Die Documenta11 - Konzept und Umsetzung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

21 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konzept und Leitung

3. Umsetzung und Erscheinungsbild
3.1. Grafische Gestaltung
3.2. Ausstellungsarchitektur
3.3. Die Künstlerinnen, Künstler und Kunstwerke
3.3.1. Hanne Darboven
3.3.2. Doris Salcedo
3.3.3. Thomas Hirschhorn

4. Fazit (Kritik)

5. Literatur

1. Einleitung

Im Jahr 2002 fand vom 8. Juni bis zum 15. September 2002 mit der Documenta11 (D11) die erste documenta des 21. Jahrhunderts statt. Die größte internationale Ausstellung für Gegenwartskunst zog mit einem Etat von rund 18 Millionen Euro mehr als 651.000 Besucherinnen und Besucher nach Kassel, was bis dato einen Besucherrekord darstellt. Doch was viele dieser Besucherinnen und Besucher nicht wussten, die elfte documenta begann eigentlich schon ein Jahr zuvor und das nicht in Kassel und nicht einmal in Deutschland. Im Vorfeld der Ausstellung gab es nämlich vier weltweite Vortrags- und Diskussionsforen, bei denen Diskussionen über Voraussetzungen der Kunst der Gegenwart und über zeitgenössische Problematiken von Politik und Gesellschaft geführt wurden. Diese Foren wurden als Plattformen bezeichnet und bildeten das Grundkonzept der Documenta11.

Diese Konzeption wird im ersten Teil dieser Arbeit vorgestellt einschließlich der künstlerischen Leitung der D11. Des Weiteren wird auf das Erscheinungsbild, das die grafische Gestaltung und die Ausstellungsarchitektur mit einschließt, eingegangen. Im Folgenden wird diese Arbeit die Zusammensetzung der Künstlerinnen und Künstlern der documenta mit Hilfe von Statistiken beleuchten und analysieren. Ausführlich werden allerdings nur als eine kleine Auswahl zwei Künstlerinnen und ein Künstler vorgestellt, bei denen es sich um unterschiedliche Typen von Künstlerinnen und Künstlern und Künstlergenerationen handelt.

Den Abschluss bilden die Kritik der Medien und aus Fachkreisen an der D11 und ein zusammenfassendes Fazit zur Documenta11.

2. Konzept und Leitung

Die erste Plattform der D11 fand vom 15. März bis 23. April 2001 in Wien statt und wurde vom 9. bis 30. Oktober 2001 in Berlin fortgesetzt. Sie trug den Namen Demokratie als unvollendeter Prozess und war der Startschuss für den gesamten Komplex der Documenta11. Die Plattform 2, Experimente mit der Wahrheit: Rechtssysteme im Wandel und die Prozesse der Wahrheit und Versöhnung, fand in Neu-Delhi vom 7. bis 21. Mai 2001 statt. Sie bestand aus einem fünftägigen Symposium mit fünf thematischen Blöcken und einem Filmprogramm mit über 30 Dokumentar- und Spielfilmen. Die dritte Plattform hieß Créolité und Kreolisierung und war ein intensiver Workshop auf der westindischen Insel St. Lucia vom 12. bis 16. Januar 2002. Plattform 4, Unter Belagerung: Vier afrikanische Städte, Freetown, Johannesburg, Kinshasa, Lagos, fand vom 15. bis 21. März 2002 in Lagos statt. Dort wurde über den aktuellen Zustand rapide wachsender Zentren in Afrika diskutiert.

Die eigentliche Ausstellung fand dann wie immer im Sommer in Kassel statt. Somit wurde die Documenta11 auf vier Kontinenten über einen Zeitraum von 18 Monaten umgesetzt und inhaltlich, geografisch und zeitlich weiter gefasst als das Format der 100 Tage dauernden vorangegangenen documenten. Allerdings waren diese Diskussionsforen nicht wie die Ausstellung in Kassel für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Bei den Teilnehmern handelte es sich um ausgewählte Wissenschaftler, Künstler und Journalisten, denen es (finanziell) möglich war, für die D11 in die verschiedenen Länder zu reisen.

