„Kaiserin Wu ging als ein macht- und sexbesessenes Monster mit einer devoten Hingabe an den von ihr geförderten Buddhismus in die Geschichte ein.“
Auf diese Weise wird Kaiserin Wu Zetian 武則天in vielen historischen Werken dargestellt. Diese Arbeit soll zeigen, inwieweit diese Ansicht der Wahrheit entspricht. Anhand ausgewählter Werke wurde über dieses Thema recherchiert. Im Folgenden wird ein kurzer Einblick ins Leben der einzigen chinesischen Kaiserin gegeben. (...)
Gliederung
1. Vorwort
2. Kaiserin Wu Zetian
2.1 Geschichtlicher Überblick
2.2 Die Kaiserin
2.2.1 Privatleben
2.2.1.1 Familie
2.2.1.2 Sexualleben
2.2.2 Religion
2.2.3 Staat und Politik unter Wu Zetian
2.2.3.1 Aufstieg zur Kaiserin
2.2.3.2 Reformen
2.2.3.3 Das Beamtentum
2.2.4 Charakter
3. Schlussgedanke
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Darstellung von Kaiserin Wu Zetian, die in vielen Werken als machtbesessenes und perverses Monster beschrieben wird, um zu prüfen, inwieweit diese Zuschreibungen auf objektiven Tatsachen basieren oder ein verzerrtes Bild widerspiegeln. Im Fokus steht dabei die Analyse ihres Aufstiegs, ihrer politischen Reformen sowie ihres Privatlebens innerhalb der patriarchalen Strukturen der Tang-Dynastie.
- Historischer Kontext und Blütezeit der Tang-Dynastie
- Analyse des Privatlebens und der Rolle als Frau am Kaiserhof
- Religiöse Strategien als Mittel zur Machtfestigung
- Politischer Aufstieg und Reformen des Beamtentums
- Dekonstruktion historischer Vorurteile und Geschlechterrollen
Auszug aus dem Buch
2.2.3.3 Das Beamtentum
Bereits als Kaiser Gaozong Wu Zetian an seinen Hof holte, stieß dies auf viel Unverständnis bei den alten Beamten, die an den konfuzianischen Regeln festhielten, dass die Frau eines ehemaligen Kaisers nicht noch einmal Frau eines Kaisers werden dürfe und vor allem auch nichts mit der Politik geschweige denn Regierung zu tun haben solle. Ihre Gegner wollten außerdem die derzeitige Situation aufrechterhalten.
Es gab aber auch Beamte, die Wu Zetians Aufstieg befürworteten. Sie sahen in ihrem Aufstieg eine Chance für sich selbst, Karriere zu machen.
Auch bei der Reformierung des Beamtentums stieß Wu auf viele Gegner. Mit ihren Reformen wollte sie mehr Menschen den Weg ins Beamtentum ermöglichen, indem sie eine Eignungsprüfung durchführte, an der nicht nur die obersten Aristokraten teilnehmen durften, sondern auch die niederen Ranges. Eine solche Beamtenprüfung gab es zwar bereits seit der Han-Zeit, Wu Zetian führte allerdings Neuerungen ein, indem sie die Kandidaten zum Beispiel selbst prüfte. Des Weiteren erhielten diese Prüfungen erst in seit der Zeit der Kaiserin eine systematische Organisation. Die alten Beamten sahen ihre Stellung in Gefahr und verschworen sich gegen Wu Zetian. Diese machte es später auch zu ihrem obersten Ziel „die Vertreter der nordwestlichen Aristokratie die seit Beginn der Dynastie alle leitenden Ämter besetzt hielten und insbesondere mittels der Kaiserlichen Kanzlei 門下省 (menxiasheng) die Staatsführung kontrollierten, von der Macht [zu] entfernen“.
Indem sie alle politischen Strukturen und vor allem das Beamtentum veränderte, gewann Wu Zetian immer mehr an Einfluss und Macht. Vor allem durch die Schaffung des neuen Prüfungssystems für Beamte, in der diese auch durch den Kaiser geprüft werden sollten, gewann sie an Einfluss. Sie konnte die Beamten, die mit ihr regieren sollten, selbst aussuchen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dieses Kapitel skizziert die kontroverse historische Wahrnehmung von Wu Zetian und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, diese Klischees kritisch zu hinterfragen.
2. Kaiserin Wu Zetian: Dieses Kapitel bietet einen umfassenden Überblick über die Herkunft, das Privatleben, den religiösen Kontext, die politischen Reformen sowie den Charakter der Kaiserin und beleuchtet ihren Aufstieg innerhalb der Tang-Dynastie.
3. Schlussgedanke: Hier werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Einschränkungen der historischen Quellen sowie die Verzerrung durch zeitgenössische Vorurteile reflektiert.
Schlüsselwörter
Wu Zetian, Tang-Dynastie, Zhou-Dynastie, Kaiserin, Beamtentum, Reformen, Buddhismus, Konfuzianismus, Machtpolitik, Geschichtsschreibung, Aristokratie, Emanzipation, Machtbesessenheit, Frauenrolle, China.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische Figur der Kaiserin Wu Zetian und hinterfragt, inwieweit die oft negativen Darstellungen in historischen Werken der Realität entsprechen oder durch einseitige Geschichtsschreibung geprägt sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf ihrem sozialen Aufstieg, ihrer religiösen Politik, der Transformation des Beamtentums und dem Vergleich ihrer Herrschaft mit männlichen Kaisern unter Berücksichtigung damaliger Geschlechterrollen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Klischee vom „machtbesessenen Monster“ kritisch zu dekonstruieren und eine differenziertere Sicht auf ihre erfolgreiche, wenn auch umstrittene Regentschaft zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, bei der ausgewählte Sekundärliteratur herangezogen wird, um die Lebensumstände und politischen Handlungen von Wu Zetian zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Abriss der Tang-Zeit, eine Analyse von Wu Zetians Privatleben und Religion sowie eine detaillierte Untersuchung ihrer politischen Strategien und Reformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Wu Zetian, Tang-Dynastie, Machtpolitik, Beamtentum, Reformen, Buddhismus und die kritische Auseinandersetzung mit der chinesischen Geschichtsschreibung.
Warum wurde der Buddhismus von Wu Zetian aktiv gefördert?
Der Buddhismus diente ihr als wichtiges politisches Instrument, um ihre Herrschaft zu legitimieren und sich als Machtfaktor gegenüber der mächtigen buddhistischen Kirche zu etablieren.
Welche Rolle spielte die Konfuzianische Ethik bei der Kritik an Wu Zetian?
Die zeitgenössischen Beamten, die dem konfuzianischen Regelwerk folgten, lehnten eine weibliche Herrschaft strikt ab, was maßgeblich zu der negativen Darstellung ihrer Person in den Annalen beigetragen hat.
Wie ging Wu Zetian mit politischer Opposition um?
Sie nutzte eine Kombination aus strategischen Reformen zur Schwächung des alten Adels, geschickter Manipulation und – wenn nötig – auch drastischer Gewalt gegen Rivalen und Gegner.
- Quote paper
- Martha Bielefeldt (Author), 2005, Kaiserin Wu Zetian 武則天 (624?-705, reg. 690-705), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82509