Der demographische Wandel und seine Auswirkungen auf die betriebliche Personalpolitik


Diplomarbeit, 2007
71 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Die demographische Situation in Deutschland
2.1 Theoretische Grundlagen
2.2 Die derzeitige demographische Situation in Deutschland
2.3 Allgemeine Konsequenzen aus den demographischen Veränderungen
2.4 Spezielle Folgen des demographischen Wandels auf dem Arbeitsmarkt

3. Ältere Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt
3.1 Das vorherrschende Altersbild in unserer Gesellschaft
3.2 Ältere Arbeitnehmer: Wer gehört dazu?
3.3 Beschäftigung älterer Arbeitnehmer
3.4 Schwächen älterer Arbeitnehmer aus Sicht der Unternehmen
3.5 Stärken älterer Arbeitnehmer aus Sicht der Unternehmen

4. Ergebnisse der empirischen Untersuchung
4.1 Aufbau und Ziel der Untersuchung
4.2 Durchführung der empirischen Untersuchung
4.3 Auswertung und Analyse der Fragebögen

5. Zukünftige Personalpolitik im Zeichen des demographischen Wandels
5.1 Demographische Veränderungen als betriebliche Herausforderungen
5.2 Abbau von Vorurteilen zur Leistungsfähigkeit und -bereitschaft Älterer
5.3 Arbeitsorganisation und Arbeitsgestaltung
5.4 Gesundheitsförderung
5.5 Weiterbildung älterer Mitarbeiter
5.6 Zusammenarbeit Älterer und Jüngerer
5.7 Führung älterer Mitarbeiter
5.8 Zunahme der Erwerbsbeteiligung von Frauen

6. Zusammenfassung

Anhang:
A Anschreiben an die Unternehmen
B Fragebogen an die Unternehmen
C Einordnung der Unternehmen nach Branche und Größe
D Auswertung der Fragebögen

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Zusammensetzung der Bevölkerung Deutschlands

Abbildung 2: Alterspyramide 1950

Abbildung 3: Alterspyramide 2050

Abbildung 4: Dauer der Arbeitslosigkeit nach Altersgruppen

Abbildung 5: Neueinstellung älterer Arbeitnehmer

Abbildung 6: Unterschiede zwischen Jung und Alt aus Sicht von Betrieben

Abbildung 7: Prozentualer Anteil älterer Mitarbeiter an gesamter Mitarbeiter- anzahl

Abbildung 8: Prozentualer Anteil älterer Führungskräfte an der Gesamtzahl

der Führungskräfte

Abbildung 9: Fähigkeiten älterer und jüngerer Mitarbeiter

Abbildung 10: Sind die krankheitsbedingten Fehlzeiten bei älteren

Mitarbeitern höher als bei jüngeren

Abbildung 11: Beteiligung älterer Mitarbeiter an Weiterbildungsmaßnahmen

Abbildung 12: Ist die Beschäftigung älterer Mitarbeiter in Zukunft wichtig?

Abbildung 13: Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltungen

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: Durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland bei Geburt und im Alter von 60 Jahren

Tabelle 2: Durchschnittliches Alter der Mütter bei der Geburt ihrer Kinder

Tabelle 3: Demographische Entwicklung der Erwerbspersonen in Prozent

Tabelle 4: Mögliche Veränderungen von Funktionen des menschlichen Organismus mit dem Alter

Tabelle 5: Stärken jüngerer und älterer Menschen bei der Software- entwicklung

1. Einleitung

Der demographische Wandel ist in vollem Gange. Sinkende Geburtenraten und die kontinuierlich steigende Lebenserwartung führen mittel- und langfristig zu gravierenden Veränderungen in der Altersstruktur der Bundesrepublik Deutschland. In Zukunft wird die Bevölkerung Deutschlands sinken und immer älter werden. Diese Entwicklung stellt Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Dazu gehören u.a. der wachsende Bedarf an sozialen Dienstleistungen, die Finanzierbarkeit der sozialen Sicherungssysteme, praktische Lösungen für den Arbeitsmarkt, der in Zukunft mit einer durchschnittlich älteren Erwerbsbevölkerung rechnen muss. Trotz des Wissens um diese demographische Entwicklung wird jedoch die Einstellung zu älteren Menschen weder von der Gesellschaft und insbesondere von den Unternehmen hinterfragt noch den sich vollziehenden Veränderungen angepasst.

