Analyse und Bewertung von Markteintrittsbarrieren für deutsche Unternehmen in Brasilien


Diplomarbeit, 2007

98 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 KONZEPTIONELLE GRUNDLAGEN UND SYSTEMATIK VON
2.1 Was sind Markteintrittsbarrieren ?
2.1.1 Markteintrittsbarrieren im zwischenbetrieblichen, nationalen Kontext
2.1.2 Markteintrittsbarrieren im internationalen Kontext
2.2 Abgrenzung unterschiedlicher Formen von Markteintritts- barrieren
2.2.1 Institutionelle Markteintrittsbarrieren
2.2.1.1 Gründe für den Aufbau institutioneller Markt- eintrittsbarrieren
2.2.1.2 Exkurs: Die institutionellen Markteintrittsbarrieren und die
2.2.2 Verhaltensbedingte, strukturelle und ökonomische Markteintrittsbarrieren
2.3 Die Bewertung der Markteintrittsbarrieren Brasiliens
2.3.1 Erarbeitung eines Fragebogens zur Bewertung der Barrieren
2.3.2 Die Auswertung des Fragebogens
2.3.3 Die Darstellung der Ergebnisse

3 BRASILIEN
3.1 Ein kurzer Einblick in die brasilianische Wirtschaft
3.2 Mercosur
3.3 Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien

4 DIE MARKTEINTRITTSBARRIEREN BRASILIENS FÜR DEUTSCHE
4.1 Institutionelle Markteintrittsbarrieren
4.1.1 Tarifäre Barrieren (Zölle)
4.1.1.1 Zölle bei Einfuhr aus Mercosur-Mitgliedstaaten
4.1.1.2 Zölle bei Wareneinfuhren aus Deutschland
4.1.2 Nicht-tarifäre Barrieren
4.1.2.1 Importlizenzen, Importquoten und Importverbote
4.1.2.2 Anmeldungsformalitäten für Importe und Import- bedingungen
4.1.2.3 Steuern, Einfuhrabgaben und Gebühren
4.1.2.4 Gesetzlich vorgeschriebene Mindest- oder Höchst- preise
4.1.2.5 Staatliche „Buy Local“-Kampagnen
4.1.2.6 Devisen- und Kapitalverkehrsbeschränkungen
4.1.2.7 Local-Content-Vorschriften
4.1.2.8 Umweltpolitische Barrieren
4.1.2.9 Normen und Standards
4.1.2.10 Produktionszulassungsverfahren, Niederlassungs- verbote und Investitionsbarrieren
4.1.2.11 Bevorzugung nationaler Anbieter bei öffentlicher Auftragsvergabe
4.1.2.12 Benachteiligung ausländischer Unternehmen durch Die Subventionierung brasilianischer Betriebe
4.1.2.13 Bearbeitungsdauer von Anträgen zum Patent- und Markenrecht
4.1.2.14 Bürokratie
4.2 Verhaltensbedingte, strukturelle und ökonomische Markt- Eintrittsbarrieren
4.2.1 Marktseitige Barrieren
4.2.1.1 Wechselkursschwankungen
4.2.1.2 Höhe der Kapitalmarktzinsen
4.2.1.3 Barrieren durch kulturelle Unterschiede
4.2.1.4 Sprachliche Barrieren
4.2.1.5 Abweichendes Nachfrageverhalten und abweichende Bedürfnisstrukturen
4.2.1.6 Mangelnde Qualifikation der ansässigen Arbeitnehmer
4.2.1.7 Höhe der Transportkosten nach Brasilien
4.2.1.8 Transportdauer nach Brasilien
4.2.1.9 Mangelnde Zuverlässigkeit brasilianischer Vertriebs- partner
4.2.1.10 Besondere Verpackungsanforderungen für Transport und Vertrieb
4.2.1.11 Rechtsunsicherheit und abweichendes Rechtsver- ständnis
4.2.1.12 Bestechung und Korruption
4.2.1.13 Politische Stabilität
4.2.2 Unternehmensseitige Barrieren
4.2.2.1 Mangelnde Information über den brasilianischen Markt und dessen Anforderungen
4.2.2.2 Mangelnde Vorbereitung des Managements
4.2.2.3 Mangelnde Bereitschaft deutscher Mitarbeiter für eine Auslandstätigkeit in Brasilien
4.2.2.4 Fehlende Spezialisten in deutschen Unternehmen für Planung und Durchführung des Auslandsengagement in Brasilien
4.2.2.5 Zu geringe Bereitstellung finanzieller Mittel für das Auslandsengagement in Brasilien
4.2.3 Anmerkung zu den untersuchten Barrieren

5 ZUSAMMENFASSENDE DARSTELLUNG DER UMFRAGE-

6 SCHLUSSBETRACHTUNG

Literatur- und Quellenverzeichnis

Liste der Umfrageteilnehmer

Fragebogen (deutsch)

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Zuordnung Bewertungsmöglichkeiten und Punktzahl

Tabelle 2: Berechnungsbeispiel Bewertungsermittlung

Tabelle 3: Zollsätze ausgewählter Produktsparten

Tabelle 4: Zoll nach Fertigungstiefe am Beispiel der Textilindustrie

Tabelle 5: Steuern, Gebühren und Abgaben bei Wareneinfuhren nach Brasilien

Tabelle 6: Transport- und Transportnebenkosten nach Brasilien

Tabelle 7: Übersicht der Umfrageergebnisse

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Aufbau und Teilziele der Diplomarbeit

Abbildung 2: Markteintrittsbarrieren im internationalen Marketing

Abbildung 3: Bewertungsmöglichkeiten des Fragebogens

Abbildung 4: Unterscheidung der Barrieren nach der Markt- eintrittsform, gegen welche sie gerichtet sind

Abbildung 5: Beispiele für die Darstellung der Bewertung

Abbildung 6: Markteintrittsbarrieren, Übersicht mit Standort tarifäre Barrieren

Abbildung 7: Umfragenbewertung Zölle

Abbildung 8: Markteintrittsbarrieren, Übersicht mit Standort Nicht-tarifäre Barrieren

Abbildung 9: Umfragenbewertung Importlizenzen, Import- quoten und Importverbote

Abbildung 10: Umfragenbewertung Anmeldungsformalitäten für Importe und Import-Bedingungen

