Flucht und Zuwanderung aus der SBZ/DDR in die Westzonen/BRD 1945-1961


Bachelorarbeit, 2007
33 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung und Forschungsstand

2. Umfang und Zusammensetzung der Wanderung
2.1 Umfang der Wanderung
2.2 Zusammensetzung der Migration
2.2.1 Altersstruktur
2.2.2 Geschlechterverhältnis
2.2.3 Berufsstruktur

3. Motive
3.1 Die zeitgenössische Einschätzung der Fluchtmotive
3.2 Politische Fluchtgründe
3.3 Wirtschaftliche Zwangslagen als Fluchtgrund
3.4 Arbeitswanderung
3.5 Familiäre Gründe

4. Verhalten der beteiligten Staaten zur Bevölkerungswanderung
4.1 Verhalten der SBZ/DDR zur Abwanderung
4.2 Die Situation in Westdeutschland
4.3 Verhalten der westlichen Besatzungsmächte
4.4 Verhalten der Bundesrepublik Deutschland

5. Bewertung der Hilfsmaßnahmen der Bundesrepublik

6. Wirkung der Zuwanderung auf die bundesdeutsche Wirtschaft

7. Zusammenfassung

8. Ausblick

9. Literatur

1. Einleitung und Forschungsstand

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Flucht und Abwanderung von Menschen aus der Sowjetischen Besatzungszone bzw. der DDR in die westlichen Besatzungszonen bzw. die Bundesrepublik Deutschland. Die Abwanderung aus der SBZ/DDR bedeutete für die Migranten eine völlige Loslösung von ihren bisherigen Lebensverhältnissen. Sie alle mussten ihre Heimat sowie Familie, Freunde und Kollegen zurücklassen, zudem verloren sie einen sicheren Arbeitsplatz. Dies alles hieß, beruflich wie sozial, einen Neuanfang zu wagen, in den überwiegenden Fällen mit nur dem an persönlicher Habe, was sich in einem Koffer verstauen ließ. Hinzu kommt, dass die Übersiedelung zumeist keine frei gewählte Alternative war, durch politische Maßnahmen der SED oder wirtschaftliche Zwangslagen sahen sich viele geradezu zu diesem Schritt gedrängt.

Zum Untersuchungszeitraum lässt sich sagen, dass diese mehrere Millionen Teilnehmer umfassende Migration schon vor Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 begann, wobei die sowjetische Besatzung und die kommunistische Machtübernahme ebenso eine tief greifende Zäsur bedeuteten. Die Flucht setzte sich im Wesentlichen bis August 1961 fort. Der Bau der Berliner Mauer, der am 13. August diesen Jahres begann, setzte zwar der hier behandelten Massenmigration ein jähes Ende, bedeutete aber kein völliges Erliegen der Fluchtbewegung.

Zunächst gilt es zu klären, wer an dieser Wanderungsbewegung teilnahm. Waren diese Menschen in der Mehrheit unterdrückte Opfer des stalinistischen Terrorregimes, oder, wie die DDR-Propaganda versuchte zu suggerieren, vielmehr ideologisch ungefestigte Opfer eines Menschenhandels im Dienste des kriegerischen westdeutschen Imperialismus? Handelte es sich andererseits vielmehr um ganz normale Binnenwanderer auf einem bis 1961 noch teilweise funktionierenden gesamtdeutschen Arbeitsmarkt, die für ihr berufliches und persönliches Fortkommen im Westen Deutschlands einfach die besseren Chancen sahen? Um diese Frage zu beantworten, wird anschließend die innere Zusammensetzung der Wanderungsbewegung in verschiedene Kategorien analysiert. Dies führt im Weiteren zu den Motiven, die zum Verlassen der SBZ/DDR vorgeherrscht haben. Bei einer so weit reichenden Entscheidung, wie dem möglicherweise endgültigen Verlassen der Heimat, müssen in der Regel gute Gründe vorgelegen haben. Wie diese Motive und ihre Gewichtung bei den Übersiedlern vorlagen, soll der dritte Abschnitt klären.

Anschließend stellt sich die Frage, wie die betroffenen Territorien bzw. Staaten mit einer massenhaft erfolgenden Abwanderung und, auf der anderen Seite, einer ebensolchen Zuwanderung umgingen. Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, wie und mit welchen Mitteln die DDR dem Abstrom von Menschen aus ihrem Gebiet zu begegnen versuchte.

