Das Verhalten der USA in der Berlin-Krise 1948/49 als Ausdruck ihrer außenpolitischen Prinzipien im beginnenden Kalten Krieg


Hausarbeit, 2005
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einführung

2. Nachkriegssituation

3. Die außenpolitischen Prinzipien der USA nach 1945
3.1 Containment
3.2 Truman-Doktrin
3.3 Marshall-Plan

4. Die Berlin-Blockade

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Berlin-Blockade in den Jahren 1948/49 und soll aufzuzeigen, dass das Vorgehen der USA in dieser Krise den außenpolitischen Grundsätzen der damaligen US-Regierung entsprach.

Diese Grundsätze, die unter 2. erläutert werden sollen, aber waren neu und widersprachen den vorhergehenden weitgehend. Ein innenpolitischer Kampf zwischen den traditionellen Isolationisten und den Internationalisten, an deren Spitze Präsident Franklin D. Roosevelt stand,[1] musste erst zugunsten der Internationalisten entschieden werden.

Diese brachten drei Hauptargumente hervor, die für eine Beteiligung der USA an den Konflikten in anderen Teilen der Welt sprachen.

1. Die Internationalisten gingen davon aus, dass ein offener und ungeteilter Weltmarkt eine der Grundbedingungen für das Überleben des amerikanischen Wirtschaftssystems war. Es stand zu befürchten, dass Deutschland und Italien in Europa und Japan in Asien nach einem Sieg beide Regionen in ein System fast autarker Planwirtschaft zwingen würden. Als Folge dessen müsste das Handelsvolumen der USA fallen, was ein Schrumpfen der Import- und Exportindustrie zur Folge hätte. Ein militärischer Sieg der Aggressoren würde somit eine wirtschaftliche Katastrophe für die Vereinigten Staaten bedeuten.[2]
2. Man ging von der Überzeugung aus, dass das letzte Ziel Deutschlands und Japans die Eroberung der Welt, inklusive der USA sei. Zumindest würde, bei erfolgreichem Kriegsverlauf für die Angreifer, der US-Sicherheitsbereich, einschließlich der Weltmeere, zusammenschmelzen. Die Unterstützung für England und Frankreich geschah deshalb, da diese Länder sozusagen stellvertretend die USA mitverteidigten. Dies und das spätere Eingreifen mit eigenen Truppen (auch in Asien) kann daher als „globale Vorwärtsverteidigung“[3] angesehen werden.[4]
3. Die ideelle Komponente darf hierbei nicht vernachlässigt werden. Mit den angegriffenen Staaten verteidigte die USA zugleich auch die Werte, die sie als globale Grundlage friedlichen Zusammenlebens der Völker ansahen. Zuallererst kam hier natürlich das Recht der freien Völker auf Selbstbestimmung. Darüber hinaus war dieser Krieg für viele Amerikaner auch der Kampf der liberalen Demokratie und der christlich-humanistischen Zivilisation gegen Faschismus und Barbarei, der keinesfalls verloren werden durfte.[5]

Präsident Roosevelt setzte sich schließlich mit seiner Ansicht durch, was zum Eingreifen in Europa führte und die Außenpolitik der Vereinigten Staaten langfristig in seinem Sinne beeinflussen sollte.

Auch die Sowjetunion wurde, trotz gegensätzlicher ideologischer Ausrichtung, im Zweiten Weltkrieg unterstützt. Doch aus Verbündeten wurden nach Kriegsende bald Feinde, ein `kalter` Krieg löste den `heißen` ab.

Im besiegten Deutschland, in verschärfter Situation in Berlin, trafen die gegensätzlichen Weltmächte nun aufeinander, was die Stadt eine Zeitlang ins Weltinteresse rückte. Erstmals offen zeigte sich der Konflikt in der Versorgungsblockade der Stadt durch die Sowjets in den Jahren 1948/49. Die USA und ihre Verbündeten begannen zunehmend konstruktive Verantwortung für die Entwicklung Westdeutschlands und damit auch für die westlichen Sektoren Berlins, in ihrem Sinne, zu übernehmen, aber auch die UdSSR wollte ihren Einflussbereich über dieses Gebiet ausdehnen.

Der Konflikt zwischen den oben genannten Zielen und Prinzipien der US-Außenpolitik und den expansionistischen Bestrebungen der Sowjetunion trat in Berlin offen zutage. Mit praktischer Hilfe für die eingeschlossene Stadt und ihre Einwohner trat die Truman-Doktrin, die Unterstützung für alle freien Völker im Kampf gegen den Kommunismus versprach, offen zutage.

Wie sich die amerikanische Hilfe konkret gestaltete, wird unter Punkt 4 behandelt, worauf abschließend eine Zusammenfassung folgt.

