Der brasilianische Markt, als einer der größten dieser Erde, wurde über viele Jahrzehnte durch hohe Importzölle und eine protektionistische Wirtschaftspolitik vor der ausländischen Konkurrenz geschützt. Erst mit der Anfang der 90er Jahre erfolgten Marktöffnung kam es wieder zu einem kontinuierlichen Wachstum des Außenhandels zwischen Deutschland und Brasilien.
Trotz dieser Marktöffnung und der damit verbundenen Renaissance der deutsch-brasilianischen Wirtschaftsbeziehungen gibt es auch heute noch zahlreiche Barrieren, die von deutschen Unternehmen bei einem Engagement in Brasilien überwunden werden müssen. Kenntnisse über solche möglichen Markteintrittsbarrieren können für Unternehmen, die in den brasilianischen Markt eintreten möchten, lebenswichtig sein. Umso verwunderlicher ist es, dass kaum strukturiertes Informationsmaterial zu diesem Thema zu finden ist. Dies, sowie die Faszination für einen der größten und dynamischsten Märkte unserer Erde, waren Motivation für die vorliegende Diplomarbeit.
Diese gibt einen branchenunabhängigen Überblick über noch existierende Barrieren des brasilianischen Marktes für deutsche Unternehmen und kann somit Firmen, die einen solchen Markteintritt planen, als Orientierungshilfe dienen.
Nach der Einleitung ist das zweite Kapitel hierzu zunächst der Klärung des Begriffs der Markteintrittsbarrieren im internationalen Kontext gewidmet. Durch die Abgrenzung der unterschiedlichen Formen der Markteintrittsbarrieren wird anschließend der konzeptionelle Rahmen für die Arbeit geschaffen. Das Kapitel schließt mit der Erarbeitung eines Fragebogens. Dieser stellt die Grundlage für die spätere Bewertung der Barrieren des brasilianischen Marktes dar.
Das dritte Kapitel soll dem Leser einen kurzen Überblick über das Land Brasilien und die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland, seinem wichtigsten europäischen Partner, verschaffen.
Kapitel zwei und drei bilden somit die theoretische und informatorische Basis für das darauffolgende vierte Kapitel, welches den Kern der Arbeit darstellt. Hier werden konkrete Markteintrittsbarrieren Brasiliens für deutsche Unternehmen systematisch aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 KONZEPTIONELLE GRUNDLAGEN UND SYSTEMATIK VON MARKTEINTRITTSBARRIEREN
2.1 Was sind Markteintrittsbarrieren ?
2.1.1 Markteintrittsbarrieren im zwischenbetrieblichen, nationalen Kontext
2.1.2 Markteintrittsbarrieren im internationalen Kontext
2.2 Abgrenzung unterschiedlicher Formen von Markteintrittsbarrieren
2.2.1 Institutionelle Markteintrittsbarrieren
2.2.1.1 Gründe für den Aufbau institutioneller Markteintrittsbarrieren
2.2.1.2 Exkurs: Die institutionellen Markteintrittsbarrieren und die WTO
2.2.2 Verhaltensbedingte, strukturelle und ökonomische Markteintrittsbarrieren
2.3 Die Bewertung der Markteintrittsbarrieren Brasiliens
2.3.1 Erarbeitung eines Fragebogens zur Bewertung der Barrieren
2.3.2 Die Auswertung des Fragebogens
2.3.3 Die Darstellung der Ergebnisse
3 BRASILIEN
3.1 Ein kurzer Einblick in die brasilianische Wirtschaft
3.2 Mercosur
3.3 Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien
4 DIE MARKTEINTRITTSBARRIEREN BRASILIENS FÜR DEUTSCHE UNTERNEHMEN
4.1 Institutionelle Markteintrittsbarrieren
4.1.1 Tarifäre Barrieren (Zölle)
4.1.1.1 Zölle bei Einfuhr aus Mercosur-Mitgliedstaaten
4.1.1.2 Zölle bei Wareneinfuhren aus Deutschland
4.1.2 Nicht-tarifäre Barrieren
4.1.2.1 Importlizenzen, Importquoten und Importverbote
