Thema dieser Arbeit sollen Räume in der Literatur, speziell literarische Räume im Bilderbuch sein. Das Bilderbuch „Das Geheimnis des Affenbrotbaums“ von Satomi Ichikawa stellt hierfür die exemplarische Grundlage dar.
Auf welche Weise werden literarische Räume vom Autor kreiert, wie werden sie vom Leser rezeptiert und welche Bedeutung haben Räume für eine Geschichte? Dies sollen die übergeordneten Fragen sein, auf die im Rahmen dieser Arbeit Antworten gefunden werden sollen.
Zu Beginn wird in einer kurzen Einführung auf die Entstehung und Konstruktion literarischer Räume eingegangen. Dazu soll zunächst eine Definition und Abgrenzung des Begriffes 'Literarischer Raum' erfolgen. Schwerpunkt der theoretischen Erörterung wird die Modellhaftigkeit räumlicher Beziehungen sein. Es stellt sich insbesondere die Frage nach der Bedeutung solch räumlicher Modellvorstellungen für Struktur und Wirkung einer Geschichte.
Im dritten Kapitel soll die Bedeutung des Bilderbuches als spezifisches Medium für den Aufbau literarischer Räume näher betrachtet werden. Das Bilderbuch bietet im Gegensatz zu anderen Texten die Möglichkeit, Räume auf zwei verschiedenen Ebenen zu konstruieren. Daher soll eine erste Fragestellung lauten: In welchem Verhältnis stehen Bild- und Textebene in Bezug auf die Gestaltung literarischer Räume?
Um Antworten auf diese Frage zu geben wird sich folglich das dritte Kapitel weiter aufteilen in eine jeweils separate Analyse der Textebene und der Bildebene. Grundlage dieser Analysen wird dabei die Betrachtung von Raumeigenschaften sein.
Im weiteren Verlauf soll die Bedeutung des literarischen Raumes und dessen Grenzen für den Plot der Geschichte beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Entstehung und Konstruktion literarischer Räume
2.1 Was ist ein literarischer Raum
2.2 räumliche Beziehungen als Modell
3 literarische Räume im Bilderbuch
3.1 kurze, inhaltliche Zusammenfassung des Bilderbuchs
3.2 Analyse und Interpretation der Teilräume anhand von Raumdeterminanten
3.2.1 Analyse der Textebene
3.2.2 Analyse der Bildebene
3.3 Welche Rolle spielt das Verhältnis von Bild und Text für die Entstehung literarischer Räume
3.4 Bedeutungen der Raumdeterminanten
3.5 Analyse des Zusammenhangs zwischen Raum und Handlung
4 Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Konstruktion und Bedeutung literarischer Räume im Bilderbuch am Beispiel von Satomi Ichikawas „Das Geheimnis des Affenbrotbaums“. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie literarische Räume durch den Autor kreiert und vom Leser rezeptiert werden sowie welche Rolle das Verhältnis von Bild- und Textebene bei deren Gestaltung spielt.
- Theoretische Grundlagen zur Definition des literarischen Raums und Modellhaftigkeit räumlicher Beziehungen.
- Analyse der Raumgestaltung anhand der Achsen „oben-unten“, „nah-fern“ und „links-rechts“.
- Untersuchung der Interaktion zwischen Bild- und Textebene für die Raumkonstitution.
- Bedeutung von Raumgrenzen und deren Überschreitung für den Plot einer Erzählung.
- Untersuchung der unterbewussten Wahrnehmung von Raumdeterminanten bei Kindern.
Auszug aus dem Buch
3.2 Analyse und Interpretation der Teilräume anhand von Raumdeterminanten
1. Das Dorf: „Ich lebe in den Bergen, wo viele Früchte wachsen.“ Die Berge liegen erhöht. Diese erhöhte Stellung ('oben' = gut, Nähe zu Gott) wie auch die „viele[n] Früchte“ können für im Dorf vorherrschende Zufriedenheit und Glück stehen.
