Zentralbank und Zentralbankpolitik am Beispiel Russlands


Seminararbeit, 2007
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Zentralbankpolitik aus theoretischer Sicht
1.1 Rolle der Zentralbank in der Steuerung der Wirtschaftsprozesse
1.2 Formen und Instrumente der Zentralbankpolitik
1.2.1 Offenmarktgeschäfte
1.2.2 Ständige Fazilitäten
1.2.3 Mindestreserven

2. Die Zentralbank in Russland
2.1 Kleine Übersicht über die russische Zentralbank
2.2 Aufbau der russischen Zentralbank
2.2.1 The Board of Directors
2.2.2 The National Banking Board
2.2.3 The Bank of Russia Chairman
2.3 Funktionen der russischen Zentralbank und Zentralbankpolitik in Russland
2.4 Der russische Bankensektor und das Verhältnis zwischen der Zentralbank und den Geschäftsbanken

3. Zentralbankpolitik – Ihre Erfolge und Misserfolge
3.1 Das Problem der Unabhängigkeit der Zentralbankpolitik
3.2 Korruption im Bankensektor
3.3 Internationale Bewertung

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Zentralbank ist im Wirtschaftssystem einer Volkswirtschaft eine wichtige Institution. Sie sollte im Idealfall unabhängig sein und die Wirtschaft eines Landes auf lange Sicht stärken. Um dies zu bewerkstelligen, verfügt eine Zentralbank über verschieden Instrumente, die es ihr ermöglichen in die wirtschaftlichen Prozesse einer Volkswirtschaft einzugreifen und teilweise nach ihrem Willen zu gestalten. Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der russischen Zentralbank und welche Politik diese einschlägt. Ziel soll es sein, dem Leser einen Überblick über den Aufbau der russischen Zentralbank und deren Politik zu ermöglichen.

Das erste Kapitel wird die Rolle der Zentralbank in der Steuerung von Wirtschaftsprozessen aus theoretischer Sicht beleuchten. Anschließend werden die wichtigsten Instrumente vorgestellt und deren Wirkung auf eine Volkswirtschaft beschrieben. Der zweite und dritte Teil widmet sich ganz dem ausgesuchten Fallbeispiel. Das zweite Kapitel konzentriert sich hierbei auf die formalen Organe der russischen Zentralbank. Es wird erklärt, aus welchen Teilen sie zusammengesetzt sind und wer welche Mitglieder der einzelnen Organe wählt. Als nächstes wird die Politik der russischen Zentralbank untersucht, mit anderen Worten, es werden ihre Ziele und Instrumente in Augenschein genommen. Eng verknüpft mit der Zentralbankpolitik ist auch das Verhältnis der Zentralbank zu den Geschäftsbanken im Land. Wie wir später sehen werden, spielt die Zentralbank eine wichtige Rolle als Kreditgeber der Geschäftsbanken. Im dritten und letzten Kapitel geht es vor allem um die Bewertungen der bis dahin vorliegenden Erkenntnisse. Konkret wird auf die Fragestellung eingegangen, ob man die russische Zentralbank als unabhängig bezeichnen kann und ich werde meine Sichtweise erläutern. Des Weiteren wird das Problem der Korruption und deren Auswirkungen auf das russische Bankenwesen angesprochen. Am Ende findet der Leser noch einen Überblick über die internationale Bewertung des russischen Bankensektors, der Volkswirtschaft und der russischen Zentralbank und es wird versucht einen Ausblick zu geben.

1. Zentralbankpolitik aus theoretischer Sicht

1.1 Rolle der Zentralbank in der Steuerung der Wirtschaftsprozesse

Zur Zeit gibt es etwa 163 Zentralbanken (Bank for International Settlement 2007) auf der Welt. Allein die Anzahl weist darauf hin, dass es sich kaum ein Staat leisten kann ohne eine Zentralbank auszukommen. Die Hauptaufgabe der Zentralbank kann aus ihren Funktionen abgeleitet werden. Sie ist in der Regel in ihrem Land für die Umsetzung der Geldpolitik bzw. auch für deren Gestaltung verantwortlich, je nachdem wie unabhängig sie ist. Als erstes wird die Frage beantwortet, was man unter der Geldpolitik eines Landes versteht und mit welchen Instrumenten sie umgesetzt wird.

