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Sexualität als Sakrament - Am Beispiel der Sekte der Blutsfreunde

Title: Sexualität als Sakrament - Am Beispiel der Sekte der Blutsfreunde

Seminar Paper , 2003 , 29 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Beate Kienast (Author)

Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
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Summary Excerpt Details

In dieser Arbeit geht es um die Sekte der Blutsfreunde, die in der Mitte des 16. Jh. im westlichen Thüringen gewirkt hat.
Am Auftreten und Agieren dieser Sekte ist besonders interessant, dass sie neben der Lehre wiedertäuferischer Grundsätze genau in einem Punkt von ihnen abweicht. Dies ist die Erhöhung des Geschlechtsaktes zum einzigen Sakrament. Er erhält dadurch eine starke Aufwertung und bekommt einen völlig eigenen Stellenwert innerhalb des Heilsgeschehens der Sekte. Darüber hinaus wird er innerhalb der Sekte als Initiationsritus eingesetzt. Diese Abweichung macht die Sekte zu einer völlig eigenständigen, neuen Gruppierung mit einer gänzlich andersartigen Lehre als die der offiziellen Kirche.
Der Schwerpunkt der Arbeit soll auf der Untersuchung der Sekte liegen. Insbesondere soll näher betrachtet werden, welche Lehre die Sekte genau vertritt und welche Praktiken in der Sekte vollzogen werden. Was genau geschieht auf den Versammlungen der Blutsfreunde? Finden ausschweifende Orgien statt, oder sind Ablauf und Vollzug des Geschlechtsaktes genau festgelegt? Wie kommt es innerhalb der Sekte zu der Annahme, allein der Geschlechtsakt sei als Sakrament anzusehen? Was genau ist das heilbringende Element des Geschlechtsaktes?
In einem ersten Schritt soll kurz dargestellt werden, was die Literatur zur Sekte der Blutsfreunde hergibt und inwieweit sie für die Klärung der gestellten Fragen hilfreich erscheint. Im zweiten Schritt soll dann die eigentliche Arbeit mit den Quellen erfolgen: Eine kurze Darstellung des geschichtlichen Umfeldes, in welchem die Sekte entsteht und sich weiterentwickelt. Damit soll versucht werden genauer zu klären, welche Umstände die Entwicklung der Sekte begünstigt haben. Des Weiteren soll dadurch auch deutlicher werden, auf welche Weise die Sekte zu ihrer Lehre gelangt ist.
Im Anschluss daran soll die Entwicklung der Sekte dargestellt werden: Sozusagen „Die Geschichte der Blutsfreunde“. Damit einhergehend soll auch die Struktur der Sekte erläutert werden. Dies ist notwendig, um die Praktiken der Blutsbrüder verstehen zu können, die eng mit der Sektenstruktur verknüpft sind.Anschließend wird die Lehre der Sekte genau vorgestellt, wobei die Darstellung der ausgeübten Praktiken unerlässlich ist, da ihre Anwendung zur Ausübung der Lehre dazugehört.Im dritten Schritt soll der Versuch einer Interpretation gemacht werden, bei der die Aussagen der Sekundärliteratur diskursiv einbezogen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsüberblick

3. Darstellung der Quelle

3.1 Historische Einordnung

3.1.1 Geschichtliches Umfeld der Sekte

3.1.2 Die Entwicklung der Sekte

3.2 Die theologischen Anschauungen der Blutsfreunde und ihre Praktiken

3.2.1 Die Grundüberzeugung: Jeder Mensch ist ohne jede Sünde

3.2.2 Die Verwerfung jeglicher christlicher Sakramente

3.2.3 Geschlechtsverkehr als sakramentale Handlung

3.2.4 Die Stellung des Heiligen Geistes innerhalb des Heilsgeschehens der Blutsfreunde

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die radikale Sekte der "Blutsfreunde", die in der Mitte des 16. Jahrhunderts in Thüringen wirkte. Das primäre Ziel ist die Analyse ihrer theologischen Lehren und Praktiken, insbesondere die Erhöhung des Geschlechtsaktes zum einzigen Sakrament, um zu verstehen, wie diese Gruppierung ein völlig eigenständiges religiöses Konzept entwickelte und warum sie von den Zeitgenossen so vehement verfolgt wurde.