Obwohl viele Unternehmen mittlerweile erkannt haben, dass qualifizierte und motivierte Mitarbeiter das wichtigste Kapital in der betrieblichen Leistungserstellung darstellen, passen sie ihre Personalpolitik nicht den sich veränderten demographischen Rahmenbedingungen an. Die Gründe hierfür sind vielseitig, jedoch beruhen sie hauptsächlich auf dem vorherrschenden negativen Altersbild, welches in der Gesellschaft tief verankert ist. Altersbedingte Veränderungen werden mit körperlichem und geistigem Abbau gleichgesetzt und grenzen ältere Menschen aus dem gesellschaftlichen und beruflichen Leben aus.

Diese Denkweise steht im totalen Widerspruch zu der Tatsache, dass die älteren Menschen dank des medizinischen Fortschritts und der verringerten starken körperlichen Belastung weitaus länger leben und leistungsfähiger sind als jede Generation zuvor. Durch die zunehmende Nichtberücksichtigung älterer Arbeitnehmer bei der Besetzung offener Stellen bleiben viele Potenziale älterer Mitarbeiter ungenutzt und deren über Jahre angesammeltes Wissen und ihre Erfahrung geht den Unternehmen verloren. Das gesellschaftliche Verhalten gegenüber älteren Menschen ist einerseits aus ethischen Gründen sehr fragwürdig, andererseits stellt sich aus betriebwirtschaftlicher Sicht die Frage, ob die Unternehmen es sich in Zukunft überhaupt noch leisten können, auf ältere Arbeitnehmer zu verzichten oder ob es vernünftiger ist, sich den demographischen Herausforderungen in Zusammenarbeit mit den älteren Mitarbeitern zu stellen.

Die vorliegende Diplomarbeit gibt zunächst einen Überblick über die derzeitige demographische Situation in Deutschland. Anschließend wird ausgehend von der Stellung älterer Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt die Notwendigkeit einer stärkeren Beschäftigung sowie eines Erhalts der Beschäftigungsfähigkeit älterer Mitarbeiter angesichts sich demographisch vollziehender Veränderungen untersucht. In Kapitel 4 erfolgt eine empirische Untersuchung zum Thema demographischer Wandel. Dabei werden unterschiedlichen Unternehmen verschiedene Fragen zu älteren Mitarbeitern in ihrem Unternehmen gestellt. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden mit den zuvor theoretisch gewonnenen Erkenntnissen aus der Literatur verglichen. Ein Überblick von den Ergebnissen der Befragung sowie das Anschreiben an die Unternehmen und der Fragebogen befinden sich im Anhang.

Die Arbeit verfolgt insgesamt das Ziel, Unternehmen Handlungsempfehlungen und -felder für ihre zukünftige betriebliche Personalpolitik aufzuzeigen, die es ihnen ermöglichen, auch zukünftig mit alternden Belegschaften langfristig innovativ und wettbewerbsfähig am Markt zu agieren. Diese Handlungsempfehlungen werden im Kapitel 5 detailliert aufgezeigt.

Insgesamt sei darauf hingewiesen, dass sich die vorliegende Diplomarbeit ausschließlich mit den Auswirkungen des demographischen Wandels in Deutschland beschäftigt. Ein Vergleich mit anderen Industrieländern, die in ähnlicher Weise vom demographischen Wandel betroffen sind, findet nicht statt. Besonderes Augenmerk legt diese Diplomarbeit auf den Arbeitsmarkt und die betriebliche Personalpolitik.