Die vorliegende Arbeit stützt sich, was den Überblick angeht hauptsächlich auf das Werk von H.G. Lehmann „Deutschland Chronik 1945 bis 2000“. Zur Vorgeschichte der Truman-Doktrin hat der Aufsatz von Detlef Junker in „Amerika und die Deutschen […]“,

herausgegeben von Frank Trommler, maßgeblich beigetragen. Zum eigentlichen Thema Berlin wurden vorwiegend die Werke von Waldemar Besson, Gerd Langguth, Alfred Grosser und die Biographie Ernst Reuters von Hans J. Reichhardt verwendet.

2. Nachkriegssituation

Am 8. Mai 1945 endete mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands der zweite Weltkrieg in Europa.[6] Die oberste Gewalt in Deutschland, dass nunmehr „lediglich ein Objekt der internationalen Politik“ war, „ohne äußere und innere Souveränität“[7], übernahm am 5. Juni 1945 der Alliierte Kontrollrat als Regierungsbehörde der vier Siegerstaaten. Ihm gehörten die USA, Großbritannien, die Sowjetunion und Frankreich an. Das Territorium Deutschlands wurde unter diesen Staaten nach dem Stand vom 31. Dezember 1937 zum Zwecke der Besatzung in vier Zonen aufgeteilt.[8] Die Hauptstadt Berlin wurde als „besonderes Gebiet […] gemeinsam von den bewaffneten Streitkräften der USA, des UK und der UdSSR […] besetzt“[9] und deshalb in Sektoren geteilt. Dies geschah aufgrund des „Londoner Protokolls“ aus dem Jahr 1944, dem Frankreich dann 1945 beitrat[10]. In den Berlin als Ganzes betreffenden Fragen sollte eine interalliierte Regierungsbehörde, die Berlin-Kommandantur, bestehend aus je einem Vertreter der Besatzungsmächte, entscheiden.

Durch diese Aufteilung wurden indirekt schon die Weichen zur deutschen Teilung gestellt. In der Zurückweisung sowjetischer Reparationsansprüche in den Westzonen durch Washington wurde aber auch dem (west-) deutschen Wiederaufstieg und der deutsch-amerikanischen Kooperation erst eine Chance eingeräumt. Bei der Lösung der drängenden Nachkriegs- und Neuorganisationsprobleme im westlichen Teil Deutschlands übernahmen die USA, genauer gesagt das OMGUS (Office of Military Gouverment for Germany, United States), eine konstruktive Rolle, die bald über die Aufgaben von einfachen Besatzungstruppen hinausging.

Dies geschah auch, da ohne eine zügige Erholung der westlichen Besatzungszonen die Rekonstruktion Gesamteuropas gefährdet schien. Demzufolge musste eine weitere wirtschaftliche und/ oder politische Destabilisierung verhindert werden.

Darüber hinaus wurde die Entwicklung in Westdeutschland von den Amerikanern auch als Test für den sich anbahnenden Konkurrenzkampf der politischen Systeme betrachtet, wobei eine Niederlage nicht in Frage kam. Denn aus den im Zweckbündnis zur siegreichen Beendigung des Zweiten Weltkrieges alliierten Großmächten USA und Sowjetunion wurden schon bald nach Ende der Kampfhandlungen erbitterte Gegner im so genannten Kalten Krieg. Die ideologischen Differenzen und der beiderseitige ausschließliche Wahrheitsanspruch, die im Verlauf des Jahres 1947 deutlich sichtbar wurden, waren zu grundlegend, um sie auf Dauer überbrücken zu können.

Auch die Frage, was aus Deutschland langfristig werden solle, blieb davon nicht unberührt. Die noch alliierten Siegermächte wurden sich darüber zunehmend uneins. Aus westlicher Sicht war eine baldige Lösung für einen erfolgreichen Wiederaufbau unabdingbar. Ende 1947 waren bei der Londoner Außenministerkonferenz die Besatzungsmächte in Verhandlungen über den zukünftigen Status Deutschlands zu keiner Einigung gekommen. Das negative Ergebnis der Konferenz gab einen neuen Anstoß zur Gründung eines Weststaates, über den vorher schon nachgedacht worden war.

Am 20. März 1948 verließ der sowjetische Marschall Wassilij Sokolowski den alliierten Kontrollrat und sprengte damit das Gremium, da hier Beschlussfassungen nur einstimmig möglich waren.[11] Das Bündnis aus Kriegszeiten war damit endgültig zerbrochen.

Der Gedanke, dass der noch zu gründende deutsche Weststaat am Rand des Eisernen Vorhangs zum „Eckpfeiler der Eindämmung“[12] des Kommunismus werden könnte, spielte sicher auch eine erhebliche Rolle.