  • Historische Einordnung und Entstehung der Sekte im Umfeld der Täuferbewegung
  • Analyse der zentralen Lehrsätze, insbesondere die Annahme der absoluten Sündlosigkeit
  • Untersuchung der Ablehnung traditioneller christlicher Sakramente
  • Erforschung des Geschlechtsverkehrs als sakramentaler Initiationsritus und Heilsbringer
  • Diskursives Verständnis der Rolle des Heiligen Geistes innerhalb der Sektenlehre

Auszug aus dem Buch

3.2.3 Geschlechtsverkehr als sakramentale Handlung

Obwohl die Blutsfreunde alle Sakramente der öffentlichen Kirchen ablehnen, so kommen sie doch nicht gänzlich ohne eines aus. Sie erheben statt der vielen Sakramente der öffentlichen Kirchen nur ein einziges Sakrament, welches sowohl die Aufnahme in die Gruppe regelt, als auch Ausdruck ihres Glaubens ist. Dieses Sakrament ist die Christierung und meint den Geschlechtsverkehr mit Anhängern ihres Glaubens. Zudem ist es das einzige wahre Sakrament in den Augen der Blutsfreunde.

Der Vollzug des Geschlechtsaktes stellt bei ihnen eine heilsbringende Handlung dar, die dazu führt, dass verheiratete Frauen ihres Partners „ledig und durch dis fleischlich werk geheiliget und also seiner [= Klaus Ludwigs] reinigkeit fehig [werden], so ferne sie das williglichen thete und gleubte.“43 Der sexuelle Akt wird dadurch stark aufgewertet und bekommt einen wichtigen Platz im Heilsgeschehen zugewiesen. Erst durch die Vereinigung werden alle Mitglieder in ihrer Reinheit dem Oberhaupt gleichgestellt, welches von Gott selbst erleuchtet worden ist. Durch den Vollzug der Christierung wird das göttliche Heil übertragen und alle Mitglieder gelangen in ihrer Reinheit auf die Stufe von Klaus Ludwig. Der sexuelle Akt ist damit ein Mittel, durch das eine völlige Gleichstellung der Mitglieder stattfindet. Erst durch die geschlechtliche Vereinigung entsteht eine völlig homogene Gruppe, deren Mitglieder alle von Gott erleuchtet sind und damit auch vollkommen gerecht vor ihm, so dass sie auch in Zukunft nicht mehr sündigen können.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Sekte der Blutsfreunde ein, umreißt den zeitlichen Kontext im 16. Jahrhundert und definiert den Fokus auf die theologischen Besonderheiten sowie die Forschungsfrage der Arbeit.

2. Forschungsüberblick: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die spärliche Quellenlage und die Sekundärliteratur zu den Blutsfreunden, wobei insbesondere die kritische Einordnung der Schriften von Justus Menius und Paul Wappler erfolgt.

3. Darstellung der Quelle: In diesem Hauptteil erfolgt eine detaillierte historische Einordnung des Umfelds und der Entwicklung der Sekte sowie eine fundierte Analyse ihrer spezifischen theologischen Anschauungen und Praktiken.

3.1 Historische Einordnung: Hier werden das geschichtliche Umfeld der Sekte im thüringischen Täufertum sowie die spezifische Entwicklung und die Rolle des Anführers Klaus Ludwig untersucht.

3.1.1 Geschichtliches Umfeld der Sekte: Dieser Abschnitt erläutert die Radikalisierung kleiner religiöser Gruppen infolge der Reformation und der Täuferverfolgungen in Thüringen.

3.1.2 Die Entwicklung der Sekte: Dieser Teil beschreibt den Wirkungskreis, die Zentren und die verschiedenen Verhaftungswellen, die zur öffentlichen Bekanntwerdung der Sekte führten.

3.2 Die theologischen Anschauungen der Blutsfreunde und ihre Praktiken: Hier werden die Kerngedanken der Lehre anhand von Verhörprotokollen dargelegt und deren Verknüpfung mit den Strukturen der Sekte erläutert.

3.2.1 Die Grundüberzeugung: Jeder Mensch ist ohne jede Sünde: Dieses Kapitel behandelt die zentrale Annahme, dass durch den Glauben an Christus eine absolute Sündlosigkeit erreicht wird.