Abbildung 11: Umfragenbewertung Steuern, die speziell bei der Einfuhr anfallen

Abbildung 12: Umfragenbewertung spezielle Einfuhrabgaben und –gebühren

Abbildung 13: Umfragenbewertung gesetzlich vorge- schriebene Mindest- oder Höchstpreise

Abbildung 14: Umfragenbewertung staatliche „Buy-Local“ -Kampagnen

Abbildung 15: Umfragenbewertung Devisen- und Kapital- Verkehrsbeschränkungen

Abbildung 16: Umfragenbewertung Local-Content-Vorschriften

Abbildung 17: Umfragenbewertung umweltpolitische Barrieren

Abbildung 18: Umfragenbewertung Normen und Standards

Abbildung 19: Produktionszulassungsverfahren, Nieder- lassungsverbote und Investitionsbarrieren

Abbildung 20: Umfragenbewertung Bevorzugung nationaler Anbieter bei öffentlicher Auftragsvergabe

Abbildung 21: Umfragebewertung Benachteiligung Ausländischer Unternehmen durch die Subventionierung brasilianischer Betriebe

Abbildung 22: Umfragenbewertung Bearbeitungsdauer von Anträgen zum Patent- und Markenrecht

Abbildung 23: Umfragenbewertung Bürokratie

Abbildung 24: Markteintrittsbarrieren, Übersicht mit Standort marktseitige Barrieren

Abbildung 25: Umfragenbeurteilung Wechselkursschwankungen

Abbildung 26: Umfragenbewertung Höhe der Kapital- marktzinsen

Abbildung 27: Umfragenbewertung Barrieren durch kulturelle Unterschiede

Abbildung 28: Umfragenbewertung sprachliche Barrieren

Abbildung 29: Umfragenbewertung abweichendes Nachfrage- verhalten und abweichende Bedürfnisstrukturen

Abbildung 30: Umfragenbewertung mangelnde Qualifikation der ansässigen Arbeitnehmer

Abbildung 31: Umfragenbewertung Höhe der Transport- kosten nach Brasilien

Abbildung 32: Umfragenbewertung Transportdauer nach Brasilien

Abbildung 33: Umfragenbewertung mangelnde Zuver- lässigkeit brasilianischer Vertriebspartner

Abbildung 34: Umfragenbewertung besondere Verpackungs- Anforderungen für Transport und Vertrieb

Abbildung 35: Umfragenbewertung Rechtsunsicherheit und abweichendes Rechtsverständnis

Abbildung 36: Umfragenbewertung Bestechung und Korruption

Abbildung 37: Umfragenbewertung mangelnde politische Stabilität

Abbildung 38: Markteintrittsbarrieren, Übersicht mit Standort Unternehmensseitige Barrieren

Abbildung 39: Umfragenbewertung mangelnde Information Über den brasilianischen Markt und dessen Anforderungen

Abbildung 40: Umfragenbewertung mangelnde Vorbereitung des Managements

Abbildung 41: Umfragenbewertung mangelnde Bereitschaft deutscher Mitarbeiter für eine Auslandstätigkeit in Brasilien

Abbildung 42: Umfragenbewertung fehlende Spezialisten in deutschen Unternehmen für Planung und Durch- führung des Auslandsengagements

Abbildung 43: Umfragenbeurteilung zu geringe Bereitstellung finanzieller Mittel für das Auslandsengagement in Brasilien

Abbildung 44: Ergebnisauswertung

1 EINLEITUNG

„Märkte sind wie Fallschirme: sie funktionieren nur, wenn sie offen sind“

Zitat Helmut Schmidt (*1918), deutscher Politiker (SPD), 1974-82 Bundeskanzler[1]

Durch den internationalen Handel können sowohl die daran teilnehmenden Länder als auch die Welt als Ganzes profitieren. Dennoch weichen einzelne Länder immer wieder vom Freihandel ab und verhalten sich protektionis-tisch.[2] Auch der brasilianische Markt, als einer der größten dieser Erde, wurde über viele Jahrzehnte durch hohe Importzölle und eine protektionis-tische Wirtschaftspolitik vor der ausländischen Konkurrenz geschützt. Erst mit der Anfang der 90er Jahre erfolgten Marktöffnung kam es wieder zu einem kontinuierlichen Wachstum des Außenhandels zwischen Deutschland und Brasilien.[3]

Trotz dieser Marktöffnung und der damit verbundenen Renaissance der deutsch-brasilianischen Wirtschaftsbeziehungen gibt es auch heute noch zahlreiche Barrieren, die von deutschen Unternehmen bei einem Engage-ment in Brasilien überwunden werden müssen. Kenntnisse über solche möglichen Markteintrittsbarrieren können für Unternehmen, die in den brasil-ianischen Markt eintreten möchten, lebenswichtig sein. Umso verwunder-licher ist es, dass kaum strukturiertes Informationsmaterial zu diesem Thema zu finden ist. Dies, sowie die Faszination für einen der größten und dynamischsten Märkte unserer Erde, waren Motivation für die vorliegende Diplomarbeit.

Ziel dieser Arbeit ist es, noch existierenden Barrieren des brasilianischen Marktes für deutsche Unternehmen zu identifizieren, zu analysieren und allgemein zu bewerten. In fünf Kapiteln wird dieses Finalziel schrittweise erarbeitet.

Das zweite Kapitel ist hierzu zunächst der Klärung des Begriffs der Markteintrittsbarrieren im internationalen Kontext gewidmet. Durch die Abgrenzung der unterschiedlichen Formen der Markteintrittsbarrieren soll anschließend der konzeptionelle Rahmen für die Arbeit geschaffen werden. Das Kapitel schließt mit der Erarbeitung eines Fragebogens. Dieser stellt die Grundlage für die spätere Bewertung der Barrieren des brasilianischen Marktes dar.

Brasilien ist eines der größten Länder dieser Erde mit enormen Ressourcen und Potentialen sowie mit traditionell engen Verflechtungen mit Deutschland. Das dritte Kapitel soll dem Leser einen kurzen Überblick über das Land und die wirtschaftlichen Beziehungen zu seinem wichtigsten europäischen Partner verschaffen.

