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Die Rolle der Funktionshäftlinge im Vernichtungslager Auschwitz und das Beispiel Otto Küsels

Title: Die Rolle der Funktionshäftlinge im Vernichtungslager Auschwitz und das Beispiel Otto Küsels

Essay , 2007 , 10 Pages

Autor:in: Sebastian Dregger (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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Die Arbeit beschreibt wie es der SS unter Zuhilfenahme der Funktionshäftlinge gelang, mit einer im Vergleich zu den Häftlingen recht kleinen Anzahl von SS-Männern, das Vernichtungslager Auschwitz zu betreiben. Die Arbeit zeigt aber auch am Beispiel Otto Küsels, dass die Funktionhäftlinge, trotz des enormen Druckes, der auf ihnen lastete, ihren zusätzlichen Spielraum nutzen konnten, um ihren Mithäftlingen zu helfen.
Betrachtet man die Organisationsstruktur des Vernichtungslagers Auschwitz, so ergibt sich ein erklärungsbedürftiger Befund: Der großen Zahl der Häftlinge steht – bei aller numerischen Vergrößerung der Gesamtstruktur des Lagers im Laufe der Zeit – eine relativ kleine Anzahl von SS-Männern gegenüber. So zählte das Lager im Juni 1942, kurz nach Beginn der jüdischen Massentransporte, 23 070 registrierte Häftlinge. Die SS zählte zu diesem Zeitpunkt rund 2000 Mann. Im August 1944 standen 104 878 registrierte Häftlinge einer Stärke von 3342 SS-Männern gegenüber. Es stellt sich also die Frage, wie es der zahlenmäßig recht kleinen SS gelang, ein reibungsloses Funktionen des Vernichtungslagers zu gewährleisten und so in den Jahren 1940 bis 1945 rund 1, 5 bis 2 Millionen Menschen in Auschwitz zu ermorden. Dabei fiel sicher ein Großteil der Häftlinge dem ständigen Terror der SS zum Opfer; dann auch der schweren Arbeit im Lager, der unzureichenden Verpflegung und schließlich den katastrophalen hygienischen und sanitären Verhältnissen im Lager, mit der Folge, dass innerhalb der ersten zwei Monate 80% der Neuankömmlinge im Lager verstarben. Doch um letztlich dieses ungeheuerliche Ausmaß an Toten erreichen zu können bei dieser konstant großen relativen zahlenmäßigen Überlegenheit der Häftlinge gegenüber der SS, drängt sich der Schluss auf, dass ein Teil der Häftlinge aktiv in die Vernichtungsmachinerie des Lagers involviert gewesen sein musste.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

A. Die Rolle der Funktionshäftlinge im Vernichtungslager Auschwitz

B. Das Beispiel des Funktionshäftlings Otto Küsel

III. Fazit

IV. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die ambivalente Rolle der Funktionshäftlinge im Vernichtungslager Auschwitz und analysiert anhand der Biografie von Otto Küsel, inwieweit diese privilegierte Stellung innerhalb der Lagerhierarchie genutzt werden konnte, um Mithäftlingen zu helfen und den perfiden Zielen der SS entgegenzuwirken.

  • Die Organisationsstruktur und das Machtverhältnis zwischen SS und Häftlingen in Auschwitz.
  • Die Entstehung, Funktionen und Privilegien des Systems der Funktionshäftlinge.
  • Die psychologische Wirkung der Funktionshäftlinge auf die Gesamtheit der Gefangenen.
  • Der Konkurrenzkampf und die Abhängigkeit der Kapos von der SS.
  • Die außergewöhnliche Rolle von Otto Küsel als schützende Hand für Mitgefangene.

Auszug aus dem Buch

B. Das Beispiel des Funktionshäftlings Otto Küsel

Otto Küsel, Häftlingsnummer 2, gehörte zu den ersten 30 Häftlingen, die am 20.Mai 1940 aus dem KZ Sachsenhausen nach Auschwitz verlegt und dort von Lagerkommandant Rudolf Höß zu Funktionshäftlingen ernannt werden. Der Berliner Otto Küsel war, wie die übrigen verlegten Häftlinge, ein Krimineller, der im KZ seine Strafe wegen mehrerer Vermögensdelikte verbüßte. Er erhielt nun in Auschwitz die Funktion, die Arbeitskommandos zu koordinieren. Damit scheint nach der erfolgten Schilderung seine Laufbahn als Funktionshäftling in Auschwitz vorgezeichnet gewesen zu sein: als skrupelloses Werkzeug der SS; der, um der Wahrung der eigenen Privilegien willen, keine Skrupel gegenüber den Häftlingen kennt, die ihm unterstellt sind, und der dementsprechend verhasst bei ihnen ist.