Der künstlerische Leiter der Documenta11 war der 1963 in Nigeria geborene und seit 1983 in den USA lebende Okwui Enwezor. Er studierte in den USA Politikwissenschaften und arbeitete als Kritiker und Schriftsteller, bevor er mit einer Ausstellung zu afrikanischer Fotografie Kurator im Guggenheim Museum in New York wurde. Seinen Zugang zur bildenden Kunst erhielt Enwezor über die Literatur und gründete die Nka, eine Zeitschrift für zeitgenössische afrikanische Kunst. 1997 war Enwezor der Leiter der Biennale von Johannisburg. In der Ausstellung The Short Century, die er unter anderem für die Villa Stuck in München kuratierte, entwickelte er den Ansatz, die historisch-politische und künstlerische Entwicklung der postkolonialen Zeit darzustellen, den er in der Documenta11 weiterentwickelte.[1]

Okwui Enwezor wurde am 26. Oktober 1998, also mit vier Jahren Vorlaufzeit, vom damaligen Kasseler Oberbürgermeister Georg Lewandowski im Namen des Berufungskomitees zum künstlerischen Leiter der Documenta11 ernannt. Nachdem bei der documenta X Catherine David als erste Frau die Leitung übernehmen durfte, war Enwezor der erste Nicht-Europäer, der die documenta führen sollte.

Die Konzeption für die Documenta11 entwickelte Enwezor gemeinsam mit den sechs Co-Kuratoren und -Kuratorinnen; namentlich mit dem Argentinier Carlos Basualdo, der Deutschen Ute Meta Bauer, der US-Amerikanerin Susanne Ghez, dem in Südafrika geborenen Sarat Maharaj, mit Mark Nash aus London und Octavio Zaya von den Kanarischen Inseln.

Ein entscheidendes Ziel dieses Kuratorenteams war es, die „westlich-abendländische Kunst in den Dialog mit der Kunst aus Afrika, Asien und Lateinamerika zu bringen“.[2] Das Konzept sollte schon durch den äußeren Aufbau, die fünf Plattformen, verdeutlicht werden, die allesamt eine Reihe von Fragen aufgreifen, die laut Enwezor für das intellektuelle Projekt der Documenta11 von zentraler Bedeutung sind.[3] Zusammenhängend mit diesem Konzept erscheinen immer wieder die Worte postkolonial, transnational, interdisziplinär und deterritorial, denn sie sind von zentraler Bedeutung für Enwezor und sein Team. Enwezor bezieht sich mit diesen Schlagworten explizit auf Frantz Fanons Hauptwerk von 1961 „Les Damnés de la Terre“ (Die Verdammten dieser Erde), das als Kultbuch der Intellektuellen aus den Entwicklungsländern gilt. Fanon fasst darin seine Erfahrungen, Ideen und politischen Analysen zum Kampf gegen den Kolonialismus und Imperialismus zusammen und entwirft die Vision einer sozialistischen Revolution in Afrika, der Dekolonisation, die sich auch gegen die neuen Regierungen richtet. Von Jean-Paul Sartre, mit dem Fanon Zeit seiner politischen Aktivität in Diskussion stand, stammt das berühmte Vorwort.

Die Documenta11 gilt als erste postkoloniale documenta, was damit zusammenhängt, dass sie die unausgesprochenen Hierarchien des westlichen Ausstellungswesens in Frage stellt. Sie zielt direkt darauf, dem von der Kunst nicht erst seit den Anfängen der klassischen Moderne eingeübten, exotisierenden Blick des Westens auf das Fremde seine Legitimität abzusprechen und die Wahrnehmung mit jenen künstlerischen Aktivitäten zu konfrontieren, die unsere Erwartungshaltung an die zeitgenössische Kunst durchkreuzen.[4] Enwezor spricht in diesem Zusammenhang über das Verhältnis von „kuratierenden“ und „kuratierten“ Kulturen, wobei die Fremden bis zu jenem Zeitpunkt die Objekte des westlichen Blickes waren und nun zurückschauen.[5]

