Bereits 1949/1950 machte Davison eine Beobachtung, die Grundlage des Third-Person Effects ist (nähere Ausführungen in Punkt 2). Er hielt seine Hypothese anfangs zwar für interessant, aber unwichtig im Kontext großer Kommunikationstheorien. Der erste von ihm verfasste Artikel über den Third-Person Effect wurde erst 1983 publiziert.
Dass es sich mit der Bedeutung(slosigkeit) anders verhält, als von Davison zunächst angenommen, beweisen unzählige Studien, die seit 1983 basierend auf seiner Hypothese durchgeführt wurden und zu einem Großteil den Third-Person Effect oder, wie von Perloff genannt und von Davison später übernommen, die Third-Person Perception, verifizieren. Dabei wurden mit der Zeit Voraussetzungen, unter denen ein Auftreten wahrscheinlicher ist als sonst, Rahmenbedingungen wie Quelle, Situation, Inhalt, Fragenanordnung, demografische Details der Befragten et cetera erarbeitet, die heute einen umfassenden und präzisen Blick auf die Erscheinungsformen des Third-Person Effects zulassen.
Eben dies, die einzelnen Studien, die „abgesteckten Grenzen“ innerhalb derer der Effekt auftritt und Erklärungsansätze, wie es zu diesen Grenzen kommt, ist das Hauptthema dieser Arbeit. In Punkt 6 werden alle Rahmenbedingungen, die den Third-Person Effect fördern, ausführlich erörtert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufstellen der Theorie
3. Verwandtheit mit anderen Kommunikationsmodellen
4. First-Person Effect, Reverse Third-Person Effect
5. Second-Person Effect
6. Bedingungen
6.1. Inhalt der Botschaft
6.2. Parteilichkeit der Botschaft
6.3. Vertrauenswürdigkeit der Quelle
6.4. Soziale Erwünschtheit der Botschaft
6.5. Demografische Faktoren
6.6. Selbstüberhöhung
6.7. Involviertheit
6.8. Soziale Distanz
7. Belegung der aufgestellten Thesen anhand von Umfragewerten
8. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den sogenannten Third-Person Effect, eine psychologische Wahrnehmungsfehleinschätzung, bei der Individuen Medienbotschaften als für andere Personen wirkungsvoller einschätzen als für sich selbst. Das Ziel ist es, die begünstigenden Faktoren, Rahmenbedingungen und theoretischen Einordnungen dieses Effekts fundiert darzulegen.
- Definition und theoretische Herleitung des Third-Person Effects.
- Psychologische Mechanismen wie Selbstüberhöhung und soziale Distanz.
- Einflussfaktoren durch Inhalt, Quelle und Art der Botschaft.
- Differenzierung zu verwandten Phänomenen wie dem First-Person Effect.
- Empirische Überprüfung der Hypothesen anhand von Umfragedaten.
Auszug aus dem Buch
6.7. Involviertheit
Die These hier ist: Menschen, die stark in eine Sache involviert sind, also nahezu keinen Abstand zum betreffenden Thema haben, betrachten von vornherein alles, was in den Medien über das Thema berichtet wird, als negativ für den eigenen Standpunkt. Es ist das sogenannte „hostile media phenomen“36, das hier zum tragen kommt.37 Die Auffassung der Betroffenen lässt sich wie folgt umreißen: Wenn jemand der Meinung ist, er allein vertrete den einzig richtigen Standpunkt, in den Medien wird über das Thema berichtet, logischerweise nicht zu 100 Prozent kongruent mit seiner Auffassung, löst der Bericht eine Beeinflussung anderer aus, die natürlich negativ sein muss. Dabei ist es gleichgültig, über welchen Aspekt oder in welcher Form berichtet wird, das Ergebnis ist das gleiche – eine übersteigerte Einschätzung der Beeinflussung anderer, die mit der eigenen Beeinflussung, die gleich Null ist, kollidiert.38
Der Third-Person Effect fällt hier also besonders stark aus. Zutreffend ist dieser Mix aus „Ego-Involvement“39 und „hostile media phenomen“ beispielsweise bei Extremisten in einer bestimmten Sache.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Bedeutung menschlicher Kommunikation und die grundlegende Hypothese des Third-Person Effects nach W. Phillips Davison.
2. Aufstellen der Theorie: Detaillierte Herleitung der Theorie anhand eines historischen Beispiels aus dem Zweiten Weltkrieg, bei dem die Einschätzung der Medienwirkung auf Dritte entscheidend war.
3. Verwandtheit mit anderen Kommunikationsmodellen: Einordnung des Effekts als psychologische Fehleinschätzung und Abgrenzung zu Konzepten wie Pluralistic Ignorance und Looking Glass Perception.
4. First-Person Effect, Reverse Third-Person Effect: Diskussion der Umkehrung des Effekts, bei der die eigene Beeinflussung höher als die der anderen eingeschätzt wird.
5. Second-Person Effect: Erläuterung des weniger prominenten Second-Person Effects, der einen Mittelwert aus der eigenen und der fremden Beeinflussung bildet.
6. Bedingungen: Umfassende Analyse der Rahmenbedingungen, wie Botschaftsinhalt, Quelle, Demografie und Involviertheit, die das Auftreten des Effekts beeinflussen.
7. Belegung der aufgestellten Thesen anhand von Umfragewerten: Empirische Auswertung von Studien, die den Effekt bei verschiedenen Medientypen und unter variierenden Bedingungen untersuchen.
8. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Komplexität des Third-Person Effects und Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Third-Person Effect, Medienwirkung, Massenkommunikation, Selbstüberhöhung, Soziale Distanz, Ego-Involvement, Hostile Media Phenomen, First-Person Effect, Rezipient, Psychologische Fehleinschätzung, Meinungsforschung, Soziale Erwünschtheit, Medienbotschaft, Kommunikationstheorie, Wahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Third-Person Effect, einer verbreiteten Wahrnehmungstendenz, bei der Menschen annehmen, dass Medienbotschaften einen stärkeren Einfluss auf andere Personen ausüben als auf sie selbst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die psychologischen Grundlagen der Beeinflussungseinschätzung, die Rolle von Medieninhalten, demografische Einflüsse sowie die Abgrenzung zu anderen Kommunikationstheorien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die komplexen Rahmenbedingungen und Faktoren zu identifizieren, die das Auftreten des Third-Person Effects begünstigen oder hemmen, und diese theoretisch sowie empirisch zu untermauern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf bestehenden Studien und Modellen basiert und diese durch die Auswertung empirischer Umfragedaten von Brosius und Engel (1997) ergänzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Bedingungen, wie den Inhalt der Botschaft, die Vertrauenswürdigkeit der Quelle, soziale Distanz und das Ausmaß der persönlichen Involviertheit der Rezipienten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Third-Person Effect, Medienwirkung, Selbstüberhöhung, soziale Distanz, Ego-Involvement und Kommunikationstheorie.
Was besagt die Theorie der sozialen Distanz in diesem Kontext?
Je größer die soziale Distanz zwischen dem Befragten und der eingeschätzten Gruppe ist (z. B. Freunde vs. unpersönliche Masse), desto ausgeprägter tritt der Third-Person Effect auf.
Warum wird in der Arbeit zwischen First-, Second- und Third-Person Effect unterschieden?
Diese Unterscheidung reflektiert die unterschiedliche Einschätzung der Beeinflussung von sich selbst, von vergleichbaren anderen Personen und von anonymen Dritten, was für die psychologische Erklärung der Medieneffekte essentiell ist.
- Citation du texte
- Christian Ritter (Auteur), 2007, Der Third-Person Effect, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82519