Es überraschte wenig, dass die Sowjetunion diesem Szenario äußerst ablehnend gegenüber stand und versuchte die Staatsgründung zu stören, wenn nicht sogar zu verhindern.

3. Die außenpolitischen Prinzipien der USA nach 1945

3.1 Containment

In den USA festigte sich die Auffassung, dass sich das Kräfteverhältnis auf der Welt nicht weiter zu Gunsten der UdSSR (Union der sozialistischen Sowjetrepubliken) verschieben dürfe, da sonst die „Freie Welt“ in ihrem Bestand und damit auch die Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährdet war. Ausdruck dieser Haltung war die 1946, vom Leiter der neu errichteten Planungsabteilung des State Department, George F. Kennan, veröffentlichte Strategie des „Containment“[13]. Zukünftig sollte eine Politik der Eindämmung der weiteren Expansion des Kommunismus betrieben werden. Es lässt sich schon hier erkennen, dass ein Griff der Sowjetunion über die Demarkationslinie von 1945 hinaus langfristig verhindert werden sollte.

Wesentlichen Anteil an der Entscheidung für diesen Schritt hatte die Tatsache, dass große Teile der amerikanischen Truppen in Europa verhältnismäßig schnell demobilisiert worden waren, während die militärische Stärke der Sowjetunion unverändert blieb. Zur Zeit der Blockade standen der 6500 Mann der Westalliierten in Berlin selbst 10000 und um Berlin herum 300000 sowjetischen Soldaten gegenüber.[14] Der Vorsprung auf dem Gebiet der Atomwaffen glich die Schwäche bei den konventionellen Streitkräften nicht genügend aus.[15]

Für Westdeutschland bedeutete die Politik des Containment vor allem, dass die USA hier eine schnelle ökonomische und politische Stabilisierung anstrebten. Nur eine gesicherte Stellung der späteren Bundesrepublik schützte sie und damit auch ihre Partner im westlichen Lager vor einer möglichen Westexpansion der Sowjetunion.

[...]


[1] Vgl. Junker, Detlef: Franklin D. Roosevelt und die nationalsozialistische Bedrohung der USA in: Trommler, Frank (Hrsg.): Amerika und die Deutschen Bestandsaufnahme einer 300 jährigen Geschichte. Opladen 1986. S. 379.

[2] Vgl. Ebd. S. 386.

[3] Ebd. S. 388.

[4] Vgl. Ebd. S. 388.

[5] Vgl. Junker, Detlef: Franklin D. Roosevelt. in: Trommler, Frank (Hrsg.): Amerika und die Deutschen. S. 390.

[6] Vgl. Lehmann, Hans Georg: Deutschland-Chronik 1945 bis 2000. Bonn 2000. S. 19.

[7] Grosser, Alfred: Das Bündnis die westeuropäischen Länder und die USA seit dem Krieg. Paris 1978. S. 80.

[8] Vgl. Winkler, Heinrich August: Der lange Weg nach Westen II Deutsche Geschichte 1933-1990. München 2000. S. 117.

[9] Protokoll zwischen den Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritanniens und der Sowjetunion über die Besatzungszonen in Deutschland und die Verwaltung von Groß-Berlin. in: Langguth, Gerd: Deutschland-Report 3 Die Berlin-Politik der DDR Historische, politische und juristische Aspekte einer aktuellen Frage. Melle 1987. S. 9.

[10] Vgl. Hillgruber, Andreas: Europa in der Weltpolitik der Nachkriegszeit (1945- 1963). München 1987. S. 19.

[11] Vgl. Reichhardt, Hans J.: Ernst Reuter. Hannover 1965. S. 146.

[12] Vgl. Besson, Waldemar: Von Roosevelt bis Kennedy Gründzüge der amerikanischen Außenpolitik 1933-1963. Frankfurt a. M./ Hamburg 1964. S. 135.

[13] Vgl. Wetzlaugk, Udo: Die Alliierten in Berlin. Berlin 1988. S. 39.

[14] Riklin, Alois: Das Berlinproblem Historisch- politische und völkerrechtliche Darstellung des Viermächtestatus. Köln 1964. S. 86.

[15] Vgl. Besson, Waldemar: Von Roosevelt bis Kennedy. S. 122.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Verhalten der USA in der Berlin-Krise 1948/49 als Ausdruck ihrer außenpolitischen Prinzipien im beginnenden Kalten Krieg
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften)
Veranstaltung
Außenpolitik der USA
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V82465
ISBN (eBook)
9783638878401
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verhalten, Berlin-Krise, Ausdruck, Prinzipien, Kalten, Krieg, Außenpolitik
Arbeit zitieren
B.A. Christian Pauer (Autor), 2005, Das Verhalten der USA in der Berlin-Krise 1948/49 als Ausdruck ihrer außenpolitischen Prinzipien im beginnenden Kalten Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82465

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