2. Die demographische Situation in Deutschland

2.1 Theoretische Grundlagen

Der Begriff Demographie hat seinen Ursprung im Griechischen und setzt sich aus den beiden griechischen Wörtern „dèmos“ (Volk) und graphé (Schrift, Beschreibung) zusammen.

In der Literatur wird mit dem Begriff Demographie übereinstimmend die Bevölkerungswissenschaft verstanden. Diese wissenschaftliche Disziplin befasst sich mit dem Leben, Werden und Vergehen menschlicher Bevölkerungen, sowohl mit ihrer Zahl als auch mit ihrer Verteilung im Raum und den Faktoren, insbesondere auch sozialen, die für Veränderungen verantwortlich sind. Die Erforschung der Regelmäßigkeiten und Gesetzmäßigkeiten in Zustand und Entwicklung der Bevölkerung wird mit Hilfe der Statistik erfasst und gemessen.[1]

Die Demographie erfasst und untersucht:

- die Bevölkerung selbst (z.B. Wohnbevölkerung, Tag-/Nachtbevölkerung),
- die Bevölkerungsstruktur (z.B. Alter, Geschlecht, Nationalität),
- die Bevölkerungsbewegung (Mobilität, Bevölkerungssaldo, Migrationssaldo) sowie
- als historische Demographie die Bevölkerungsgeschichte[2]

Ihre Daten bezieht die Bevölkerungswissenschaft aus der laufend fortgeschriebenen Statistik, aus Stichproben und aus Volkszählungen.

Zur Untersuchung demographischer Prozesse, d.h. der Bevölkerungsbewegung, werden neben verschiedenen, statistischen Kennziffern wie Geburtenrate, Fruchtbarkeitsrate, Sterberate, Migrationsrate, Lebenserwartung, etc. auch graphische Darstellungen wie die Alterspyramide verwendet.

Für die vorstatistische Zeit (vor 1850) werden derartige Daten durch die Auswertung von Kirchen- und Ortsfamilienbüchern und anderen Quellen berechnet.

Nach der rassistischen Bevölkerungspolitik des NS-Regimes fristete die Demographie in Deutschland lange ein Schattendasein, da die Untersuchung oder gar Beeinflussung reproduktiven Verhaltens doch als moralisch bedenklich galt.

Erst mit der politischen Diskussion um die Aufrechterhaltung der Sozialversicherungen kamen auch in Deutschland wieder Debatten um die demographische Entwicklung oder den demographischen Wandel auf. Zu den drei Hauptmerkmalen, anhand derer die Veränderung der Gesellschaft gemessen wird, zählen:

- die zunehmende Lebenserwartung der Menschen
- die niedrige Geburtenrate
- die Außenwanderung[3]

Diese drei Merkmale zeigen, dass ein demographischer Wandel nicht kurzfristig stattfindet, sondern es sich um einen langsamen und langfristig verlaufenden Wandel handelt. Vor allem „das Altern ist das Ergebnis von langfristigen Veränderungen der Geburtenhäufigkeit und der Sterblichkeit.“[4]

2.2 Die derzeitige demographische Situation in Deutschland

Das Statistische Bundesamt teilte in einer Presseerklärung am 19. Oktober 2006 mit, dass die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland weiter angestiegen ist. Sie beträgt nach der neuen Sterbetafel 2003/2005 für einen neugeborenen Jungen 76,2 Jahre und für ein Mädchen 81,8 Jahre. Nach der vorherigen Sterbetafel 2002/2004 waren es 75,9 bzw. 81,5 Jahre gewesen. Damit hat die durchschnittliche Lebenserwartung neugeborener Jungen etwas stärker zugenommen als die der Mädchen. Ein neugeborenes Mädchen hat somit eine um 5,6 Jahre höhere durchschnittliche Lebenserwartung als ein neugeborener Junge, 2002/2004 waren es noch 5,7 Jahre gewesen.