Welche Maßnahmen ergriff seinerseits der Westen, um den Zustrom zu bewältigen; wie erfolgreich waren die jeweiligen Maßnahmen?

Besonderen Einfluss auf die Eingliederungsmöglichkeiten von Zuwanderern hat in jedem Falle die Fähigkeit der Wirtschaft, Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen. Welche Rolle die Zuwanderer auf dem Arbeitsmarkt der Bundesrepublik gespielt haben, soll demzufolge auch geklärt werden.

Da die Übersiedlung von DDR-Bürgern mit dem Mauerbau 1961 zwar jäh gestoppt, aber letztlich nicht dauerhaft unterbrochen wurde, sondern sich, wenn auch in stark vermindertem Umfang, bis zur Aufhebung der staatlichen Teilung Deutschlands fortsetzte, soll der Ausblick auch diesen Zeitraum kurz beleuchten.

Forschungsstand

Bereits Anfang der 1950er Jahre, also nur kurz nachdem die deutsch-deutsche Fluchtbewegung als eigenständiges Phänomen ihren Anfang nahm und vor allem als solches wahrgenommen wurde, erschienen die ersten sozialwissenschaftlichen und historiographischen Arbeiten hierzu.[1] Bei diesen, ebenso wie bei später erschienenen Arbeiten, standen zumeist die Eingliederungsbemühungen seitens der westdeutschen Aufnahmegesellschaft sowie die Integrationsbereitschaft und -fähigkeit der Zuwanderer aus dem Osten im Zentrum des Interesses. Vielfach fungierten Bundesministerien als Auftraggeber und Herausgeber betreffender Studien.[2]

Diesen Arbeiten ist gemeinsam, dass sie vor allem die Integrationsleistung hervorheben und sie als Teil der Erfolgsgeschichte der jungen Bundesrepublik darstellen. Die Abwanderung der Ostdeutschen wurde zumeist als eine Art politisch-gesellschaftliches Barometer für die Repressivität des politischen Klimas in der DDR betrachtet. Fluchtursachen und die Auswirkungen auf die DDR-Gesellschaft blieben größtenteils, auch mangels glaubhaftem Quellenmaterial aus dem Osten – es standen nur die offiziellen Stellungnahmen aus Ost-Berlin zur Verfügung – unberücksichtigt. In der DDR-Wissenschaft war das Thema Republikflucht vor und nach dem Mauerbau bis 1989 tabuisiert.

Bei der Literatur über die Zuwanderung fällt auf, dass sich viele Autoren einseitig auf die Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten konzentrierten. Zudem wurden vielfach beide Gruppen, trotz bestehender Unterschiede, vor allem was den Zuwanderungszeitraum, die Zusammensetzung und die Migrationsmotive angeht, gemeinsam betrachtet. Vielfach wurde die Flucht aus der SBZ/DDR auch nur mit einem Kapitel in einem Buch, das sich ansonsten mit den Vertriebenen beschäftigte, abgehandelt. Diese Gewichtung in Veröffentlichungen veranschaulicht ein Standardwerk von 1959.[3]

Ein ausschlaggebendes, neueres Werk zum Thema Flucht aus der SBZ/DDR stammt von Helge Heidemeyer[4], der sich auf die politische und gesellschaftliche Bedeutung der Zuwanderung für die Bundesrepublik, sowie auf die Zusammensetzung des Flüchtlingsstromes und auf das Aufnahmeverfahren konzentriert. Des Weiteren ist die Monographie von Volker Ackermann[5] zu nennen, welche sich mit den Auseinandersetzungen um den `echten` Flüchtling, also der Frage nach der Legitimation der Zuwanderer als politische Flüchtlinge, sowie mit den Fluchtmotiven beschäftigt. Ferner hat Frank Hoffmann[6] eine umfassende Studie zur Integration jugendlicher Republikflüchtlinge, einem Thema, das auch zeitgenössisch eine gewisse Sonderstellung einnahm, vorgelegt.