Kapitel zwei und drei bilden somit die theoretische und informatorische Basis für das darauffolgende vierte Kapitel, welches den Kern der Arbeit darstellt. Hier werden konkrete Markteintrittsbarrieren Brasiliens für deutsche Unternehmen systematisch aufgezeigt. Zunächst werden hierzu mögliche Barrieren genannt und kurz erläutert, um anschließend zu prüfen inwieweit und in welchem Umfang diese für Brasilien zutreffen. Die jeweils abschließende Bewertung der Barrieren erfolgt auf Grundlage der Ergebnisse einer Umfrage bei verschiedenen Personen, die eine enge Beziehung zu dem brasilianischen Markt haben und dessen besondere Herausforderungen kennen.

Die Zusammenfassung und übersichtliche Darstellung der Ergebnisse in Kapitel fünf soll die Arbeit abrunden.

Nachfolgend seien Aufbau und Teilziele der Diplomarbeit nochmals graphisch zusammengefasst:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Aufbau und Teilziele der Diplomarbeit

2 KONZEPTIONELLE GRUNDLAGEN UND SYSTEMATIK VON MARKTEINTRITTSBARRIEREN

Globalisierung ist heute ein oft verwendeter Begriff. Idee und Triebfeder der Globalisierung ist die Betrachtung der Welt als einzigen großen Markt. Unternehmen konkurrieren damit nicht nur mit lokalen oder regionalen Wettbewerbern, sondern mit anderen Unternehmen auf der ganzen Erde. Durch die Selbstregulierungskräfte der Märkte sollen Produkte und Dienst-leistungen von denjenigen erzeugt werden, die dies am besten, effektivsten oder schlicht am preisgünstigsten können. Diese Form des unbeschränkten Handels soll sowohl für die Welt als Ganzes als auch für die einzelnen Länder Gewinne bringen.[4] Doch diese verlockend anmutende Theorie funktioniert heute nur begrenzt. Unternehmen, die sich in fremden Ländern engagieren wollen, müssen oft zahlreiche Barrieren überwinden. Im folgen-den beschäftigt sich diese Arbeit zunächst intensiver mit dem Begriff der Markteintrittsbarrieren.

2.1 Was sind Markteintrittsbarrieren ?

Ein Vordenker im Hinblick auf Markteintrittsbarrieren war Joe Bain. Er prägte den Begriff der Markteintrittsbarrieren bereits 1956 als:

„advantages of established sellers in an industry over potential entrant sellers“[5].

Nach Bain sind damit Markteintrittsbarrieren mit einer Vorteilssituation etablierter Anbieter gegenüber potentiellen Markteindringlingen verbunden. Diese Vorteile bestehen nach Bain in dem Ausmaß, in dem die etablierten Anbieter ihre Preise erhöhen können, ohne dass dadurch neue Firmen angelockt werden.[6] Hiernach haben etablierte Anbieter unter bestimmten Voraussetzungen also Preisspielräume, innerhalb derer sie sich ungehindert bewegen können, solange die Kosten zur Überwindung der Marktbarrieren bei Erschließung neuer Märkte größer sind als die durch den Preis beeinflussten Extrachancen auf diesem Markt.[7]

Auf Basis der Definition von Bain gab es bis heute zahlreiche weitere Ansätze zur Definition der Markteintrittsbarrieren. Hierbei kann man zwei grundsätzliche Sichtweisen unterscheiden, die Markteintrittsbarrieren im zwischenbetrieblichen, nationalen Kontext und die Barrieren im inter-nationalen Kontext.

2.1.1 Markteintrittsbarrieren im zwischenbetrieblichen, nationalen Kontext

Hier ist der Blick der Ökonomen rein auf den Wettbewerb inländischer Unternehmen gerichtet. Es werden hierbei also nationale Märkte und die Eintrittsmöglichkeiten potentieller inländischer Markteindringlinge untersucht. Der Versuch künstliche Barrieren gegenüber potentiellen Marktneulingen zu erschaffen gehört zum natürlichen Überlebenskampf von Unternehmen. Es kann sich dabei um Produktionskostenvorteile (Economies of Scale) von Produzenten auf meist monopolistischen oder oligopolistischen Märkten handeln.[8] Durch große Ausbringungsmengen können hierbei Hersteller mit einem bereits bestehenden großen Marktanteil häufig durch die Nutzung von Skaleneffekten zu einem derart niedrigen Preis verkaufen, dass Markt-neulinge kaum eine Überlebenschance auf diesen Märkten haben.[9] Auch eine etablierte Marke kann im nationalen Wettbewerb von Unternehmen als Markteintrittsbarriere wirken,[10] wenn es einem Hersteller gelingt, eine starke Markentreue bei den Konsumenten zu generieren. Darüber hinaus werden der Besitz von Patenten, eine besonders günstige geographische Lage, Know-how-Vorsprung sowie die Erfüllung administrativer Auflagen für einen Marktzugang als Eintrittsbarrieren genannt.[11] Um dem Thema dieser Diplom-arbeit gerecht zu werden, reicht diese Sichtweise der Markteintrittsbarrieren nicht aus. Hierzu muss der Blickwinkel noch weiter geöffnet werden.

2.1.2 Markteintrittsbarrieren im internationalen Kontext

Um den Begriff der „Markteintrittsbarrieren“ im Zusammenhang internatio-naler Wirtschaftstätigkeit zu verstehen, bietet sich die Zerlegung des Begriffes in die Bestandteile „Markteintritt“ und „Barrieren“ an. Es stellt sich zunächst die Frage, was Markteintritt im internationalen Kontext bedeutet. Als Grundlage gelte hierzu folgende allgemeine Definition des Verfassers:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Markteintritt im Sinne dieser Arbeit ist das erstmalige Engagement eines

Unternehmens in einem fremden Land.

