Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Problem des interreligiösen Lernens im interkulturellen Sprachunterricht: DaZ an Gymnasien in Sachsen. Um diesem Thema schrittweise näher zu kommen, soll zunächst das interkulturelle Lernen erörtert werden. Hierzu wird vorerst, nach einer kurzen Einleitung über die Entwicklung des interkulturellen Lernens, der Kulturbegriff in den Mittelpunkt gestellt, um anschließend einen Definitionsversuch zum interkulturellen Lernen wagen zu können. Anknüpfend soll sich mit den Zielen und den Ebenen interkulturellen Lernens beschäftigt werden. Dann wird zur interkulturellen Kompetenz übergegangen, die, anhand ihrer einzelnen Phasen, genauer beleuchtet wird. Schließlich soll kurz auf die kulturelle Identitätsbildung eingegangen werden, bevor sich mit dem interreligiösen Lernen auseinandergesetzt wird. Hier soll zunächst eine Begründung für das interreligiöse Lernen im interkulturellen Sprachunterricht gefunden werden, um sich dann mit dieser Art des Lernens konkreter beschäftigen zu können. Letztlich soll grob ein Vorschlag für eine Unterrichtssequenz zum interreligiösen Lernen entwickelt werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Teil A:
1. Interkulturelles Lernen
1.1 Die Anfänge des interkulturellen Lernens und eine Auseinandersetzung mit dem Wort „interkulturell“
1.2 Der Kulturbegriff
1.2.1 Kohärenzorientierung
1.2.2 Differenzorientierung
1.3 Definition „interkulturelles Lernen“
1.4 Ziele interkulturellen Lernens
1.5 Verschiedene Ebenen des interkulturellen Lernens
2. Interkulturelle Kompetenz
2.1 Definition „interkulturelle Kompetenz“
2.2 Die Phasen der interkulturellen Kompetenz
3. Der Aufbau einer kulturellen Identität
Teil B:
1. Interreligiöses Lernen und interreligiöser Unterricht
1.1 Begründung des Themas „interreligiöses Lernen“ im DaZ-Unterricht
1.2 Ziele des interreligiösen Lernens
1.3 Ebenen des interreligiösen Lernens
1.4 Interreligiöser Unterricht
2. Didaktisierung zum Thema: „Religiöse Feste im Kulturvergleich: Gefastet wird in vielen Religionen.“
2.1 Begründung des Themas
2.2 Ziele der Unterrichtssequenz
2.3 Vorschlag für eine Unterrichtssequenz
3. Abschließende Worte
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Umsetzung von interreligiösem Lernen im Kontext des Deutsch-als-Zweitsprache-Unterrichts an Gymnasien, mit dem Ziel, Schüler zu einer pluralistischen Gesellschaftsfähigkeit und zur Reflexion über eigene sowie fremde kulturelle und religiöse Identitäten zu befähigen.
- Grundlagen des interkulturellen Lernens und der interkulturellen Kompetenz.
- Die Bedeutung kultureller Identitätsbildung bei Jugendlichen.
- Begründung und didaktische Ziele für interreligiöses Lernen im DaZ-Unterricht.
- Ebenen und Strukturmodelle für die Vermittlung interreligiöser Kompetenzen.
- Praktische Didaktisierung am Beispiel des Themas „Religiöse Feste im Kulturvergleich“.
Auszug aus dem Buch
1.2 Der Kulturbegriff
Unter dem Begriff der Kohärenzorientierung werden traditionelle Konzepte zum Kulturverständnis zusammengefasst. RATHJE erklärt, dass bei diesen Ansätzen der Begriff „interkulturell“ eine Zusammengehörigkeit impliziert. Kultur stellt hier etwas Einigendes dar, sie ist die Kohärenz, die zwischen den Mitgliedern der Kultur zusammenführt, auch wenn Gegensätzlichkeiten innerhalb der Kultur nicht dementiert werden. Dennoch wird davon ausgegangen, dass es innerhalb einer Kultur eine Reihe von typischen Gemeinsamkeiten gibt, welche von den Mitgliedern dieser Kultur geteilt werden. So wird von gemeinsamen Vorstellungen, Werten, Normen, Einstellungen und Ideen innerhalb einer menschlichen Gruppe ausgegangen, welche Kultur als ein Orientierungssystem definiert, dass in gewissen Situationen handlungsleitend wirkt und somit Gefühle, Denken und Wahrnehmung beeinflusst.