Auch für ältere Menschen ist die Lebenserwartung weiter angestiegen. Nach der neuen Sterbetafel können 60-jährige Männer statistisch noch mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 20,3 Jahren und für 60-jährige Frauen ergeben sich nach den Berechnungen noch weitere 24,1 Jahre. Anhand der nachfolgenden Tabelle ist deutlich zu sehen, dass 60-jährige Männer im Vergleich zu 1993/1995 heute durchschnittlich 2,19 Jahre länger leben und 60-jährige Frauen sich über einen Anstieg der Lebenserwartung um 1,76 Jahren freuen dürfen. Das 60. Lebensjahr können in Deutschland durchschnittlich 88% der Männer und 94% der Frauen erreichen.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.1: Durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland bei Geburt und im Alter von 60 Jahren

In Anlehnung an: http://www.destatis.de/download/d/bevoe./leben05.xls, 12.3.07

Auch regionale Unterschiede hinsichtlich der Lebenserwartung in Deutschland sind festzustellen. Die höchste Lebenserwartung bietet das Bundesland Baden-Württemberg. Neugeborene Jungen dürfen hier mit 77,6 Jahren und Mädchen mit 82,7 Jahren rechnen. Das sind im Vergleich zum deutschen Durchschnitt für Jungen 1,4 Jahre und für Mädchen 0,9 Jahre mehr. Die niedrigste Lebenserwartung für Jungen hat das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern mit 74 Jahren zu verzeichnen. Für neugeborene Mädchen belegt das Saarland den letzten Platz mit einer Lebenserwartung von 80,5 Jahren. Dies bedeutet für Jungen eine um 2,2 und für Mädchen eine um 1,3 Jahre geringere Lebenserwartung als in Deutschland insgesamt.[6]

Da neben der gestiegenen Lebenserwartung gleichzeitig die Geburtenrate sinkt, kommt es zu einem Ungleichgewicht der Generationen. Ein heute in Deutschland geborenes Baby hat gute Chancen seinen 100. Geburtstag zu feiern.[7] Verantwortlich für die höhere Lebenserwartung sind die verbesserte Hygiene, Nahrungs- und Gesundheitsversorgung, der Wegfall von körperlich belastenden Arbeiten aufgrund neuer Technologien und veränderter wirtschaftlicher Ausrichtung und sozialer Absicherungsmaßnahmen, d.h. insgesamt durch den Wandel von der Agrar- zur Dienstleistungsgesellschaft.

Dass die Geburtenrate in Deutschland sinkt, ist nicht erst ein Phänomen der letzten Jahre, sondern ein seit mehreren Jahrzehnten kontinuierlich verlaufender Prozess. Zwar sagte der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer 1956 noch viel versprechend „Kinder bekommen die Leute sowieso“, doch schon 1972 starben in Deutschland erstmals mehr Menschen als geboren wurden.[8]

Im sogenannten Nachkriegs-Babyboom kamen im Durchschnitt noch 2,4 Kinder auf eine Frau, heute sind es hingegen nur noch 1,3.[9] Derzeit liegt die Zahl der Neugeborenen in Deutschland bei 685.000. Sie wird voraussichtlich bis zum Jahr 2050 auf 500.000 pro Jahr sinken.[10] Sterben heute 76.000 Menschen mehr, als Kinder zur Welt kommen, so werden es 2050 voraussichtlich etwa 640.000 sein.[11]

Mit dieser Entwicklung steht Deutschland nicht allein, sie ist ein Phänomen aller hoch entwickelten Staaten: Je höher der Entwicklungsstand eines Landes ist, desto niedriger liegt die Kinderzahl pro Frau.[12] Im europäischen Vergleich belegt Deutschland mit einer Geburtenrate von 1,3 einen der hintersten Plätze. Nur in Österreich, Griechenland, Italien und Spanien werden noch weniger Kinder geboren. Spitzenreiter sind Frankreich und Irland mit einer Geburtenrate von 1,89. Für den Bestandserhalt der Bevölkerung wäre jedoch eine Quote von 2,1 nötig.[13]

