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Vielleicht liegt der Grund der verschiedenen Erklärungsversuche für das Phänomen der Willenschwäche darin dass dieses Problem einen Schnittpunkt zwischen Philosophie und der jeweils unterschiedlichen Psychologie der Menschen belegt, möglicherweise ist Willensschwäche gar nicht durch eine rationale Handlungstheorie erklärbar?
Dennoch werde ich mich hier gänzlich auf die Erklärungsversuche der Philosophen verlassen, und das Feld der Psychologen aus Platzgründen, nicht untersuchen.
Mit dieser Arbeit möchte ich mich den philosophischen Erklärungen für Willenschwäche zuwenden und die Plausibilität dieser Thesen untereinander vergleichen.
Zunächst möchte ich kurz die klassischen Thesen von Sokrates und Platon, sowie Aristoteles umreißen um dann genauer auf die Standpunkte von Donald Davidson und Ursula Wolf einzugehen. Danach werde ich die Positionen versuchen zu vergleichen und, als Kommentar, ihre Plausibilität aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Die Thesen von Platon, Sokrates, Aristoteles, Davidson und Wolf
1.1 Platons und Sokrates These zu Willenschwäche
1.2 Aristoteles These zu Willensschwäche
1.3 Donald Davidsons These zu Willensschwäche
1.4 Wolfs These zu Willenschwäche
2. Zusammenfassung und Abschlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit befasst sich mit dem philosophischen Problem der Willensschwäche (Akrasia) und untersucht die theoretischen Erklärungsversuche klassischer sowie moderner Denker. Das zentrale Ziel ist es, die Plausibilität der Thesen von Sokrates, Platon, Aristoteles, Donald Davidson und Ursula Wolf zu vergleichen, um zu ergründen, warum Menschen entgegen ihrem besseren Wissen oder Urteil handeln.
- Philosophische Analyse des Handlungsbegriffs und praktischer Vernunft.
- Kritische Gegenüberstellung von Wissensbegriffen in der Handlungsphilosophie.
- Untersuchung der Rolle von Konflikten zwischen Vernunft und Begierde.
- Evaluation des Begriffs der Selbsttäuschung als psychologisches Instrument.
- Hinterfragung rationaler Handlungstheorien in Bezug auf die Lebenswirklichkeit.
Auszug aus dem Buch
1.2 Aristoteles These zu Willensschwäche
Wie schon in der Einleitung erwähnt lehnt er die platonische und sokratische Darstellung zu Willensschwäche als „…nicht der Wirklichkeit entsprechend…“ ab.
Er führt die analytische Verbindung von Urteil, Wille und Handlung ein. Sie ist eine Erklärung für absichtliches Handeln. Aristoteles hat ihr mit dem praktischen Syllogismus eine Form gegeben, auf die sich die Philosophen immer wieder bezogen haben, um Handlungen mittels Handlungsgründen zu erklären. In dieser Vorstellung wird ein bestimmter Sachverhalt als wünschenswert angesehen und ein Urteil gefällt, dass eine bestimmte Handlung diesen Sachverhalt herbeiführen wird. Dieser Wunsch und diese Überzeugung führen dann zu der entsprechenden Handlung.
Aristoteles gibt dem Phänomen der Willensschwäche einen anderen Namen, und zwar „Akazie“, welchen er mit „Unbeherrschtheit“ übersetzt.
Seiner Charakterisierung des „Unbeherrschten“ nach ist jemand, der „weiß, dass sein Handeln verwerflich ist…unter dem Einfluss der Leidenschaft“, aber trotzdem so handelt, „während der Beherrschte weiß, dass sein Begehren verwerflich ist, und ihm daher – unter dem Einfluss der reflektierenden Kraft – nicht Folge leistet.“
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Einführung in das Phänomen der Willensschwäche und die Problematik, dieses innerhalb der rationalen Handlungstheorie konsistent zu erklären.
1. Die Thesen von Platon, Sokrates, Aristoteles, Davidson und Wolf: Detaillierte philosophische Gegenüberstellung, die zeigt, wie die verschiedenen Denker versuchen, die Unlogik des Handelns wider besseren Wissens durch unterschiedliche Konzepte von Wissen, Syllogismen und Selbsttäuschung zu lösen.
2. Zusammenfassung und Abschlussbemerkungen: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Hinterfragung der allgemeinen Gültigkeit rationaler Handlungstheorien angesichts menschlicher Irrationalität.
Schlüsselwörter
Willensschwäche, Akrasia, Handlungsphilosophie, Praktischer Syllogismus, Vernunft, Begierde, Selbsttäuschung, Rationale Handlungstheorie, Aristoteles, Donald Davidson, Ursula Wolf, Handlungsentscheidung, Motivation, Irrationalität, Unbeherrschtheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das philosophische Problem der Willensschwäche, also das Phänomen, dass Menschen absichtlich gegen ihr eigenes besseres Wissen oder Urteil handeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Handlungsphilosophie, das Verhältnis von Vernunft und Leidenschaft sowie die Konzepte von Wissen und Handlungsfreiheit bei verschiedenen Philosophen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist ein kritischer Vergleich der Ansätze von Sokrates, Platon, Aristoteles, Davidson und Wolf, um deren Plausibilität hinsichtlich der Erklärung willensschwachen Handelns zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die philosophische Text- und Diskursanalyse, um die Theorien der genannten Denker zu rekonstruieren, zu vergleichen und kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich chronologisch und thematisch den jeweiligen Thesen: von der sokratisch-platonischen Leugnung des Problems bis hin zu modernen Ansätzen wie Wolfs Konzept der Selbsttäuschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Willensschwäche (Akrasia), praktische Vernunft, Syllogismus, Selbsttäuschung und Handlungsentscheidung.
Warum lehnt Aristoteles die sokratische Position ab?
Aristoteles lehnt sie ab, weil sie nicht der Wirklichkeit entspricht. Er führt das Konzept des praktischen Syllogismus ein, um zu erklären, wie Wissen und Begierde in einem Konflikt stehen können.
Was genau versteht Ursula Wolf unter Selbsttäuschung?
Wolf sieht Selbsttäuschung als psychologisches Instrument, das es Menschen ermöglicht, ein grundlegendes Prinzip aufrechtzuerhalten, während sie im Einzelfall kurzfristigen Begierden nachgeben.
- Arbeit zitieren
- Udo Sassner (Autor:in), 2006, Klassische Thesen sowie Donald Davidsons und Ursula Wolfs Ansichten zu Willensschwäche im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82753