Kritik am Nationalismus zieht sich wie ein roter Faden durch die Werke von ADORNO und HORKHEIMER. Problematisch erscheint dabei, dass Kritik am Nationalismus zwar fast in jedem der Werke von ADORNO und HORKHEIMER zu finden ist, jedoch eine eigenständige Untersuchung, die sich ausschließlich mit einer Kritik am Nationalismus befasst, fehlt. Die Kritik wird zwar oft nur in Nebensätzen oder kurzen Polemiken angedeutet, gleichwohl ist der Verfasser der Auffassung, dass in den Schriften von ADORNO und HORKHEIMER eine systematische Analyse des Phänomens Nationalismus zu finden ist. Die These lautet also, dass ADORNO und HORKHEIMER sehr wohl eine differenzierte Vorstellung davon gehabt haben, unter welchen Aspekten Nationalismus in seiner Komplexität zu erfassen ist, diese aber nicht in einer gesonderten Untersuchung zu Papier brachten.
Diese Untersuchung ist die Kurzfassung einer B. A. – Abschlussarbeit.
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung: Nationalismuskritik bei ADORNO und HORKHEIMER
1 Die Untergliederung der Nationalismuskritik bei ADORNO und HORKHEIMER in Hauptargumentationslinien
2 Die Analyse der Hauptargumentationslinien der Nationalismuskritik bei ADORNO und HORKHEIMER
2.1 Nationalismus als gegenaufklärerische Strömung
2.2 Nationalismus als funktionaler Bestandteil des kapitalistischen Produktionssystems
2.3 Nationalismus als Ausdruck einer (pathologischen) psychischen Verfassung
2.4 Nationalismus als Surrogat für Religion
2.5 Synthese der Hauptargumentationslinien der Nationalismuskritik bei ADORNO und HORKHEIMER
3 Von der Möglichkeit der Aufhebung des Nationalismus
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die in den Werken von Adorno und Horkheimer verstreute Nationalismuskritik systematisch zu erfassen und in vier kohärente Hauptargumentationslinien zu strukturieren, um das Phänomen des Nationalismus in seiner komplexen Funktion innerhalb der modernen Gesellschaft zu analysieren.
- Philosophische Einordnung des Nationalismus als gegenaufklärerische, antimoderne Strömung.
- Analyse der systemstabilisierenden Funktionen des Nationalismus im kapitalistischen Produktionssystem.
- Psychoanalytische Betrachtung des Nationalismus als Ausdruck einer pathologischen psychischen Verfassung und Abwehrmechanismus.
- Untersuchung des Nationalismus als Ersatzreligion und dessen Gefahr der Radikalisierung zum Massenwahn.
- Diskussion der dialektischen Aufhebung des Nationalismus im Verhältnis zwischen Individuum und Kollektiv.
Auszug aus dem Buch
2.1 Nationalismus als gegenaufklärerische Strömung
Wird Nationalismus als gegenaufklärerische Strömung bezeichnet, so muss zumindest angedeutet werden, was unter Aufklärung zu verstehen ist und wie die Ideen der Aufklärung von ADORNO und HORKHEIMER interpretiert werden. Als darauf folgender Schritt muss herausgefunden werden, was am Nationalismus nicht mit den Ideen der Aufklärung vereinbar ist oder welche Strömungen des Nationalismus ADORNO und HORKHEIMER als bewussten Gegenstandpunkt zur Aufklärung identifizierten.
Als wichtigste Maxime der Aufklärung kann KANTS Leitspruch „sapere aude“ gelten. Das Individuum wird aufgefordert, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Aufklärung wird dabei als „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ betrachtet.
ADORNO und HORKHEIMER fühlen sich der Aufklärung verpflichtet. Gleichwohl schätzen sie in der „Dialektik der Aufklärung“, das als eines der Hauptwerke der kritischen Theorie gelten darf, die Chance, dass Aufklärung ihrer selbst gerecht werden kann, pessimistisch ein. Sie beschreiben wie die geschichtliche Entwicklung vom Mythos, der als Epos selbst schon die Idee der Aufklärung in sich birgt, zur Aufklärung geht, welche dann in Positivismus, „dem Mythos dessen, was der Fall ist“, umschlägt. Mit dieser Aporie, dass Aufklärung selbst wieder in Mythos umschlägt, muss umgegangen werden, ein Aufgeben des Strebens der Menschen nach Vernunft würde einen Rückfall in die Barbarei bedeuten.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorbemerkung: Nationalismuskritik bei ADORNO und HORKHEIMER: Der Autor konstatiert das Fehlen einer eigenständigen Untersuchung zum Thema bei Adorno und Horkheimer und stellt die These auf, dass eine systematische Analyse in deren Gesamtwerk dennoch implizit vorhanden ist.