Aber nichts davon trifft auf Otto Küsel zu: Viele Auschwitz-Überlebende, die in seinem Arbeitskommando ihren Dienst taten, berichten noch viele Jahre später mit Hochachtung von ihm, wie etwa der polnische Häftling Ryszard Dacko: „I can only speak of him using superlatives. He was very obliging and helped other prisoners whenever he could. Prisoners of various nationalities would come to him, including those who were extremely emaciated (…).” Auch verstand sich Küsel nicht als williges Werkzeug der SS; vielmehr nutzte er, soweit dies möglich war, seine Möglichkeiten als Funktionshäftling, um anderen, ihm unterstellten Mithäftlingen zu helfen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Dieses Kapitel thematisiert das Missverhältnis zwischen der geringen Anzahl an SS-Personal und der hohen Zahl der Häftlinge, woraus sich die Notwendigkeit ergibt, die Rolle der Funktionshäftlinge als Teil des Vernichtungssystems zu untersuchen.

II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert zunächst die Voraussetzungen, Privilegien und die perfide Einbindung der Funktionshäftlinge in den Terrorapparat, um anschließend im Fallbeispiel Otto Küsel eine Ausnahme von diesem System aufzuzeigen.

III. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Funktionshäftlinge ein zentrales Strukturelement des Terrors waren, jedoch im Einzelfall – wie bei Otto Küsel – auch dazu genutzt werden konnten, den menschenverachtenden Strukturen entgegenzuwirken.

IV. Literatur: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen zur Untermauerung der historischen Analyse.

Schlüsselwörter

Funktionshäftlinge, Vernichtungslager, Auschwitz, SS, Otto Küsel, Lagerhierarchie, Kapo, KZ Sachsenhausen, Häftlingsselbstverwaltung, Terror, Vernichtungsmachinerie, Widerstand, Überleben, Arbeitskommandos, Lagerstruktur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Funktionshäftlinge im Vernichtungslager Auschwitz und zeigt auf, wie diese Gruppe einerseits als Werkzeug des SS-Terrors fungierte, andererseits aber individuelle Handlungsspielräume bot.

Welche zentralen Themen werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Machtstrukturen des Lagers, das Schicksal der Funktionshäftlinge in der Lagerhierarchie sowie der moralische Spielraum innerhalb einer totalitären Unterdrückungsmaschinerie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu hinterfragen, ob die Position des Funktionshäftlings zwangsläufig zur Korruption führte oder ob sie – wie das Beispiel Otto Küsel verdeutlicht – auch als Instrument für Hilfeleistungen genutzt werden konnte.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung von Fachliteratur sowie Aussagen von Überlebenden und zeitgenössischen Dokumenten basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Analyse der Funktionshäftlinge bezüglich ihrer Rekrutierung und Privilegien sowie eine detaillierte Fallstudie zu Otto Küsel.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Funktionshäftling, Lagerhierarchie, SS-Terror, Überlebensstrategie und Widerstand innerhalb des Systems definiert.

Welche Rolle spielte Otto Küsel spezifisch im Lager?

Küsel war einer der ersten 30 Häftlinge in Auschwitz und koordinierte Arbeitskommandos; er nutzte seine privilegierte Stellung entgegen den Erwartungen der SS aktiv dazu, bedürftigen Häftlingen zu helfen.

Warum wird Küsel als außergewöhnliches Beispiel angeführt?

Während die meisten Funktionshäftlinge zur Aufrechterhaltung des Terrors beitrugen, riskierte Küsel seine Position und sogar sein Leben, um Mithäftlinge vor Ausbeutung und Misshandlung zu schützen, bis hin zu einer gemeinsamen Flucht.

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Details

Title
Die Rolle der Funktionshäftlinge im Vernichtungslager Auschwitz und das Beispiel Otto Küsels
College
University of Trier  (Neuere und Neueste Geschichte)
Course
Exkursion in das Vernichtungslager Auschwitz
Author
Sebastian Dregger (Author)
Publication Year
2007
Pages
10
Catalog Number
V82583
ISBN (eBook)
9783638893541
Language
German
Tags
Rolle Funktionshäftlinge Vernichtungslager Auschwitz Beispiel Otto Exkursion Vernichtungslager Auschwitz Küsel Konzentrationslager Holocaust Shoah Funktionshäftling
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Dregger (Author), 2007, Die Rolle der Funktionshäftlinge im Vernichtungslager Auschwitz und das Beispiel Otto Küsels, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82583
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