Ein solches Engagement kann in sehr unterschiedlicher Form und Intensität erfolgen. Vom direkten und indirekten Export, über Lizenzvergabe, Franchising und Joint Venture bis hin zum eigenen Tochterunternehmen gibt es viele Möglichkeiten der Tätigkeit und somit auch des Markteintritts eines Unternehmens im Ausland.[12]

Nach Betrachtung des Markteintritts im internationalen Zusammenhang fällt es leichter, für den Gesamtbegriff der Markteintrittsbarrieren eine Definition zu finden. Als Basis bietet sich hier zunächst die Definition von Backhaus, Büschken und Voeth an:

„Unter Marktbarrieren versteht man die Gesamtheit aller Bedingungen, deren Erfüllung zum Eintritt in einen Ländermarkt und zur bedarfsgerechten Marktbearbeitung notwendig ist“[13]

Diese Betrachtungsweise entfernt sich etwas von der Definition Bains, wonach die Vorteile bereits im Markt befindlicher Anbieter gegenüber potentiellen Markteindringlingen als Eintrittsbarrieren definiert wurden. Es werden die Barrieren nicht mehr aus der Sicht etablierter Anbieter sondern von dem Standpunkt des Unternehmens aus betrachtet, das einen neuen Markt erschließen möchte. Auch existiert nach der Definition von Backhaus, Büschken und Voeth kein zwingend kausaler Zusammenhang mehr zwischen den Markteintrittsbarrieren und daraus resultierenden Wettbe-werbsvorteilen der bereits im Markt befindlichen Unternehmen.

Allerdings scheint die Definition von Backhaus, Büschken und Voeth etwas weit gefasst zu sein. Das bloße Herstellen von Kundenkontakten, die Beauftragung von Transporten sowie das Auffinden eines geeigneten Produktionsstandortes für eine Auslandsfertigung stellen sicher auch Bedingungen dar, die „zum Markteintritt in ein bestimmtes Land und zur bedarfsgerechten Marktbearbeitung“ erforderlich sind. Müsste man nicht, wollte man derartige Bedingungen als Barriere definierten, das gesamte Tagesgeschäft eines exportorientierten Unternehmens als Barriere betrachten? Um eine etwas deutlichere Eingrenzung vorzunehmen, könnte man somit den Begriff der Markteintrittsbarrieren, angelehnt an Backhaus, Büschken und Voeth, wie folgt definieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unter Markteintrittsbarrieren versteht man die Gesamtheit aller

Bedingungen, welche einem Unternehmen den Eintritt in einen

Ländermarkt erschweren oder beschränken kann.

Doch ein weiterer Punkt ist dabei kritisch anzumerken. Es wurde dargestellt, dass ein Markteintritt in sehr unterschiedlichen Intensitätsstufen erfolgen kann. Nur wenige Unternehmen wagen gleich einen vollen Kapital- und Managementeinsatz in Form einer Tochtergesellschaft. Oft durchlaufen Unternehmen nach und nach unterschiedliche Stufen des Auslandsengage-ments. Dabei kann ein Unternehmen bei jedem Eintritt in eine neue, inten-sivere Stufe der Auslandstätigkeit mit neuen Barrieren konfrontiert werden (z.B. wenn der direkte Export durch den Aufbau einer eigenen Tochter-gesellschaft mit Produktion abgelöst werden soll). Da der Markteintritt als erstmaliges Engagement auf einem Auslandsmarkt definiert wurde, wären die Hürden, die ein Unternehmen bei einer Vertiefung seines Engagements zu überwinden hat, durch die oben erarbeitete Definition nicht abgedeckt. Eine weitere Ergänzung wird erforderlich, was zur nachfolgenden abschließ-enden Definition der Markteintrittsbarrieren im Sinne dieser Arbeit führt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unter Markteintrittsbarrieren versteht man die Gesamtheit aller Bedingungen, welche einem Unternehmen den Eintritt oder das vertiefte Engagement in einen Ländermarkt erschweren oder beschränken kann.

Markteintrittsbarrieren im internationalen Kontext sind also Barrieren, die Unternehmen bei einem erstmaligen oder vertieften Engagement im Ausland zu überwinden haben. Im Gegensatz zu den Markteintrittsbarrieren auf nationaler Ebene werden diese dabei nicht nur durch die Handlungen von Unternehmen und Besonderheiten einzelner Branchen verursacht. Auch kulturelle, geographische und strukturelle Hürden sowie insbesondere durch Regierungen erzeugte Barrieren sind auf dem Weg ins Ausland zu überwinden.

2.2 Abgrenzung unterschiedlicher Formen von Markteintrittsbarrieren

Um einen systematischen Überblick über existierende Markteintrittsbarrieren zu erhalten, bedarf es zuerst eines konzeptionellen Rahmens, in welchen die unterschiedlichen Barrieren eingeordnet werden können. Sehr gut geeignet für einen solchen Rahmen ist nachfolgende, leicht modifizierte, Gliederung von Meffert und Bolz:[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Markteintrittsbarrieren im internationalen Marketing[15]

2.2.1 Institutionelle Markteintrittsbarrieren

Institutionell wird im Wörterbuch definiert als „eine Institution betreffend“[16]. Institutionelle Markteintrittsbarrieren sind also Barrieren, die von einer Institution ausgehen. Auch bei der näheren Eingrenzung des Begriffs Institution hilft das Wörterbuch. Gemeint sind staatliche Einrichtungen.[17] Folgende Definition lässt sich somit für die vorliegende Arbeit ableiten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unter den Begriff institutionelle Markteintrittsbarrieren fallen all diejenigen

Barrieren, die durch Bundes-, Landes-, oder Kommunalregierungen,

Behörden und sonstige staatliche Einrichtungen des Ziel- oder Gastlandes

eines Auslandsengagements initiiert werden.

Auch die beiden Untergruppen der institutionellen Markteintrittsbarrieren, die tarifären und nicht-tarifären Markteintrittsbarrieren lassen sich relativ leicht ableiten. Den Wortstamm „Tarif“ findet man auch in dem Ausdruck Zolltarif wieder. Eben darum geht es bei den tarifären Barrieren. Hiermit sind Zölle gemeint, die ausländischen Unternehmen den Eintritt in einen Ländermarkt erschweren.

Unter die nicht-tarifären Barrieren fallen dagegen all diejenigen staatlichen Maßnahmen, welche den Bestrebungen eines freien Welthandels entgegen-laufen, ohne dass sie sich dabei auf Zölle stützen.[18]

Es stellt sich die Frage, warum staatliche Organe Barrieren gegen aus-ländische Unternehmen aufbauen.

