Literatur im Krieg - Kontinuität und Wandel jugendbewegter Ideale in der Erfahrung des Ersten Weltkriegs


Magisterarbeit, 2005
84 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Wandervogel und Freideutsche Jugend im Ersten Weltkrieg
1.1 Ein Forschungsüberblick
1.2 Zur Kriegsbegeisterung

2. Wandervogelzeitschriften
2.1 Bundeszeitschriften und Gaublätter
2.2 Feldzeitschriften
2.2.1 Selbstverständnis
2.2.2 Der Krieg
2.2.3 Diskussionen
2.2.4 Produktive Arbeit
2.2.5 Kulturbetrieb

3. Kriegserzählungen
3.1 Erzählungen im Wandervogel
3.2 Wir zogen in das Feld
3.3 Der Muskote

4. Feldtagebücher
4.1 Tagebücher und Biographien
4.1.1 Authentizität
4.1.2 Schreibmotivation
4.1.3 Stil
4.1.4 Kultureller Kontext
4.1.5 Sozialer Kontext
4.2 Geo Götsch
4.2.1 Einordnung
4.2.2 Kriegsschuld
4.2.3 Kriegsbegeisterung
4.2.4 Kriegsparteien
4.2.5 Stil
4.2.6 Kultur
4.2.7 Ideale
4.3 Otto Neumann
4.3.1 Einordnung
4.3.2 Kriegsschuld
4.3.3 Kriegsbegeisterung
4.3.4 Kriegsparteien
4.3.5 Stil
4.3.6 Kultur
4.3.7 Ideale

5. Stellungnahme
5.1 Zusammenfassung
5.2 Ausblick

Quellen- und Literaturverzeichnis

„Und ein Grausen packte uns. Sind wir Menschen? Oder sind wir Tiere? Nur die Pflicht hielt viele von uns bis zuletzt.“ [1]

[Robert Oelbermann, Leutnant im Heer und

späterer Bundesführer des Nerother Wandervogels]

Einführung

Der Wandervogel, die Urzelle der Deutschen Jugendbewegung ist ein weites, selbst für Kenner schwer überschaubares Feld, deshalb soll zunächst ein kurzer Überblick gegeben werden. Die Anfänge waren 1896, als Hermann Hoffmann (1875 -1955) am Gymnasium in Steglitz, einen kostenlosen Stenographiekurs anbot, und neben dem Unterricht mit seinen Schülern zunächst kleinere Wanderungen in die nähere Umgebung Berlins unternahm. Vor allem der Primaner Karl Fischer begeisterte sich für diese Unternehmungen. Zunehmend wurden die Fahrten ausgedehnt und als Höhepunkt einer Reihe von Großfahrten fand 1899 eine vierwöchige Fahrt in den Böhmerwald mit zwanzig Teilnehmern statt, die noch heute im Wandervogel als legendär gilt. Auf Fahrten und Wanderungen genossen die Teilnehmer das einfache Leben in der Natur mit Gleichgesinnten. Die gemeinsamen Erlebnisse waren schon nach kurzer Zeit mehr als Freizeitvergnügen, sie wurden zu einer Weltanschauung. Im Jahre 1900 mußte Hermann Hoffmann aus beruflichen Gründen den Stenographenverein und die Wanderungen aufgeben. Er besprach sich mit Karl Fischer und der setzte sich zum Ziel, die Idee weiterzuführen und in ganz Deutschland zu verbreiten. Am 4.11.1901 wurde im Ratskeller in Steglitz der „Ausschuß für Schülerfahrten, Wandervogel e.V.“ gegründet und aufgrund von Unstimmigkeiten am 29.6.1904 wieder aufgelöst. Kurze Zeit später gründete Siegfried Copalle (1882 - 1957) den „Steglitzer Wandervogel e.V.“ Karl Fischer seinerseits gründete im Oktober des selben Jahres den „Altwandervogel“. An anderen Orten entstanden ähnliche Gruppen und 1906 gab es bereits ca.78 Ortsgruppen mit etwa 1500 Jungen.[2] 1907 wurde der „Wandervogel Deutscher Bund“ gegründet, dem auch Hans Breuer (1883 -1918) angehörte. Dieser gab 1909 den „Zupfgeigenhansel“ heraus, die bedeutendste und bekannteste Publikation dieser Bewegung. Die Mitglieder der Jugendbewegung stammten vorwiegend aus dem mittleren Bürgertum. Die Eltern waren finanziell in der Lage ihren Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen, die ihnen erlaubte, sich mit geistigen Werten auseinanderzusetzen. Wenn sie dann aber versuchten, ihre humanistischen Bildungsideale auf den Alltag zu übertragen, stellten sie fest, daß in der Gesellschaft ganz andere Werte vorherrschten. Sie lebten in einem Beamtenstaat und entgegen ihrer Ideale forderte dieser keine mündigen und verantwortungsbewußten jungen Bürger. Hinzu kam, daß das Wertesystem der Eltern in einem Umbruch begriffen war. Materielle Werte nahmen an Bedeutung zu, und bisher gültige Maßstäbe wie Religion und Bildung traten in den Hintergrund. Als Konsequenz bauten die Wandervögel sich ihr eigenes Wertesystem unabhängig von Staat und Elternhaus auf, dem Nietzschewort verpflichtet: „Hier erkenne ich die Mission der Jugend, eines ersten Geschlechtes von Kämpfern und Schlangentötern, das einer glücklicheren und schöneren Bildung der Menschheit voranzieht.“[3] 1913 trafen sich Vertreter der Jugendbewegung und Lebensreformer jeder Art vom 10. auf den 11. Oktober auf dem Hohen Meißner in der Nähe von Kassel. Die Zusammenkunft war eine Gegenveranstaltung zu der Einhundertjahresfeier der Völkerschlacht zu Leipzig. Den Anwesenden erschien es sinnvoll, einen Zusammenschluß zu gründen, der 13 Wandervogelorganisationen vereinte und sich „Freideutsche Jugend” nannte. Diese Wandervögel wollten eine neue Kultur und sogar einen neuen Menschen schaffen. Das Leben sollte in Einfachheit und Gemeinschaft auf der Grundlage geistiger Werte gestaltet werden. Diese Vorstellungen erhoben sie zur Grundlage für die Arbeit an einer neuen Staatsordnung. Es wurde dort die gemeinsame Meißnerformel verabschiedet:

„Die Freideutsche Jugend will ihr Leben nach eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung, in innerer Wahrhaftigkeit gestalten. Für diese innerer Freiheit tritt sie unter allen Umständen geschlossen ein.“[4]

Die „Freideutsche Jugend“ entwickelte sich zu einer Art Dachverband, dem weitere Wandervogelbünde beitraten. Im August 1914 begann der Erste Weltkrieg, zu dem sich Tausende von Wandervögeln scheinbar begeistert freiwillig meldeten. In der Heimat wurde die Arbeit von den Mädchen und den jüngeren Jungen fortgeführt. Auch an der Front organisierten sich die Wandervögel. Es entstanden Vermittlungsstellen zwischen den Einheiten und mehrere Einheiten wurden zu Gauen und Kreisen zusammengefaßt. „Mitte 1917 gab es zwei Vermittlungsstellen, die etwa 3500 Wandervogelsoldaten[5] betreuten. 1918 lagen im Westen 128 Trefforte, im Osten 40, dazu kam noch einmal die gleiche Zahl der Soldatengruppen in der Heimat.“[6] Ziemer und Wolf benennen als gemeinsames Element „die Sehnsucht nach Frieden und Heimat, die zugleich Heimat im Geiste bedeutet und ‚das Bild des deutschen Menschen’ sucht.“[7] Es stellt sich nun die Frage, woher die Begeisterung der Wandervögel für den Krieg rührte? Wie hat eine Bewegung von solch reformfreudigen und einer besseren Zukunft verpflichteten Menschen das schreckliche Erlebnis des Ersten Weltkrieges überstanden, wie ihre Ideale und Ziele aufrechterhalten? Wie rechtfertigten sie vor sich und in ihren Gemeinschaften das Kriegsgeschehen? Die starke Bindung an ihre Ideale, an Religion, Philosophie und Kunst, besonders Literatur und Musik scheint ein großer Rückhalt in dieser Situation gewesen zu sein. Nach meiner These, haben die Wandervögel hauptsächlich mit Hilfe ihrer Zeitschriftenliteratur die Existenz ihrer Bünde unter den schwierigen Kriegsbedingungen gewährleisten können. In ihnen versicherten sie sich gegenseitig ihrer Ideale und schufen den notwendigen Rahmen, um auch weiter an ihnen festhalten zu können. Und in ihrer neuen Lebenssituation, in der sie unerwartete und niederschmetternde Erfahrungen machen mußten, entwickelten sie diese Ideale weiter, um der Realität gerecht werden zu können. Die gleiche Entwicklung zeigt sich auch in den Kriegserzählungen der Wandervögel, in denen die Autoren ihr Festhalten an den Idealen und deren Wandel darstellen. Und auch in den Feldtagebüchern liest man von einer permanenten Reflexion und fortwährendem Neudefinieren jugendbewegter Werte. Wie diese Menschen in den fürchterlichsten Lebenssituationen lesend, schreibend und im Diskurs beharrlich ihren Zielen weiter zustrebten, welche unterschiedlichen Argumentationen und Strategien sie dabei verfolgten und zu welchen Ergebnissen sie kamen, werde ich in den folgenden Kapiteln untersuchen. Als Grundlage soll zunächst die Position der Wandervögel zum Krieg beleuchtet werden.

