Johann Wolfgang von Goethe: "Der Gott und die Bajadere" - Die Versöhnung der Religionen in deren Konfrontation


Hausarbeit, 2007

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Situation der Primärliteratur

3. „Der Gott und die Bajadere“ als Ballade
3.1 „Die indische Legende“
3.2 Die Strophenform

4. Interpretation

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Johann Wolfgang von Goethes Werk „Der Gott und die Bajadere“ wurde am 9. Juni im Balladenjahr 1797 fertiggestellt[1] und erschien im Jahr darauf zum ersten Mal im Musenalmanach, herausgegeben von Friedrich Schiller. Dieses trägt den Beinamen „Balladenalmanach“, weil sich in ihm einige großartige Werke dieser beiden Klassiker finden.[2]

Da es zahlreiche wissenschaftliche Ausgaben gibt, die sich mit den Werken Goethes befassen, soll zunächst deren Situation beleuchtet und die Auswahl einer dieser Ausgaben als Basis der Hausarbeit begründet werden.

Im weiteren Verlauf steht eine Annäherung an den Begriff Ballade durch den Nachweis von Elementen der drei Literaturgattungen Lyrik, Epik und Dramatik im Text. Mit dem indischen Stoff dieser Ballade war Goethe schon längere Zeit vertraut, besonders durch Pierre Sonnerats Reisebeschreibung „Reise nach Ostindien und China in den Jahren 1774 – 1781“, die 1783 in deutscher Sprache erschienen war und sich seinerseits wesentlich an einem Bericht des niederländischen Missionars Abraham Rogers von 1651 orientierte.[3] Auch die indische Legende, die diesem Gedicht zugrunde liegt, soll in den Fokus der Ausarbeitung geraten.

Bevor dann eine interpretatorische Annäherung folgt, wird die Strophenform der Ballade einer Analyse mit dem Ergebnis unterzogen, dass Goethe diesen Strophenbau hier exklusiv verwendet hat, was ihn zu einem interessanten Ansatz macht.

Der Stand der Sekundärliteratur stellt sich etwas schwierig dar, wie schon Hartmut Laufhütte in seinem Aufsatz „Formulierungshilfe für Haustyrannen ?“[4] feststellt.

Sicherlich hilfreich sind die Interpretationen von Ernst Braun, eben erwähntem Hartmut Laufhütte und Norbert Mecklenburg, auf die sich im Wesentlichen bezogen werden soll. Zum einen handelt es sich hier um einen etwas älteren und zwei recht aktuelle Aufsätze. Darüber hinaus beziehen sie sich zum Teil durchaus kritisch aufeinander.

Ein großer Bereich der Interpretationsaufsätze kreist um das Spannungsfeld von indischem Stoff und christlicher Religion mit ihren gegensätzlichen Werten, in dem sich „Der Gott und die Bajadere“ befindet.

Am Ende dieser Hausarbeit steht ein Versuch, zu zeigen, dass Goethe in der Konfrontation von indischer Kultur und christlicher Ethik letztlich eine Versöhnung der Beiden erreicht. Gleichzeitig soll versucht werden, einen Bezug des Inhalts zur Persönlichkeit Goethes herzustellen.

2. Situation der Primärliteratur

Als Grundlage dieser Hausarbeit bieten sich diverse wissenschaftliche Ausgaben an, die sich mit den Werken Goethes befassen. Es stehen unter anderem die Weimarer (1887), Jubiläums-Ausgabe (1902), Hamburger (1974), Berliner (1976), Münchner (1988) und nicht zuletzt die Klassiker-Ausgabe (1988) zur Verfügung.

Für die Betrachtung von „Der Gott und die Bajadere“ im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit soll die letztgenannte Ausgabe des Klassiker Verlages die Basis sein. Begründet ist dies in der Tatsache, dass das Gedicht in zwei verschiedenen Fassungen[5] erschienen ist und nur die Klassiker Ausgabe beide Fassungen enthält. Da alle anderen wissenschaftlichen Ausgaben lediglich die erste Fassung des Textes aus dem Jahr 1797 enthalten und bis auf die Hamburger Ausgabe nicht einmal die Existenz einer weiteren erwähnen, schien die Klassiker – Ausgabe hier die beste Grundlage für eine Arbeit wie diese zu sein. Im interpretatorischen Ansatz soll der Arbeit so die Möglichkeit eingeräumt werden, mögliche Unterschiede mit einzubeziehen, auch wenn die sich auf Dinge der Orthographie und Zeichensetzung beschränken.

3. „Der Gott und die Bajadere“ als Ballade

Ohne „Der Gott und die Bajadere“ vom Inhalt näher betrachtet zu haben, weisen zwei Sachverhalte darauf hin, dass es sich hierbei um eine Ballade handelt. Zunächst wurde sie zum ersten mal in Schillers Musen-Almanach 1798 veröffentlicht, welches auch den Beinamen „Balladen-Almanach“ trägt. Des Weiteren entstand sie im Jahre 1797, dem Balladenjahr überhaupt, in dem auch Goethes Freund Schiller großartige Werke verfasste.

Das allein macht Goethes „Der Gott und die Bajadere“ natürlich nicht zu einer Ballade, vielmehr die Tatsache, dass Elemente der später getrennten Gattungen Lyrik, Epik und Dramatik enthalten sind. Goethe selbst sah durch diesen Umstand in der Ballade eine Art „Ur-Ei“ der Dichtung.

Das lyrische Element ist im Fall dieser Ballade sicherlich am Prägendsten. Es ist eine klare Gliederung in neun Strophen zu je elf Versen zu erkennen. Bei näherer Betrachtung der Strophen erschließt sich dem Leser eine Zweiteilung in acht trochäische Verse, die im Kreuzreim verfasst sind. Diesen schließen sich drei Daktylen an, wobei die ersten Beiden im Paarreim gehalten sind und der letzte Daktylus sich auf den letzten Trochäus reimt.