Weiterhin erklärt THOMAS, dass es zentrale Merkmale dieses kulturspezifischen Orientierungssystems gibt. Diese bezeichnet er als „Kulturstandards“ und definiert sie folgendermaßen:
„Unter Kulturstandards werden alle Arten des Wahrnehmens, Denkens, Wertens und Handelns verstanden, die von der Mehrzahl der Mitglieder einer bestimmten Kultur für sich persönlich und andere als normal, selbstverständlich, typisch und verbindlich angesehen werden. Eigenes und fremdes Verhalten wird auf der Grundlage dieser Kulturstandards beurteilt und reguliert.“
Dabei gibt es keinen festgelegten Katalog von Kulturstandards, der für jede Kultur gültig ist. Ganz im Gegenteil ist es möglich, dass ganz elementare Kulturstandards einer Kultur in einer anderen Kultur nur sehr wenig von belang sind oder auch gänzlich fehlen. Auch ist es denkbar, dass verschiedene Kulturen zwar analoge Kulturstandards aufweisen, diese aber von ganz unterschiedlicher Bedeutung sind und somit unterschiedlich weite Toleranzbereiche aufweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Interkulturelles Lernen: Dieses Kapitel erörtert die historische Entwicklung des interkulturellen Lernens, definiert den Kulturbegriff anhand von Kohärenz- und Differenzorientierung und legt Ziele sowie Kompetenzebenen fest.
2. Interkulturelle Kompetenz: Hier wird interkulturelle Kompetenz als Prozess definiert und in sechs Stufen von der Sensibilisierung bis zur Überprüfung in der Realität gegliedert.
3. Der Aufbau einer kulturellen Identität: Dieses Kapitel erläutert, wie interkulturelles Lernen die Identitätsbildung durch Auseinandersetzung mit dem Fremden und der eigenen Kultur dynamisch fördert.
1. Interreligiöses Lernen und interreligiöser Unterricht: Es wird begründet, warum religiöse Themen integraler Bestandteil des DaZ-Unterrichts sein müssen, um Integration und Verständnis in einer multireligiösen Gesellschaft zu ermöglichen.
2. Didaktisierung zum Thema: „Religiöse Feste im Kulturvergleich: Gefastet wird in vielen Religionen.“: Dieses Kapitel bietet einen praktischen Unterrichtsvorschlag, der religiöse Feste nutzt, um interreligiöse Lernziele durch Basiswissen, Expertenbegegnungen und Rollenspiele zu erreichen.
3. Abschließende Worte: Ein Fazit, das interkulturelles Lernen als unerlässliche Schlüsselqualifikation in der globalisierten Welt betont, die niemals abgeschlossen ist und ständige Reflexion erfordert.
Schlüsselwörter
Interkulturelles Lernen, Interreligiöses Lernen, Interkulturelle Kompetenz, DaZ-Unterricht, Kulturelle Identität, Kulturstandards, Kohärenzorientierung, Differenzorientierung, Multikulturalität, Dialogfähigkeit, Didaktik, Religionsvergleich, Integration, Migrationshintergrund, Identitätsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung und methodischen Einbindung von interkulturellem und interreligiösem Lernen im Deutsch-als-Zweitsprache-Unterricht an Gymnasien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind interkulturelle Theorien, die Entwicklung interkultureller Kompetenz, kulturelle Identitätsbildung sowie die praktische Didaktisierung religiöser Themen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, den Mehrwert interreligiösen Lernens im Rahmen des interkulturellen Sprachunterrichts aufzuzeigen und einen konkreten Unterrichtsvorschlag zur Förderung von Toleranz und Verständnis zu entwickeln.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse bestehender Konzepte zu interkulturellem Lernen und Identitätsbildung sowie auf die Ableitung didaktischer Strategien aus diesen Theorien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Interkulturalität und Identität sowie in die Begründung, Zielsetzung und didaktische Umsetzung interreligiösen Lernens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Interkulturelles Lernen, Interkulturelle Kompetenz, Identitätsbildung, DaZ-Unterricht und interreligiöser Dialog.
Warum ist das Thema "Fasten" als Fallbeispiel gewählt worden?
Das Thema bietet einen greifbaren, praxisnahen Zugang zu religiösen Praktiken und ermöglicht es, Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in verschiedenen Weltreligionen sichtbar zu machen.
Welche Rolle spielen Experten im Unterrichtsentwurf?
Vertreter der verschiedenen Religionen sollen als authentische Gesprächspartner fungieren, um den Schülern ein differenziertes Bild zu vermitteln und starre Vorurteile abzubauen.
Welche Bedeutung hat das "Rollenspiel" für die Lernziele?
Das Rollenspiel soll den Schülern ermöglichen, fiktive Handlungs- und Denkmuster zu übernehmen, um Empathie und Ambiguitätstoleranz in einer gestellten Konfliktsituation einzuüben.
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- Claudia Kolbe (Author), 2007, Interreligiöses Lernen im Sprachunterricht: DaZ, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82492