1. Wandervogel und Freideutsche Jugend im Ersten Weltkrieg

Zum Themenkomplex ‚Deutsche Jugendbewegung und Erster Weltkrieg’ ist in der Vergangenheit viel geforscht und geschrieben worden. Es gibt Untersuchungen von soziologischer, politologischer, pädagogischer und historischer Seite. Eine Vielzahl der Autoren stammen selber aus der Jugendbewegung, was bedeutet, daß sie mit Einfühlungsvermögen an die Texte herangehen, und daß die Zeitzeugen unter ihnen den Vorteil des persönlichen Einblicks in die Geschehnisse haben. Häufig wird von Wandervögeln an dem nicht jugendbewegten Teil der Forschungsliteratur der Mangel an diesem Einfühlungsvermögen beklagt. Die Meinung, daß man dieser Bewegung angehören muß, um sie verstehen und angemessen beurteilen zu können, ist in der Jugendbewegung verbreitet.[8] Die emotionale Nähe hat allerdings den Nachteil der eingeschränkten Objektivität, die in einigen Fällen zu sehr positiven bis hin zu pathetischen, in anderen Fällen zu negativen Darstellungen, die bis zur Selbstverachtung gehen können, geführt hat. Die größere Objektivität ist deshalb ein Vorteil der Autoren, die nicht aus der Jugendbewegung stammen. Geschrieben wurde über den Wandervogel seit seinen Anfängen schon immer viel, u.a. finden sich auch Texte über die Jugendbewegung im Ersten Weltkrieg. Diskurse darüber gingen von 1914 an in die Zeitschriften der Bewegung ein. Doch sind diese und die Texte mit nur kurzem zeitlichen Abstand zum Krieg, durch ihre Betroffenheit und Einbindung in die Geschehnisse als Teil des Forschungsgegenstandes und nicht als Forschung anzusehen.

1.1 Ein Forschungsüberblick

Im folgenden sind ohne Anspruch auf Vollständigkeit einige Darstellungen aufgeführt, in denen meistens in einem Kapitel oder eingeflochten in verschiedene Kapitel der Erste Weltkrieg behandelt wird. Nur vier neuere Veröffentlichungen, das Jahrbuch 16 des Archives der Deutschen Jugendbewegung und die drei zuletzt aufgeführten Werke, beschäftigen sich hauptsächlich oder ausschließlich mit diesem Thema. Im Jahr 1925 legte Charlotte Lütkens in ihrem Buch „Die deutsche Jugendbewegung : ein soziologischer Versuch“[9] ihre Annahme dar, daß die ethischen und moralischen Ziele der Jugendbewegung im weiteren Sinne auch politische Ziele seien, weil sie zur Durchsetzung ihrer Idee eine Neugestaltung des öffentlichen Lebens anstrebte. In diesem Zusammenhang untersucht Lütkens auch den Ersten Weltkrieg. Else Frobenius veröffentlichte 1927 „Mit uns zieht die neue Zeit. Eine Geschichte der deutschen Jugendbewegung“.[10] Das Buch ist eine sehr blumige Gesamtdarstellung, die aber durchaus faktenreich und bei aller erkennbarer Sympathie für die Bewegung objektiv ist und der Kriegsproblematik vierzig Seiten widmet. Als Anbiederung an das Dritte Reich wird häufig die Textsammlung „ Deutsche Jugend. 30 Jahre Geschichte einer Bewegung“[11] angesehen, für die Willy Vesper im Jahr 1934 als Herausgeber zeichnete. Werner Kindt[12] erklärte dazu, daß dieses Buch auf seine Initiative zurückgehe. Es sollte eine Reaktion auf den Befehl Baldur von Schirachs, damaliger Reichsjugendführer, sein, sämtliches Schrifttum der Jugendbewegung zu vernichten. Der NS-Autor Vesper[13] und zwei weitere wurden um Beiträge gebeten, die zur Tarnung des Buches dienen sollten. Zudem konnte Vesper dafür gewonnen werden als Herausgeber aufzutreten. Sehr lesenswert, wenn auch nicht unumstritten ist die literarische Annäherung Werner Helwigs, die unter dem Titel „Die Blaue Blume des Wandervogels“ [14] im Jahr 1960 erschienen ist. Diesem Werk wurden oft Ungenauigkeit und Verklärung vorgeworfen. Allerdings führt es gut in die Gefühlswelt und die Sichtweise der Jugendbewegung ein, auf achtzehn Seiten auch zum Ersten Weltkrieg, die Helwig als Mitglied und „Hauspoet“ des Nerother Wandervogels aus eigener Anschauung kannte. Mittlerweile ist eine überarbeitete Version von Prof. Dr. Walter Sauer herausgegeben worden. [15] Ein weiteres, umfassendes Standardwerk ist die als „Ziemer-Wolf“ bekannte Quellensammlung „ Wandervogel und Freideutsche Jugend“,[16] die im Jahr 1961 von Gerhard Ziemer und Hans Wolf herausgegeben wurde. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit dem „Feldwandervogel“[17]. Walter Laquer veröffentlichte im Jahr 1962 seine Arbeit „Die deutsche Jugendbewegung. Eine historische Studie“,[18] die trotz des Untertitels einen starken soziologischen Einschlag hat. Laquer nimmt eine sehr kritische Haltung zur Jugendbewegung ein, doch enthält sein Werk eine Fülle an Informationen, darunter auch zwölf Seiten über den Ersten Weltkrieg. Harry Pross geht in seiner soziologischen AbhandlungJugend, Eros, Politik. Die Geschichte der dt. Jugendverbände“[19] aus dem Jahr 1964 ebenfalls auf den ersten Weltkrieg ein. Doch entfallen unter dem Titel „Langemark“[20] lediglich zehn Seiten auf dieses Thema, da er einen Zeitraum von insgesamt achtzig Jahren behandelt. In Peter Narsarskis „ Deutsche Jugendbewegung in Europa“[21] aus dem Jahr 1967, findet sich eine Zusammenfassung der Entwicklungen der Wandervogelgruppen über das damalige Deutsche Reich hinaus, die in allen deutschen Sprachgebieten, wie z.B. in der Schweiz oder Siebenbürgen entstanden. Das zwölf Seiten lange Kapitel über den Krieg befaßt sich mit dem österreichischen Wandervogel in dieser Zeit. Werner Kindt hat in seiner Sammlung „Dokumentationen der Jugendbewegung“ im Band 2 „Die Wandervogelzeit“[22] und Band 3 „Die Bündische Zeit“[23] 1968 reichhaltige Zeitdokumente zusammengetragen. Johannes Stauda geht 1978 in „Der Wandervogel in Böhmen. 1911 – 1920“[24] intensiv auf die Auswirkungen des Kriegsgeschehens speziell in dieser Region ein. Das Jahrbuch Nr.16 des Archivs der Deutschen Jugendbewegung,[25] das unter Winfried Mogges Redaktion für die Jahre 1986 und 1987 herausgegeben wurde, enthält sechs Aufsätze verschiedener Autoren, die sich auf insgesamt 122 Seiten dem Ersten Weltkrieg unter verschiedenen Aspekten widmen. Der Ausstellungsband „Der Wandervogel - Es begann in der Steglitz“,[26] im Jahr 1987 von Gerhard Ille und Günter Köhler herausgegeben, befaßt sich vorwiegend mit den Steglitzer Gruppen. Man findet nur wenig Allgemeines zum Wandervogel, aber die Weltkriegszeit wird von Ille in den Kapiteln „Wandervogelideale und Kriegsrealität“ und „Jugendbewegung und Erster Weltkrieg“ auf insgesamt 44 Seiten behandelt. Mit der kommentierten Sammlung „Hoher Meißner 1913. Der erste Freideutsche Jugendtag in Dokumenten und Bildern“[27] von Winfried Mogge und Jürgen Reulecke im Jahr 1988 herausgegeben, gibt einen guten Eindruck von Stimmungen, Ahnungen und Einstellungen in der Jugendbewegung im Jahr vor dem Krieg. Gudrun Fiedler widmet sich in „Jugend im Krieg. Bürgerliche Jugendbewegung, Erster Weltkrieg und sozialer Wandel 1914 – 1923“[28] aus dem Jahr 1989 vorwiegend dem ersten Weltkrieg. Sie beschreibt darin, wie die Wandervögel mit ihren Idealen und ihren geradezu tragisch falschen Vorstellungen vom Krieg trotz großer Leistungen letztlich mit ihren hohen Ansprüchen scheiterten. Ebenso beschäftigt sich Michael Fritz im ersten Band seines Buches „... und fahr’n wir ohne Wiederkehr“[29] aus dem Jahr 1990 ausschließlich mit dem Ersten Weltkrieg. Es geht ihm vor allem um die „Kriegsbegeisterung“ der Wandervögel, die er auf „völkisches Denken“ und „nationale Begeisterung“ reduziert sieht. Peter Morris-Keitel geht in seinem Buch „Literatur der deutschen Jugendbewegung“[30] aus dem Jahr 1994 besonders ausführlich auf den Ersten Weltkrieg und den Wandervogel in diesem Kontext ein. Sein eigentliches Forschungsinteresse ist die Entwicklung ökologischer Ideen in der Jugendbewegung, dennoch erfährt man viel über ihr gesellschaftliches Selbstverständnis und ihre Reflexionen zum Krieg.