3.2.2 Die Verwerfung jeglicher christlicher Sakramente: Dieser Abschnitt analysiert, warum die Sekte traditionelle Sakramente wie Taufe, Abendmahl und Ehe als heillose Handlungen ablehnt.

3.2.3 Geschlechtsverkehr als sakramentale Handlung: Hier wird die "Christierung" als zentrales, heilsbringendes und aufnahmerelevantes Sakrament der Gemeinschaft untersucht.

3.2.4 Die Stellung des Heiligen Geistes innerhalb des Heilsgeschehens der Blutsfreunde: Dieses Kapitel zeigt auf, wie die Sündlosigkeit mit der ständigen Präsenz des Heiligen Geistes in jedem Mitglied begründet wird.

4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung führt die wesentlichen Erkenntnisse zur theologischen Lehre der Blutsfreunde zusammen und erklärt ihre Radikalität als Reaktion auf die Herausforderungen der Reformation.

5. Literaturverzeichnis: Dies ist das Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.

Schlüsselwörter

Blutsfreunde, Täufertum, Frühe Neuzeit, Reformation, Sakrament, Christierung, Klaus Ludwig, Sündlosigkeit, Heilsgeschehen, Geschlechtsverkehr, Theologie, Thüringen, Radikalität, Verhörprotokolle, Heiliger Geist

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Sekte der "Blutsfreunde", einer radikalen religiösen Gruppierung, die in der Mitte des 16. Jahrhunderts im westlichen Thüringen aktiv war.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?

Zentrale Themen sind die Entstehung der Sekte im Kontext des Täufertums, ihre Abweichung von reformatorischen Grundsätzen sowie ihre radikale Interpretation von Sexualität und Heil.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die spezifische Theologie der Blutsfreunde zu verstehen, insbesondere die Begründung, warum sie den Geschlechtsakt als ihr einziges wahres Sakrament erhoben haben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse historischer Verhörprotokolle und der Auswertung relevanter Sekundärliteratur, um die interne Logik und die Außenwirkung der Sekte zu rekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert untersucht?

Der Hauptteil analysiert die Grundüberzeugungen der Sekte, wie die Lehre von der absoluten Sündlosigkeit, die Ablehnung traditioneller Sakramente und die Bedeutung des Heiligen Geistes für ihre Lebenspraxis.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Blutsfreunde, Christierung, Sündlosigkeit, Täuferbewegung, Sakramentale Handlung und Radikalisierung.

Warum lehnte die Sekte der Blutsfreunde die Ehe nach katholischem Verständnis ab?

Die Blutsfreunde argumentierten, dass die Ehe nicht direkt von Gott oder Jesus eingesetzt worden sei, und lösten die Sexualität aus dem starren kirchlichen Rahmen, um sie als sakramentalen Akt neu zu definieren.

Welche Rolle spielte der Anführer Klaus Ludwig bei der Etablierung der Lehre?

Klaus Ludwig galt als der Kopf und Begründer der Lehre; er hielt die Strukturen der Sekte zusammen und fungierte als zentrale Figur, deren eigenes Handeln und göttliche Erleuchtung für die Mitglieder als Vorbild dienten.

Wie lässt sich die heftige Verfolgung der Sekte durch die zeitgenössischen Obrigkeiten erklären?

Die Verfolgung resultierte aus der Angst der Obrigkeit vor neuen Unruhen nach dem Bauernkrieg, da die Lehren der Blutsfreunde die geltende moralische Ordnung und die Autorität der Kirche sowie der Landesherrschaft direkt in Frage stellten.

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Details

Title
Sexualität als Sakrament - Am Beispiel der Sekte der Blutsfreunde
College
University of Göttingen  (Theologische Fakultät )
Course
Religion und Sexualität in der frühen Neuzeit
Grade
1,3
Author
Beate Kienast (Author)
Publication Year
2003
Pages
29
Catalog Number
V82663
ISBN (eBook)
9783638889223
Language
German
Tags
Sexualität Sakrament Beispiel Sekte Blutsfreunde Religion Sexualität Neuzeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Beate Kienast (Author), 2003, Sexualität als Sakrament - Am Beispiel der Sekte der Blutsfreunde, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82663
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