Der Forschung, die sich bis vor wenigen Jahren auf die Ankunft und Eingliederung in die aufnehmende Gesellschaft konzentrierte, also im Westen über den Westen schrieb, wurde durch die Öffnung der DDR-Archive auch die Untersuchung der ostdeutschen Perspektive ermöglicht. Die Fluchtmotive, die Wahrnehmung durch offizielle DDR - Stellen, sowie die zur Eindämmung der Massenflucht getroffenen Maßnahmen rückten vermehrt in das Interesse.[7] Beispielhaft dafür ist die Arbeit von Damian van Melis[8], deren Titel „Republikflucht“, schon auf die Einbeziehung der offiziellen DDR-Sichtweise auf das behandelte Thema hinweist.

2. Umfang und Zusammensetzung der Wanderung

2.1 Umfang der Wanderung

Der genaue Umfang der Wanderungsbewegung gen Westen lässt sich, besonders für die erste Zeit, nur schwer feststellen. Für die unmittelbaren Nachkriegsjahre 1945-1949 ist eine verlässliche Feststellung des Umfangs der Wanderungsströme nicht mehr möglich. Die Flüchtlinge sind in dieser Zeit nicht systematisch registriert worden, im Ergebnis dessen widersprechen sich die zeitgenössisch genannten Zahlen. Unterschiedliche Statusdefinitionen und Stichtage machen ihre Überprüfung nur sehr begrenzt möglich.

Ab dem 1. September 1949 wurden zwar diejenigen, die einen Aufnahmeantrag stellten, von den Aufnahme - Dienststellen erfasst, aber viele der aus dem Osten Eintreffenden durchliefen nicht das vorgesehene Notaufnahmeverfahren, da sie bei Verwandten oder Freunden eine Unterkunft erhielten. Dies traf besonders auf nachziehende Familienangehörige zu. Der Anteil der Zuwanderer, die das Aufnahmeverfahren nicht durchliefen, wird auf etwa 10-15% geschätzt.[9] Allerdings befanden sich unter denen, die das Verfahren durchliefen, auch Personen, die „mit Genehmigung der DDR in die Bundesrepublik Deutschland übergesiedelt und somit nicht als Flüchtlinge anzusehen sind.“[10]

Auch der Sonderstatus von Berlin brachte Schwierigkeiten für die Erfassung des Umfangs der Wanderung mit sich. Es war bis 1961 durch die Betrachtung der Stadt als Ganzes statistisch kaum möglich, zwischen normalem Zuzug aus dem Westteil und der Fluchtbewegung aus dem Osten zu unterscheiden.

Auf der anderen Seite gab es Personen, die zwei- oder mehrfach registriert wurden, da sie die sowjetische Zonengrenze mehrere Male überquert haben. Eine weitere Ungenauigkeit der Zahlen ergibt sich aus der Tatsache, dass die Abmeldepflicht bei Fortzug oft unbeachtet blieb, so dass die Rückwanderung in die SBZ bzw. in die DDR nicht in umfassend ermittelt werden konnte. Schätzungen beziffern den Anteil der Rückwanderer auf etwa 10%.[11]

Des Weiteren wurden auch solche Personen in der Statistik erfasst, die sich absehbar nur für einen begrenzten Zeitraum, etwa zu Ausbildung oder Studium, in der Bundesrepublik aufhielten, was die Zahlen ebenfalls nach oben verfälscht haben dürfte.

Aus diesen Unsicherheiten, was die Bestimmung der tatsächlichen Zahl der Übersiedler angeht, ergeben sich in der Literatur teilweise deutlich unterschiedliche Angaben.

Die Anzahl der bereits zwischen Kriegsende und 1949 übergesiedelten Personen wird zwischen 0,6[12] und etwa 0,88 Millionen[13] angegeben. Was die Gesamtzahl aller zwischen 1944/45 und 1961 Geflüchteten angeht, liegen die Werte bei rund 3,3 Millionen Personen.[14]