4.1.2.2 Anmeldungsformalitäten für Importe und Importbedingungen
4.1.2.3 Steuern, Einfuhrabgaben und Gebühren
4.1.2.4 Gesetzlich vorgeschriebene Mindest- oder Höchstpreise
4.1.2.5 Staatliche „Buy Local“-Kampagnen
4.1.2.6 Devisen- und Kapitalverkehrsbeschränkungen
4.1.2.7 Local-Content-Vorschriften
4.1.2.8 Umweltpolitische Barrieren
4.1.2.9 Normen und Standards
4.1.2.10 Produktionszulassungsverfahren, Niederlassungsverbote und Investitionsbarrieren
4.1.2.11 Bevorzugung nationaler Anbieter bei öffentlicher Auftragsvergabe
4.1.2.12 Benachteiligung ausländischer Unternehmen durch Die Subventionierung brasilianischer Betriebe
4.1.2.13 Bearbeitungsdauer von Anträgen zum Patent- und Markenrecht
4.1.2.14 Bürokratie
4.2 Verhaltensbedingte, strukturelle und ökonomische Markteintrittsbarrieren
4.2.1 Marktseitige Barrieren
4.2.1.1 Wechselkursschwankungen
4.2.1.2 Höhe der Kapitalmarktzinsen
4.2.1.3 Barrieren durch kulturelle Unterschiede
4.2.1.4 Sprachliche Barrieren
4.2.1.5 Abweichendes Nachfrageverhalten und abweichende Bedürfnisstrukturen
4.2.1.6 Mangelnde Qualifikation der ansässigen Arbeitnehmer
4.2.1.7 Höhe der Transportkosten nach Brasilien
4.2.1.8 Transportdauer nach Brasilien
4.2.1.9 Mangelnde Zuverlässigkeit brasilianischer Vertriebspartner
4.2.1.10 Besondere Verpackungsanforderungen für Transport und Vertrieb
4.2.1.11 Rechtsunsicherheit und abweichendes Rechtsverständnis
4.2.1.12 Bestechung und Korruption
4.2.1.13 Politische Stabilität
4.2.2 Unternehmensseitige Barrieren
4.2.2.1 Mangelnde Information über den brasilianischen Markt und dessen Anforderungen
4.2.2.2 Mangelnde Vorbereitung des Managements
4.2.2.3 Mangelnde Bereitschaft deutscher Mitarbeiter für eine Auslandstätigkeit in Brasilien
4.2.2.4 Fehlende Spezialisten in deutschen Unternehmen für Planung und Durchführung des Auslandsengagement in Brasilien
4.2.2.5 Zu geringe Bereitstellung finanzieller Mittel für das Auslandsengagement in Brasilien
4.2.3 Anmerkung zu den untersuchten Barrieren
5 ZUSAMMENFASSENDE DARSTELLUNG DER UMFRAGEERGEBNISSE
6 SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Identifikation, Analyse und Bewertung bestehender Markteintrittsbarrieren für deutsche Unternehmen in Brasilien, um internationalisierungswilligen Unternehmen eine fundierte Orientierungshilfe zu bieten.
- Konzeptionelle Einordnung und Systematisierung von Markteintrittsbarrieren
- Analyse institutioneller Barrieren wie Zölle, Importbestimmungen und Bürokratie
- Untersuchung verhaltensbedingter, struktureller und ökonomischer Hürden
- Empirische Bewertung der Barrieren mittels einer Online-Umfrage bei Experten und Unternehmen
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für den Markteintritt in Brasilien
Auszug aus dem Buch
4.1.2.14 Bürokratie
Die ausufernde Bürokratie stellt sowohl für Unternehmen, die in Brasilien ansässig sind, als auch für Unternehmen, die eine Betriebsstätte in Brasilien errichten oder nach Brasilien exportieren möchten, ein erhebliches Problem dar. Selbst deutsche Unternehmen, die den Umgang mit einem gewissen Grad an Bürokratie gewohnt sind, stoßen in Brasilien nicht selten an ihre Grenzen. Angefangen bei der bereits erwähnten Übergenauigkeit brasilianischer Zollbehörden bei der Kontrolle von Zolldokumenten über erhebliche bürokratische Hindernisse beim Erwerb von Grundstücken, die häufigen Streiks brasilianischer Beamten bis hin zu zahlreichen Verfahrensschritten, die zur Gründung eines Unternehmens erforderlich sind, die Liste bürokratischer Hürden in Brasilien ist lang.
