffen und greifen die Menschen auf die Religion zurück. Sie schreiben sinnliche Erfahrungen, also das, was an Eindrücken auf sie ein strömt, dass sie subjektiv erleben, erleiden und wahrnehmen, transzendentale Ursachen zu. Die früher in vielen und heute in wenigen Fällen maßgebliche Ursache ist, daß kein anderes befriedigendes Erklärungsmuster zur Verfügung steht; dies galt früher bereits für Wetterphänomene wie Gewitter, heute gilt es immer noch für Fragen nach dem Sinn des Lebens oder nach dem Leben nach dem Tod. Religion bietet jedoch auch sittliche Normen und Werte an, denen der Einzelne sich aus Gründen der intellektuellen Zustimmung, wegen eines (latent ausgeübten) Gruppendrucks oder auch einfach aus Gewohnheit fügen kann. Religionen setzen dem Menschen Ziele und geben Wege vor, wie diese zu erreichen sind, und benennen andere Wege, die nicht zu beschreiten sind. So bietet Religion allumfassende Führung und Halt für den Menschen, der sich ihr anvertraut, sei es aus freiem Entschluß, Gewöhnung oder anderen Gründen.

Das meiste des gesagten läßt sich problemlos auf Weltanschauungen übertragen, einzig ist deren Orientierung weniger auf das transzendente und mehr auf das irdische und weltliche gerichtet.

Hitler wendet sich heftig gegen die Ausnutzung der Religion für politische Zwecke, allerdings wohl hauptsächlich zum Zwecke der Agitation gegen die „sogenannte christliche Partei“.[4] In der Folge dieses Ausnutzens der Religion für politische Zwecke, nämlich dem Schaden für die Kirche, der Lockerung des religiösen Lebens und der Erosion der „überlieferten Grundlagen von Sitte und Moral“,[5] sieht er eine Gefahr für den Volkskörper in der Stunde der besonderen Bela-stung.

Der praktische Bestand eines religiösen Glaubens sei auf dieser Welt von Menschen nicht denkbar ohne die dogmatischen Grundlagen, „gerade aber für die Masse ist der Glaube häufig die einzige Grundlage einer sittlichen Weltanschauung überhaupt.“[6]

Religiöse Dogmen, oder im Staat die Staatsgrundgesetze, geben der schwankenden und unendlich auslegbaren, rein geistigen Idee erst eine Form. In der Parallelisierung zeigt Hitler, wie stark Religion wie auch Staat in ihrem Bestand von ihren unverrückbaren Grundsätzen abhängig sind. Will man nicht die Gefahr der Anarchie oder des wertlosen religiösen Nihilismus wagen, so muss man etwas gleichwertiges als Ersatz bieten, eine neue Weltanschauung: Den Nationalsozialismus. Er kann den der Religion entfremdeten Menschen neuen Halt bieten und (dadurch) gleichzeitig dem Staat im Sinne des Nationalsozialismus’ dienlich sein.

Daß sich der Nationalsozialismus als eigene Weltanschauung begreift und auch so begriffen wurde, und in seinen theoretischen Ansätzen und Überzeugungen, in seiner Behauptung von Wahrheiten den Kriterien von Weltanschauung genügt, kann nicht zu seiner Entschuldigung dienen. Keine Weltanschauung darf sich anmaßen, menschenverachtende Maßnahmen, Massenmord und Kriegsentfeßlung legitimieren zu können mit einem höheren Wohl oder Zweck. Auch von einer Kompromittierung des Prinzips Religion kann nicht gesprochen werden. Religionen oder Weltanschauungen sollen dem einzelnen Stütze und Halt geben, sollen von ihm ganz und rückhaltlos bejaht werden können, eben gerade weil „die breite Masse eines Volkes [...] nicht aus Philosophen“[7] besteht. Wenn nun eine Weltanschauung planmäßig geschaffen wird mit manipulativer Absicht, wenn sie deshalb moralischen und sittlichen Grundsätzen nicht genügen kann, die sie enthielte, hätte sie sich wie die alten Religionen im jahrtausendelang gesellschaftlich-sozialen Miteinander entwickelt, so kann aus einem isolierten Einzelfall kein Vorwurf an alle anderen Weltanschauungen und Religionen abgeleitet werden.