2.2 Zusammensetzung der Migration

2.2.1 Altersstruktur

An der Altersstruktur der Flüchtlinge ist besonders der sehr hohe Anteil der unter 25 Jährigen bemerkenswert. Über den gesamten Zeitraum gehörten immer etwa die Hälfte aller Zuziehenden dieser Altersgruppe an, während ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung der DDR z.B. 1957 nur 36,5% ausmachte. Innerhalb dieser Gruppe zeigten die 18-24 Jährigen die größte Mobilität, ihr Anteil an den Flüchtenden übertraf den an der Gesamteinwohnerschaft teilweise um das Zweieinhalbfache. Erweitert man diese Gruppe auf die zwischen 14 und 44 Jahre alten, machen diese über 70% der Flüchtenden aus, was dem Doppelten ihres Anteils an der Gesamtbevölkerung entspricht. Insgesamt waren deutlich über 60% der Flüchtlinge im erwerbsfähigen Alter, zumeist waren weit weniger als 10% bereits Rentner.[15]

Generell lässt sich sagen, dass alle Altersgruppen an der Wanderungsbewebung gen Westen Anteil hatten. Die Jüngeren partizipierten jedoch aufgrund höherer räumlicher Mobilität und geringeren familiären und sozialen Bindungen an ihr Herkunftsgebiet in stärkerem Maße daran.

2.2.2 Geschlechterverhältnis

Das Verhältnis der Geschlechter im Aufnahmeverfahren der Bundesrepublik war im Laufe der Jahre einigen leichten Schwankungen unterworfen. Trotz kriegsbedingtem Übergewicht, der Frauenanteil an der Gesamtbevölkerung der DDR lag 1950 bei 55,5%, war ihr Anteil an den Flüchtenden anfangs leicht geringer als der der Männer. Ab 1958 machten sie jedoch die Mehrheit der Zuwanderung aus der Sowjetzone aus. Von 1949-1961 pendelte sich der Frauenanteil im Durchschnitt bei 49,6% ein, wobei in den Altersgruppen bis 25 Jahre das Übergewicht der Männer deutlicher war, in allen höheren Altersgruppen dominierten zumeist die weiblichen Antragsteller.[16]

2.2.3 Berufsstruktur

Was die Erwerbsstruktur der Notaufgenommenen angeht, lässt sich feststellen, dass der Anteil derjenigen, die eine Erwerbstätigkeit angaben, sehr hoch war. Im Durchschnitt der Jahre 1952-1961 lag er bei 61,7%. Damit übertraf der Wert deutlich den des Anteils der Erwerbstätigen in der Gesamtbevölkerung der DDR, der 1960 bei 46,7% lag. Die Gruppe der Nicht-Erwerbstätigen setzte sich aus Kindern und Schülern (20% aller Übersiedler), Hausfrauen (11%) sowie Rentnern und Pensionären (6%) zusammen.[17]

Der Anteil der Studenten, der zu Beginn nur 0,1% (1953) betrug, lag ab 1958 bei durchschnittlich einem Prozent, was angesichts ihres Anteils von 0,4% an der damaligen Bevölkerung der DDR bemerkenswert hoch ist. Rechnete man auch die Abiturienten und die abgelehnten Studienbewerber hinzu, wäre eine nahezu Verdreifachung des Anteils dieser Gruppe zu verzeichnen.[18] Über eine abgeschlossene Ausbildung an einer Fach- bzw. Berufsfachschule verfügten, laut Volkszählung in der Bundesrepublik 1961, 8,3% der über 20 Jahre alten Zuwanderer aus der SBZ/DDR. Der Vergleichswert bei der einheimischen Bevölkerung lag bei nur 4,2%.[19]

Allgemein ließ sich unter den akademischen Berufen eine starke Fluchtbewegung verzeichnen, der Rest der `alten Intelligenz` schrumpfte weiter zusammen. Allein für den Zeitraum von 1954 bis zum Mauerbau 1961 wurde die Flucht von fast 4.000 Ärzten und über 17.000 Lehrern (davon rund 750 Hochschullehrer) sowie weiterer Akademiker in nicht unbedeutenden Größenordnungen verzeichnet.[20] Unter den Zuwanderern gab es insgesamt einen recht hohen Anteil von überdurchschnittlich Gebildeten. Der Anteil derer, die ein abgeschlossenes Hochschulstudium vorweisen konnten, lag bei den Männern mit 7,2% mehr als doppelt so hoch wie im bundesdeutschen Durchschnitt (3,4%), bei den Frauen zeigt sich, wenn auch in anderen Dimensionen, das gleiche Bild.[21]

In den Statistiken der Notaufnahme blieb die Verteilung der Berufsgruppen im Untersuchungszeitraum recht konstant. Den größten Anteil hatten Berufe aus dem Sektor Industrie und Handwerk, gefolgt vom Bereich Handel und Verkehr sowie, mit etwas Abstand, aus der Landwirtschaft.