1.2 Zur Kriegsbegeisterung

Häufig wird in der Literatur die Auffassung vertreten, der Wandervogel sei eine völkisch – national orientierte Bewegung gewesen, die 1914 in ihrer großen Mehrheit kriegsbegeistert gewesen sei. Diese Ansicht wird der frühen Jugendbewegung nicht gerecht. Angaben über Größe und Verteilung ideologischer Flügel in der Jugendbewegung sind nur sehr schwer zu machen, da auch kaum festzustellen ist, wie viele Wandervögel es vor und während des Ersten Weltkrieges gab. Zum einen gab es Doppelmitgliedschaften, zum anderen sind Mitgliederkarteien praktisch nicht vorhanden. Auch an den Auflagenhöhen der Bundeszeitschriften ist eine solche Zahl nicht festzumachen,[31] da diese zusätzlich von Eltern, Freunden, Lehrern u.a. bezogen wurden. Es ist entsprechend schwer, das Verhältnis von völkisch-nationalen zu nichtvölkischen oder gar sozialistischen Wandervögeln und Freideutschen zu bestimmen. Es finden sich in den Zeitschriften manchmal Hinweise auf Konflikte zwischen den verschiedenen Lagern, besonders wenn diese innerhalb von Gruppen auftraten, so geschehen auf den Führertagen der Freideutschen Jugend in der Osterwoche 1919 in Jena und im Herbst 1920 in Hofgeißmar, wo etwa 50 völkische auf 100 sozialistische und kommunistische Freideutsche trafen[32]. Allgemein ist festzustellen, daß die eindeutig völkischen Gruppen wie z.B. der Deutschwandervogel, der Wandervogel Völkischer Bund oder die Fahrenden Gesellen gegenüber den vorwiegend neutralen Gruppen wie Altwandervogel oder Wandervogel Deutscher Bund, die ab 1913 z.T. oder als Ganzes im Wandervogel e.V. aufgingen, eher kleine Verbände darstellten.[33] Es ist meines Erachtens anzunehmen, daß vermutlich nicht mehr als die Hälfte der Wandervögel und Freideutschen als völkisch oder national eingestuft werden kann. In den Untersuchungen zur Deutschen Jugendbewegung wird sehr oft auf völkische Persönlichkeiten und Texte Bezug genommen. Eine Ursache dafür ist möglicherweise die ideologische Vereinnahmung der jugendbewegten Weltkriegsteilnehmer durch die Nationalsozialisten, die sich z.B. in dem Mythos von Langemark ausdrückt, der ab Ende der 20er Jahre zur Kriegsverherrlichung nationalistischer Kreise verbreitet wurde. Ebenso wurde der Schriftsteller Walter Flex von den Nationalsozialisten sehr verehrt, der in seinem Buch „Wanderer zwischen beiden Welten“ den Theologiestudenten Ernst Wurche zum idealtypischen Wandervogelsoldaten mit heldischer Gesinnung stilisiert hatte. Ob die Nationalsozialisten Walter Flex und seinem Werk durch die Vereinnahmung für ihre Ideologie gerecht wurden, bleibt zu prüfen, ich werde im Rahmen dieser Arbeit nicht näher auf Flex’ Werk eingehen. Der Mythos von Langemark ist an anderer Stelle bereits als solcher entlarvt worden[34]. Ich bezweifele außerdem, daß die synonyme Verwendung der Begriffe völkisch, nationalistisch und militaristisch[35], wie man sie ebenfalls in der Literatur antreffen kann, den einzelnen Phänomenen und der völkischen Bewegung vor dem Nationalsozialismus im Speziellen gerecht wird. Wahrscheinlicher ist, daß es ein Spektrum völkischer Initiativen und Gruppen gab, die von bloßer volkstümlicher Kulturarbeit bis hin zu tatsächlich rassistischem Militarismus reichte,[36] so daß für Gruppen, die sich in der Zeit vor der totalen Vereinnahmung des Begriffes durch die äußerst rechten Parteien als völkisch verstanden, untersucht werden müßte, welche Inhalte sie damit verbanden. Zweifellos hat es in der frühen Jugendbewegung, im Wandervogel und der Freideutschen Jugend, auch militante kriegsbegeisterte Nationalisten gegeben. Hinsichtlich der politischen Spektren die sie umfaßte, unterschied sie sich vermutlich nicht von der restlichen Gesellschaft. Doch da in den Untersuchungen die gemäßigteren, neutralen oder sozialistischen Spektren unterrepräsentiert sind, entsteht ein verzerrtes Bild. Auf dem bestimmenden Treffen der Jugendbewegung auf dem Hohen Meißner, faßte der Reformpädagoge Gustav Wynecken in seiner Rede die Inhalte dieser Veranstaltung, die sich gegen hohlen ‚Hurrapatriotismus’ und Militarismus wandte zusammen. Eindrücklich warnt er darin vor der Gefahr des drohenden Krieges und hofft, es „[...] möge nie der Tag erscheinen, wo des Krieges Horden sie [die leuchtenden Täler unseres Vaterlandes] durchtoben. Und möge nie der Tag erscheinen, wo wir gezwungen sind, den Krieg in die Täler eines fremden Volkes zu Tragen.“[37] Denn, „[d]ie Arbeit, die zu leisten ist, damit wirklich ein eigenes Volk da sei, die wird nicht mit dem Schwerte geleistet“[38] und „[g]erade der Jugend steht es an, über die Grenzen des Staatsinteresses und des völkischen Selbsterhaltungstriebes hinaus zu denken “.[39] Knud Ahlborn, der auf dem Hohen Meißner die Feuerrede (die zentrale Festrede) gehalten hatte, äußerte sich in seiner Schrift zur Meißnerfeier noch deutlicher über den „Gifthauch“ des bevorstehenden Krieges unverhüllt als „Ausgeburt des Wahnsinns“, schonungslose „Lebensvernichtung“ und kaltblütigen „Massenmord“.[40] Wenn von diesen und anderen einflußreichen Wandervögeln und Freideutschen eine solche Position zum Krieg vertreten wurde, die unter ihren Anhängern auch Widerhall gefunden haben dürfte, stellt sich die Frage neu, warum sich im August 1914 Tausende von Wandervögeln kriegsfreiwillig gemeldet haben.[41] Die Frage nach dem, was zusammenfassend und ein wenig verfälschend als Kriegsbegeisterung[42] bezeichnet wird, muß etwas differenzierter gestellt werden: Warum glaubten die Wandervögel die Notwendigkeit eines Krieges zu sehen, was stellten sie sich unter dem Krieg vor und welche Ziele, neben dem der Landesverteidigung, verfolgten sie durch ihre Beteiligung? Die Notwendigkeit des Krieges sahen die Wandervögel in dem, wie sie glaubten, Verteidigungsfall. Wie im Grunde alle anderen gesellschaftlichen Gruppen auch, unterlagen sie der „[...] wirksamste[n] Integration der Bevölkerung in den Kriegsvorgang [... die] auf der mentalen Ausbeutung aller vorhandener, sich widersprechender, ambivalenter Gefühle der jeweiligen Gesellschaft unter dem Diktat eines gemeinsamen Schicksals, das nicht mehr hinterfragt werden kann “[43] basiert. Die Akademische Freischar, ein Bund aus studierenden Wandervögeln, unternahm trotzdem einen Versuch, den Fortgang zu stoppen und wandte sich am 28.7.1914 in einem Telegramm an den Kaiser und bat: „Schützen Sie die Jugend der ganzen Welt vor dem entsetzlichen Unglück des Krieges! Machen Sie in letzter Minute die äußersten Anstrengungen für die Erhaltung des Friedens.[44] [...] Falls jedoch [...] der Notwehrcharakter des Krieges unbedingt feststeht, wird auch die Akademische Freischar wie alle andere Deutsche Jugend sich bis zum letzten Mann für die Verteidigung des Vaterlandes zur Verfügung stellen.“[45] Daß die Jugendbewegung in allen ihren Flügeln von diesem Notwehrcharakter überzeugt war, läßt sich an einem weiteren einflußreichen Teilnehmer des Meißnerlagers zeigen: Der Schriftsteller Hans Paasche, ein ehemaliger Marineoffizier, der in den Kolonialkriegen 1905/06 in Ostafrika zum überzeugten Pazifisten, später auch zum Kommunisten geworden war, folgte ebenfalls 1914 „dem Ruf der Waffen“.[46] Das Bild des Krieges in der jungen Generation war vor allem geprägt durch die Erzählungen der Kriegsteilnehmer von 1870/71, die sich in der Verwandtschaft und unter den Lehrern fanden. Sie vermittelten eine Begeisterung, die ihren ursprünglichen Entstehungsort in den Befreiungskriegen und den bürgerlichen Revolutionen hatte, in denen Krieg als Widerstand gegen feudale Herrschaft gesehen wurde und Begeisterung folglich einen emanzipatorischen Aspekt hatte.[47] Da 1970/71 ein Krieg geführt wurde, der sowohl nach Waffentechnik als auch nach Strategie und Taktik ein Krieg „alter Bauart“ war, konnten diese Berichte nicht von so entsetzlichen Schilderungen begleitet werden, wie sie die Teilnehmer des Ersten Weltkrieges später erzählten. Mit diesen Vorstellungen wurden damals die populären „Kriegsspiele“[48] organisiert, und der Wehrdienst wurde unter der Führung von meist überalterten Stabsoffizieren, die selber noch diesem alten Kriegsbild verhaftet waren geleistet.[49] Entsprechend herrschte eine romantisch verklärte Vorstellung: „Als wir noch in Friedenszeiten als dann zur Reserve entlassene Soldaten an den Krieg und seine Erscheinung dachten, schwebte uns immer etwas von der Soldatenliedromantik vor, die uns von „Stillen Feuern in dunkler Nacht“ und von „Marschieren nach Frankreich zu“ wußte“.[50] Mit der Realität des neuen Krieges konfrontiert, kam die Ernüchterung: „Wo bleibt das individuelle Heldentum vergangener Kriege? Einer elenden Hasenjagd gleicht solch ein Artilleriekampf.“[51] Unruh trifft für die in Langemark eingesetzten Regimenter eine Feststellung, die charakteristisch für die Berichte der Zeit ist: „So hatten wir’s uns nicht vorgestellt.“[52]