Die Gründe für die niedrige Geburtenrate sind vielseitig. Für zwei Drittel der deutschen Frauen bedeutet ein Kind Karriereknick und Vereinsamung. Sie vermuten, dass sich ihre Chancen im Beruf deutlich verschlechtern und sehen im Kind eher eine Belastung als eine Bereicherung. Zusätzlich hat ein rasanter Wertewandel stattgefunden. Das Kinderkriegen ist vom selbstverständlichen Teil des Lebens immer mehr zu einer Option unter vielen geworden. Im Durchschnitt wünscht sich eine Frau in Deutschland 1,75 Kinder und ein Mann nur 1,59 Kinder. Das ist der niedrigste europäische Wert. Dass die Geburtenrate mit 1,3 Kindern auch so gering ist, liegt auch daran, dass die Frauen bei der Geburt des Kindes immer älter werden, was zwangsläufig zu einer Beschränkung auf wenige Kinder führt. Dies verdeutlicht folgende Tabelle.[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.2: Durchschnittliches Alter der Mütter bei der Geburt ihrer Kinder

In Anlehnung an: http://www.destatis.de/print.php, 4.3.07

Zur Steigerung der Geburtenrate muss das Leben mit Kindern also wieder attraktiver werden. Die Politik muss Strukturen schaffen, die verhindern, dass Kinder in erster Linie als Kostenfaktor und Karrierehemmnis betrachtet werden. Es ist eine familienfreundliche und zukunftsfähige Politik nötig, die sich am Wohl der Kinder orientiert und den Eltern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert.[15]

Mit der Einführung des Elterngeldes, mit einer besseren Kinderbetreuung und günstigeren Arbeitsbedingungen für Eltern wurde bereits ein Anfang gemacht. Ob dies allerdings reicht, um die Geburtenrate zu steigern, ist weiterhin unklar.[16] Bei der im Vergleich geringen Geburtenrate mag es als Widerspruch klingen, dass Deutschland mit 82.438.000 Einwohnern weiterhin das bevölkerungsreichste Land innerhalb der Europäischen Union darstellt.[17] Davon entfallen annähernd 67 Millionen Menschen auf das frühere Bundesgebiet und rund 15 Millionen auf die neuen Bundesländer. Dass Deutschland bisher von einem hohen Bevölkerungsrückgang verschont wurde, liegt daran, dass es neben den USA das zweitgrößte Einwanderungsland ist. Zum derzeitigen Zeitpunkt wohnen schon mehr als 12 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, d.h. Aussiedler, Ausländer und eingebürgerte Migranten in Deutschland.[18]

Die deutsche Politik sollte sich eher über die vielen Zuwanderer freuen, um dadurch das Geburtendefizit auszugleichen. Doch es werden immer wieder Hürden gegen Migranten aufgebaut. Im letzten Jahr gab es nur noch 96.000 mehr ausländische Zu- als Abwanderer. Selbst bei einem kontinuierlichen Zuwanderungsgewinn von 200.000 Menschen pro Jahr, würde nach den neuesten Berechnungen die Bevölkerung in Deutschland bis zum Jahr 2050 um 10 Millionen Menschen zurückgehen.[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Zusammensetzung der Bevölkerung Deutschlands[20]

In Anlehnung an: http://www.statistik-portal.de/Statistik-Portal/de_jb01_jahrtab2.asp, 5.3.07