3. Kampf, Rasse und Natur

In der Logik des Nationalsozialismus’ konnte sich die arische Rasse nur in einem ständigen Kampf zu ihrer Höhe aufschwingen. Als ehernes Grundgesetz zeigt sich hier der Lebenswille der Natur, der sich darin äußert, daß sich jedes Tier nur mit einem Genossen der gleichen Art paart, es sei denn außergewöhnliche Umstände ändern dies. Dies führt allerdings zu „Protest“ der Natur wie Einschränkung der weiteren Fruchtbarkeit und abnehmender „Widerstandsfähigkeit gegen Krankheit oder feindliche Angriffe“. Das arithmetische Mittel der Erbanlagen der Eltern zeigt sich in der Nachkommenschaft, und das Junge wird daher drastisch niedriger stehen als der rassisch höhere Teil der Eltern. Dem Willen der Natur zur Höherzüchtung des Lebens überhaupt entspricht der restlose Sieg des rassisch höherwertigen.[8] „Der Stärkere hat zu herrschen und sich nicht mit dem Schwächeren zu verschmelzen, um so die eigene Größe zu opfern.“[9] Stärke gibt Recht, und nur der Schwache kann sich dagegen auflehnen. Das der Natur angemessenes Verhalten ist der ständige Kampf um die Artreinhaltung. Die Beziehungen unter den Menschen werden durch Stärke gestaltet, nur derjenige, der sich durchsetzen weiß, kann recht haben und hat recht. Die Frage der Gerechtigkeit stellt sich nicht. Dies entspricht der Logik des Kampfes, in dem nur einer siegen kann und dem entsprechend das Recht zufällt. Der Sieg der arischen Rasse gab ihr zugleich den Auftrag, sich selbst reinzuhalten, um weitere menschliche Aufwärtsentwicklung möglich zu machen, und umgekehrt jegliche Vermischung der Rassen zu verhindern, um nicht den eigenen Abstieg zu befördern. Der Logik des Kampfes entspricht es auch, daß ein Ende nie erreicht ist, das gesamte Dasein jedes Angehörigen der hoch stehenden Rasse ist ein ständiger Kampf gegen die Unterlegenen und gegen den eigenen Abstieg.

4. Ständiger Kampf

Die eben bereits angedeuteter Notwendigkeit eines ständigen Kampfes versetzt den Menschen in einen Zustand permanenter Anspannung, er muß fanatisch, rücksichtslos und unerbittlich sein, da jeder Moment der Schwäche dem Feinde zu neuer Stärke verhelfen könnte. Im Begriff des Fanatismus’ zeigt sich der allumfassende Anspruch des Kampfes, das fanum, das Heilige wird ausgedehnt auf alle Lebensbereiche, jeder Unterschied eingeebnet. Erst diese fanatische Weltanschauung sichert Stabilität.