Unter Geldpolitik versteht man demnach „die Gesamtheit der Maßnahmen der Zentralbank, die darauf ausgerichtet sind, die monetären Größen so zu beeinflussen, dass dadurch primär die Preisniveaustabilität gesichert ist, und soweit wie möglich die übrigen Ziele der Wirtschaftspolitik erreicht werden“ (Mussel 2006: S. 164). In dieser Definition sind auch schon die zwei wichtigsten Funktionen einer Zentralbank benannt:

Aufrechterhaltung der Geldstabiltität

Aufrechterhaltung der Finanzstabilität

Diese zwei Hauptfunktionen findet man vor allem im Euro-Raum mit der europäischen Zentralbank als oberste Bankenautorität, aber auch in allen anderen Industriestaaten. Es gibt jedoch durchaus auch andere mögliche Ziele. So könnte ein andere Strategie starkes Wirtschaftswachstum oder aber auch hoher Beschäftigungsstand als oberstes Ziel postulieren. Auf lange Sicht gesehen macht es aber wenig Sinn, die Preisstabilität zu vernachlässigen und das Hauptaugenmerk auf beispielsweise starkes Wirtschaftswachstum zu legen und darum sind solche Ziele in der Regel den oben angesprochenen Hauptzielen untergeordnet. Welche Geldpolitik man aber auch verfolgt und dementsprechend seine Instrumente auswählt, kann man sich nie hundertprozentig sicher sein, ob diese auch den gewünschten Effekt bewirken.

„Although a lot has been written on this relation, there is still no clear consensus on how one affects the other and, in particular, whether there are trade-offs or synergies between them“ (Herrero, del Río 2005: S.3).

Neben der Rolle als Institution, welche die Geldpolitik eines Landes umsetzt und gegebenenfalls steuert, besitzt eine Zentralbank als „lender of last ressort“ eine entscheidende Bedeutung im Kreditbereich. Wie die Bezeichnung „lender of last ressort“ verdeutlicht, können Geschäftsbanken sich von der Zentralbank Geld leihen um liquide zu sein. Damit bestimmt sie auch die Geldmenge, welche im Umlauf ist. Hierzu aber später mehr.

In vielen Länder, ebenso im später beschriebenen Fallbeispiel, führt die Zentralbank auch die Bankenaufsicht des jeweiligen Landes aus. Unter Bankenaufsicht versteht man:

„concern of financial regulators with the safety and soundness of individual banks, involving the general and continuous oversight of the activities of this industry to ensure that banks are operated prudently and in accordance with applicable statues and regulations” (Ossterloo, de Haan: 2005: S. 27, zitiert nach Healy 2001).

Wie und ob eine Zentralbank ihre Rolle in der Bankenaufsicht oder als Initiator der Geldpolitik ausüben kann, hängt im großen und ganzen davon ab, ob sie unabhängig vom Staat oder nur abhängig von diesem agieren kann. Heutzutage gilt es als ziemlich sicher, dass eine unabhängige Zentralbank besser zur Geldstabilität beitragen kann als eine vom Staat abhängige Zentralbank.

„Nowadays it is widely believed that a high level of central bank independence and an explicit mandate for the bank to restrain inflation are important institutional devices to assure monetary stability” (Oosterloo, de Haan 2005: S. 25).

1.2 Formen und Instrumente der Zentralbankpolitik

Als nächstes werden nun die verschiedenen Instrumente vorgestellt, welche einer Zentralbank zur Verfügung stehen, um ihre Aufgaben durchzuführen. Im wesentlichen unterscheidet man „zwischen geldmengenpolitischen, liquiditätspolitischen, kreditpolitischen und zinspolitischen Instrumenten (Mussel 2006: S. 205). Jedoch wird in der Praxis zunehmend das Instrumentarium der Zentralbanken in drei große Gruppen unterteilt:

Offenmarktgeschäfte

ständige Fazilitäten

Mindestreserven.