Der o.a. emanzipatorische Aspekt, den man mit dem Krieg verband, ließ die Wandervögel hoffen, sie könnten über die Landesverteidigung hinaus, durch ihre Kriegsteilnahme auch für ihre gesellschaftlichen Ziele wirken. Das wollten sie mit den Tugenden von Kraft, Güte, Gerechtigkeit, Liebe und Wahrhaftigkeit erreichen, die in der Titelgrafik „Hohe Wacht“[53] der Festschrift der Meißnerfeier verkörpert sein sollten.[54] Mit diesen wandte sich der Wandervogel gegen den wilhelminischen Staat in seinen ökonomischen, politischen und sozialen Zielen, kurz gesagt, gegen den Kapitalismus.[55] Den Beginn des Krieges empfand die Jugendbewegung als einen Aufbruch ins „Gemeinschaftliche“ und zur Solidarität und in diesem Sinn als antimaterialistisch.[56] Die Mitglieder glaubten, der Krieg könne die kritisierten Mißstände beseitigen und den Boden für etwas Neues bereiten. Der Kriegsfreiwillige Wandervogel Arnolt Bronnen schreibt: „Nie ist der Krieg so herbeigesehnt worden von unzähligen jungen Menschen [...]. Sie alle wollten [...] ein Ende. Ein Ende dieser Zeit. Eine Lebensform hatte sich aufgebraucht. Das Barbarische [..] erschien als die große Reinigung, als der Sturm, der alles Morsche, Dekadente hinwegfegen würde.“[57] Ziel müsse es sein, so Wyneken in einer Rede im November 1914 vor münchener Studenten, auch im Kriege das Kulturstreben fortzuführen, welches keinesfalls auf der Unterjochung fremder Völker beruhen dürfe, um zu einer Kultur ohne Ausbeutung zu gelangen.[58] Und tatsächlich hielt die Jugendbewegung auch während des Krieges in ihrer Literatur an der Weiterentwicklung der eigenen Kultur und an den gesellschaftlichen Reformen fest.[59] Auch die Wandervögel im Feld, im folgenden, nach dem damals üblichen Begriff, Feldwandervögel genannt, beteiligten sich in Rundbriefen, Zeitschriften und Flugblättern an der Debatte um die Erhaltung der Gemeinschaft und die Weiterführung der Kulturbildung im Sinne der Meißnerversammlung.[60] So entstand in diesen Kreisen trotz Massenmord und Naturzerstörung kein nihilistischer Defätismus, sondern die Besinnung auf hohe Ideale, die zu einem Wiederaufblühen nach 1918 führte.[61] Zwar, stellt Lütkens fest, unterbrach der Krieg die „Kontinuität der Abfolge“, beschleunigte jedoch die „Grundgedanken der Bewegung“, so daß sie am Ende des Krieges zu einer „Gesellschaftlichen Bewegung“ geworden war.[62] Spätesten, möchte ich hinzufügen, da ein starkes Streben in diese Richtung, wie an der Meißnerversammlung zu sehen ist, bereits viel früher zu erkennen war.

2. Wandervogelzeitschriften

Die Wandervogelzeitschriften, die während des Ersten Weltkrieges entstanden, sind in mehrfacher Hinsicht zu unterscheiden. Zum einen gab es Bundeszeitschriften und Gaublätter, die bereits vor dem Krieg regelmäßig von verschiedenen Bünden bzw. deren Gauen, den regionalen Untergruppierungen, herausgegeben wurden und die ich zusammenfassend zivile Zeitschriften nenne. Bei diesen ist zwischen denen, die in der ersten Kriegshälfte und denen, die in der zweiten Kriegshälfte herausgekommen sind zu unterscheiden, weil sich darin eine Entwicklung der Haltung zum Krieg widerspiegelt. Zum anderen gab es einige Kriegszeitschriften, die sich an die Feldwandervögel richteten, und in diesem Sinne als militärische Zeitschriften bezeichnet werden. Neben kleineren Publikationen sind hier vor allem der „Ostbrief, Rundbrief der Feld-Wandervögel im Osten“ und „Der Zwiespruch, ein Rundbrief der Feldwandervögel im Westen“ zu nennen. Obwohl einige dieser Zeitschrift im Handel für jeden zu beziehen waren, wurden sie von Wandervögeln für Wandervögel herausgegeben und dienten vor allem der internen Verständigung, Selbstvergewisserung und dem Diskurs der je aktuellen Themen.