2.2.1.1 Gründe für den Aufbau institutioneller Markteintrittsbarrieren

Der in der Einleitung zu diesem Kapitel erwähnte Wohlfahrtsgewinn durch die Globalisierung ist nicht ohne Opfer zu erzielen. In einer Welt ohne Grenzen und natürlichen sowie künstlich erzeugten Barrieren würden zahlreiche Unternehmen, Branchen und sogar ganze Regionen auf der Strecke bleiben, da diese im globalen Wettbewerb nicht konkurrenzfähig sind. Dies liegt natürlich nicht im Interesse von Regierungen und staatlichen Einrichtungen benachteiligter Länder, die ihre nationalen Interessen schützen wollen. Diese Schutzfunktion institutioneller Markteintrittsbarrieren spiegelt sich auch in dem Begriff des Protektionismus bzw. der protektionistischen Barrieren wieder. In der Literatur trifft man häufig auf diese beiden Begriffe im Zusammenhang mit staatlichen Schutzmaßnahmen.[19] Protektionismus ist aber nicht nur in den weniger entwickelten Ländern anzutreffen, sondern auch mehr oder weniger intensiv in fast allen anderen Ländern dieser Erde.[20] Nachfolgend seien die wichtigsten Ziele der Regierungen für den Aufbau protektionistischer Barrieren genannt:[21]

- Schutz einzelner Sektoren, die gegenüber dem Ausland benachteiligt oder rückläufig sind.
- Schutz junger, in der Entwicklung befindlicher Sektoren
- Erhalt der Unabhängigkeit bei Schlüsselindustrien
- Schutz nationaler Kulturen
- Erhaltung und Schutz der Gesundheit der Bevölkerung
- Schutz gegen internationale Konflikte und wirtschaftliche Unruhen auf dem Weltmarkt

2.2.1.2 Exkurs: Die institutionellen Markteintrittsbarrieren und die WTO

Mögen die Motive der Staaten noch so nobel sein, Eingriffe in das freie Spiel von Angebot und Nachfrage durch tarifäre und nicht-tarifäre Markteintritts-barrieren verteuern Produkte und verringern damit die allgemeine Wohlfahrt. Es wurde schon früh erkannt, dass der Abbau solcher Barrieren den internationalen Fluss an Kapital, Waren und Dienstleistungen fördert.[22]

Bereits im Jahr 1947 entstand mit dem Allgemeinen Zoll- und Handels-abkommen (GATT = General Agreements on Tariffs and Trade) die Basis für einen Abbau existierender Handelsschranken.[23] Dieses Abkommen wurde später zu einer umfassenden Welthandelsorganisation, der heutigen WTO (World Trade Organisation) weiter entwickelt.[24] Im Laufe der letzten Jahr-zehnte ist es der WTO in mehreren Verhandlungsrunden gelungen, die Schutzzölle sukzessive abzubauen und den Spielraum der WTO-Mitglieder zur Aufrechterhaltung von Zöllen deutlich zu verkleinern. Dieses Instru-mentes beraubt, haben sich die WTO-Mitgliedsländer verstärkt auf den Aufbau nicht-tarifärer Handelshemmnisse zum Schutz ihrer Wirtschaft konzentriert. Obwohl ein grundsätzliches Verbot nicht-tarifärer Hemmnisse nach den Statuten der WTO besteht, existieren doch zahlreiche Ausnahme-bestimmungen, die Handelhemmnisse unter bestimmten Voraussetzungen rechtfertigen. Hierzu zählen Maßnahmen zum Schutz des Lebens und der Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen, zum Schutz der öffent-lichen Sittlichkeit und Ordnung sowie dem Schutz nationalen Kulturgutes.[25] Diese weit auslegbaren Ausnahmeregelungen sowie die schwierige Abgrenz-ung der nicht-tarifären Handelshemmnisse gibt Spielraum für sehr weit-reichende Beschränkungen des internationalen Handels durch diese Form der Barrieren. Der Kampf gegen diese moderne Form staatlicher Handels-schranken eine der größten Herausforderungen der Zukunft für die WTO.

2.2.2 Verhaltensbedingte, strukturelle und ökonomische Markteintritts-barrieren

Meffert und Bolz haben bei ihrer Gliederung lediglich zwischen institutionellen und verhaltensbedingten Markteintrittsbarrieren unter-schieden. Eine nähere Betrachtung des Begriffs der verhaltensbedingten Markteintrittsbarrieren soll die Rechtfertigung für die vorgenommene Erweiterung dieser Gliederung darlegen.

Der Begriff der verhaltensbedingten Barrieren führt zu der Schlussfolgerung, dass es sich dabei um Barrieren handelt, die durch das unmittelbare Verhalten irgendwelcher Marktteilnehmer entstehen. Es könnte sich dabei also um das Verhalten von Arbeitnehmern, Konsumenten, Geschäftspartnern und der Unternehmensleitung selbst handeln. Hierdurch lässt sich eine Viel-zahl vorhandener Eintrittsbarrieren abdecken. Aber es gibt Hemmnisse für ausländische Unternehmen, wie beispielsweise eine schlechte Hafeninfra-struktur oder eine zu geringe Finanzkraft des internationalisierungswilligen Unternehmens, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Verhalten irgendwelcher Marktteilnehmer stehen. Nach dieser Definition wären solche Barrieren nicht mit der Gliederung von Meffert und Bolz ab-gedeckt, was zu einer Rechtfertigung der Erweiterung um die beiden Gruppen strukturelle und ökonomische Barrieren führt.[26] Ausgehend von der bereits vorhandenen Abgrenzung der institutionellen Markteintrittsbarrieren sei diese Gruppe im Sinne der hier vorliegenden Arbeit damit wie folgt definiert:

Zur Gruppe der verhaltensbedingten, strukturellen und ökonomischen Markteintrittsbarrieren gehören all diejenigen Barrieren, die nicht durch öffentliche Institutionen des Gast- oder Ziellandes initiiert sind.

Im Gegensatz zu den institutionellen Markteintrittsbarrieren, die allesamt künstlich erschaffen sind, kann es sich hierbei sowohl um künstliche als auch um natürliche, nicht bewusst erschaffene, Barrieren handeln.

Die Obergruppe der verhaltensbedingten, strukturellen und ökonomischen Barrieren lässt sich nach deren Herkunft in marktseitige und unternehmens-seitige Barrieren unterteilen.