Die Frage, wer sich wann zum Fortgang entschloss, hing auch stark von der Wirkung innenpolitischer Entscheidungen der DDR ab. Am deutlichsten war dies bei Beschäftigten aus der Landwirtschaft zu erkennen. Zu Beginn der Kollektivierung 1953 sowie 1960, als die Zwangskollektivierung aller noch selbstständigen Bauern in der DDR angeordnet wurde, stieg die Zahl der Antragsteller sprunghaft an.[22]

3. Motive

3.1 Zeitgenössische Einschätzung der Fluchtmotive

In zeitgenössischen bundesdeutschen Veröffentlichungen, Reden oder Radio-Interviews wurde von offizieller Seite versucht, bei den Westdeutschen den Eindruck zu erwecken, die Motive zum Verlassen der DDR seien ausschließlich, oder doch zumindest deutlich überwiegend, politischer Natur. Ökonomische oder persönliche Gründe spielten scheinbar nur eine untergeordnete Rolle.[23]

Dass dieser Eindruck entstand, hat mehrere Ursachen, auf die im Einzelnen nicht näher eingegangen werden kann. Genannt sei jedoch das Notaufnahmegesetz, das dem Antragsteller einen Nachweis seiner Notsituation abverlangte. Um die Chancen für eine Anerkennung als Sowjetzonenflüchtling und auf die damit verbundenen höheren staatlichen Zuwendungen zu

steigern, gaben viele Menschen in dieser Zeit politische Fluchtgründe an.[24]

Andererseits war der Bundesrepublik zur Zeit des Kalten Krieges daran gelegen, das kommunistische Regime im Osten, in ausdrücklicher Abgrenzung zur rechtsstaatlichen BRD, als hochgradig abschreckend darzustellen. Somit war ihr, auch in Hinblick auf die Aufnahmebereitschaft der Bundesbürger, an einem hohen Anteil politisch begründeter Fluchten gelegen.[25]

In Wirklichkeit dürfte bei der überwiegenden Mehrheit ein Konglomerat verschiedener Ursachen zum Verlassen ihrer Heimat vorgelegen haben.

Eine grobe Einteilung der Zuwanderung in eine Flucht- und eine Wanderungsbewegung, konkreter ausgedrückt, in eine Zwangs- und eine Arbeitswanderung, erscheint angesichts der vielen vorliegenden Motive angebracht.

[...]


[1] Siehe z.B.: Külz, Helmut R.: Die Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone. Frankfurt a. M. 1950.; Grenzer, Rudolf: Die Flucht aus der sowjetischen Besatzungszone. Ergebnisse des Notaufnahmeverfahrens. In: Raumforschung und Raumordnung 11. o.O. 1953.

[2] Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen (Hrsg.): Die Flucht aus der Sowjetzone und die Sperrmaßnahmen des kommunistischen Regimes vom 13. August 1961 in Berlin. Bonn und Berlin 1961.; Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte (Hrsg.): Die Flucht aus der Sowjetzone. Ursachen und Verlauf – Die Eingliederung der Flüchtlinge. Bonn 1964.

[3] Granicky, Günter: Die Zuwanderung aus der sowjetischen Besatzungszone als konkurrierendes Problem. In: Lemberg, Eugen; Edding, Friedrich (Hrsg): Die Vertriebenen in Westdeutschland. Ihre Eingliederung und ihr Einfluss auf Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Geistesleben. Kiel 1959. Bd. 3. S. 475-510.

[4] Heidemeyer, Helge: Flucht und Zuwanderung aus der SBZ/DDR 1945/1949-1961 Die Flüchtlingspolitik der Bundesrepublik Deutschland bis zum Bau der Mauer. Düsseldorf 1994.

[5] Ackermann, Volker: Der „echte“ Flüchtling Deutsche Vertriebene und Flüchtlinge aus der DDR 1945-1961. Osnabrück 1995.

[6] Hoffmann, Frank: Junge Zuwanderer in Westdeutschland Struktur, Aufnahme und Integration junger Flüchtlinge aus der SBZ und der DDR in Westdeutschland (1945-1961). Frankfurt am Main 1999.