2.1 Bundeszeitschriften und Gaublätter

Nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 nahm er einen breiten Raum in den Wandervogelzeitschriften ein. Der Wandervogel e.V. gab im September/ Oktober sein erstes Kriegsheft heraus, in dem die Stellung des Wandervogels zum Krieg diskutiert wurde. In einigen Bemerkungen läßt sich durchaus Begeisterung erkennen, so schreibt ein Autor in seinem Artikel „Wandervogel und Krieg“: „Das bleibt für uns das Wichtigste: Erlebt voll und ganz diese Zeit! [...] Hier sieht man, wie töricht die Frage ist nach der Stellung zum Kriege. Wer noch Zeit dazu hat, Stellung zu ihm zu nehmen, der zeigt, daß er nicht weiß, mit seinem Volke mitzuempfinden, der verschließt sich dem, was ihm Segen bringen will. Laßt vor allem die Jüngeren unter uns diese Zeit recht erleben.“ Der Krieg wird als Gelegenheit und Anlaß für intensive Erlebnisse gesehen, soll aber nicht weiter hinterfragt werden, weil eine kritische Einstellung dem emotionalen Zugang entgegensteht. Ohne diesen Zugang kann keine emotionale Bewältigung des Krieges geleistet werden. Es geht dem Autor aber nicht um propagandistische Manipulation und Aufhetzung, sondern darum ergriffen zu sein und das sichtbar vorzuleben.[63] Im weiteren Punkt führt er den Punkt nicht aus und es ist kaum nachvollziehbar, was unter der Ergriffenheit zu verstehen ist und wie diese sich konkret auswirken soll. Es macht den Eindruck als ginge es dem Autor um Solidarität, denn etwas später geht er auf das Gemeinsame des Kriegsschicksals ein: „Vor allem laßt immer das eine allen zu Bewußtsein kommen: daß wir hier so ruhig noch leben können, daß wir hier so wenig vom Kriege erfahren, das wird uns mit Blut draußen erkauft und mit dem stillen Schmerz der trauernden zu Hause.“[64] In einem anderen Artikel des gleichen Heftes findet sich ein Bekenntnis zum friedlichen Charakter des Wandervogels: „Wandervogel und Krieg! welch furchtbaren Gegensätze! Unser Wandervogel ist ein Kind des Friedens, und im Schutze des Friedens ist er stark und mächtig geworden. Er ist und war keine Vereinigung, die eine kriegerische Ausbildung bezweckte.“[65] Doch aufgrund der äußeren Bedrohung sehen die Wandervögel keinen anderen Ausweg, als sich der Situation zu stellen und sich möglichst gut vorzubereiten: „Wir haben unser Volk und Land auf unseren Fahrten kennen und lieben gelernt, jetzt wollen wir es beschützen, den Feind niederringen mit ganzer Kraft und unser Herzblut gern hingeben.“[66] Hier wird das persönliche Fahrtenerleben und die daraus hervorgehende Heimatliebe angesprochen. Es geht wieder um einen emotionalen Zugang, in diesem Fall zu einer Opferbereitschaft aus Heimatliebe. An keiner Stelle findet sich das Wort „Heldentod“, künstliche Empörung wird abgelehnt und der Krieg als schrecklicher Gegensatz zum Wandervogel gesehen. Bereits im zweiten Kriegsheft liest man dann über die Empfindungen der Soldaten, die weniger geprägt sind von Kampfeslust und Kriegsbegeisterung als von Angst: „Wir gehen in acht Tagen hinaus ins Feld. Riesengroß steht vor uns der Schatten Tod. Vor mir, vor allen. Und in bangen Augenblicken erzittert das Herz bei dem Gedanken, daß wir bleiben können wie tausend andere vor uns. Belügt euch nicht! – wer stirbt denn gern, wenn er achtzehn, zwanzig, dreiundzwanzig Jahre ist?“[67] Deutlich weist der Autor darauf hin, daß sich die Gruppen in der Heimat falsche Vorstellungen vom Krieg machen, daß es sich dabei nicht um ein berauschendes Abenteuer handelt. „Unser ganzes Leben jetzt – ihr da draußen stellt euch’s vor als ein arbeitsfrohes, begeistertes Treiben und Drängen, bis wir uns jauchzend in die Schlacht stürzen. – Nein, es ist ganz anders! Es ist ein Schwanken von einer Stimmung zur anderen.“ Und bereits hier werden Geselligkeit und Gesang als Mittel zur moralischen Aufrüstung erwähnt, die dabei helfen, die Angst zu bewältigen und einen Halt in den Stimmungsschwankungen geben: „Wir halten uns an das, was die nächste Stunde bringt; wir halten alles fern, was unsre Seele umdüstern kann. Und aus trüben Stunden reißen wir uns empor durch Gesang, durch Geselligkeit und Gedankenaustausch zur alten Festigkeit.“[68] Gleich dem o.a. Artikel des ersten Kriegsheftes wendet sich der Autor gegen die Propaganda, die sich in den Zeitungen in aufbauschenden Artikeln findet. Es ist nicht beglückend, schön oder begeisternd was die Soldaten erleben. Auch wenn ihre Plicht nur schwer zu erfüllen ist, so tun sie sie doch gerne, aus ihrer solidarischen Heimatliebe heraus, die sie auf ihren Fahrten erworben haben und die sie verpflichtet, sich in der Landesverteidigung einzusetzen. Die Feldwandervögel sind gerne bereit dieses Opfer zu bringen, sie setzen sich aber nicht gerne dem Leiden und Sterben des Krieges aus. Deshalb lehnen sie die heroisierende Berichterstattung ab, wie auch an anderer Stelle deutlich wird: „Wenn Ihr mir einmal einen Spaß machen wollt, so schickt mir doch ein paar schwungvolle Siegesnachrichten aus den Zeitungen. Es macht uns immer Freude, wenn wir in der Zeitung lesen können, was für tüchtige Leute wir hier sind. Letzthin [...] kam uns so eine Siegesnachricht [...] in die Hände. Vom rastlosen Vorwärtsgehen und nimmermüden Verfolgungen war die Rede. Das klingt aber schön, sagten wir uns, und fein muß es sein, wenn man das zu Hause beim reichlichen Frühstück liest, und lachend humpelten wir weiter und eilten vorwärts.“[69]

Neben diesen inhaltlichen Auseinandersetzungen beschäftigen sich die Wandervögel auch mit den praktischen Auswirkungen des Krieges auf die Heimatgruppen. Dabei werden die Jüngeren aufgerufen, den Betrieb aufrecht zu erhalten und die Lücken, die durch den Felddienst oder den Tod der älteren Führer entstanden sind aufzufüllen: „Seht, das ist eure Aufgabe, den Wandervogel durch diese schwere Zeit hindurchzubringen, nicht mit Ach und Krach, nein aufrecht und stark. Es müssen viele Lücken ausgefüllt werden, denn schon jetzt liegt mancher gute Wandervogel draußen in feindlicher Erde.“[70] Die Wandervögel versuchen auch bereits 1914 ein Adressenverzeichnis anzulegen um, den Kontakt der Wandervogelsoldaten untereinander zu gewährleisten und möglichst über das Schicksal jedes Einzelnen informiert zu sein.[71] Desweiteren wird von ersten Treffen und Zusammenschlüssen an der Front berichtet: „Ein W.-V.- Treffen haben wir jetzt auch vor Verdun zusammengebracht. [...] Lüttich. Wandervögel treffen sich Sonnabends 8 ½ Uhr [...] Libau, Windau und Umgegend Wandervögel wollen sich zwecks Zusammenschluß wenden an Willy Wiebe.“[72] Der Wandervogelvermittlung und den Feldgruppen widmen sich ab 1917 vorwiegend die Feldzeitschriften. Auch die gesamtgesellschaftlichen Folgen werden diskutiert und noch 1916 schreibt Gustav Wyneken in der Zeitschrift des Jungwandervogels, daß der Krieg in seinen Folgen zur Durchsetzung der Ideale der Meißnertagung führen werde. Denn es sei eine allgemeine Ansicht, „[...]daß dieser Krieg in unserem staatlichem Leben eine Zäsur bedeutet, eine Generalpause, der ein neues Thema folgen wird.“[73] Zwar sei „[...] die Verbindungslinie von Krieg und Kulturveredelung [...] doch an sich nicht so leicht zu finden,“[74] doch werde man die Jugendbewegung mit ihren Anliegen ernstnehmen müssen, denn ihre Mitglieder haben sich an der Front bewährt und damit bewiesen, daß sie keinen dummen Jungen seien.[75] Aus dem Einsatzwillen und der Opferbereitschaft der Jugend sei „eine ganz neue Liebe zu dieser Jugend [...] in Tausenden aufgewallt. Und dies Gefühl wird größere Tragkraft haben, als allerlei reform-pädagogische Forderungen, für die sich die Öffentlichkeit immer nur sehr lau interessiert hat.“[76] Wyneken hatte sich noch 1913 deutlich gegen den Krieg ausgesprochen (s.o.). Es ist unwahrscheinlich, daß er nach zwei Kriegsjahren und den damit verbundenen Opfern zum Kriegsbefürworter geworden war. Wenn er die Chancen verdeutlicht, die sich durch die Kriegsbeteiligung der Wandervögel ergeben, akzeptiert er eine Situation, die er ohnehin nicht ändern kann und zeigt einen Umgang mit ihr, der von Verzweiflung und Resignation hin zu einer ideellen Zukunftsgestaltung führt.