2.3 Die Bewertung der Markteintrittsbarrieren Brasiliens

Die verschiedenen Formen der Markteintrittsbarrieren können von Land zu Land unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Was in einem Land eine kaum überwindbare Hürde darstellt kann in einem anderen Land bereits soweit liberalisiert sein, dass es nicht mehr als Barriere wahrgenommen wird. Mit der nachfolgenden Ausarbeitung sollen die Markteintrittsbarrieren Brasiliens nicht nur genannt, sondern es soll auch die Intensität ihrer Ausprägung bewertet werden.

2.3.1 Erarbeitung eines Fragebogens zur Bewertung der Barrieren

Grundlage für diese Bewertung ist eine im Rahmen dieser Diplomarbeit durchgeführte Online-Umfrage bei:

- deutschen Unternehmen, die in größerem Umfang nach Brasilien exportieren und / oder Firmenbeteiligungen in Brasilien haben,
- brasilianischen Firmen mit deutscher Mehrheitsbeteiligung,
- Handelskammern, Beratungsunternehmen und weiteren Personen mit guten Kenntnissen des brasilianischen Marktes.

Hierzu wurden zunächst aus diverser Fachliteratur 34 mögliche Eintritts-barrieren für den brasilianischen Markt identifiziert. Diese wurden anschließ-end in einem Fragebogen zusammengefasst. Hierin sind die befragten Personen nach deren Einschätzung zur Bedeutung der potentiellen Markteintrittsbarrieren Brasiliens für den Import deutscher Waren oder für deutsche Direktinvestitionen gefragt worden. Nachfolgende Bewertungs-möglichkeiten wurden vorgegeben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Bewertungsmöglichkeiten des Fragebogens

Um den Fragebogen so einfach wie möglich zu halten wurden die Abstufungsmöglichkeiten der Bewertung hierbei bewusst auf diese vier Optionen begrenzt. Mit einem kleinen Feld bei jeder der aufgeführten Barrieren wurden den befragten Personen die Möglichkeit gegeben, zusätz-liche Hinweise oder eine Begründung ihrer Bewertung anzugeben. Auch dies hat sich als wertvolle Ressource für die Beurteilung der einzelnen Barrieren erwiesen.

Um auch Personen mit geringen oder keinen Kenntnissen der deutschen Sprache in die Umfrage mit einbeziehen zu können, wurde zusätzlich ein identischer Fragebogen in portugiesischer Sprache erstellt. Die Verteilung des Fragebogens erfolgte, im Zeitraum vom 19.05.2007 bis zum 12.07.2007, über E-Mail gemeinsam mit einem Anschreiben mit jeweils persönlicher Ansprache der potentiellen Adressaten.

2.3.2 Die Auswertung des Fragebogens

Um die Ergebnisse der Umfrage auswerten zu können wurden den einzelnen Bewertungsmöglichkeiten nachfolgende Punktwerte zugeordnet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Zuordnung Bewertungsmöglichkeiten und Punktzahl

Anschließend wurde die Anzahl der Antworten je Bewertungsmöglichkeit mit der dazugehörigen Punktzahl multipliziert und abschließend der Durchschnitt aus der Summe aller Antworten ermittelt.

Beispiel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Berechnungsbeispiel Bewertungsermittlung

2.3.3 Die Darstellung der Ergebnisse

Um die Ergebnisse der Umfrage möglichst einfach strukturiert in die Arbeit einbinden zu können; wurde für die Darstellung der Ergebnisse ein Balken (als Symbol einer Barriere) gewählt. Dieser Balken ist; je nachdem wie hoch die Bedeutung der zugehörigen Markteintrittsbarriere von den befragten Personen beurteilt wurde, mehr oder weniger stark ausgefüllt. Der Ausfüll-grad steht dabei in Relation zur erreichten, durchschnittlichen Bewertungs-punktzahl. Zur Verdeutlichung: Hätten alle befragten Personen die Bedeut-ung einer potentiellen Barriere als hoch beurteilt, wäre die durchschnittliche Bewertungspunktzahl eine 3,0 und der Balken wäre vollständig ausgefüllt. Bei einer durchschnittlichen Bewertungspunktzahl von 1,5 ist der Balken entsprechend nur zur Hälfte ausgefüllt. Ergänzend ist jeweils die durch-schnittliche Bewertungspunktzahl in Klammern angegeben.

Als ein weiteres Unterscheidungsmerkmal wurde die Markteintrittsform gewählt, gegen welche die Barrieren gerichtet sind. Diese Kategorisierung wird durch nachfolgende Farben symbolisiert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Unterscheidung der Barrieren nach der Markteintrittsform,

gegen welche sie gerichtet sind

Diese zusätzliche Kategorisierung soll dem Leser bei der Zuordnung der Barrieren helfen. Nachfolgend seien drei abschließende Beispiele dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Barriere gegen Direktinvestitionen, deren Bedeutung von den befragten Personen als gering beurteilt

wurde

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Barriere gegen den Import von Gütern und/oder

Dienstleistungen, welcher die befragten Personen

eine mittlere Bedeutung zugemessen haben

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Barriere von hoher Bedeutung, die sowohl gegen den Import von Gütern und/oder Dienstleitungen als auch gegen Direktinvestitionen wirken kann

Abbildung 5: Beispiele für die Darstellung der Bewertung

Die graphische und farbliche Darstellung soll dabei der Visualisierung der verschiedenen Kategorien und Bewertungen dienen und somit dem Leser zu einem schnellen Überblick verhelfen.

Die Bewertung und Darstellung soll und kann dabei nur zur groben Orientierung dienen. Da jede Barriere je nach Branche, Unternehmen oder Produkt eine andere Ausprägung und Bedeutung haben kann, müsste man für eine exakte Auswertung das Bewertungsraster sehr viel weiter differenzieren. Dies hätte den Rahmen der hier vorliegenden Arbeit gesprengt.