1 Die Untergliederung der Nationalismuskritik bei ADORNO und HORKHEIMER in Hauptargumentationslinien: Dieses Kapitel führt die vier zentralen analytischen Perspektiven ein, durch die Adorno und Horkheimer den Nationalismus kritisieren.
2 Die Analyse der Hauptargumentationslinien der Nationalismuskritik bei ADORNO und HORKHEIMER: Hier werden die vier Perspektiven (gegenaufklärerisch, kapitalistisch-funktional, psychoanalytisch und religionsersetzend) detailliert ausgeführt und kritisch beleuchtet.
2.1 Nationalismus als gegenaufklärerische Strömung: Untersucht das Verhältnis von Aufklärung und Mythos sowie den Nationalismus als antimoderne Gegenbewegung zur Vernunft.
2.2 Nationalismus als funktionaler Bestandteil des kapitalistischen Produktionssystems: Analysiert den Nationalismus als Instrument zur Stabilisierung sozialer Verhältnisse und zur Ablenkung von Herrschaftsinteressen.
2.3 Nationalismus als Ausdruck einer (pathologischen) psychischen Verfassung: Verbindet die Kritik mit psychoanalytischen Ansätzen und dem Konzept der autoritären Persönlichkeit.
2.4 Nationalismus als Surrogat für Religion: Beschreibt die Transformation der Nation in eine gottgleiche Instanz und die damit einhergehende Gefahr des Massenwahns.
2.5 Synthese der Hauptargumentationslinien der Nationalismuskritik bei ADORNO und HORKHEIMER: Führt die Teilaspekte zusammen und arbeitet die logischen Verbindungen zwischen den verschiedenen Analysen heraus.
3 Von der Möglichkeit der Aufhebung des Nationalismus: Erörtert, ob und wie Nationalismus im Sinne einer dialektischen Aufhebung überwunden werden kann, und betont die Notwendigkeit, gesellschaftliche Widersprüche offenzulegen.
Schlüsselwörter
Nationalismus, Kritische Theorie, Adorno, Horkheimer, Aufklärung, Antisemitismus, Kollektivismus, Psychoanalyse, Ersatzreligion, instrumentelle Vernunft, Gesellschaftskritik, Individuum, Barbarei, Kapitalismus, Verblendungszusammenhang.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie Adorno und Horkheimer das Phänomen des Nationalismus in ihren verschiedenen philosophischen, soziologischen und psychoanalytischen Schriften kritisch analysiert haben.
Welche vier Hauptargumentationslinien werden identifiziert?
Der Autor unterteilt die Kritik in den Nationalismus als gegenaufklärerische Strömung, als funktionales Element des Kapitalismus, als Ausdruck pathologischer psychischer Verfassungen und als Surrogat für Religion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die verstreuten Ansätze Adornos und Horkheimers zu einer systematischen Nationalismuskritik zusammenzuführen und deren heutige Relevanz sowie Möglichkeiten der Überwindung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine textbasierte, hermeneutische Analyse der Originalschriften von Adorno und Horkheimer, die in einen systematischen Argumentationszusammenhang gebracht werden.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der vier Argumentationslinien sowie deren abschließende Synthese, die das Verhältnis zwischen Individuum und Kollektiv beleuchtet.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?
Wesentliche Begriffe sind insbesondere die Dialektik der Aufklärung, der Gegensatz von subjektiver und objektiver Vernunft sowie der Begriff des Verblendungszusammenhangs.
Wie bewerten Adorno und Horkheimer die Funktion der Nation als Ersatzreligion?
Sie sehen darin einen gefährlichen Ersatz für den Sinn, den vormals Religion stiftete, der zur Verabsolutierung des Kollektivs führt und die Gefahr des Massenwahns in sich birgt.
Gibt es eine konkrete Lösung für die Überwindung des Nationalismus?
Nein, Adorno und Horkheimer bieten keine einfachen Rezepte an. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Spannungen ausgehalten und Brüche in der Gesellschaft sichtbar gemacht werden müssen, statt falsche ganzheitliche Ideale zu verfolgen.
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- Markus Andreas Mayer (Author), 2005, Nationalismuskritik bei Adorno und Horkheimer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82686