Zunehmend werden auch das Sterben und das Kriegsgrauen thematisiert. Mit Berichten von letzten Fahrten mit inzwischen Gefallenen soll eine starke persönliche Identifikation mit den Opfern erreicht werden. So wird der Krieg emotional als gemeinsames Schicksal vermittelt: „Da klang noch einmal Hermanns Stimme: „Wir wollen zu Land ausfahren.“ Wir anderen schwiegen, noch nie hatte er so innig, so ernst dies Lied gesungen als in dieser Nacht, der letzten vielleicht, die wir auf dieser Fahrt mit ihm verlebten.“[77] Die Innigkeit, mit der dieses Lied gesungen wird, deutet auf das Bewußtsein und die Bereitschaft Hermanns, in den Krieg zu ziehen und sich zu opfern. Ein Opfer, das er der gemeinsamen Sache, versinnbildlicht durch das Lied,[78] bringt. Hermann beglaubigt die Haltung, die er durch sein Singen bekundet, nämlich als Wandervogel für seine Ideale und seine Lebensweise einzustehen, was von seinen Zuhörern durch ihr Schweigen gewürdigt wird. In dieser fast ehrfürchtigem Form der Würdigung steckt aber auch das Eingeständnis, daß sie selber zu Hermanns Singen nur schweigen können, was mindestens unterschwellig die Verpflichtung andeutet, es ihm gleich zu tun. An manchen Stellen zeigt sich, daß man nicht nur das Sterben auf der eigenen sondern, auch auf der feindlichen Seite wahrnimmt: „[U]nd der weiche Waldboden trank wieder Blut – deutsches und welsches.“[79] Der Wald, in der Naturmetaphorik des Wandervogels der Ort intensivsten Lebens und damit größter Freude, wird Schauplatz leidvollsten Sterbens, so daß sein Boden ohne Unterschied das Blut der Deutschen und Franzosen aufnimmt. Der drastische Kontrast zwischen Wald und Sterben und die Unterschiedslosigkeit des vergossenen Blutes zeigen die Gleichgültigkeit und letztlich die Sinnlosigkeit des Kriegstodes. Auch das Monströse des Geschehens kommt oft zum Ausdruck: „Ich mußte an die letzten Kämpfe in Nordfrankreich denken, an das französische Trommelfeuer – tagelang – Nächte hindurch, wo glühendes Eisen den Boden aufriß, und Leichen ihn wieder ebneten, an das Trommelfeuer, von dem sich kein Mensch eine Vorstellung machen kann, der darunter nicht erbleicht ist.“[80] Oft bleibt nur die Feststellung eines großen Opfers und Verlustes, die Trauer, Erschrecken und Leere zurücklassen. In diesem Bewußtsein wird nicht mehr versucht, etwas Positives im Krieg zu sehen.[81] In einem Fahrtenbericht von Lotte Schäfer aus dem Jahr 1916, in dem sie eine Reise bis an die Ostfront beschreibt, zeigt sich eine Sicht auf den Krieg, die keine Gründe oder Rechtfertigungen sucht oder nationale Interessen reflektiert. „Posen- Zwischen die slavische Glut und Schöne deiner katholischen polnischen Kirchen reckt sich die klare kühle Wucht romanischer Bauten, die die Deutschen schufen. Du bist die große Stadt, Geschäft und Alltag und Sorge und Krieg der Deutschen. – Aber deine Töchter knien auf den Fliesen der Kirchen und beten mit fremden Lauten in seltsamem Glauben. [...] Und in allen Kirchen küßt man die Wundmale des Cruzifixus – Frauen, Kinder, Greise, Soldaten, Offiziere. Küssen die Wundmale und glauben, daß Frieden wird in der Welt. [...] Hinterm Walde dehnt sich die weite Ebene. Grün steht der Roggen, er schießt schon bald in die Ähren. Die Luft ist schwer von Lerchenliedern. Aber die Dörfer sind verbrannt. Und durch die Felder kriechen Drahtverhaue und Schützengräben. Ostern --- Einsam wandere ich durch die Not des Landes und durch seine seltsame Schönheit. Ich sehe den Krieg.- Ich sehe den Frühling. --- Alle Wunder - und kein Glauben?“[82] Aus einer übernationalen Perspektive, stellt die Autorin die Eigenheiten deutschen und polnischen Lebens gegenüber. Obwohl die Menschen unter den gleichen Kriegsnöten leiden, leben sie voneinander unberührt nebeneinander her. Wie sich die kühle, protestantische Wucht der deutschen Bauten zwischen die glutvollen katholischen schiebt, drängt sich das sachlich kalte Kriegstreiben in den polnischen Alltag, der von einer innigen Frömmigkeit geprägt ist. In den Gottesdiensten zeigt sich die Sehnsucht nach Frieden, der, allegorisch zum Kreuzestod Christi aus dem Kriegsleid hervorgehen soll, während das Kriegsgeschehen fortgesetzt wird. Die Gebete und Frühlingswunder sind zaghafte Friedenshoffnungen mitten im Frontgebiet, die bis zum Schluß mit der Kriegsrealität kontrastiert werden. Die abschließende Frage Schäfers, ob sie keinen Glauben sehe zeigt ihren Zweifel an den Hoffnungen, die sich im Frühling verkörpern, und sie stellt in Frage, ob dem Kriegstreiben als Kontrapunkt zum Gottesdienst ein Glaube zugrunde liegt. Der glutvolle fromme Katholizismus und der kühle preußische und pragmatische Protestantismus werden als kulturelle Dispositionen gegenübergestellt. Auch andere Texte versuchen Friedensmomente mitten im Krieg zu sehen. Ein Bericht über einen Luftkampf endet z.B. folgendermaßen: „Den Überresten des feindlichen Apparates entsteigen Führer und Beobachter, zwei blutjunge Engländer, und gehen lachend unseren beiden Piloten entgegen, die sie mit dem Händedruck des Sportsmannes empfangen. Ein Bild, wie man es des öfteren auf Sportplätzen sieht.“[83] Die Friedenssehnsucht verstärkt sich zunehmend und zum Jahreswechsel 1917/18 liest man in der Januarausgabe des „Jung-Wandervogels“: „Zum viertem Male läuten die Glocken ein neues Jahr ein in diesem schrecklichen Krieg. Hoffen und wünschen wollen wir von ganzem Herzen, daß uns das neue Jahr den Frieden bringt, damit wir noch in diesem Herbste mit unseren feldgrauen Bundesbrüdern am Bundesfeuer liegen und unsere alten traulichen Weisen mit ihnen singen können.“[84] Der Krieg nimmt in diesen Zeitschriften mit Gefallenen- und Auszeichnungslisten, Erlebnisberichten und Diskussionen einen sehr breiten Raum ein. In ihnen dokumentiert sich die Entwicklung der geistigen Haltung von zum Teil begeisterter Zustimmung über Zweifel am Sinn des Krieges bis zur intensiven Friedenshoffnung. Praktische Feldwandervogelarbeit wie Soldatenvermittlung, Organisation und Berichte von Feldtreffen usw. kommen nur ganz untergeordnet und am Rande vor. Vielmehr wird versucht, Anteilnahme an dem Kriegserlebnis zu wecken, das für die Jüngeren zu Hause anders nicht nachzuvollziehen ist.