3 BRASILIEN

Brasilien ist das fünftgrößte Land der Welt und der größte und bevölkerungs-reichste Staat in Südamerika.[28] Mit über 188 Millionen Einwohnern auf mehr als 8,5 Millionen Quadratkilometern,[29] hat das Land rund die doppelte Einwohnerzahl und die 24-fache Fläche der Bundesrepublik Deutschland.[30]

3.1 Ein kurzer Einblick in die brasilianische Wirtschaft

Zu Beginn der 70er Jahre galt Brasilien nach deutschem Verständnis noch als Entwicklungsland.[31] Heute nimmt Brasilien als Schwellenland[32] bereits den 10. Platz in der Weltrangliste der größten Industrienationen ein.[33]

Wichtigster Wirtschaftszweig in Brasilien ist die Landwirtschaft.[34] Diese hat einen starken Einfluss auf die gesamte wirtschaftliche Entwicklung des Landes. So wird beispielsweise der Bedarf an Lastkraftwagen durch den Umfang des Transportes landwirtschaftlicher Erzeugnisse beeinflusst. Wesentliche Bereiche der chemischen Industrie hängen über den Verkauf von Düngemitteln von der Landwirtschaft ab und selbst die Elektroindustrie ist aufgrund des hohen technischen Standards in diesem Sektor nicht unerheblich von Schwankungen im Agrobusiness betroffen.[35] Dies hat zur Folge, dass die Wirtschaft Brasiliens sehr stark vom Klima abhängig ist. In den Jahren 2005 und 2006 sorgten schlechte klimatische Verhältnisse für rückläufige Erntemengen und führen damit zu wirtschaftlichen Problemen in zahlreichen angeschlossenen Sektoren.[36]

Weitere bedeutende Wirtschaftzweige in Brasilien sind Bergbau, Stahl-industrie, Papier- und Zellstoffindustrie, Maschinenbau, Kfz-Industrie, Chemie, Elektronik, Energieversorgung und Tourismus.[37]

Es gibt in Brasilien regional sehr unterschiedliche Markt- und Standortbedingungen aufgrund eines hohen wirtschaftlichen Entwicklungs-gefälles und sehr unterschiedlicher kultureller Prägungen.[38] Der größte Teil der wirtschaftlichen Aktivität in Brasilien findet in den sechs Bundesländern des Südens und Südostens statt. Dieses Gebiet, das lediglich etwa 18 Pro-zent der Gesamtfläche des Landes ausmacht, beheimatet etwa 60 Prozent der Bevölkerung, die rund 70 Prozent des Volkseinkommens erwirtschaftet.[39]

Seit 2002 wird die brasilianische Regierung von Luiz Inácio Lula da Silva geführt. Der ehemalige Gewerkschaftsführer fährt einen unternehmens-freundlichen Kurs der politischen Mitte.[40] Ihm ist es gelungen, das riesige, in der Vergangenheit eher von wirtschaftlicher Instabilität geplagte Land auf einen soliden Wachstumskurs zu bringen. Dieser ist geprägt von dem strikten Einhalten fiskalischer Vorgaben für den Haushalt, einer Reduzierung der Verschuldung sowie einer konsequenten Bekämpfung der Inflation.[41] Dies hat zu einer wesentlichen Stärkung der brasilianischen Währung Real gegenüber dem US-Dollar und insgesamt zu einer verbesserten Position der brasilianischen Wirtschaft auf dem Weltmarkt beigetragen.

3.2 Mercosur

Mit dem Ziel der Förderung nationaler Volkswirtschaften gibt es seit vielen Jahren einen Trend zur Regionalisierung von Wirtschaftsbeziehungen.[42] Hierbei schließen sich zumeist benachbarte Staaten mit oft ähnlichem Entwicklungsstand zu einer Gemeinschaft zusammen, um primär durch Abbau von Zöllen und sonstigen Handels- und Investitionshemmnissen die wirtschaftlichen Tätigkeiten zwischen den beteiligten Ländern zu stimulieren.[43] Die Intensität der Zusammenarbeit innerhalb dieser Regional-gemeinschaften reicht dabei von einfachen Freihandelszonen bis zu integrierten Wirtschaftsräumen, bei welchen neben einem Abbau von Handelshemmnissen auch eine Abstimmung der Wirtschaftspolitik sowie eine supranationale Exekutive angestrebt wird.[44]

Der Mercosur (Mercado Común del Cono Sur)[45] ist eine Staaten-gemeinschaft, welche die Länder Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Venezuela[46] umfasst.[47] Assoziierungsabkommen bestehen darüber hinaus mit Chile, Bolivien, Peru, Kolumbien und Equador.[48] Die wesentlichen Ziele dieser, im Jahr 1991 gegründeten Gemeinschaft sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Zuge des Integrationsprozesses hat der grenzüberschreitende Waren-verkehr zwischen den Ländern des Mercosur erheblich an Dynamik gewonnen und die Abschottung der Mitgliedstaaten gegenüber dem Weltmarkt mittels Erhebung von Einfuhrzöllen wurde deutlich abgebaut.[49][50] Von der vollständigen Realisierung seiner Ziele ist der Mercosur allerdings noch weit entfernt. Im Verhältnis zu Drittstaaten gibt es immer wieder Alleingänge einzelner Staaten, der gemeinsame Außenzoll wird noch von zu vielen Ausnahmen begleitet und es wurden zahlreiche nicht-tarifäre Handelshemmnisse aufgebaut, um sensible Wirtschaftssektoren vor zu starker Konkurrenz aus den übrigen Mitgliedsändern zu schützen.[51]

Die weitere Entwicklung des Mercosur ist derzeit noch völlig offen. Seit Inkrafttreten eines Rahmenabkommens zwischen dem Mercosur und der EU im Jahr 1999 befinden sich die beiden Staatengemeinschaften in Verhandlung für ein umfassendes Freihandelsabkommen.[52] Damit könnte die größte Freihandelszone der Welt entstehen.[53] Darüber hinaus gibt es Ver-handlungen über einen Zusammenschluss des Mercosur mit dem Andenpakt sowie über die Bildung einer gesamtamerikanischen Freihandelszone (FTAA).[54]

3.3 Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien

Nicht zuletzt durch die massive Einwanderung von deutschen Staatsbürgern vor etwa 200 Jahren und deren aktives Mitwirken am Aufbau der brasilian-ischen Nation besteht zwischen Brasilien und Deutschland traditionell eine enge Beziehung.[55]

Die wenigsten Menschen wissen, dass sich die größte deutsche Industrie-stadt nicht in Deutschland befindet sondern in Brasilien. In keiner Stadt der Welt werden mehr Menschen von deutschen Unternehmen beschäftigt als in São Paulo. Mehr als 800 deutsche Firmen haben hier eine Produktions-stätte.[56] Auch insgesamt gehört Brasilien zu den wichtigsten Industriestand-orten für deutsche Unternehmen außerhalb der Bundesrepublik. Etwa 1.200 Unternehmen mit deutschem Kapital beschäftigen dort mehr als 250.000 Menschen. Etwa 5% des brasilianischen Bruttoinlandsprodukts und 15% des industriellen Bruttoinlandsprodukts sind auf den Beitrag deutscher Unter-nehmen zurückzuführen.[57]

[...]