1.2.1 Offenmarktgeschäfte

Unter Offenmarktgeschäften versteht man den An- und Verkauf von Wertpapieren durch die Zentralbank. Ziel ist es, unmittelbar die Geldmenge zu regulieren. Sie gelten als klassisches Instrument der Zentralbanken und werden deshalb auch häufig angewendet. Innerhalb der Offenmarktgeschäfte kann man noch zwischen einer expansiven und restriktiven Politik unterscheiden. Expansive Offenmarktpolitik liegt vor, wenn eine Zentralbank von Geschäftsbanken Wertpapiere kauft. Sie verbreitet auf diese Art zusätzlich Geld unter den Geschäftsbanken und erhöht damit deren Liquidität. Im Gegensatz dazu betreibt eine Zentralbank eine restriktive Offenmarktpolitik, wenn sie Wertpapiere an Geschäftsbanken verkauft und damit den Geschäftsbanken Geld entzieht. Die Offenmarktgeschäfte lassen sich noch mal kategorisieren. Hierzu unterscheidet man zwischen endgültigen Käufen oder Verkäufen und sogenannten Pensionsgeschäften. Während bei endgültigen Offenmarktgeschäften, wie der Name schon suggeriert, die Wertpapierankäufe oder -verkäufe auf längere Sicht getätigt werden, sind Pensionsgeschäfte kurzfristig angelegt. Demzufolge gleichen endgültige Ankäufe oder Verkäufe einer unbefristeten Geldschöpfung bzw. einer unbefristeten Geldvernichtung. Pensionsgeschäfte hingegen sind in der Regel zeitlich begrenzte Ankäufe bzw. Verkäufe und dienen primär als Feinsteuerungsinstrument zur „zeitlich begrenzten Schaffung von Zentralbankgeld“ (Mussel 2006: S.210).

1.2.2 Ständige Fazilitäten

Ein weiteres Instrument der Zentralbankpolitik ist unter dem Namen Fazilitäten zusammengefasst und bedeutet die Möglichkeit für Geschäftsbanken kurzfristig Zentralbankgeld zu beschaffen oder dort auf ein Konto einzuzahlen. Steht diese Möglichkeit den Geschäftsbanken jeder Zeit zur Verfügung, wie bei der Europäischen Zentralbank, spricht man von ständiger Fazilität (Mussel 206:227). Auch bei Fazilitäten können zwei Formen unterschieden werden:

Spitzenfinanzierungsfazilität

Einlagefazilität.

Die Spitzenfinanzierungsfazilität ist eine Möglichkeit für Banken, über Nacht Kredite aufzunehmen. Die Laufzeit für die Kredite beträgt einen Geschäftstag. Dieses Instrument zielt darauf ab, Geschäftsbanken die Möglichkeit der kurzfristigen Refinanzierung zu geben um liquide zu bleiben (Mussel 2006: S.228).

Ähnlich wie bei den Offenmarktgeschäften bietet eine Zentralbank den Geschäftsbanken auch die Möglichkeit der Einlagefazilität an. Durch dieses Instrument können Geschäftsbanken überschüssiges Geld über Nacht zinsbringend bei der Zentralbank einlagern.