2.2 Feldzeitschriften

Die Rundbriefe für die Feldwandervögel spiegeln in vielem andere Bedürfnisse und auch eine andere Haltung der Soldaten wider. In politischer Hinsicht sind diese Schriften schwer einzuordnen, da sie einer strengen Zensur unterlagen, die zum einen für die Einhaltung der militärischen Geheimhaltungspflicht sorgte, vor allem was die Ortsangaben von Truppenteilen anging, aber auch inhaltliche Vorgaben machte: „Denn alle Erfahrungen, die äußerlichen und die geistigen, die wir im Felde gemacht haben, sollen im Zwiespruch ihre Auswirkungen finden, soweit es die Zensur und unser graues Kleid es gestatten.“[85] Diese Zeitschriften erreichten z.T. eine hohe Auflage, über den Zwiespruch findet man Angaben von: „Auflage des 4. Zwiespruch: 300“[86] über „Ja, und nun halten 1300 Soldaten den ‚Zwiespruch’“[87] bis hin zu „Wer hätte gedacht, daß nach zwei Jahren das siebzehnte Heft an 1700 Feldwandervögel hinausgehen würde.“[88] Und über den Ostbrief „Heft 1 mit 1000 und Heft 2 mit 1100 Stück [...]“,[89] so daß man für die beiden Zeitschriften in der Spitze 2 800 Abonnenten feststellen kann. Es wird zudem erwähnt, daß die Hefte an Nicht – Abonnenten ausgeliehen und daß in einzelnen Kreisen noch kleinere Rundbriefe herausgegeben wurden. Von einer flächendeckenden Versorgung mit solchen Schriften ist also auszugehen und der muß ein entsprechender Bedarf gegenüber gestanden haben. Diese Rundbriefe dienten der Selbstvergewisserung und als moralische Aufrüstung in einer für die Wandervögel erstaunlich niederschmetternden Umwelt. Die Ernüchterung entstammt nicht allein den Schrecken des Krieges, sondern ebenso der von den Wandervögeln als verroht und abstoßend empfundenen Einstellung der anderen Soldaten: „Schwer und wuchtig, ja niederschmetternd, traf uns da das Bewußtsein von der Wirklichkeit unseres Volkslebens, und gern hätten wir vor diesem Einblicke unsere Augen zugekniffen.“[90]

[...]


[1] Laquer, Walter Z. Die Deutsche Jugendbewegung. Eine historische Studie. Köln. 1962. S. 104. Alle Angaben in der Einführung aus diesem Buch soweit nicht anders angegeben.

[2] Paetel, Karl O. Jugendbewegung und Politik. Bad Godesberg. 1963. S. 18.

[3] Giesecke, Hermann. Vom Wandervogel bis zur Hitlerjugend. Jugendarbeit zwischen Politik und Pädagogik. München. 1981. S. 14.

[4] Seidelmann, Karl (Hrsg.). Die Deutsche Jugendbewegung. Regensburg. 1966. S. 60.

[5] Es ist wahrscheinlich, daß der Verfasser des Zitates an dieser Stelle keine Trennung in verschiedene

Bünde vornimmt, an dem Frontzusammenschluß aber trotzdem die Mitglieder mehrere Bünde beteiligt waren. (Anmerkung des Verfassers.)

[6] Ziemer, Gerhard. Wolf, Hans. Wandervogel und Freideutsche Jugend. Bad Godesberg. 1961. S. 516.

[7] Ebd. S. 518.

[8] Verstreute Hinweise auf diese Ansicht finden sich u.a. in Wandervogelzeitschriften. So z.B. Jung - Wandervogel. 6. Jahrgang, Heft 3. März 1916. S. 51: „Wir verbitten es uns, daß jemand der uns nicht wirklich kennt, über uns urteilt und sein daher falsches Urteil unter die ‚dankbaren, lieben Leser’ bringt.“

[9] Lütkens, Charlotte. Die deutsche Jugendbewegung. Ein soziologischer Versuch. Frankfurt a. M. 1925.

[10] Frobenius, Else. Mit uns zieht die neue Zeit. Berlin. 1927.

[11] Vesper, Willy. [Hrsg.]. Deutsche Jugend. 30 Jahre Geschichte einer Bewegung. Berlin. 1934.

[12] Vgl. den Artikel ‚Heitere Geschichten aus dem Dritten Reich’ von Werner Kindt in: „Die Zeit“ vom 18.9.1964.

[13] Vgl. Vesper, Bernward. Die Reise. Reubek/ Hamburg. 1983. Darin bezieht der Sohn zu seinem Vater Stellung, der als prominenter NS-Schriftsteller gilt.

[14] Helwig, Werner. Die Blaue Blume des Wandervogels. Vom Aufstieg, Glanz und Sinn einer Jugendbewegung. Güthersloh. 1960.

[15] Helwig, Werner. Die Blaue Blume des Wandervogels. Vom Aufstieg, Glanz und Sinn einer Jugendbewegung. Überarbeitete Neuausgabe mit einem Bildanhang. Herausgegeben von Walter Sauer. Baunach. 1998

[16] Ziemer, Gerhard. Wolf, Hans. A.a.O.

[17] Ebd. S. 514 – 536.

[18] Laquer, Walter Z. A.a.O.

[19] Pross, Harry. Jugend, Eros, Politik. Die Geschichte der dt. Jugendverbände. München. 1964.

[20] Ebd. S. 176 – 186.

[21] Nasarski, Peter [Hrsg.]. Deutsche Jugendbewegung in Europa. Versuch einer Bilanz. Köln. 1967.

[22] Kindt, Werner [Hrsg.]. Dokumentation der Jugendbewegung. Bd. 2. 1968. Die Wandervogelzeit. Quellenschriften zur deutschen Jugendbewegung 1896-1919.

[23] Kindt, Werner [Hrsg.]. Dokumentation der Jugendbewegung. Bd. 3. Die bündische Zeit.

[24] Stauda, Johannes. Der Wandervogel in Böhmen. 1911 - 1920. Reutlingen. 1978.

[25] Stiftung Jugendburg Ludwigstein und Archiv der Deutschen Jugendbewegung [Hrsg.]. Jahrbuch des Archivs der Deutschen Jugendbewegung 16/1986 - 87. Witzenhausen. 1987.

[26] Ille, Erhard. Köhler, Günter. Der Wandervogel - Es begann in der Steglitz. Berlin. 1987. [Zu einer Ausstellung über den Steglitzer Wandervogel im Alten Rathaus Steglitz im Jahr 1987 im Rahmen der 750 Jahrfeier der Stadt Berlin]

[27] Mogge, Winfried. Jürgen, Reulecke [Hrsg.]. Hoher Meißner 1913. Der erste Freideutsche Jugendtag in Dokumenten und Bildern. Köln. 1988.

[28] Fiedler, Gudrun. Jugend im Krieg. Bürgerliche Jugendbewegung, Erster Weltkrieg und sozialer Wandel 1914 – 1923. Köln. 1989.

[29] Fritz, Michael. Hafenger, B. „... und fahr’n wir ohne Wiederkehr“. Ein Lesebuch zur Kriegsbegeisterung junger Männer. Bd.1. Der Wandervogel. Frankfurt 1990.

[30] Morris-Keitel, Peter. Literatur der deutschen Jugendbewegung. Frankfurt a. M. 1994.

[31] Meyers Großes Taschenlexikon gibt für den Wandervogel e.V. rd. 25 000 Mitglieder im Jahre 1913 an, was der Auflagenhöhe der Zeitschrift dieses Bundes entspricht.

[32] Frobenius, Else. A. a. O. S. 186 ff.

[33] Zu ungefähren Mitgliederangaben vgl. Kneip, Rudolf. Jugend der Weimarer Zeit. Handbuch der Jugendverbände 1919 – 1938. Frankfurt/ Main. 1974. Und: Ehrenthal, Günter. Die deutschen Jugendbünde. Berlin. 1929.

[34] Unruh, Karl. Langemark, Legende und Wirklichkeit. Koblenz. 1986.

[35] Und meist auch antisemitisch, was an dieser Stelle allerdings nicht relevant ist.

[36] In diese Richtung weisen z.B. die Entwicklung des Deutschen Mädel Wanderbundes, der bald nach dem Ersten Weltkrieg den Begriff „völkisch“ aus der Satzung nahm und jüdischen Mädchen und Frauen den Eintritt ermöglichte, die Ziele der deutschen Kulturpflege aber beibehielt[Kindt, Werner. Dokumentation der Jugendbewegung, Bd. III, Die bündische Zeit.1968. S. 872] und der Beschluß des Wandervogel Völkischer Bund zu Pfingsten 1926 auf Bemühen seines Bundesführers Karl Bückmann, den Zusatz „völkisch“ abzulegen, u.a. um nicht dem politischen Lager zugerechnet zu werden [ebd. S. 244 ff.].