Wie sich die Bevölkerungsstruktur in Deutschland zusammensetzt, lässt sich sehr gut an den sogenannten Alterspyramiden, die eine bildliche Verteilung der Bevölkerungs-zahlen nach Alter und Geschlecht darstellen und Rückschlüsse auf die Lebenserwartung zulassen, sichtbar machen. Mitte des 20. Jahrhunderts stellt die Alterspyramide noch eine recht klassische Pyramidenform dar, wenn von den deutlichen Kerben aufgrund der Weltkriege und der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre abgesehen wird. Schon heute ist das mittlere Alter am stärksten besetzt, zu den Jüngeren und Älteren gehören weniger Personen. Bis zum Jahr 2050 werden die stark vertretenden Jahrgänge weiter nach oben geschoben und von zahlenmäßig kleineren ersetzt. Der Bevölkerungsaufbau wird immer mehr eine glatte und steile Form annehmen, die eher an einen Kirchturm erinnert.[21] In der Abbildung 2 ist deutlich zu sehen, dass die maximale Lebenserwartung um 1950 in Deutschland bei 90 Jahren lag. Das Verhältnis

von Jüngeren und Älteren ist weitgehend ausgeglichen und die größten Gruppen bilden die Altersgruppen der 10-bis 30-Jährigen und der 40-bis 50 Jährigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 Alterspyramide 1950 Abb.3 Alterspyramide 2050

Quelle: Entnommen aus: http://www.werkstoffe-bauteile.de/fhg/vwb/extra/bigimg/Bild321g.jsp, 13.3.07

und: http://www.werkstoffe-bauteile.de/fhg/vwb/extra/bigimg/Bild322g.jsp, 13.3.07

Abbildung 3 zeigt durch ihre schmale Form, dass die Bevölkerung in Deutschland bis zum Jahr 2050 abnehmen wird. Den größten Anteil an der Bevölkerung bildet die Gruppe der 60- bis 70 Jährigen. Die maximale Lebenserwartung liegt bei 100 Jahren. Das sind 10 Jahre mehr im Vergleich zum Jahr 1950. Einem schrumpfenden Sockel an jungen Alterskategorien stehen stark besetzte ältere Altersjahrgänge gegenüber.[22]

Die Bevölkerungszahlen werden erst langsam, dann aber immer schneller in Deutschland zurückgehen.[23]

Die demographische Situation in Deutschland zeigt, dass es ein massives Alterungsproblem in der deutschen Bevölkerung gibt. Der jüngere Teil der Bevölkerung wird zahlenmäßig kleiner und wächst langsamer als der ältere Bevölkerungsteil.[24]

2.3 Allgemeine Konsequenzen aus den demographischen Veränderungen

Im Jahr 2050 wird jeder Dritte Deutsche über 60 Jahre alt und nur jeder Sechste jünger als 20 Jahre sein.[25] Das Durchschnittsalter der Bevölkerung wird von derzeit 42 auf 50 Jahre ansteigen und im ungünstigsten Fall wird die Bevölkerung auf knapp 69 von derzeit 82,4 Millionen sinken.[26] Aus diesem enormen Alterungsprozess, der in den nächsten Jahrzehnten der deutschen Bevölkerung bevorsteht, leitet eine überwiegende Mehrheit ab, dass in Zukunft mit steigenden Beiträgen zur Renten- und Krankenversicherung, mit einer längeren Lebensarbeitszeit und mit einer Grundrente zu rechnen ist. Die zunehmende Menge der alten Bevölkerung wird für politische Parteien bei Wahlen bedeutsam. Themen wie z.B. Rente, Pflege, Urlaub im Alter werden im Vordergrund stehen. Es besteht die Gefahr, dass zu wenig in die jungen Leute investiert wird. Zusätzlich wird es Städte geben, die zu sogenannten Altersghettos verkommen, da aufgrund fehlender Kinderzahlen viele Schulen schließen müssen und somit die jungen Familien wegziehen. In diesen Städten wird es viele frei stehende Wohnungen geben, die zum größten Teil abgerissen werden.[27]

Weitere Problemsituationen können Realität werden: Es könnte zu einer Spaltung der Gesellschaft in zwei Teilgesellschaften mit und ohne Nachkommen kommen, ein Auseinanderdriften der zugewanderten Populationen und der einheimischen Bevölkerung wäre zu befürchten und es könnte eine demographische Spaltung des Landes in wachsende und schrumpfende Bundesländer und Regionen entstehen.[28]