1.2.3 Mindestreserven

Das Instrument der Mindestreserven ist das letzte Instrument, welches in dieser Hausarbeit vorgestellt wird. Es hat eine lange Tradition und wurde früher vor allem zum Gläubigerschutz implementiert. So mussten „[...] Kreditinstitute einen bestimmten Prozentsatz ihrer Kundeneinlagen bei der Zentralbank deponieren [...]. Damit blieb zumindest dieser Teil der Bankguthaben für Anleger (Gläubigerschutz) erhalten, sofern es zur Insolvenz des Kreditinstituts kommen sollte“ (Mussel 2006 S:231). Heutzutage spielt der Gläubigerschutz bei den Mindestreserven kaum noch eine Rolle. Er ist vor allem die „einzige Möglichkeit, direkt auf den Zentralbankgeldbedarf der Banken einzuwirken, denn das Instrument der Mindestreserven sorgt für eine unabwendbare Nachfrage nach Zentralbankgeld ns der Geschäftsbanken“ (Mussel 2006: S.231).

2. Die Zentralbank in Russland

Dieses Kapitel wird sich nun ganz auf das Fallbeispiel der russischen Zentralbank konzentrieren. Als erstes wird der formale Aufbau der russischen Zentralbank (ZBR) behandelt. Hierbei werden vor allem Informationen aus dem Federal Law On the Central Bank of the Russian Federation (Bank of Russia) mit der letzten Erweiterung vom 2.5.2007 berücksichtigt.

2.1 Kleine Übersicht über die russische Zentralbank

Um dem Leser einen Überblick über die ZBR zu ermöglichen, werden noch ein paar Fakten dem Aufbau dieser vorgestellt. Auf diese Weise ist es vielleicht möglich, einen, wenn auch kleinen, Eindruck über die ZBR zu bekommen.

Die ZBR wurde am 13.07.1990 als Nachfolger der Staatsbank der UdSSR gegründet. Die Zentrale befindet sich in Moskau, von wo aus 58 regionale Hauptverwaltungen, 19 Nationalbanken der autonomen Republiken und eine Repräsentanz in Tschetschenien geleitet werden. Des Weiteren unterstehen ihr 831 Filialen mit insgesamt 75.702 Mitarbeitern (Central Bank of the Russian Federation 2005: S. 111). Ihre Währungsreserven belaufen sich auf ca. 295.498 Mio. Euro, davon sind ca. 6.199 Mio. Euro in Gold eingelagert (Central Bank of the Russion Federation 2007) . Zum Vergleich: die Deutsche Bundesbank besitzt ca. 84.846 Mio. Euro, wovon ca. 52.809 Mio. Euro in Gold lagern (Deutsche Bundesbank 2007).

2.2 Aufbau der russischen Zentralbank

Die ZBR besteht grundlegend aus drei Organen bzw. Akteuren, welche zur Lösung verschiedener Aufgaben geschaffen wurden:

The Board of Directors

The National Banking Board

The Bank of Russia Chairman

2.2.1 The Board of Directors

Das Board of Directors ist das oberste Beschlussorgan der russischen Zentralbank. Es setzt sich aus dem Präsident der russischen Zentralbank plus zwölf Mitgliedern zusammen. Diese werden hierbei vom Präsidenten der ZBR vorgeschlagen und von der Duma, dem Parlament, mit Einverständnis des russischen Präsidenten auf vier Jahre ernannt. Die Entlassung erfolgt durch das Parlament auf Vorschlag des Präsidenten. Entscheidungen im Board of Directors werden bei einer Mehrheit von 7 Stimmen getroffen. Seine wichtigste Aufgabe ist es, zusammen mit der russischen Regierung Richtlinien für die Geld- und Kreditpolitik zu erarbeiten. Zu diesen Richtlinien gehört z.B. die Größe des autorisierten Kapitals.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Zentralbank und Zentralbankpolitik am Beispiel Russlands
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Transformation des Finanz- und Bankensektors in den Ländern Osteuropas, Zentralasiens und des Kaukasus
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V82746
ISBN (eBook)
9783638896696
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zentralbank, Zentralbankpolitik, Beispiel, Russlands, Transformation, Finanz-, Bankensektors, Ländern, Osteuropas, Zentralasiens, Kaukasus
Arbeit zitieren
Michael Schmitt (Autor), 2007, Zentralbank und Zentralbankpolitik am Beispiel Russlands, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82746

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