[37] Rede Gustav Wynekens auf dem Hohen Meißner am Morgen des 12. Oktobers 1913 in: Mogge, Winfried. Jürgen, Reulecke [Hrsg.]. Hoher Meißner 1913. A.a.O. S. 294.

[38] Ebd. S. 296.

[39] Ebd. S. 300.

[40] Ahlborn, Knud. Das Meißnerfest der Freideutschen Jugend. S. 112. Zitiert nach Morris – Keitel, Peter. Literatur der deutschen Jugendbewegung. Frankfurt a. M. 1994. S. 110

[41] Die Angaben zur Anzahl der Kriegsfreiwilligen Wandervögel sind unterschiedlich. Frobenius gibt 1927 12000 an, von denen etwa 7000 gefallen sein sollen [Frobenius, Else. a.a.O. S. 141], Laqueur kommt 1962 auf etwa 14 000, von denen 3 500 den Krieg nicht überlebt haben [Laqueur, Walter. Die Deutsche Jugendbewegung. S.112], 1993 zählt Malzacher etwa 13 000 bis 15 000 kriegsfreiwillige Wandervögel, von denen bis zu 9 000 gefallen sein sollen [Malzacher, Florian. Jugendbewegung für Anfänger. Witzenhausen. 1993].

[42] Insofern verfälschend, als daß nirgendwo definiert ist, was unter Kriegsbegeisterung zu verstehen ist. Die Folge daraus ist, daß eine begeisterte Teilnahme an dem, was wir heute unter dem Begriff Krieg bzw. Weltkrieg verstehen angenommen wurde. Natürlich kann auch die Begeisterung der Wandervögel als „Kriegsbegeisterung“ bezeichnet werden, nur verbirgt sich m.E. nicht die blutrünstige Verwerflichkeit dahinter, die der heutige Wortgebrauch impliziert.

[43] Linden, Marcel van der, Mergner, G. Kriegsbegeisterung und mentale Kriegsvorbereitung. In: Marcel van der Linden u. G. Mergner. [Hrsg.]. Kriegsbegeisterung und mentale Kriegsvorbereitung. Interdisziplinäre Studien. Beiträge zur politischen Wissenschaft. Bd. 61. Berlin. 1991. S. 22-23.

[44] Malzacher, Denschel. Jugendbewegung für Anfänger. Witzenhausen. 1993.

[45] Ahlborn, Knud. Das Freideutschtum in seiner politischen Auswirkung. In: Junge Republik – Bausteine zum neuen Werden. H. 2. S. 3.

[46] Paasche, Hans. Ändert Euren Sinn!. Schriften eines Revolutionärs. Bremen. 1992. S. 26.

[47] Linden, Marcel van der. Kriegsbegeisterung und mentale Kriegsvorbereitung. A.a.O. S. 11-12.

[48] Dabei handelt es sich um Geländespiele, die man ‚Räuber und Gendarm’ auf hohem Niveau nennen kann.

[49] Unruh, Karl. Langemark. Bonn. 1997. S. 220.

[50] Preuß, Reinhard. Freideutsche Jugend und Politik – Politische Orientierung und Manifestation innerhalb der bürgerlichen Jugendbewegung 1913 – 1918/19. In: Jahrbuch der Jugendbewegung 16. 1986 – 87. S. 208

[51] Heinz v. Rhoden an Marburger Studiengenossen, 21.4.1915. In: Rhoden, H.v. 1916. Bd. 2. S. 81.

[52] Unruh, Karl. A.a.O. S. 43.

[53] Gestaltet von dem Künstler Hugo Höppner, genannt Fidus.

[54] Morris – Keitel, Peter. Literatur der deutschen Jugendbewegung. Frankfurt a. M. 1994. S. 94.

[55] Ebd. S. 110.

[56] Ebd. S. 110/111.

[57] Preuß. Freideutsche Jugend und Politik. Politische Orientierung und Manifestationen innerhalb der bürgerlichen Jugendbewegung 1913-1918/19, in: Jahrbuch des Archivs der deutschen Jugendbewegung 16. 1986-87. S. 235.

[58] Morris-Keitel, Peter. A.a.O. S. 112.

[59] Ebd. S. 120.

[60] Ebd. S. 113.

[61] Ebd. S. 113.

[62] Ebd. S. 120.

[63] Wandervogel. Monatsschrift für deutsches Jugendwandern. 1. Kriegsheft. Heft 9/10. 1914. S. 259.

[64] Ebd. S.260.

[65] Ebd. S. 260.

[66] Ebd. S. 261.

[67] Wandervogel. Monatsschrift für deutsches Jugendwandern. 1. Kriegsheft. Heft 11/12. 1914. S. 273.

[68] Ebd. S. 273.

[69] Ebd. S. 288.

[70] Ebd. S. 280.

[71] Wandervogel. Monatsschrift für deutsches Jugendwandern. 1. Kriegsheft. Heft 9/10. 1914. S. 271.

[72] Jung-Wandervogel. Zeitschrift des Bundes für Jugendwandern. 1916. Heft 11. S. 186.

[73] Jung-Wandervogel. Zeitschrift des Bundes für Jugendwandern. 1916. Heft 2. S. 26.

[74] Jung-Wandervogel. Zeitschrift des Bundes für Jugendwandern. 1916. Heft 2. S. 26.

[75] Jung-Wandervogel. Zeitschrift des Bundes für Jugendwandern. 1916. Heft 2. S. 27.

[76] Jung-Wandervogel. Zeitschrift des Bundes für Jugendwandern. 1916. Heft 2. S. 27.

[77] Jung-Wandervogel. Zeitschrift des Bundes für Jugendwandern. 1916. Heft 3. S. 44.

[78] Es stellt so etwas wie die Hymne des Wandervogels dar. Der letzte Vers lautet: „Wer die Blaue Blume finden will, der muß ein Wandervogel sein.“

[79] Jung-Wandervogel. Zeitschrift des Bundes für Jugendwandern. 1916. Heft 5. S. 73.

[80] Ebd. S. 73.

[81] Ebd. S. 74.

[82] Jung-Wandervogel. Zeitschrift des Bundes für Jugendwandern. 1916. Heft 6. S. 97/ 98.

[83] Ebd. S. 100.

[84] Jung-Wandervogel. Zeitschrift des Bundes für Jugendwandern. 1918. Heft 1. S. 11.

[85] Der Zwiespruch. Ein Rundbrief der Feldwandervögel im Westen. 1917. Nr.5. S. 34.

[86] Der Zwiespruch. Ein Rundbrief der Feldwandervögel im Westen. 1917. Nr.4. S. 20.

[87] Der Zwiespruch. Ein Rundbrief der Feldwandervögel im Westen. 1917. Nr.12/ 13. S. 238.

[88] Der Zwiespruch. Ein Rundbrief der Feldwandervögel im Westen. 1917. Nr.17. S. 299.

[89] Rundbrief der Feld-Wandervögel im Osten. 3. Brief. Mai 1917. S. 38.

[90] Rundbrief der Feld-Wandervögel im Osten. 8. Brief. April/ Mai 1918. S. 107.

Ende der Leseprobe aus 84 Seiten

Details

Titel
Literatur im Krieg - Kontinuität und Wandel jugendbewegter Ideale in der Erfahrung des Ersten Weltkriegs
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Literatur und Linguistik)
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
84
Katalognummer
V82414
ISBN (eBook)
9783638853187
ISBN (Buch)
9783638852272
Dateigröße
808 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bei dieser Arbeit handelt es sich um eine mentalitätsgeschichtliche Untersuchung, die auf einen bislang unerschlossenen Textkorpus zugreift, der einen Einblick in den geistigen Wandel der Kriegsgeneration von 14/18 ermöglicht. Die Deutsche Jugendbewegung, in der sich das damalige politisch-gesellschaftliche Spektrum abbildet und in der sich alle damaligen geistigen und reformerischen Strömungen der Jahrhundertwende trafen, wird hier als Gesellschaft im kleinen angesehen.
Schlagworte
Literatur, Krieg, Kontinuität, Wandel, Ideale, Erfahrung, Ersten, Weltkriegs
Arbeit zitieren
M.A. Sven Stemmer (Autor), 2005, Literatur im Krieg - Kontinuität und Wandel jugendbewegter Ideale in der Erfahrung des Ersten Weltkriegs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82414

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