[1] Zitate.de (2007)

[2] vgl. Siebert (2000), S. 180

[3] vgl. Habedank (2006), S. 52

[4] vgl. Siebert (2000), S. 180

[5] Bain (1956), S. 3

[6] vgl. Bain (1956), S. 3

[7] vgl. Backhaus/Büschken/Voeth (2001), S. 123

[8] vgl. Gabler L-O (1993), S. 2206; Kyrer (2001), S. 358

[9] Zur Definition der „Economies of Scale” siehe auch Kyrer (2001), S. 147; Gabler BI - E (1993), S. 853 + 854

[10] vgl. Gabler L-O (1993), S. 2206; Kyrer (2001), S. 358

[11] vgl. Gabler L-O (1993), S. 2206; Kyrer (2001), S. 358

[12] vgl. Meissner (1995), S. 51, nähere Erläuterungen zu den unterschiedlichen Internationalisierungs- graden sowie weitere Ausprägungen siehe Habedank (2006), S. 40-43; Berndt/Altobelli/Sander (2005), S. 139-150; Meffert/Bolz (1998), S. 125-129

[13] Backhaus/Büschken/Voeth (2001), S. 123; diese Definition wurde auch übernommen von Berndt / Altobelli/Sander (2005), S. 104

[14] Zu Umfang und Gründen der Modifizierung siehe Kapitel 2.2.2

[15] vgl. Meffert/Bolz (1998), S. 141

[16] Wahrig (1986), S. 694

[17] vgl. Wahrig (1986), S. 694

[18] vgl. Past/Schrott/Spengler/Stowasser (2007), S. 3

[19] Beispiele für die Verwendung des Begriffs Protektionismus findet man bei Jahrmann (2001), S. 33;

bei Siebert (2001), S. 180 ff. sowie bei Backhaus/Büschken/Voeth S. 123-125

[20] vgl. Jahrmann (2001), S. 33

[21] vgl. Siebert (2000), S. 180+181; Czinkota/Ronkainen/Moffett (2005), S. 38+70

[22] vgl. Corsten/Reiß (1999), S. 1124

[23] vgl. Corsten/Reiß (1999), S. 1124

[24] vgl. Meissner (1995), S. 43

[25] vgl. Past/Schrott/Spengler/Stowasser (2007), S. 3 + 17

[26] auch Backhaus/Büschken/Voeth (2001), S. 123 unterscheiden mit Verweis auf Simon zwischen protektionistischen, verhaltensbedingten und ökonomischen Ursachen für Markteintrittsbarrieren

[27] Die Zuordnung erfolgt hier unabhängig davon, ob die jeweilige Barriere für eine der beiden Markt- eintrittsformen eine mehr oder weniger große Bedeutung hat. Es wird keine Abstufung hinsichtlich der Intensität der Bedeutung der Barrieren für die eine oder andere Eintrittsform vorgenommen. Zum einen ist eine eindeutige Gewichtung in den meisten Fällen nicht möglich. Zum anderen hätte der Versuch der Abstufung nach Ansicht des Autors zu einem Verlust von klarer Struktur und Übersichtlichkeit der Arbeit geführt.

[28] vgl. IHK Pfalz (2006a), S. 4 + Elsenbruch (2005), S. 69

[29] vgl. CIA (2007), S. 3 + S. 5

[30] vgl. Elsenbruch (2005), S. 69

[31] vgl. Papoli-Barawati (2005), S. 31

[32] Zur Definition der Schwellenländer siehe Berndt / Altobelli / Sander (1997), S. 45

[33] vgl. AHK/bfai (2007a), S. 2

[34] vgl. AHK Porto Alegre (2006), S. 10

[35] vgl. Kaufmann/Panhans/Hagemann/Schierenbeck (2006), S. 39

[36] vgl. AHK Porto Alegre (2006), S. 10

[37] vgl. Hirschle (2005), S. 24-31

[38] vgl. Schlichting (2005), S. 32

[39] vgl. Habedank (2006), S. 163

[40] vgl. KPMG (2006), S. 8

[41] vgl. Hirschle (2005), S. 13

[42] vgl. Meffert/Bolz (1998), S. 50

[43] Beispiele für solche Regionalgemeinschaften sind: NAFTA (North American Free Trade Association), AFTA (ASEAN Free Trade Area) und EU (Europäische Union), vgl. Corsten/Reiß (1999), S. 1126

[44] vgl. Corsten/Reiß (1999), S. 1125

[45] brasilianische Bezeichnung: Mercosul (Mercado Commum do Sul)

[46] Venezuela ist im Juli 2006 beigetreten, zur vollen Wirksamkeit des Beitritts steht noch die Ratifizierung durch die Volksvertretungen Brasiliens und Paraguays aus, vgl. Elsner (2007), S. 1

[47] vgl. Behringer (2006), S. 15

[48] vgl. Kaufmann/Panhans/Hagemann/Schierenbeck (2006), S. 21

[49] vgl. Behringer (2006), S. 16

[50] vgl. Sangmeister (2001), S. 8 + 10

[51] vgl. Behringer (2006), S. 16

[52] vgl. Scholl (2006), S. 1

[53] vgl. Behringer (2006), S. 17

[54] vgl. Kaufmann/Panhans/Hagemann/Schierenbeck (2006), S. 21

[55] vgl. AHK São Paulo (2005a), S. 3

[56] vgl. Simer (2002), S. 1

[57] vgl. Acker (2006), S. 5

Ende der Leseprobe aus 98 Seiten

Details

Titel
Analyse und Bewertung von Markteintrittsbarrieren für deutsche Unternehmen in Brasilien
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
98
Katalognummer
V82637
ISBN (eBook)
9783638861274
Dateigröße
753 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Bewertung, Markteintrittsbarrieren, Unternehmen, Brasilien
Arbeit zitieren
Diplom-Betriebswirt (FH) Andreas Weimer (Autor), 2007, Analyse und Bewertung von Markteintrittsbarrieren für deutsche Unternehmen in Brasilien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82637

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