[7] z.B.: Major, Patrick: „ Mit Panzern kann man doch nicht für den Frieden sein“: Die Stimmung der DDR-Bevölkerung zum Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 im Spiegel der Parteiberichte der SED. In: Jahrbuch für historische Kommunismusforschung 3 (1995) S. 208-223. ; Ross, Corey: „… sonst sehe ich mich veranlasst, auch nach dem Westen zu ziehen“. „Republikflucht“, SED-Herrschaft und Bevölkerung vor dem Mauerbau. In: Deutschland Archiv 34/ 2001. S. 613-627.

[8] Melis, Damian van: „Republikflucht“ Flucht und Abwanderung aus der SBZ/DDR 1945 bis 1961. München 2006.

[9] Vgl. Heidemeyer, Helge: Flucht und Zuwanderung aus der SBZ/DDR 1945/1949-1961. Düsseldorf 1994. S. 41.

[10] Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen (Hrsg.): DDR Handbuch Bd. I. Köln 1985. S. 419.

[11] Vgl. Ebd. S. 419.

[12] Vgl. Ackermann, Volker: Der „echte“ Flüchtling. Osnabrück 1995. S. 127.

[13] Vgl. Koch, H. R.: Flucht und Ausreise aus der DDR Ein Beitrag zum „Wohlbekannten“. In: Deutschland Archiv 1/1986. S. 49.

[14] Vgl. Lochen, Hans-Hermann; Meyer-Seitz, Christian (Hrsg.): Die geheimen Anweisungen zur Diskriminierung Ausreisewilliger Dokumente der Stasi und des Ministeriums des Innern. Köln 1992. S. 7.

[15] Vgl. Heidemeyer, Helge: Flucht und Zuwanderung aus der SBZ/DDR 1945/1949- 1961. S. 48f.

[16] Vgl. Heidemeyer, Helge: Flucht und Zuwanderung aus der SBZ/DDR 1945/1949-1961. S. 50.

[17] Vgl. Ebd. S. 50.

[18] Vgl. Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen (Hrsg.): Die Flucht aus der Sowjetzone. S. 18.

[19] Vgl. Hoffmann, Frank: Junge Zuwanderer in Westdeutschland. S. 186.

[20] Vgl. Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen (Hrsg.): Die Flucht aus der Sowjetzone. S. 17.

[21] Der Hochschulabsolventinnenanteil unter Zuwanderern betrug 2,1%, im Bundesdurchschnitt 1,0%. Siehe: Heidemeyer, Helge: Flucht und Zuwanderung aus der SBZ/DDR 1945/1949-1961. S. 51.

[22] Vgl. Ebd. S. 52.

[23] Vgl. Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen (Hrsg.): Die Flucht aus der Sowjetzone. S. 18ff.

[24] So gaben im Juli 1961 von 2810 Befragten im Notaufnahmeverfahren 1522, mehr als die Hälfte, im weitesten Sinne politische Gründe an. Siehe: Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen (Hrsg.): Die Flucht aus der Sowjetzone. S. 21f. Dies steht in starkem Gegensatz zum Anteil derer, die den Flüchtlingsausweis C (politischer Flüchtling) ausgestellt bekamen (im Untersuchungszeitraum durchschnittlich unter 20%).

[25] Vgl. Wennemann, Adolf: Zwischen Emanzipation und Konformitätsdruck: Zuwanderer aus SBZ und DDR in Niedersachsen. In: Bade, Klaus J. (Hrsg.): Fremde im Land: Zuwanderung und Eingliederung im Raum Niedersachsen seit dem Zweiten Weltkrieg. Osnabrück 1997. S. 140. ebenso: Vgl. Ackermann, Volker: Der „echte“ Flüchtling. S. 134f.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Flucht und Zuwanderung aus der SBZ/DDR in die Westzonen/BRD 1945-1961
Hochschule
Universität Rostock  (Historisches Institut)
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
33
Katalognummer
V82464
ISBN (eBook)
9783638850537
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Flucht, Zuwanderung, SBZ/DDR, Westzonen/BRD
Arbeit zitieren
B.A. Christian Pauer (Autor), 2007, Flucht und Zuwanderung aus der SBZ/DDR in die Westzonen/BRD 1945-1961, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82464

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