Aufgrund der großen Anzahl der alten Leute in der Bevölkerung wird es zu einer Verlangsamung der Gesellschaft im Verkehr, im TV-Bereich, in den Gesundheitssystemen, in den Verwaltungen, in den Kaufhäusern, etc. geben.[29] Dass die so genannte „Generation 50 plus“ über eine enorme Kaufkraft verfügt, haben schon heute die Einzelhändler erkannt und daher richten Sie auch immer mehr die Werbung auf diese Zielgruppe. Doch „die“ Alten generell gibt es nicht. Daher ist die Werbung nicht nach Altersgruppen, sondern nach Lebensstilen eingeteilt. Für die Generation 50 plus lassen sich laut Zentralverband der Werbewirtschaft die fünf folgenden verschiedenen Lebensstile ausmachen:

- Die „cleveren Kosmopoliten“ zeichnen sich durch finanzielles Engagement und einen Hang zum Abenteuer aus. Mit Sparen haben sie kein Problem, sie halten Aktien für keine unsichere Investition und verbringen den Urlaub am liebsten im Ausland.
- Die „illiquiden Traditionalisten“ entsprechen dem Bild, das viele von den „Alten“ haben. Sie schauen auf jeden Cent und denken, eine Frau gehöre an den Herd.
- Die „gemäßigten Fremdenfeinde“ sind sehr skeptisch allem gegenüber, was von „draußen“ kommt.
- Die „apathischen Alten“ haben eine passive Lebenseinstellung, die daran hindert, in fremde Länder zu fahren oder etwa Leute zu sich nach Hause einzuladen.
- Die „Vergnügungssüchtigen“ sind begeisterungsfähig und gesellig. Sie finden Neues spannend, reisen gerne und fühlen sich unter Freunden wohl.

Ältere Menschen mögen jedoch keine Werbung, die eindeutig auf sie zugeschnitten ist. Die Werbung muss daher darauf achten, dass die Bedürfnisse älterer Menschen berücksichtigt werden, aber sie nicht gezielt angesprochen werden. Trotzdem sind immer mehr ältere Menschen in der Werbung zu sehen. So sorgte z.B. vor einiger Zeit die „Mutter aller Schnäppchen“ bei Media Markt für niedrige Preise.[30]

Zusätzlich werden von der Wirtschaft anwenderfreundliche Geräte wie z.B. Handys mit großen Tasten speziell für ältere Leute auf den Markt gebracht.[31] Im Kurort Bad Füssing im Landkreis Passau wurde sogar der erste Supermarkt mit dem Namen „Neukauf 50+“ eröffnet, der sich speziell an Senioren richtet. Der Markt zeichnet sich aus durch breitere Gänge, durch leichter zu schiebende Einkaufswagen, die gleichzeitig mit Sitzgelegenheiten ausgestattet sind, durch größere Preisetiketten und durch an den Regalen angebrachte Vergrößerungsgläser, um auch das Kleingedruckte auf den Produkten lesen zu können. Mittlerweile gehen auch immer mehr Mütter mit Kleinkindern in diesem Supermarkt einkaufen und genießen die ruhige Einkaufsatmosphäre.[32] Nach Berechnungen des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend stehen den Menschen über 60 Jahren rund 26 Milliarden Euro monatlich zur Verfügung.[33]

[...]


[1] Vgl. o.V. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Demographie&printable=yes, 4.3.07.

[2] Vgl. o.V. http://www.sachsen.de/de/bf/demograph/hf/inhalt.html, 11.3.07.

[3] Vgl. o.V. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Demographie&printable=yes, 4.3.07.

[4] Vgl. o.V. http://www.bib-demographie.de/info/bib_broschuere2.pdf, 4.3.07.