Die damit verbundenen zeitlichen Verzögerungen der Abläufe stellen dabei für eintrittswillige deutsche Unternehmen häufig die größte Barriere dar. So dauert eine Unternehmensgründung in Brasilien durchschnittlich 152 Tage, in Argentinien dagegen sind es nur 32 Tage und im OECD-Durchschnitt weniger als 20 Tage. Die Schließung eines Unternehmens in Brasilien beansprucht im Schnitt sogar 10 Jahre (Argentinien 2,8 und OECD-Durchschnitt 1,5 Jahre) und Export und Import-Transaktionen dauern etwa dreimal so lange wie in OECD-Ländern. Mit diesen Werten liegt Brasilien zum Teil deutlich hinter Ländern wie Indien und China zurück. Die damit verbundenen Kosten können erheblich sein und deutschen Unternehmen Aktivitäten in Brasilien wesentlich erschweren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Hinführung zum Thema, Darstellung des Ziels der Arbeit und der methodischen Vorgehensweise.
2 KONZEPTIONELLE GRUNDLAGEN UND SYSTEMATIK VON MARKTEINTRITTSBARRIEREN: Klärung des Begriffs der Markteintrittsbarrieren im internationalen Kontext und Erarbeitung eines konzeptionellen Rahmens zur Kategorisierung der Barrieren.
3 BRASILIEN: Überblick über die brasilianische Wirtschaft, den Mercosur sowie die historischen und aktuellen wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland.
4 DIE MARKTEINTRITTSBARRIEREN BRASILIENS FÜR DEUTSCHE UNTERNEHMEN: Systematische Aufzählung und detaillierte Analyse der verschiedenen Barrieren, unterteilt in institutionelle und marktseitige Faktoren, sowie deren Bewertung durch Umfrageergebnisse.
5 ZUSAMMENFASSENDE DARSTELLUNG DER UMFRAGEERGEBNISSE: Zusammenfassender Überblick über Intensität und Verteilung der untersuchten Barrieren basierend auf der durchgeführten Umfrage.
6 SCHLUSSBETRACHTUNG: Kritische Beurteilung der erreichten Ergebnisse und Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Marktchancen für deutsche Unternehmen in Brasilien.
Schlüsselwörter
Markteintrittsbarrieren, Brasilien, Außenhandel, Deutschland, Institutionelle Barrieren, Zoll, Bürokratie, Importlizenzen, Marktliberalisierung, Mercosur, Unternehmensführung, Direktinvestitionen, Export, Wirtschaftliche Beziehungen, Protektionismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit analysiert und bewertet die verschiedenen Hindernisse, die deutschen Unternehmen beim Markteintritt in Brasilien oder bei der Vertiefung ihres dortigen Engagements begegnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich auf institutionelle Handelshemmnisse (z.B. Zölle, Bürokratie) sowie verhaltensbedingte, strukturelle und ökonomische Markteintrittsbarrieren in Brasilien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, bestehende Barrieren des brasilianischen Marktes für deutsche Unternehmen systematisch zu identifizieren, zu analysieren und deren Intensität anhand einer Umfrage unter Experten zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer umfassenden Literaturrecherche zur theoretischen Fundierung wurde eine empirische Online-Umfrage durchgeführt, an der Experten und Vertreter deutscher Unternehmen teilnahmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden konkrete Markteintrittsbarrieren – wie Zölle, nichttarifäre Handelshemmnisse, Bürokratie, kulturelle Aspekte und unternehmensseitige Probleme – detailliert aufgezeigt und anhand der Umfragedaten bewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Markteintrittsbarrieren, Brasilien, Außenhandel, Institutionelle Barrieren, Zoll, Bürokratie, Export, Investitionen.
Warum wird die Bürokratie in Brasilien als so kritisch eingestuft?
Die Umfrage ergab, dass die Bürokratie die höchste Barriere für deutsche Unternehmen darstellt, da sie zeitintensive Unternehmensgründungen, langwierige Zollabwicklungen und hohe Kosten verursacht.
Spielt der Mercosur eine Rolle für deutsche Exporteure?
Ja, der Mercosur beeinflusst die Handelsbeziehungen durch den gemeinsamen Außenzoll und ist ein wesentlicher Faktor bei der Gestaltung der Freihandelsbedingungen in der Region.
- Quote paper
- Diplom-Betriebswirt (FH) Andreas Weimer (Author), 2007, Analyse und Bewertung von Markteintrittsbarrieren für deutsche Unternehmen in Brasilien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82637