Die gerade zurückliegende Rechtschreibreform hat für viel Diskussionsstoff gesorgt und die Orthografie zu einem Thema zentralen Interesses werden lassen, unter Fachleuten wie Laien gleichermaßen. Kritiker sprechen von einer „Schlechtschreibreform“, die gegen grammatische Prinzipien verstoße.
„Wozu überhaupt eine Rechtschreibreform?“, fragen PFEIFFER/LUDWIG, vermuten gar die Entmachtung des Duden-Verlags als eigentliches Motiv und zitieren dessen ehemaligen Leiter Günther Drosdowski:
„Die Reformer missbrauchten die Reform schamlos, um sich Ansehen im Fach und in der Öffentlichkeit zu verschaffen, Eitelkeiten zu befriedigen und mit orthographischen Publikationen Geld zu verdienen. Selten habe ich erlebt, dass Menschen sich so ungeniert ausziehen und ihre fachlichen und charakterlichen Defizite zur Schau stellen.“
Die Reform eine Farce? Ein intrigantes Machwerk als Ergebnis von Dilettantismus und Habgier?
BLÜML scheint das anders zu sehen. In seinen Augen war die Reform notwendig geworden, da Änderungen der Sprache seit der zweiten orthografischen Konferenz von 1901 eine Anpassung der Rechtschreibung erforderlich gemacht hätten, da das „sinnvolle Gleichgewicht zwischen dem Aufwand auf der Seite der Schreibenden und der notwendigen Klarheit auf der Seite der Lesenden empfindlich gestört“ gewesen sei.
Die vorliegende Arbeit soll keinen weiteren Beitrag zu Sinn oder Unsinn eines Reformwerkes wie des hier erwähnten leisten. Vielmehr will sie Impulse aus den Debatten der zurückliegenden Jahre aufgreifen und zum Anlass nehmen, das Objekt der leidenschaftlichen Auseinandersetzungen, die große Teile der Gesellschaft ergriffen und selbst das Bundesverfassungsgericht beschäftigten, in Ansätzen etwas genauer zu beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Deutsche Rechtschreibung
3. Orthografische Prinzipien
3.1. Das Lautprinzip
3.2. Morphologische Schreibung
3.3. Usus Scribendi
4. Historische Schriftzeugen
4.1. Luthers Bibelübersetzung von 1534
4.2. Das Faustbuch von 1587
4.3. Goethes Werther von 1774 und 1787
5. Die heutige Schreibung – ein Vergleich
6. Abschließendes
7. Anhang
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Prinzipien der deutschen Schriftsprache im Kontext der Debatten um die Rechtschreibreform, indem sie diese Prinzipien erläutert und anhand ausgewählter historischer Texte aus dem 16. und 18. Jahrhundert deren orthografische Eigentümlichkeiten analysiert.
- Grundlegende orthografische Prinzipien (Laut-, Stamm- und historisches Prinzip)
- Die Entwicklung der deutschen Rechtschreibung als plurizentrischer Prozess
- Analyse historischer Schriftzeugen (Luther, Faustbuch, Goethe)
- Spannungsfelder zwischen Vereinheitlichung und Sprachwandel
- Die Rolle der "unsichtbaren Hand" bei der Normbildung
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die gerade zurückliegende Rechtschreibreform hat für viel Diskussionsstoff gesorgt und die Orthografie zu einem Thema zentralen Interesses werden lassen, unter Fachleuten wie Laien gleichermaßen. Kritiker sprechen von einer „Schlechtschreibreform“, die gegen grammatische Prinzipien verstoße. „Wozu überhaupt eine Rechtschreibreform?“, fragen PFEIFFER/LUDWIG, vermuten gar die Entmachtung des Duden-Verlags als eigentliches Motiv und zitieren dessen ehemaligen Leiter Günther Drosdowski: „Die Reformer missbrauchten die Reform schamlos, um sich Ansehen im Fach und in der Öffentlichkeit zu verschaffen, Eitelkeiten zu befriedigen und mit orthographischen Publikationen Geld zu verdienen. Selten habe ich erlebt, dass Menschen sich so ungeniert ausziehen und ihre fachlichen und charakterlichen Defizite zur Schau stellen.“
Die Reform eine Farce? Ein intrigantes Machwerk als Ergebnis von Dilettantismus und Habgier? BLÜML scheint das anders zu sehen. In seinen Augen war die Reform notwendig geworden, da Änderungen der Sprache seit der zweiten orthografischen Konferenz von 1901 eine Anpassung der Rechtschreibung erforderlich gemacht hätten, da das „sinnvolle Gleichgewicht zwischen dem Aufwand auf der Seite der Schreibenden und der notwendigen Klarheit auf der Seite der Lesenden empfindlich gestört“ gewesen sei.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Debatte um die Rechtschreibreform ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die darin besteht, orthografische Prinzipien und deren historische Anwendung zu untersuchen.