Der Arier ist nicht nur berufen, andere Völker zu unterwerfen, sie, auch durch Unterdrückung und Ausbeutung, zu entwickeln, die in ihnen schlummernden Fähigkeiten zu wecken und sie so zur Blüte zu führen. Wie Prometheus der Menschheit das Feuer brachte, so bringt der Arier anderen Völkern die Kultur. Die zweite Herausforderung ist es, nicht den Verlockungen der Blutschande, der Vermischung der Rassen, zu folgen, da dies unweigerlich den Niedergang der Kultur nach sich ziehen würde und das eigene Dasein beendete.[10] Bei diesem ständigen Kampf, auch gegen eigene Anfechtungen, wird der Mensch unterstützt durch die Wahrheit, die die nationalsozialistische Weltanschauung ihm bietet. Sie stützt seine innere Einstellung, die notwendig ist zur Aufrechterhaltung des ständigen Kampfes und des Willens zu diesem. Die einzigen Kriterien des Handelns sind Sieg und Erfolg; Zähigkeit, Ausdauer und Härte sind die gewünschten Tugenden. Hier definiert sich der Mensch nicht als Ästhet, „weiche“ Tugenden zählen nichts. Mitgefühl oder Ethik können beim ständigen Kampf nur hinderlich sein, sie würden den Blick vom wesentlichen, nämlich dem Siege, ablenken und die Kampfkraft schwächen. Menschliche Regungen wie Nachsicht würden zur Einbruchsstelle des Gegners, deshalb ist die völlige Überzeugung ihres Kämpfers notwendig, es bedarf einer festen geistigen Grundlage und eines apodiktischen, also entschiedenen Glaubens.

Kampf ist Angriff, nicht Abwehr, im Vordergrund steht die eigene Aktivität, der Mensch hat ständig ein Ziel vor Augen. Am Ende des Handelns steht ein deutlicher Abschluß, nämlich der eigene Sieg.[11] Die Gewalt muß beharrlich ausgeübt werden, um wirksam zu sein; dabei wird die rohe Gewalt von der geistigen Idee im Hintergrund unterstützt.[12] Nur die arische Rasse kann das Überleben der Menschheit als Ganzes sichern, der Aufrechterhaltung ihrer rassischen Höherwertigkeit hat sich alles andere unterzuordnen, der Mensch darf sich nicht menschlich zeigen, um nicht Gefahr zu laufen, den Sieg zu verspielen. „Höchster Zweck des Daseins der Menschen ist [...] die Bewahrung ihrer Art.“[13]

[...]


[1] Art. 4,I GG.

[2] Hitler, Adolf: Mein Kampf. Band I. Eine Abrechnung, München 91933, Seite 21.

[3] „Religion“, in: Wikipedia, de.wikipedia.org/wiki/Religion, Zugriff am 27. März 2007 um 19.01 Uhr.

[4] Hitler, Mein Kampf I, Seite 294.

[5] Hitler, Mein Kampf I, Seite 295.

[6] Hitler, Mein Kampf I, Seite 293.

[7] Hitler, Mein Kampf I, Seite 293.

[8] Vgl. Hitler, Mein Kampf I, Seite 311f.

[9] Hitler, Mein Kampf I, Seite 312.

[10] Vgl. Hitler, Mein Kampf I, Seite 319f.

[11] Vgl. Hitler, Mein Kampf I, Seite 189.

[12] Vgl. Hitler, Mein Kampf I, Seite 187.

[13] Hitler, Mein Kampf I, Seite 104.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Hitlers 'Mein Kampf': Weltanschauung - ein Kampf um die Wirklichkeit
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Rasse, Kampf und völkische Gemeinschaft. Der Nationalsozialismus als Weltanschauung
Note
1,75
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V82347
ISBN (eBook)
9783638874700
ISBN (Buch)
9783638874649
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Nach einer Stellungnahme zu verschiedenen Thesen und einer Analyse eines Abschnittes von ,,Mein Kampf", in dem Hitler sich mit der möglichen Überwindung der Natur durch den Menschen beschäftigt, wird auf Hitlers Parlamentarismuskritik und abschließend auf die projektierte Durchsetzung des Führerprinzipes in der NSDAP und im Dritten Reich eingegangen.
Schlagworte
Hitlers, Mein, Kampf, Weltanschauung, Wirklichkeit, Rasse, Gemeinschaft, Nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Eike-Christian Kersten (Autor), 2007, Hitlers 'Mein Kampf': Weltanschauung - ein Kampf um die Wirklichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82347

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