2. Der Dschungel: „[Ich] bin ins Tal hinabgestiegen.“; „Die letzten Sterne standen noch am Himmel“; „Die Nachtluft war frisch und mild.“; „Dann ging am Horizont die Sonne auf“; „Der Himmel färbte sich rosa und die Vögel fingen an zu singen“.
Durch die Interpretation 'oben' = 'gut', 'unten' = 'schlecht' (s.o.) kann das 'Hinabsteigen' bereits als eine Andeutung von Unheil verstanden werden. Allerdings stehen die Sterne noch am „Himmel“, also 'oben', bzw. 'darüber'. Himmel kann für göttlichen Schutz stehen, oder auch als bedeckend, sprich in diesem Sinne ebenfalls als beschützend verstanden werden, die Sterne also als (göttlich) beschützende Wegbegleiter.. Die frische und milde Nachtluft verheißt im Zusammenhang dieser Geschichte zügiges Vorankommen und Sorglosigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, literarische Räume im Bilderbuch anhand eines exemplarischen Werks zu untersuchen und deren Entstehung, Wirkung und Bedeutung für die Geschichte zu hinterfragen.
2 Die Entstehung und Konstruktion literarischer Räume: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Basis, indem es den Begriff des literarischen Raums definiert und die Modellhaftigkeit räumlicher Beziehungen, insbesondere die Bedeutung von Gegensatzpaaren wie oben und unten, beleuchtet.
3 literarische Räume im Bilderbuch: Das Hauptkapitel analysiert die spezifische Raumgestaltung im Bilderbuch, wobei Text- und Bildebene getrennt untersucht werden, um deren Wechselwirkung sowie die Bedeutung für den Handlungsverlauf zu bestimmen.
4 Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Relevanz der Raumkonstruktion für die Erzählstruktur, wobei insbesondere die unterbewusste Ebene der Interpretation durch den Leser hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Literarische Räume, Bilderbuch, Raumdeterminanten, Modellhaftigkeit, Bild-Text-Verhältnis, Raumkonstruktion, Sujet, Plot, Grenzüberschreitung, Literaturwissenschaft, Juri Lotman, oben-unten-Achse, Erzählstruktur, Rezeption, Symbolik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption und Bedeutung von literarischen Räumen in der Kinderliteratur, speziell im Medium Bilderbuch.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die theoretische Modellierung räumlicher Relationen, die Analyse von Raumdeterminanten und deren Wirkung sowie die Rolle des Bildes für das Verständnis von Räumen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie literarische Räume durch Autoren erschaffen werden, wie diese auf den Leser wirken und welche Bedeutung sie für die Struktur einer Geschichte haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine systematische Text- und Bildanalyse, basierend auf den literaturwissenschaftlichen Raumtheorien von Juri Lotman.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das konkrete Beispiel „Das Geheimnis des Affenbrotbaums“, unterteilt in die Untersuchung von Text- und Bildebenen sowie den Zusammenhang zwischen Raumgrenzen und Plotentwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind Literarische Räume, Raumdeterminanten, Modellhaftigkeit, Bild-Text-Verhältnis und Erzählstruktur.
Warum ist das Bilderbuch ein besonderes Medium für diese Untersuchung?
Im Gegensatz zu reinen Textwerken bietet das Bilderbuch die Möglichkeit, Räume simultan auf zwei verschiedenen Ebenen – Text und Bild – zu konstruieren und subtilere Andeutungen zu vermitteln.
Welche Rolle spielt die „oben-unten-Achse“ in der Analyse?
Diese Achse dient als zentrales Modell für ideologische Wertungen: Oben wird mit Gutem, Macht und Göttlichem assoziiert, während Unten oft mit Schwäche, Bedrohung oder Unterdrückung verknüpft ist.
Warum ist die Überschreitung von Raumgrenzen für die Geschichte wichtig?
Die Autorin argumentiert, dass erst die Grenzüberschreitung durch den Helden die Ordnung des literarischen Universums durchbricht und dadurch eine Kette von Ereignissen auslöst, die erst den eigentlichen Plot bildet.
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- Julia Littwin (Author), 2007, Eine Welt in zwei Ebenen - Literarische Räume im Bilderbuch , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82521