[5] Vgl. o.V. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2006/p440022.htm, 12.3.07.

[6] Vgl. o.V. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2006/p440022.htm ,12.3.07.

[7] Vgl. o.V. http://www.br-online.de/leben2020/thema/zahlenspiele/alterung.xml?theme=print, 2.3.07.

[8] Vgl. o.V. http://www.br-online.de/leben2020/thema/zahlenspiele/schrumpfung.xml?theme=print,

2.3.07.

[9] Vgl. o.V. http://www.zukunftsradar2030.de/die_fakten/druck_gebrueckgang.htm, 5.3.07.

[10] Vgl. o.V. http://www.heute.de/ZDFheute/drucken/1,3733,3998488,00.html, 18.1.07.

[11] Vgl. Klemmer, P. (2001), S.19.

[12] Vgl. Beckstein, G. (2002) S.11.

[13] Vgl. o.V. http://www.zukunftsradar2030.de/die_fakten/druck_gebrueckgang.htm, 5.3.07.

[14] Vgl. o.V. http://www.focus.de/gesundheit/news/umfrage_nid_31084.html?drucken=1, 5.3.07.

[15] Vgl. o.V. http://www.zukunftsradar2030.de/die_fakten/druck_gebrueckgang. htm, 5.3.07.

[16] Vgl. o.V. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,druck-443787,00.html, 5.3.07.

[17] Vgl. o.V. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2006/p2920021.htm, 2.3.07.

[18] Vgl. o.V. http://www.zukunftsradar2030.de/das_projekt/hintergrund/druck_situation.htm, 5.3.07.

[19] Vgl. o.V. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,druck-443787,00.html, 5.3.07.

[20] Vgl. o.V. http://www.statistik-portal.de/Statistik-Portal/de_jb01_jahrtab2.asp, 5.3.07.

[21] Vgl. o.V. http://www.destatis.de/presse/deutsch/pk/2006/bevoelkerungspropjektion2050i.pdf, S.7,

12.3.07.

[22] Vgl. Kersting, M. (2002), S.9.

[23] Vgl. o.V. http://www.br-online.de/leben2020/thema/zahlenspiele/index.xml?theme=print, 2.3.07.

[24] Vgl. o.V. http://www.joejoe.de/examen/Die_demographische_Alterung_in_Deutschland.pdf, 13.3.07.

[25] Vgl. o.V. http://archiv.bundesregierung.de/bpaexport/artikel/12/895712/multi.htm, 4.3.07.

[26] Vgl. o.V. http://www.heute.de/ZDFheute/drucken/1,3733,3998488,00.html, 18.1.07.

[27] Vgl. Jansen, S.-A./Priddat, B.-P./Stehr,N. (2005a), S.15-19.

[28] Vgl. Birg, H. (2001), S.12 ff.

[29] Vgl. dies. (2005b) , S. 20-21.

[30] Vgl. o.V. http://www.br-online.de/leben2020/artikel/0412/21-werbung-der-zukunft/index.xml, 2.3.07.

[31] Vgl. o.V. http://www.br-online.de/leben2020/artikel/div/produkte-50plus/index.xml, 2.3.07.

[32] Vgl. o.V. http://www.br-online.de/leben2020/artikel/0503/21-seniorensupermarkt/index.xml, 2.3.07.

[33] Vgl. o.V. http://www.heute.de/ZDFheute/drucken/1,3733,4299115,00.html, 2.3.07.

Ende der Leseprobe aus 71 Seiten

Details

Titel
Der demographische Wandel und seine Auswirkungen auf die betriebliche Personalpolitik
Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Essen
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
71
Katalognummer
V82565
ISBN (eBook)
9783638859233
ISBN (Buch)
9783640859610
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wandel, Auswirkungen, Personalpolitik
Arbeit zitieren
Christoph Sarlette (Autor), 2007, Der demographische Wandel und seine Auswirkungen auf die betriebliche Personalpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82565

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