Wie es schon fünf Jahre zuvor Catherine David getan hatte, beruft sich Okwui Enwezor mit seiner documenta auf die documenta 5, welche Harald Szeemann 1972 kuratierte und die als „die eigentliche 68er Documenta“ in die Kunstgeschichte einging. Er bezieht sich aber auch auf die erste documenta, da damals wie heute die Zeichen der Zeit auf Umbruch stünden.[6] Als der Wendepunkt im 21. Jahrhundert kann natürlich nur der 11. September 2001 angesehen werden, der als Kristallisationspunkt für viele der gezeigten Kunstwerke eine Rolle spielt. Enwezor spricht von den Ereignissen des 11. Septembers als eine „tabula rasa“, die zu Beginn der schon erwähnten Dekolonisation steht.[7] Ground Zero bezeichnet er sogar als eine Metapher für den „Ort, an dem, nach dem Kolonialismus, die Abrechnung mit dem Westen beginnt“.[8] Mit diesen Thesen bot Enwezor natürlich eine breite Angriffsfläche für Kritik an ihm als künstlerischem Leiter, an seinem Konzept und schließlich an der Durchführung der documenta. Auf die Kritik wird in einem abschließenden Fazit aber noch einmal genauer eingegangen.

3. Umsetzung und Erscheinungsbild

3.1. Grafische Gestaltung

Beim Logo der Documenta11 ist das D der documenta zum ersten Mal in der Geschichte der Veranstaltung groß geschrieben. Außerdem ist die 11 unmittelbar an das Wort Documenta gesetzt, sodass Buchstaben und Ziffern zusammen elf Symbole ergeben. Das Zeichen, das vom 1953 in Kairo geborenen Konzeptkünstler Ecke Bonk entworfen wurde, benannte er selbst als „Non-Logo“. Bonk, der auf der documenta X und der Documenta11 eigene Projekte ausstellte,

wollte, nach eigenen Angaben, kein gefälliges, sondern ein bedeutsames und vielschichtiges Logo entwerfen, das Raum für vielschichtige Definitionen und Inhalte lässt. Im Gegensatz zu der rechtfertigenden Interpretation, nach der das D in seiner ursprünglichen Dreiecksform auf das Zeichen einer geöffneten Zelttür zurückzuführen sei und somit Offenheit und Willkommen symbolisiere, schlägt Stefanie Herbst eine andere Deutung vor: Ähnlich wie Szeemann und Hoet widersetzte Bonk sich bewusst den gewohnten Gestaltungsprinzipien, um so durch die Abgrenzung zu einer neuen Bedeutung zu finden.[9]

[...]


[1] Vgl. Glasmeier/Stengel, S. 367.

[2] Schwarze, S. 174.

[3] Vgl. Okwui Enwezor, Vorwort. In: Ausstellung – Kurzführer, S. 6.

[4] Vgl. Wolfgang Lenk: Die erste postkoloniale documenta. In: Glasmeier/Stengel, S. 375.

[5] Okwui Enwezor: Die Black Box. In: Ausstellung – Katalog, S. 46.

[6] Vgl. Amine Haase: Keine Zukunft ohne Vergangenheit. In: Kunstforum International, Bd. 161, S. 66.

[7] Vgl. Okwui Enwezor: Die Black Box. In: Ausstellung – Katalog, S. 45.

[8] Ebd., S. 47.

[9] Stefanie Herbst: Kommunizierte Bedeutung – Das documenta-Design zwischen Wertevermittlung und Konventionen. In: Glasmeier/Stengel, S. 64.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Documenta11 - Konzept und Umsetzung
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Kunstgeschichtliches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar: Umgang mit zeitgenössischer Kunst
Note
1,8
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V82704
ISBN (eBook)
9783638018654
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Documenta11, Konzept, Umsetzung, Hauptseminar, Umgang, Kunst
Arbeit zitieren
Nicole Giese (Autor), 2007, Die Documenta11 - Konzept und Umsetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82704

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