2. Deutsche Rechtschreibung: In diesem Kapitel wird die Entwicklung der Rechtschreibung als längerer Prozess mit institutionellen und individuellen Einflüssen beleuchtet.
3. Orthografische Prinzipien: Dieses Kapitel erläutert das Laut-, Stamm- und historische Prinzip als Fundament der deutschen Rechtschreibung.
4. Historische Schriftzeugen: Hier werden ausgewählte Texte von Luther, aus dem Faustbuch und von Goethe hinsichtlich ihrer orthografischen Besonderheiten analysiert.
5. Die heutige Schreibung – ein Vergleich: Dieses Kapitel vergleicht die historischen Befunde mit der heutigen Schreibung und diskutiert die Inkonsequenzen und Beständigkeit der Orthografie.
6. Abschließendes: Das Schlusskapitel fasst zusammen, dass die Rechtschreibung ein komplexes Ergebnis verschiedener, teils unbewusster Faktoren ist.
7. Anhang: Der Anhang enthält die Abbildungen der analysierten historischen Textquellen.
8. Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet die in der Arbeit verwendete Fachliteratur auf.
Schlüsselwörter
Orthografie, Rechtschreibreform, Sprachgeschichte, Lautprinzip, Stammprinzip, Usus Scribendi, Schriftzeugen, Luther, Faustbuch, Goethe, Schriftsprache, Normbildung, Graphematik, Sprachwandel, Kulturgut
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der deutschen Orthografie vor dem Hintergrund der intensiven Diskussionen um die Rechtschreibreform und beleuchtet die Prinzipien, nach denen die Schriftsprache organisiert ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen orthografische Grundprinzipien, die historische Entwicklung der deutschen Schreibung sowie die Analyse der Spannung zwischen systematischer Regulierung und historisch gewachsenen Schreibweisen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, in einem theoretischen Teil die verschiedenen Prinzipien der deutschen Schreibung vorzustellen und anschließend in einem empirischen Teil anhand historischer Dokumente aufzuzeigen, welche orthografischen Besonderheiten dort vorliegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine linguistische Analyse ausgewählter historischer Texte, um deren orthografische Eigentümlichkeiten im Licht heutiger Diskussionen zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung orthografischer Prinzipien (Laut-, Stamm-, historisches Prinzip) und eine Untersuchung von Textzeugen aus dem 16. und 18. Jahrhundert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Orthografie, Sprachgeschichte, Lautprinzip, Stammprinzip, Usus Scribendi und historische Textzeugen charakterisiert.
Warum spielt die Unterscheidung von "dass/daß" bei Luther keine Rolle?
Im untersuchten Luther-Text findet eine solche Unterscheidung nicht statt; Luther verwendet in dem Ausschnitt ausschließlich die Version "das".
Welche Bedeutung hat das "Usus Scribendi" für die Rechtschreibung?
Das "Usus Scribendi" beschreibt den faktischen Schreibgebrauch, der sich oft hartnäckig gegen systematische Vereinheitlichungsversuche sperrt und als Gewohnheitsrecht fungiert.
Was zeigt der Vergleich der Goethe-Ausgaben von 1774 und 1787?
Der Vergleich zeigt, dass selbst bei Werken desselben Autors orthografische Schwankungen auftreten, wobei sich in der späteren Ausgabe eine tendenzielle Annäherung an vertrautere Schreibweisen beobachten lässt.
Was besagt die Theorie der "unsichtbaren Hand" im Kontext der Rechtschreibung?
Die Theorie besagt, dass sich Sprachnormen oft nicht durch geplante Expertenentscheidungen, sondern durch einen komplexen, prozesshaften Verlauf durchsetzen, der nicht vollständig rational steuerbar ist.
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- Fritz Hubertus Vaziri (Author), 2007, Deutsche Orthografie - Eine kurze Betrachtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82551