Als wohl wichtigstes episches Element ist die Existenz eines Erzählers zu nennen. Der Leser wird von ihm durch den Verlauf dieser Geschichte geführt. Ansonsten ist die Rolle oder Situation des Erzählers aber nur schwierig zu bewerten, da er lediglich einmal Bezug auf sich selbst nimmt. Mit den Worten „unsers gleichen“ (Zeile 3) gibt er sich als Mensch zu erkennen.[6] Auch Norbert Mecklenburg weiß ihn in letzter Instanz nicht als gläubigen Hindu, neutralen Vermittler oder aber ironischen Erzähler einzuordnen.[7]

Als letzte der drei Gattungen lassen sich auch Elemente der Dramatik ausfindig machen. So haben wir einen sehr dramatischen Handlungsverlauf, der sich innerhalb von kurzer Zeit (zwei Tage und die dazwischenliegende Nacht als Handlungsrahmen) vollzieht. Außerdem ist auch die direkte Rede von verschiedenen Personen, so etwa von Mahadöh, der Bajadere oder auch den Priestern verwendet, was ebenfalls als Element der Dramatik angesehen werden darf.

3.1 „Die indische Legende“

Wie in der Einleitung schon erwähnt, ist der Inhalt der „Indischen Legende“ Pierre Sonnerats Reisebeschreibung „Voyage aux Indes“ entlehnt, die 1783 als „Reise nach Ostindien und China in den Jahren 1774 – 1781“ in deutscher Sprache erschien.[8] Entlehnt deshalb, weil Goethe sie durch einige Veränderungen lediglich in abgewandelter Form übernommen hat, worauf aber im weiteren Diskurs noch einmal einzugehen sein wird.

In Sonnerats Bericht findet sich die Geschichte in Form des Halbgottes Dewendren, der in der Gestalt eines schönen Jünglings eine Tochter der Freude aufsucht und ihr ein schönes Geschenk verspricht, wenn sie ihm getreu sein würde. Nachdem sie ihm die ganze Nacht Freude bereitete, stellt er sich am Morgen darauf tot, um sie zu prüfen. Das Mädchen glaubte dies und wollte sich bei der traditionellen Verbrennung des Leichnams in die Flammen stürzen, obgleich man ihr entgegnete, der Verstorbene sei nicht ihr Mann. Noch bevor sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen konnte, erwachte Dewendren wieder aus seinem Schlaf und gestand seinen Betrug. Als Lohn für ihre Treue nahm er sie zum Weibe und anschließend mit ins Paradies.[9]

Goethe bedient sich der Legende als Stoffgrundlage und verfeinert anschließend nach seinen Vorstellungen. So übernimmt er beispielsweise den schönen Jüngling, während er das Geschenkversprechen als wesentlichen Teil der eben nacherzählten Legende weglässt. Während der Gott in der Legende als Freier mit entsprechenden Absichten kommt, kommt er bei Goethe mehr oder weniger zufällig vorbei und wird erst durch Schmeicheleien hineingelockt.

[...]


[1] Vgl. Laufhütte, Hartmut: Formulierungshilfe für Haustyrannen? Goethe: Der Gott und die Bajadere. In: Gedichte und Interpretationen. Klassik und Romantik. Hrsg. von Wulf Segebrecht. 3. Bd. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 1987. S. 127

[2] Unter anderem sind darin enthalten Goethes „Die Braut von Korinth“ oder „Der Zauberlehrling“ sowie Schillers „Der Taucher“, „Der Handschuh“ oder „Die Kraniche des Ibykus“.

[3] Vgl. Mecklenburg, Norbert: Poetisches Spiel kultureller Alterität: Goethes „indische Legende“Der Gott und die Bajadere In: Literatur in Wissenschaft und Unterricht 33 (2000). S.107 f.

[4] Vgl. S. 117

[5] „Der Gott und die Bajadere“ erschien 1798 in Schillers „Musenalmanach“ und 1815 in Goethes „Werken“. Diese beiden Fassungen sollen gegebenenfalls auch vergleichend Eingang im Verlauf der Arbeit finden.

[6] Vgl. Laufhütte, Hartmut: Formulierungshilfe für Haustyrannen? Goethe: Der Gott und die Bajadere. S. 128

[7] Vgl. Mecklenburg, Norbert: Poetisches Spiel kultureller Alterität: Goethes „indische Legende“Der Gott und die Bajadere. S.108

[8] Vgl. Laufhütte, Hartmut: Formulierungshilfe für Haustyrannen? Goethe: Der Gott und die Bajadere. S. 127.

[9] Vgl. Johann Wolfgang Goethe Sämtliche Werk. Briefe, Tagebücher und Gespräche. Vierzig Bände. Hrsg. Von Karl Eibl. Bd.2: Gedichte 1800 – 1832. Frankfurt/Main: Deutscher Klassiker Verlag 1987. S.1238

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Johann Wolfgang von Goethe: "Der Gott und die Bajadere" - Die Versöhnung der Religionen in deren Konfrontation
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Neuere Deutsche Literatur I
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V82503
ISBN (eBook)
9783638898126
ISBN (Buch)
9783638904506
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Johann, Wolfgang, Goethe, Gott, Bajadere, Versöhnung, Religionen, Konfrontation, Neuere, Deutsche, Literatur
Arbeit zitieren
Sebastian Pohle (Autor), 2007, Johann Wolfgang von Goethe: "Der Gott und die Bajadere" - Die Versöhnung der Religionen in deren Konfrontation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82503

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